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Geforce Now

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PC-Spiele auf dem Smartphone zocken - dank Cloud-Gaming-Diensten wie Geforce Now oder Magenta Gaming funktioniert das überraschend gut. TechStage zeigt, welche Cloud-Gaming-Ansätze es gibt und welches Zubehör sinnvoll ist.

Mit den absolut überzogenen Preisen für Grafikkarten fragen sich Spieler, ob es keine günstigere Alternative gibt. Cloud-Gaming bietet sich hier an. Denn während die Preise für CPUs und GPUs massiv steigen, fallen die Kosten für schnelle virtuelle Systeme in der Cloud. Da liegt es nahe, dass man Spiele wie Filme oder Musik einfach streamt. Der große Vorteil dabei: Worauf man zock, ist dann fast völlig egal. Magic: The Gathering Arena auf dem Macbook ist genauso möglich wie Valheim auf einem Smartphone.

War Cloud-Gaming vor ein paar Jahren noch der Bereich von Freaks und Reddit-Usern, sind inzwischen große Firmen aufgesprungen. Nvidia Geforce Now, Magenta Gaming von der Telekom, Google Stadia, Xbox Game Stream oder das kommende Amazon Luna sind die größten Beispiele. Dazu gibt es kleinere Player, etwa Shadow oder Parsec, und Open-Source-Ansätze wie Moonlight. Gemein ist den Angeboten, dass man den Gaming-Rechner irgendwo in die Cloud verlagert und auf dem Endgerät einen passenden Client einrichtet.

Es kristallisieren sich mehrere Arten von Angeboten heraus: Abomodelle mit einem Katalog an Inklusiv-Spielen und Dienste, bei denen der Spieler seine eigenen Games aus Epic, Steam, UPlay oder GOG mitbringt. Beide haben Vor- und Nachteile. Bei den Abos mit Katalog, wie es etwa die Telekom mit Magenta Gaming anbietet oder Microsoft mit Xbox Cloud Gaming plant, ist man auf die Titel beschränkt, die angeboten werden.

Einen anderen Weg gehen Geforce Now oder (das leider insolvente) Shadow. Dort greift man über die Streaming-Dienste auf eigene Spiele zu, die man bei Steam, Good old Games (GOG), UPlay, Epic oder anderen Diensten besitzt. Shadow ging dabei am weitesten, der Anbieter gab jedem Nutzer ein eigenes virtuelles Windows 10, auf dem man beliebige Spiele installieren und auf Clients für Windows, Mac oder Smartphones streamen konnte. Geforce Now von Nvidia greift ebenfalls auf die Bibliotheken von Steam und Co zu, allerdings werden nicht alle Spiele unterstützt, sondern lediglich fürs Streaming optimierte.

Eine weitere Alternative ist Google Stadia. Groß gelauncht fristet der Dienst inzwischen eher ein Nischendasein. Die versprochenen Blockbuster-Spiele wurden auf Eis gelegt, das zugehörige Studio geschlossen. Stadia-Spieler können einen Großteil der Spiele bei dem Dienst kaufen, wir würden davon aber abraten. Google hat eine Historie damit, Dienste einzustellen, wie die Seite KilledByGoogle eindrucksvoll zeigt. Was dann mit den Spielen passiert, ist nicht klar. Alternativ gibt es mit Stadia Pro eine Abo-Dienst, der aber nur einen Bruchteil der verfügbaren Games bietet.

Wer sich sein eigenes Streaming-System bauen möchte, der sollte sich Moonlight genauer ansehen. Das Open-Source-Projekt setzt auf das GameStream-Protokoll von Nvidia auf, um Spiele von einem PC auf Android oder iOS zu streamen. Dabei kann der Rechner im Wohnzimmer oder irgendwo in der Cloud stehen. Man muss sich allerdings selbst um den Aufbau kümmern. Wer sich davor nicht scheut, der sollte Moonlight eine Chance geben.

Shadow und eigene Ansätze mit Moonlight haben den großen Vorteil, dass man nicht nur die Spiele selbst damit zocken, sondern auch Mods verwenden kann. Das ist gerade dann wichtig, wenn man Spiele wie Skyrim oder Fallout spielt.

