Ohne Cloud und Internet: Diese Smart-Home-Systeme funktionieren auch offline

Smart Home ohne Cloud: Geräte mit Tasmota benötigen keine Cloud

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Viele Smart-Home-Geräte funktionieren nur mit einer Verbindung ins Internet. Doch es gibt auch Ausnahmen, die eine Offline-Nutzung gewährleisten. Und mit dem kommenden Smart-Home-Standard Matter soll die Funktionalität grundsätzlich ohne Cloud möglich sein.

Gängige Smart-Home-Systeme nutzen das Internet, sodass Anwender etwa ihre smarten Geräte im eigenen Zuhause auch aus der Ferne bedienen können. Fällt das Internet aus, ist ein mobiler Zugriff in der Regel nicht mehr möglich. Das ist aber nicht die einzige Einschränkung. Zahlreiche Geräte erhalten ihre "Intelligenz" aus der Cloud, die dann ebenfalls nicht mehr zur Verfügung steht.

Das betrifft nicht nur smarte Lautsprecher wie Amazon Alexa, Apple Siri, Google Assistant oder Samsung Bixby, sondern auch zur Steuerung verwendete Routinen wie Wenn-Dann-Regeln, die viele Smart-Home-Systeme in der Cloud ablegen. Ohne Cloud respektive Internetverbindung funktionieren diese Routinen oft nicht mehr und neue können nicht angelegt werden.

Und noch eine Gefahr droht Nutzern, wenn Smart-Home-Geräte nicht lokal, sondern ausschließlich über das Internet gesteuert werden: Geht ein Smart-Home-Anbieter pleite, können die Folgen für die Anwender noch gravierender sein als ein kurzer Ausfall des Internets. So geschehen Mitte April, als der Smart-Home-Anbieter Insteon von einem Tag auf den anderen kurzerhand sämtliche seiner Server abschaltete und Nutzer ihre Geräte seitdem nicht mehr steuern können.

Das Beispiel zeigt, dass man bei der Auswahl seines Smart-Home-Systems darauf achten sollte, dass sich daran angebundene Geräte auch lokal ansteuern lassen, sodass man sie beim Ausfall des Internets oder bei einer Firmenpleite weiterhin betreiben kann. Neben der höheren Resilienz des Smart-Home-Systems spricht ein weiteres Argument für eine lokale Ansteuerung der Smart-Home-Geräte: Datenschutz. Wer möchte schon gerne, dass Nutzungsdaten über die Verwendung seiner im eigenen Zuhause genutzten Geräte auf fremden Servern landet? Last but not least profitiert auch die Sicherheit durch eine lokale Steuerung von Smart-Home-Komponenten, da Hacker potenziell unsichere IoT-Verbindungen nicht mehr als Einfallstor in das heimische Netzwerk nutzen können.

Sicher ist aber auch, dass ein Cloud-freies Smart Home zwar realisierbar, jedoch für die meisten Menschen kaum wünschenswert ist. Während ein Fernzugriff noch per VPN gelöst werden kann, stehen Anwender bei einem Verzicht auf die Cloud etwa vor stummen Sprachassistenten. Anweisung wie "Computer, schalte das Licht im Bad aus" bleiben dann folgenlos.

Bei der Auswahl eines Smart-Home-Systems sollten Nutzer daher nach folgender Regel verfahren: So wenig Cloud wie möglich und so viel Cloud wie nötig.

Auch die Anbieter von Smart-Home-Systemen adressieren die Problematik, dass bei einer fehlenden Internetverbindung Anwender mit Funktionseinschränkung rechnen müssen. So soll unter anderem der kommende Smart-Home-Standard Matter nicht nur für eine Interoperabilität zwischen Smart-Home-Komponenten verschiedener Hersteller sorgen, sondern auch eine Offline-Funktionalität der Smart-Home-Geräte umfassen. Matter-kompatible Geräte sollen beispielsweise in einem lokalen Netz direkt miteinander verschlüsselt kommunizieren können, ohne dass dafür die Cloud nötig ist. Über 180 Hersteller, darunter Branchengrößen wie Amazon, Apple, Aqara, Eve, Google, Huawei, Ikea, Infineon, Netatmo, Signify (Philips Hue), Smartthings (Samsung), Somfy und Tuya, haben sich in der Connectivity Standards Alliance (CSA) zur Unterstützung von Matter zusammengeschlossen. Erste Geräte sollen im Herbst 2022 erscheinen.

