Ooono, Saphe, POI Pilot: Radar- & Blitzerwarner ab 40 Euro im Vergleich

Radarwarner

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Radarwarner sind teuer und unzuverlässig. Die nächste Generation der Warner für Blitzer und Gefahren im Straßenverkehr basiert auf einer aktiven Community, GPS und günstigen Bluetooth-Empfängern zur blinkenden und bimmelnden Integration ins Auto. Wir haben vier Lösungen ausprobiert.

Vor vielen Jahren konnte ich mal einen „richtigen“ Radarwarner im Einsatz sehen. Das Gerät war etliche hundert Euro teuer, sah aus wie ein Equipment des US-Militärs, hatte Display, viele Knöpfe – und hat so oft vor vermeintlichen Radarfallen gewarnt, dass der Fahrer zumindest nicht mehr zu schnell unterwegs war. Grund dafür: Einige der von Verkehrsüberwachungsanlagen genutzte Radarfrequenzen kommen auch an anderen Stellen zum Einsatz, etwa in den Sensoren von automatischen Ladentüren.

Innerorts bimmelt es daher regelmäßig. Dazu kommt, dass die hierzulande gerne verwendeten mobilen Blitzer mit Lichtschranken mit Sensorik grundsätzlich nicht zu erfassen sind. Und Laserpistolen lösen den Warner – ausgestattet mit externen Zusatzsensoren – zwar aus, aber erst dann, wenn die Messung bereits abgeschlossen ist.

Die nächste Generation der „Gefahrenstellenwarner“ – mehr zur rechtlichen Situation weiter unten – arbeitet viel simpler, ist viel günstiger und funktioniert überraschend zuverlässig. Hauptgrund: Es gibt keine Sensoren. Stattdessen meldet die Community Blitzer am Straßenrand, ähnlich wie beim Radiosender, per Tastendruck statt Anruf. Haben genügend Nutzer einen Blitzer gemeldet, taucht er in der Datenbank auf und wird an andere Nutzer weitergegeben, die ihn beim Vorbeifahren wiederum mit einem Tastendruck kurz bestätigen, wenn sie ihn sehen. Wird der Blitzer lang genug nicht mehr bestätigt, verschwindet er wieder aus der Liste.

Ohne Hardware funktioniert das schon seit Jahren per App, in Deutschland ist etwa Blitzer.de bekannt. Neu sind die kleinen Bluetooth-Empfänger, etwa von Ooono oder Saphe. Sie werden im Auto angebracht, je nach Modell beispielsweise mit einer steckbaren Lüftungsgitter-Halterung oder mit doppelseitigem Klebeband. Kabel verlegen oder eine zusätzliche Stromversorgung ist nicht nötig, die kleinen Kästen arbeiten mit Knopfzelle (Ooono) oder integriertem Akku (Saphe). Auf dem Smartphone läuft die zugehörige App, die sich in beiden Fällen unter anderem auch der Datenbank von Blitzer.de bedient.

Steigt man ins Auto, wachen die Geräte dank Bluetooth Low Energy ohne Tastendruck und manuelles Zutun auf. Sie melden kurz durch freudiges Blinken und Trillern, dass sie mit dem Smartphone verbunden sind. Die Handy-App benötigt Zugriff auf GPS-Daten, verfolgt die Route des Fahrers – und schlägt in der Nähe einer von der Community gemeldeten Gefahrenstelle (wie Glatteis oder Stauende in einer Kurve) sowie in der Nähe von stationären und mobilen Blitzern für Alarm.

Wir haben drei Produkte dieser Art ausprobiert: Ooono und Saphe Drive Mini sowie Saphe MC Verkehrsalarm für Motorrad. Ooono ist sehr minimalistisch, ein kleiner runder Knopf mit Lautsprecher, LEDs und einer Taste. Auf der Rückseite befinden sich doppelseitige Klebepads zur Montage, optional gibt es andere Halterungen. Im Alarmfall ertönt ein aufdringlicher Ton, dazu blinken blaue LEDs – Zeichen für einen Blitzer. Der Betrieb erfolgt über eine Knopfzelle vom Typ CR2450, deren Zustand in der Handy-App erscheint. Dort lassen sich auch die Einstellungen vornehmen, etwa die Lautstärke des Warntons, ob eine Warnung von Radarfallen erfolgen soll oder nur vor Gefahrenstellen und wie früh der Alarm ertönen soll. Ein Druck auf den Ooono-Knopf meldet einen Blitzer, ein Doppeltipp eine Gefahrenstelle an die Community zurück. Ooono ist immer wieder mal im Angebot und ansonsten für um die 40 Euro zu haben. Die Knopfzelle hielt ein gutes halbes Jahr und über 10.000 km durch, will nun aber gewechselt werden.