Wo immer möglich sollte man LAN-Verbindungen nutzen, etwa am PC, Mac oder einem Fernseher. Ist nur WLAN vorhanden, sollte man das jeweilige Endgerät im Router priorisieren. LTE kann schnell genug sein, allerdings frisst Spiele-Streaming etwa so viele Daten wie Videostreaming.

Bei den Clients hat man fast die freie Gerätewahl. Die meisten Cloud-Gaming-Systeme unterstützen Windows, Apple Mac OS, Android und iOS. Dazu gibt es einige, die über den Browser streamen können.

Im unten verlinkten uplink-Video geben die Kollegen der c't mehr Informationen zur Funktionsweise und vor allem zur Latenz.

Für unseren Test verwenden wir Geforce Now. Der Grund dafür ist simpel: Der normale Account ist kostenlos. Allerdings kann es vorkommen, dass man dann etwas warten muss, bis man einen Server bekommt. Zudem wird die Sitzung nach einer Stunde getrennt. Um Cloud Gaming auszuprobieren, ist das aber völlig ausreichend. Geforce Now streamt die Inhalte in Full-HD (1920 x 1080 Pixel) und versucht, 60 Bilder pro Sekunde (fps) zu liefern. Die Spiele aus dem Katalog sind für den Dienst optimiert und starten mit den höchstmöglichen Details. Achtung: In der kostenlosen Version ist kein Raytracing per RTX aktiv. Dazu muss man das Premium-Abo abschließen, das kostet knapp 10 Euro pro Monat.

Die Einrichtung ist einfach. Man meldet sich bei Geforce Now an, entweder über den Browser oder die jeweilige App. Hier meldet man sich mit seinem Nvidia-Account an und kann anschließend den Steam-Account synchronisieren. Dazu muss allerdings das Steam-Profil samt der Spieledetails auf öffentlich stehen. Anschließend sollten alle unterstützen Steam-Spiele direkt im Client auftauchen. Im Test hatten wir das Problem, dass das System länger gebraucht hat, bis es unsere eigentliche aktive Anmeldung erkannt hat. Das mag mit einer derzeit hohen Zugriffslast auf den Dienst zusammenhängen. Falls hier Probleme auftauchen, hilft es, etwas abzuwarten.

Grundsätzlich reicht es aber, nach der Anmeldung und mit aktivem Test-Account auf das jeweilige Spiel zu klicken. Anschließend startet der Streaming-Client, verbindet sich mit dem Rechenzentrum und sucht nach freien Ressourcen. Sobald man einen Slot hat, kann man loszocken. Beim ersten Start fällt eventuell eine Konfiguration an.

Wir haben inzwischen mehrere Stunden Valheim auf dem Asus ROG Phone 3 gespielt und parallel lange Sessions von Magic: The Gathering Arena über das Macbook ausprobiert. Gerade bei solchen Spielen, in denen es nicht auf extrem schnelle Reaktionen ankommt, spielt der Streaming-Dienst seine Stärken voll aus. Das lohnt sich für alle, deren Gaming-PC zu alt ist für die aktuellen Titel oder die ihren Rechner an Kinder oder ans Homeoffice verloren haben.

Ebenfalls cool ist es, Spiele am großen TV zu zocken. Solange das eigene WLAN oder besser LAN schnell genug ist, kann Geforce Now anderen Konsolen Konkurrenz machen. Und wenn man keinen Client installieren kann oder darf? Kein Problem, Nvidia testet gerade, wie gut Streaming im Browser funktioniert. Wer möchte, der kann mitmachen, unterstützt werden derzeit Chrome-basierte Browser sowie Safari auf Mac OS und iOS.

Der größte Vorteil ist aber wahrscheinlich der Preis für Spiele. Allein in Steam Sales kann man sehr günstig gute Spiele abräumen. Darüber hinaus will Nvidia alle Spiele schnell unterstützen, die bei der wöchentlichen Geschenkaktion von Epic anfallen. Mit der Zeit füllt man so seine virtuelle Spielebibliothek mit sehr guten und innovativen kostenlosen Titeln. Allerdings kann es auch sein, dass einzelne Games nicht im Nvidia-Katalog sind oder wieder herausfallen. GTA V beispielsweise ist nicht im Katalog enthalten, sehr schade. Dafür sind Knaller wie The Witcher 3, Cyberpunk 2077 oder Free-to-Play Favoriten wie Apex Legends, Fortnite oder Warframe über Geforce Now gut spielbar. Und wenn man dann den eigenen Rechner irgendwann aufrüstet, kann man die Spiele einfach dahin mitnehmen.

