Kaufberatung: PowerLAN für stabiles Internet im Garten

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Dicke Wände oder bedampfte Fenster bremsen WLAN. Die Lösung: PowerLAN bringt das Internet über die Stromleitung in den Garten. Wir stellen Adapter mit WLAN-Hotspot vor.

Die Begriffe Powerline , PLC oder PowerLAN werden oft synonym verwendet. Die PowerLine Communications Technik (PLC) nutzt die normalen 230-Volt-Stromleitungen einer Wohnung als Trägermedium für ein lokales Netzwerk. Im einfachsten Falle läuft ein Ethernet-Kabel von einem Router, oder von einem Rechner, zu einem Ethernet-to-PLC-Adapter, der in einer Strom-Steckdose steckt. Dieser überträgt Daten über die haushaltsübliche 230-Volt-Stromleitung an alle anderen Strom-Steckdosen der Wohnung. Dort kann ein zweiter PLC-to-Ethernet-Adapter die Informationen abgreifen und dem Endgerät wieder per LAN-Kabel zuführen. Die großen Hersteller haben inzwischen auch PLC-WLAN-Hybrid-Adapter im Programm, die einen integrierten WLAN Access Point bieten. So lässt sich nicht nur Netz in den Garten bringen, sondern auch die WLAN-Abdeckung im Haus verbessern.

Powerline erreicht inzwischen Gigabit-Geschwindigkeiten, allerdings nur in SchuKo-Dosen und nur, wenn drei Adern bereitstehen. Dank MIMO-Technik kann Powerline so etwa 60 bis 80 Prozent schneller kommunizieren als auf zwei Stromadern. In mehr als zehn Jahren hat sich der Brutto-Speed der PLC-Adapter von 14 Mbps auf 2000 Mbps gesteigert. Ältere PLC-Produkte mit nominal 14 oder 85 Mbps sind nicht mehr kompatibel mit den jüngeren Speed-Klassen 200, 500, 600, 1000, 1.200, 1.300 und 2.000 Megabit.

In der Praxis kommen die Geräte aber kaum auf die Höchstgeschwindigkeit. In unseren Messungen blieben weniger als 50 Prozent vom Brutto übrig, egal ob mit PowerLAN-Adaptern der Hersteller AVM oder Devolo. Powerline-Adapter setzen immer auf bestehende Infrastruktur. Alter und Aufbau der Stromleitungen, ja sogar angesteckte Netzteile im Stromnetz haben einen Einfluss auf die Geschwindigkeit. Ergebnisse von Geschwindigkeitsmessungen lassen sich deswegen nur schwer auf andere Gebäude übertragen. In Mehrfamilienhäusern können Nachbarn, die ebenfalls PLC-Adapter benutzen, die Datengeschwindigkeit im ganzen Gebäude verschlechtern. Auch günstige Netzteile in Steckdosen des Nachbarn können das Stromnetz belasten und den PLC-Durchsatz verschlechtern. Falls möglich, sollte man PLC-Adapter auch nur direkt in Wandsteckdosen und nicht in Steckdosenleisten betreiben: Auch sie beeinflussen die Geschwindigkeit negativ.

Laut AVM wird die Geschwindigkeit durch folgende Geräte im Stromkreis potentiell beeinträchtigt: Schalter in Mehrfachsteckdosen, Überspannungsfilter, FI-Schutzschalter, Stromzähler, Dimmer, Vorschaltgeräte sowie einige andere Geräte, die viel Strom verbrauchen wie Bohrmaschinen und Staubsauger. Viele Powerline-Adapter im gleichen Netz können ebenfalls zu Einbrüchen führen. Das gilt nicht nur für AVM-Produkte, sondern so auch für alle anderen Modelle am Markt.