Der Saphe Drive Mini ist ein Stück teurer. Dafür gibt es ein kleines Farbdisplay und zwei getrennte Knöpfe für die Gefahren- und Blitzermeldung; außerdem sind zwei Klebehalterungen im Paket enthalten. Der Stromverbrauch ist aufgrund des Displays etwas höher, dafür hat das kleine Gerät aber auch einen integrierten Akku mit Micro-USB-Ladeport. Die meiste Zeit ist die Anzeige übrigens aus – nur im Alarmfall wird etwa eine Kamera-Linse und ein 50-km/h-Schild angezeigt.

Der Saphe MC für Motorradfahrer sitzt nicht im Blickfeld und hat keine Knöpfe für die Rückmeldung. Stattdessen wird das kleine Gerät – etwa so groß wie ein Bluetooth-Schlüsselanhänger – im Helm untergebracht und meldet Blitzer und Gefahren akustisch.

Dieses vierte Gerät in unserem Vergleichstest nimmt eine Sonderrolle ein. Grundfunktion und Datenbasis sind identisch, aber statt einer Bluetooth-Verbindung zur Smartphone-App bringt der POI Pilot eine SIM-Karte samt Internet-Modul und einen GPS-Empfänger mit. Bei Ooono und Saphe übernimmt das Smartphone die eigentliche Arbeit. Es erkennt über die Bluetooth-Verbindung, wann man im Auto sitzt, um dann die aktuelle Position mit den Koordinaten von Gefahrenstellen aus einer Online-Datenbank abzugleichen. Kommt man in die Nähe eines bekannten oder gemeldeten Blitzers, Stauendes oder an eine Glatteis-Zone, wird der Alarm an das Bluetooth-Gerät im Auto übermittelt, was durch Blinken und Piepsen auf sich aufmerksam macht.

Das Konzept des POI Pilot Connected hat Vor- und Nachteile. Der große Vorteil ist freilich die Unabhängigkeit vom Mobiltelefon. Man verbraucht weder mobile Daten noch den Energievorrat im Akku des Smartphones und das Gerät funktioniert unabhängig von Auto, Besitzer, Smartphone oder App. Dafür ist das Gerät deutlich größer und erinnert an die Miniatur-Ausführung eines klassischen Radarwarners. Eine unauffällige Montage wie bei den Bluetooth-Alternativen ist zumindest mit dem mitgelieferten Saugnapfhalter für die Windschutzscheibe nur schwer möglich. Im Praxistest hat der Beifahrer das Gerät aber einfach im Becherhalter platziert, wo es wunderbar funktioniert hat. Außerdem benötigt das Gerät wesentlich mehr Strom; zum Ausgleich liegt ein Ladeadapter für den Zigarettenanzünder mit im Karton.

Eine SIM-Karte wird mitgeliefert, Blitzerdaten und Datenvolumen sind für drei Jahre im Kaufpreis inbegriffen. In einer früheren Version dieses Artikels haben wir geschrieben, dass sich die Abdeckung auf Deutschland, Österreich und die Schweiz bezieht. Das ist nicht korrekt, der POI Pilot Connected deckt das europäische Straßennetz ab. Bei der Inbetriebnahme muss man das Gerät beim Hersteller registrieren. Die Webseite war zum Testzeitpunkt nicht fürs Handy optimiert; das hat der Hersteller inzwischen geändert. Der Registrierungsprozess geht flott vonstatten und verzichtet auf die Angabe von persönlichen Daten – selbst Vor- und Nachname sind optionale Felder.

Während der Fahrt über 10 km/h zeigt das kleine Display die per GPS gemessene Geschwindigkeit. Im Stand ist die Uhrzeit zu sehen, zudem immer ein digitaler Kompass. Die Einstellungen sind über die drei Tasten und das kleine Display in Kombination mit Sprachausgabe fummeliger zu erreichen als bei den Apps der Konkurrenz, lassen sich aber auch über das Web-Interface des Anbieters ändern.

Circa 300 Meter vor einer Gefahrenstelle meldet sich eine angenehme Damenstimme, die mit präzisen Angaben – etwa „50-km/h-Ampelblitzer” auf die markierte Position hinweist. Die Entfernung in Metern ist auf der Anzeige zu sehen. Zwischendurch meldet die Dame auch mal, dass aktuellere Daten gezogen wurden. Wie oft das passiert, kann der Nutzer einstellen – standardmäßig alle zehn Minuten. Die Datenbasis ist die gleiche wie bei Saphe und Ooono.

Freilich ist der POI Pilot mit 130 Euro deutlich teurer als die Konkurrenz, die sich auf die Hardware des bereits vorhandenen Smartphones bedient. Wer auf die SIM-Karte und die automatischen Online-Updates verzichten kann, bekommt das Gerät auch schon für 50 Euro – muss die Blitzerdaten dann aber vor der Fahrt per USB auf den kleinen Bruder des POI Pilot Connected kopieren. Updates gibt's dann erst wieder am Computer.

