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Multifunktionswerkzeug

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Ein Dremel – oder genau genommen ein Rotations-Multifunktionswerkzeug – gehört in jede Werkstatt. Doch es gibt etliche verschiedene Modelle, andere Markenprodukte und No-Name-Alternativen ab etwa 20 Euro. Was braucht man wirklich?

Dieses Mal stellen wir uns die Frage, wieviel man für ein Multifunktionswerkzeug investieren muss. Um uns einen Überblick zu verschaffen, wie groß die Unterschiede in den einzelnen Preisklassen sind, haben wir uns ein günstiges Gerät für 30 Euro, einen originalen Dremel aus dem mittleren Preissegment für 50 Euro und ein Profi-Multifunktionsgerät von Bosch für 130 Euro ausführlich getestet und miteinander verglichen. Das Ergebnis ist überraschend.

Der Vergleich besteht aus drei wesentlichen Teilen. Im Ersten haben wir die technischen Daten aufgenommen: Jedes Gerät vermessen, gewogen und die Lautstärke gemessen. Die Art der Spannungsversorgung blieb dabei außer acht. Schließlich muss jeder für sich entscheiden, ob ihm die kabellose Freiheit oder die ausdauernde Arbeit wichtiger ist. Auf die Leistung hat das keinen Einfluss, wie auch der Praxistest deutlich zeigt.

Im zweiten Schritt haben wir die Multifunktionswerkzeuge und das Zubehör genauer unter die Lupe genommen. Wie lässt sich die Drehzahl regulieren? Liegt es gut in der Hand und lassen sich auch feine Arbeiten damit bewerkstelligen? Was gibt es an Zubehör?

Schritt drei geht in die Praxis und soll vor allem die Leistung testen. Um einheitliche Bedingungen zu schaffen, haben wir alle drei Testgeräte mit einheitlichen Trennscheiben und Schleifaufsätzen bestückt und anschließend an Metall und Holz getestet.

Die wichtigsten Daten der drei Vergleichsgeräte haben wir in folgender Tabelle zusammengefasst.

Hersteller Bosch Professional Dremel SPTA
Produkt GRO 12V-35 3000 (3000-15) Multifunktionswerkzeug
Stromversorgung 12 V Li-Ion Akku 2000 mAh 230 V / 50 Hz 130 Watt 230 V / 50 Hz 130 Watt
Drehzahlbereich 5000 - 35000 1/min 10000 - 33000 1/min 8000 - 33000 1/min
Abmessungen (LxBxH) 255 x 54 x 54 mm 190 x 57 x 51 180 x 55 x 51 mm
Gewicht 625 g 550 g 600 g
Lautstärke 94 dB 92 dB 80 dB
Drehzahlregulierung Stufenlos 10 Stufen 10 Stufen
Beleuchtung eine LED - -
Verpackung - Bosch L-BOXX - L-BOXX praktisch aber sehr groß - alternativ nur Pappschachtel - Hartschalentasche - praktisch zur Aufbewahrung - lose im Pappkarton - Zubehör lose in Tüte - kein Koffer
Zubehör im Lieferumfang - Ersatzakku - Ladegerät - 2. Spannzange - Dorn für Trennscheiben - 5 Trennscheiben - Spannschlüssel - kleine Box für Zubehör - Borstenbürste - Schleifstift mit 2 Schleifbändern - Korund-Schleifspitze - Trennscheiben - Polierscheiben - Schleifstifte - Trennscheiben - Bohrer - Drahtbürsten - Polierscheiben - etwa 150 Teile
erster Eindruck - LED ist hell, aber reicht nicht zur Mitte - recht groß und schwer - typische Bosch-Qualität - hochwertig - ordentlich gummiert - gut verarbeitet - ordentliche Spaltmaße - wirkt nicht wie billiger Kunststoff - nicht griffig
Feststellungen bezüglich Handling - griffig - muss mittig gehalten werden - eher für grobe Arbeiten - nicht für feine Arbeiten geeignet - griffig - gut gummiert - für feine Arbeiten geeignet - griffig - keine gummierten Flächen - für feine Arbeiten geeignet
Vibrationen nur bei hoher Drehzahl leicht zu spüren leichte Vibrationen vibriert in jeder Drehzahl
Spannzangen (mitgeliefert) 2x 3,2 mm 3,2 mm 1,5 mm 2,35 mm 3 mm 3,2 mm
angebotenes Spezial-Zubehör - sehr umfangreich -
Besonderheiten - Bosch 12 V Akku-System - Spindelarretierung nicht sicher - Ersatzakku - Stufen schwer anwählbar - Arretierung nicht sicher - Bügel zum Aufhängen - Kohle auswechselbar - Spannring als Schlüssel nutzbar - wenig Zubehör - Drehzahlstufen rasten kaum ein - Spindelarretierung nicht sicher - sehr viel Zubehör - Schutzbrille - alles lose in Tüten - Arretierung steht sehr weit raus - Kohlen wechselbar - Drehzahlstufen rasten kaum ein - kein Bezug zur Anzeige - Bügel liegt nicht an