Abgesehen von neuen Industriestandards treiben auch einzelne Hersteller die lokale Nutzung von Smart-Home-Geräten ohne Cloud-Anbindung voran. Als Vorreiter in dieser Hinsicht hat sich in der Vergangenheit Apple mit seiner Smart-Home-Plattform Homekit hervorgetan. Mit Smartthings Edge hat auch Samsung damit begonnen, Smart-Home-Komponenten zu entwickeln, die sich lokal ohne Cloud-Anbindung steuern lassen. Abgesehen davon gibt es noch eine Reihe von Alternativen, die Anwender schon jetzt nutzen können, um ihre Geräte auch dann steuern zu können, wenn eine Online-Verbindung nicht zur Verfügung steht.

Apple Homekit: Homekit führt kompatible Geräte und Gewerke herstellerunabhängig in ein System zusammen. Es ist völlig egal, welche Komponenten von welchem Hersteller kommen und wie sie gemischt werden: Alles liegt in der gleichen, attraktiven Oberfläche vor und lässt sich Apple-typisch einfach bedienen und konfigurieren. Auch das Anlegen von Regeln klappt so einfach, wie man es sich von einem Smart Home wünscht. Und man muss sich im Gegensatz zu diversen alternativen Bastellösungen weder mit der Technik dahinter auseinandersetzen noch mit Sicherheitsproblemen, Portfreigaben oder ähnlichem.

Um die Smart-Home-Plattform des iPhone-Herstellers nutzen zu können, benötigen Anwender zwar ein Apple-Konto, doch funktionieren smarte Devices in Homekit auch dann, wenn kein Internet zur Verfügung steht.

Dass Homekit-kompatible nicht unbedingt teurer sein müssen, zeigt der chinesische Hersteller Aqara, dessen Produkte zu Homekit kompatibel sind.

Bosch: Der deutsche Hersteller Bosch bietet vielseitige Lösungen für ein intelligentes Zuhause. Es gibt mehrere Starter-Pakete, die für bestimmte Einsatzszenarien gedacht sind. Neben dem Alarm-Einsteigerset (Test), bestehend aus Zentrale, Rauchmelder (als Sirene), Bewegungsmelder und einem Magnetkontakt gibt es für einen vergleichbaren Preis auch ein Heizungsset mit Zentrale und drei Heizkörperthermostaten sowie ein Raumklimaset mit zwei Thermostaten, einem Magnetkontakt (zum Abdrehen der Heizung bei geöffnetem Fenster) und einer Zentrale.

Ein großer Vorteil des Bosch-Systems ist, dass es auch ohne Internetverbindung funktioniert. Vorteilhaft ist auch, dass sich Komponenten von zahlreichen Partnern wie Philips Hue oder Ledvance Smart+ einbinden lassen.

Fibaro: Der polnische Smart-Home-Spezialist Fibaro bietet ein System, das auf Z-Wave basiert und herstelleroffen ist. Sein Smart-Home-Portfolio funktioniert außerdem mit Homekit und Smartthings. Die grundlegenden Funktionen können Anwender auch ohne Internetverbindung nutzen.

Homematic CCU3: Anders als die cloudbasierte Lösung Homematic IP (Ratgeber), bietet Homematic auf Basis der Schaltzentrale CCU3 eine Offline-Nutzung der daran angeschlossenen Komponenten. CCU3 kann dabei sämtliche für Homematic IP gedachten Smart-Home-Geräte verwalten und automatisieren. Zudem unterstützt die Zentrale auch kabelgebundenen Geräte.

Homee & Homey Pro: Würfel oder Kugel - lautet oft die Frage in Foren, wenn es um die beiden Smart-Home-Zentralen Homee und Homey Pro geht. Beide Lösungen erlauben die Integration von Smart-Home-Komponenten unterschiedlicher Hersteller. Sie bieten ein nutzerfreundliches Interface, mit der Anwender ihr Smart Home perfekt verwalten können. Zudem können beide auch Offline das Smart Home verwalten. Internet-basierte Dienste stehen dann natürlich nicht zur Verfügung. Homee und Homey Pro sind somit für all jene interessant, die viele Apps zur Steuerung von Smart-Home-Komponenten konsolidieren wollen.

Telekom Magenta: Die Smart-Home-Plattform der Telekom funktioniert auch ohne Internetverbindung. Die Steuerung ist per App oder Web-Oberfläche möglich. Bestehende Routinen werden auch im Offline-Modus weiter ausgeführt und neue lassen sich erstellen.

Ein smartes Zuhause ohne Cloud zu verwalten, ist auch mit den Open-Source-Lösungen Home Assistant, FHEM, Iobroker, openHAB möglich. Wie Homey Pro und Homee erlauben diese Lösungen, meist in Verbindung mit einem Raspberry, unterschiedlicher Hersteller zu managen. Mit den zweitmeisten Mitwirkenden aller Python basierten Entwicklungen ist Home Assistant eine der populärsten Open-Source-Lösungen fürs Smart Home. Die Einbindung von Geräten ist relativ einfach, doch Automatisierungen sind etwas komplexer.