In der Praxis schlagen sich die Warner bestens: Montieren und vergessen, zumindest, bis die Batterie leer ist. Sie wachen beim Losfahren aus, gehen wieder schlafen und melden sich idealerweise die ganze Fahrt über nicht. Nur den POI Pilot muss man per Schalter ein- und ausschalten, wenn man ihn nicht mit dem Zigarettenanzünder verbindet. Dann schaltet sich das Gerät automatisch mit der Zündung ein und geht zwei Minuten nach dem Abstellen des Autos wieder aus.

Geht der Alarm los, startet die Nervosität. Was ist jetzt los? Wo und wie viel? Zwar gibt es immer einen Hinweis auf dem Smartphone, aber das ist während der Autofahrt gut verstaut. Je nachdem, wo man gerade unterwegs ist – etwa auf einer Autobahn oder Landstraße – reicht ein kurzes Piepsen aus. In der Stadt sind mehr Informationen hilfreich, weswegen sich das kleine Display des Saphe Drive Mini einen Extra-Punkt verschaffen konnte. Rotlichtblitzer, Geschwindigkeitsblitzer und Gefahrenstellen werden gesondert dargestellt.

In einem Fall bimmelten die Geräte, weil eine Autobahn in einer Stadt über einem Rotlicht-Blitzer verlief. Eine echte routenbasierte Warnung gibt es also nicht, sondern eher eine umkreisbasierte Warnung. Dazu passt, dass bei Standortmeldungen durch die Community die Fahrtrichtung ignoriert wird, frei nach dem Motto „lieber einmal zu oft als zu selten gewarnt“. Gleiches gilt für Tunnel: Wir haben vor einem Tunnel mit mehreren Blitzern eine Warnung erhalten, im Tunnel – mangels GPS – aber nicht.

Die Datenbasis ist übrigens bei Ooono und Saphe identisch, wie wir in Stichproben herausgefunden haben: Mobile Blitzer sind mehr oder weniger gleichzeitig bei beiden Anbietern auf der Karte aufgetaucht und auch wieder verschwunden. Kein Wunder, schließlich bedienen sich beide Anbieter in Deutschland auch der Datenbank von Blitzer.de.

Paragraph 23 der Straßenverkehrsordnung ist eindeutig:

Wer ein Fahrzeug führt, darf ein technisches Gerät nicht betreiben oder betriebsbereit mitführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören. Das gilt insbesondere für Geräte zur Störung oder Anzeige von Geschwindigkeitsmessungen (Radarwarn- oder Laserstörgeräte). Bei anderen technischen Geräten, die neben anderen Nutzungszwecken auch zur Anzeige oder Störung von Verkehrsüberwachungsmaßnahmen verwendet werden können, dürfen die entsprechenden Gerätefunktionen nicht verwendet werden.

Oder auf Deutsch: Die Gefahrenwarnung ist zulässig, die Blitzerwarnung nicht – zumindest nicht, wenn der Fahrer sie benutzt. Was Beifahrer machen, ist hier nicht geregelt. Ooono sagt dazu:

In Deutschland befindest Du Dich mit dem Ooono Verkehrsalarm in einer rechtlichen Grauzone, da die Verwendung von Radarwarnern nach StVO zwar verboten, Warnungen vor allgemeinen Gefahrenstellen aber erlaubt sind. Wer ein aktives oder betriebsbereites Gerät im Auto hat, begeht eine Ordnungswidrigkeit.“

Man könnte wohl Artikel füllen, die länger sind als dieser, um über die Frage zu diskutieren, ob solche Geräte sinnvoll sind oder moralisch verwerflich. Fakt ist: Der praktische Einsatz von Blitzerwarnern ist für Fahrer von Autos verboten, der Verkauf, der Einbau und die Nutzung von Teilfunktionen sind in Ordnung. Auch Beifahrer dürfen damit hantieren. Unumstritten praktisch und legal sind dagegen die elektronischen Parkscheiben.

Beim Blick auf die Geräte fällt auf: Sowohl Ooono als auch Saphe haben ihre Sache sehr gut gemacht. Die kleinen Warner sind toll ins Auto zu integrieren, simpel, günstig und durchdacht. Die Apps funktionieren gut und lassen keine Fragen offen.

Wer auf Minimalismus steht, ist mit Ooono bestens bedient. Wer lieber mehr Informationen haben möchte und öfters auch in bebauteren Gebieten unterwegs ist, freut sich über das kleine Display des Saphe Drive Mini.

Wer wechselnde Fahrer oder Smartphones hat oder weder Akku noch Datenvolumen des Handys beim Fahren belasten will, bekommt mit dem POIpilot Connected eine erstklassige Alternative zu den App-Warnern.

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