Das günstigste Gerät im Vergleich kommt von SPTA und kostet aktuell bei Amazon rund 28 Euro. Dennoch bringt es insgesamt 152 Teile mit – damit sind so gut wie alle möglichen Arbeiten eines solchen Multifunktionswerkzeuges möglich.

Zu unserem Erstaunen bietet das günstige Budget-Modell alles, was man auch von einem echten Dremel erwarten kann. Mit 130 Watt und 33.000 Umdrehungen pro Minute bietet es – zumindest auf dem Papier – identische Werte wie der Dremel 3000, bringt ein in etwa identisches Gewicht auf die Waage und ist etwa gleich groß. Selbst die Einstellung der Drehzahl funktioniert hier wie dort über einen kleinen Schiebeschalter, der kaum spürbar in zwölf Positionen einrastet.

Qualität hat bekanntlich ihren Preis. Geht man ins Detail, stechen schon ein paar Haken ins Auge. Da ist beispielsweise der kleine Metallbügel, an dem der SPTA aufgehängt werden kann, wenn man mit einer flexiblen Welle arbeitet. Der wirkt schon ein wenig labil und hat eingeklappt keine feste Parkposition. Der kleine glänzende Knopf, der zum Werkzeugwechsel die Spindel arretiert, ragt weit heraus. Kommt man bei laufendem Motor daran, gibt das mindestens unschöne Geräusche.

Auch die Verpackung und das sehr umfangreiche Zubehör haben so ihre Tücken. Das Zubehör hat der Hersteller lieblos in eine Tüte gestopft – und die Tüte samt Werkzeug und zu kleiner Schutzbrille in einen Karton. Darunter leidet das ein oder andere Werkzeug. Auf Dauer ist das keine praktische Unterbringung für das Set.

Mit knapp 50 € kostet der Dremel 3000 fast doppelt so viel wie der SPTA. Dennoch bringt er nur eine spartanische Auswahl an beigepacktem Zubehör mit und ist zudem sogar deutlich lauter als die günstige Variante.

Nimmt man den SPTA und den Dremel 3000 in die Hand, ist schnell ein deutlicher Qualitätsunterschied spürbar. Der Dremel fühlt sich hochwertiger an, der Bügel zum Aufhängen klappt ordentlich ein und die Oberflächen sind im Vergleich sehr griffig.

Der größte Vorteil liegt aber darin, dass es ein Dremel ist. Es gibt endlos viel Zubehör. Das beschränkt sich nicht nur auf Werkzeugeinsätze zum Schleifen, Fräsen oder Polieren. Da gibt es die Workstation, die aus einem Dremel eine kleine Standbohrmaschine macht. Eine flexible Welle. Es gibt den Parallel- und Kreisschneider, einen Fräskopf und quasi unendlich viel mehr. Das bietet kein anderer Hersteller und hebt den Dremel deutlich von der Konkurrenz ab.

Auch mit der Verpackung kann der Dremel 3000 punkten. Er kommt zwar nicht in einem Koffer, dafür aber in einem Softbag, das sich ebenso zur dauerhaften Aufbewahrung eignet. Und wem das nicht ausreicht, der kann auch zum teureren Set mit Koffer und weiterem Zubehör greifen.

Mit dem GRO 12V-35 sind wir in der Preisklasse von deutlich über 100 € angekommen – der Profi-Klasse Bosch blau. Und entgegen den beiden Modellen von SPTA und Dremel kommt der Bosch als Akku-Gerät, was den Preis freilich noch weiter nach oben treibt.

Mit einer Drehzahl von 35.000 1/min dreht er etwas schneller, ist dafür aber auch etwas lauter, schwerer und größer. Der GRO 12V-35 liegt auch nicht ganz so gut in der Hand und ist aus unserer Sicht nicht für feine Arbeiten gemacht.