Grundsätzlich muss man sich bei der Verwendung von Open-Source-Lösungen im Klaren darüber sein, dass die Konfiguration nicht so einfach wie bei kommerziellen Lösungen ist. Dafür hat man aber mehr Kontrolle über die Geräte.

Um ein Smart Home auch offline steuern zu können, sind Geräte, die standardmäßig ohne eine Verbindung ins Internet auskommen, ideal. Hier kommt Tasmota ins Spiel. Die von Theo Arends entwickelte Firmware ist für Smart-Home-Komponenten mit ESP8266-Mikrocontroller geeignet. Damit arbeiten viele kostengünstige Geräte der populären chinesischen IoT-Plattform Tuya. Es gibt zahlreiche Anleitungen im Internet, die genau beschreiben, wie man die kostengünstigen Tuya-Geräte damit flasht. Sie basieren auf dem Tool tuya-convert, das unsere Kollegen von der c't-Redaktion entwickelt haben. Der Vorgang ist aber nichts für Anfänger und birgt auch Risiken. Wer sich das Flashen nicht zutraut, kann alternativ zu Produkten greifen, die schon mit Tasmota vorgeflasht sind. Entsprechende Komponenten hat etwa Aliexpress im Angebot. Einen Tasmota-Zwischenstecker gibt es auch bei Amazon. In der Regel erfolgt die Einbindung von Tasmota-Geräten über einen MQTT-Broker. Dieser lässt sich etwa mit einem Raspberry umsetzen, steht aber auch für Homey Pro zur Verfügung.

Während die bislang in diesem Beitrag präsentierten Smart-Home-Systeme auf Funktechnologien basieren, gibt es außerdem noch kabelbasierte Lösungen. Sie sind primär beim Neubau eines Hauses eine interessante Option und funktionieren grundsätzliche ohne Internet und Cloud. Mehr zum Thema bietet der Beitrag Tipps für Bauherren: Smart-Home-Grundlagen für den Neubau. Darin wird auch erläutert, wie man anhand einer Open-Source-Lösung eine Schnittstelle zwischen KNX und Zigbee-basierten Komponenten schafft.

Ein Smart Home mit Komponenten zu betreiben, die ohne Cloud auskommen, ist möglich. Beim Neubau sorgt die Entscheidung für ein kabelbasiertes Smart-Home-System für Unabhängigkeit von Internet und Cloud. Möchte man smarte Haustechnik nachrüsten, fällt in der Regel die Entscheidung für ein Funk-basiertes System. Die Lösungen von Apple, Bosch, Homematic und Telekom Magenta bieten dabei nicht nur eine einfache Umsetzung, sondern funktionieren auch ohne Internet und Cloud. Hierbei ist man allerdings auf die für das jeweilige System verfügbaren Komponenten angewiesen.

Ambitionierte Anwender, die Wert auf ein möglichst vielfältiges Angebot von Smart-Home-Geräten Wert legen, sollten sich die beiden Smart-Home-Zentralen Homee und Homey Pro und die Fibaro-Lösung näher ansehen. Sie können Smart-Home-Komponenten auch ohne Internet und Cloud steuern. Wegen seiner offenen Architektur ist dabei Homey Pro vorrangig für all jene interessant, die bereits zahlreiche Smart-Home-Komponenten im Einsatz haben und diese mit einer einzigen Zentrale steuern möchten.

DYI-Enthusiasten wählen eine der Open-Source-Lösungen Home Assistant, FHEM. OpenHAB oder Iobroker. Damit haben sie die größtmögliche Kontrolle über ihr Smart Home. Bis alles wie gewünscht funktioniert, müssen sie aber einige Stunden für die Konfiguration aufbringen.

Mehr Informationen zu einer intelligenten Haussteuerung bietet unser Themenschwerpunkt Smart Home. Für Einsteiger ins Thema empfehlen wir unseren Ratgeber Smart Home: Auch mit wenig Geld zum Erfolg. Auch interessant: Elesion als günstige Smart-Home-Alternative von Pearl. Wer smart heizen will, sollte sich den Ratgeber Smarte Thermostate für Fußbodenheizungen durchlesen und die Bestenliste Top 10: Die besten smarten Heizkörperthermostate 2022 ansehen. Und wie man den Stand-by-Verbrauch von Geräten reduzieren kann, erklärt der Beitrag WLAN-Steckdosen in der Praxis: Modelle, Einsatzzweck, Preise. Und im Beitrag Bessere Luft: Smarte Raumluft-Sensoren für CO2, Radon, Ozon, Feinstaub & Co erklären wir, wie man auf Basis smarter Sensoren das Raumklima verbessern kann.

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