Wer am PC oder Mac spielt, dem reichen normalerweise Maus samt Tastatur. Am Smartphone gibt es meist Bedienelemente auf dem Touchscreen, die verdecken aber einen Teil des Sichtfeldes. Wer seine Spiele an den Fernseher streamt, entweder über Apps auf Android-TV oder über ein Media-Center (Vergleich) wie das Nvidia Shield (Testbericht), der braucht in jedem Fall einen Controller. Die gute Nachricht ist, dass gerade Spiele, die es auch auf Konsolen gibt, mit Gamepads bequem zu steuern sind. Gerade Microsofts Xbox-Gamepad ist der De-Facto-Standard für Gamepads, egal ob Original oder Nachbauten. Wer so einen Controller hat, der sollte alle Spiele zocken können. Einschränkungen kann es bei Titeln aus dem Bereich Echtzeitstrategie oder Simulation geben, wer vor allem First- und Third-Person-Shooter oder Survival-Games wie Minecraft oder Valheim spielt, der kann sich aber bequem zurücklehnen.

In der Praxis haben wir gerade mit dem Streaming von Valheim auf Geforce Now am Smartphone sehr gute Erfahrungen gemacht. Wir nutzen dafür das Asus ROG Phone 3 (Testbericht), das mit einem optional ansteckbaren Gamepad kommt. Dieses Feature kann man aber bei nahezu jedem Smartphone nachbauen. Natürlich kann man jeden Bluetooth-Controller einfach mit dem Smartphone koppeln, es gibt aber spezielle Gamepads, die Halterungen für das Gerät mitbringen oder sich seitlich aufstecken lassen. Solche Produkte stellen wir im Detail im Ratgeber 7 Gamepads für Handys im Test: Spielspaß für unterwegs vor.

Egal für was man sich entscheidet, wichtig ist, dass der Controller Bluetooth besitzt und mindestens die Tastenanzahl der Xbox-Controller. Mehr Tasten sind immer gut, bei weniger Tasten kann es aber dazu kommen, dass sich bestimmte Funktionen nicht belegen lassen.

Wer sowieso nach einem neuen Smartphone sucht und Cloud Gaming stärker nutzen möchte, der sollte ein paar Dinge beachten. Grundsätzlich lohnt sich ein großer Bildschirm. Dazu sollte man ein möglichst schnelles WLAN nehmen, WiFi-6 ist zukunftstauglich und zum Vorgänger kompatibel. Die speziellen Gaming-Smartphones lohnen sich ebenfalls. Nicht nur wegen der normalerweise guten Displays, sondern weil sie oft spezielle Gaming-Features bieten. Dazu gehören etwa ansteckbare Controller oder Schulter(sensor)tasten. Mehr zu passenden Smartphones zeigt unsere Themenwelt Gaming-Smartphones.

Ist Cloud Gaming die Zukunft, eine nette Spielerei oder einfach eine solide Alternative? Wir tendieren aktuell zur dritten Aussage. Wenn Internetzugang und (W)LAN schnell genug sind, kann man mit Geforce Now und Co viel Spaß haben. Keine Konsole, kein PC bietet für knapp 100 Euro pro Jahr einen dermaßen breite Spieleauswahl und so einfache Installation. Allerdings sind auch Grenzen gesetzt, etwa bei der Auflösung oder beim Spielekatalog.

Spannend ist aber zu sehen, wie viele Player auf diesen Markt drängen. Amazon, Microsoft und Nvidia wollen jetzt erst durchstarten, Google dagegen scheint sich eher wieder zurückzuziehen. Kleinere Player, etwa Shadow oder Parsec, leiden teilweise unter ihrem Erfolg, könnten aber solide Nischen anbieten. Und wer darauf keine Lust hat, der kann ein eigenes System auf Basis von Moonlight aufsetzen.

Wer gerne zockt, der sollte Game Streaming mal ausprobieren, die meisten Systeme lassen sich kostenlos zumindest antesten. Wir würden allerdings davon abraten, ein System zu nutzen, bei dem man jedes Spiel dediziert kaufen muss. Besser ist ein Abo mit Spielekatalog oder die Möglichkeit, die Sammlung von Steam oder Epic mit dem Dienst zu nutzen.

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