Bosch blau gilt als leistungsstark, robust und gemacht für die Belastungen auf einer Baustelle. Das fühlt man auch, sobald man das Multifunktionswerkzeug von Bosch in die Hand nimmt. Doch das ist es nicht allein.

Der Bosch GRO 12V-35 gehört zum Professional 12V System. Das heißt, er teilt seinen Akku mit zig weiteren Werkzeugen des Systems. Und genau das ist es, was das Multifunktionswerkzeug von Bosch ausmacht. Hier zählt nicht das einzelne Werkzeug, sondern das System, das mit austauschbarem Akku immer einsatzbereit und dabei robust und stark ist.

Technisch gesehen hebt sich der Bosch nicht so sehr vom Dremel und SPTA ab. Lediglich die integrierte LED und die besser justierbare Drehzahl sind kleine Pluspunkte, die aber per se noch keine Verdoppelung des Preises rechtfertigen.

Nachdem sich die drei Testkandidaten theoretisch gar nicht so sehr unterscheiden, ist im Praxis-Test die Leistung der Multifunktionsgeräte gefragt.

Zuerst malträtierten wir einen Stahlwinkel mit einer Trennscheibe. Dremel und SPTA liegen mit 130 Watt und 33.000 1/min zumindest theoretisch gleich auf. Das spiegelt sich tatsächlich auch beim Schnitttest in Stahl wider. Der Funkenflug beim günstigen und insgesamt leisesten Gerät ist im Vergleich zum Dremel 3000 identisch. Gleiches gilt dann auch für die Einschnitt-Tiefe im bearbeiteten Stahlwinkel. Mit den identischen Aufsätzen sind SPTA und Dremel 3000 gleich auf.

Der Bosch bietet mit seiner etwas höheren Drehzahl in der Praxis spürbar mehr Kraft. Egal wie fest wir die Trennscheibe auf das Metall drücken, der GRO 12V-35 ist nicht aufzuhalten. Dies spiegelt sich im heftigen Funkenflug und insbesondere in der Schnitttiefe wider. Das Kräftemessen kann der Bosch ganz klar für sich entscheiden.

Beim Schleifen und Bearbeiten von Holz ist dieser Kraft-Vorteil allerdings zu vernachlässigen. Hier reichen eine langsamere Drehzahl und geringere Kraft und somit sind in dieser Disziplin SPTA, Dremel und Bosch nahezu gleichauf. Hier kommt es primär auf die persönlichen Präferenzen an. Der SPTA macht zwar am wenigsten Lärm, allerdings ist er weniger griffig als der originale Dremel, was insbesondere bei längerer Benutzung negativ auffällt. Der Bosch ist zwar am wenigsten handlich, dafür punktet er mit kabellosem Betrieb und robustem Aufbau.

Gibt es einen Gewinner? Nein! Gibt es einen Verlierer? Nein!

Der Bosch GRO 12V-35 hebt sich klar von seinen beiden Konkurrenten ab. Er ist deutlich kräftiger, aber auch deutlich teurer und aufgrund der Größe unhandlicher. Der besondere Vorteil liegt hauptsächlich im Bosch-Akkusystem. Nur wer bereits Werkzeuge aus der Serie besitzt oder ausschließlich Metall bearbeitet, für den ist es sinnvoll, auch beim Multifunktionswerkzeug zu Bosch zu greifen. Wer lediglich das Multifunktionswerkzeug benötigt, für den rentieren sich die Mehrkosten aus unserer Sicht nicht, auch wenn sie ein extrem starkes Multifunktionswerkzeug mit sich bringen.

Der Dremel 3000 und der SPTA liegen leistungstechnisch gleich auf. Für welches der beiden Multifunktionswerkzeuge man sich entscheidet, hängt von der weiteren Nutzung ab. Wer nur hin und wieder etwas schleifen, trennen oder polieren möchte, der kann getrost zum günstigen SPTA greifen. Die Arbeit damit fällt deutlich angenehmer aus, als der Preis vermuten lässt.

Wer mehr mit seinem Multifunktionswerkzeug vorhat und sein System erweitern und ausbauen möchte, für den bleibt nur der Griff zu Dremel. Kein anderer Hersteller bietet mehr kompatibles Zubehör, das zudem zu allen weiteren Modellen von Dremel passt.

Es gibt keinen Gewinner und keinen Verlierer, weil alle drei Geräte ihre Vor- und Nachteile, vor allem aber ihre Berechtigung und auch ihren Preis haben. Weitere Ratgeber und Vergleichstests gibt es in unserer Themenwelt Werkstatt und Werkzeug.

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