Die Powerline-Entwickler haben den Reiz von Powerline-Adaptern mit WLAN-Access-Points erkannt, entsprechend breit ist das Angebot. Im Prinzip sollten die Powerline-Produkte der Hersteller von 200 bis 1.200 Mbps miteinander kompatibel sein, sofern sich alle an den Homeplug AV2-Standard halten. Mischt man die verschiedenen Speed-Gattungen, dann bremst der langsamere Adapter den Schnelleren aus. Bei der Wahl einer Powerline-Lösung sollte auch die Management-Software in die Kaufentscheidung einfließen, denn da gibt es große Unterschiede. Am besten sollten Nutzer alle PLC-Adapter vom gleichen Anbieter verwenden. Dann passt nicht nur die Software, sondern es gibt auch einen einzigen Ansprechpartner, falls die Kommunikation nicht funktioniert.

Achtung : Die meisten Produkte sind nicht für den ständigen Einsatz draußen konzipiert, es fehlt an Schutz gegen Staub und Wasser. Ihr solltet den WLAN-Adapter also ins Innere tragen, wenn ihr ihn nicht nutzt. Eine Ausnahme ist die Outdoor-Variante von Devolo, siehe weiter unten.

Das Topmodell AVM Fritz Powerline 1260E (+WLAN) kostet keine 100 Euro: Sein Powerline-Modul jagt die Daten mit 1.200 Mbps über die heimische Stromleitung. Sein WLAN verspricht 11n bis 400 Mbps und 11ac bis 866 Mbps. Die LAN-Buchse beherrscht 1.000 Mbps. Eine Durchschleif-Steckdose fehlt.

Für eine optimale Verbindung installiert man zwei identische 1260E-Adapter. Benötigt man an einem der zwei PLC-Standorte jedoch kein WLAN, genügt es, dort den günstigeren AVM Fritz Powerline 1220E einzusetzen. Rund 55 Euro kostet der Adapter ohne WLAN jedoch mit Durchschleif-Steckdose.

Dieses Pärchen mit einem 1260E mit WLAN und einem 1220E ohne WLAN gibt es unter dem Namen AVM Fritz Powerline 1260E WLAN Starter-Set für circa 140 Euro. Zusätzlich gibt es von AVM auch günstigere Starter-Kits mit weniger Speed.

Der Mesh-fähige AVM Fritz Powerline 1260E Adapter eignet sich besonders für Leute, die bereits eine Mesh-fähige Fritzbox haben wie etwa die 7490 oder 7590 samt Schwester-Modellen. Dann sind Hardware, Optik, Funktionalität und vor allem auch Mesh-Bediener-Software besonders gut aufeinander abgestimmt.

Devolo listet auf seiner Website im Mai 2018 neunzehn Powerline-Adapter und Kit-Kombinationen von PLC 500 bis PLC 1.200 mit Listenpreisen von 39 bis 209 Euro. Besonders interessant fanden wir das devolo dLAN 1200+ WiFi ac Starter Kit Powerline für knapp 160 Euro. Es hat große Ähnlichkeit mit dem AVM FRITZ!Powerline 1260E WLAN Set für rund 140 Euro. Sichtbarster Unterschied: Das Duo von Devolo besitzt insgesamt zwei Durchschleif-Steckdosen, das AVM-Paar hat nur eine. Dafür funkt AVM bei 11n bis 400 Mbps, Devolo dagegen nur bis 300 Mbps. Im Standard 11ac funken die Kits von AVM und Devolo dagegen gleich schnell: bis 866 Mbps.

Das teuerste PLC-WLAN-Start-Paket unserer Übersicht ist das D-Link COVR-P2502 Kit und kostet etwa 170 Euro. Es verspricht bis zu 1.300 Mbps im Backbone via Powerline, dazu WLAN-11n bis zu 300 Mbps und 11ac bis zu 866 Mbps – und zwar in beiden Adaptern. Jeder PLC-Adapter hat zudem drei Gigabit-LAN-Buchsen, also insgesamt sechs. Auf Durchschleif-Steckdosen verzichtet der Hersteller. Laut D-Link ist das Kit Mesh-fähig.

Netgear bietet für Powerline-basiertes WLAN das PLW1000-100PES SET. Mit einem Preis um circa 84 Euro kostet es nur gut halb so viel wie die Top-Kits von AVM oder Devolo. Dafür liefert das Netgear-Duo lediglich 1.000 Mbps PLC-Speed im Backbone, und keine Durchschleif-Steckdosen. WLAN bietet einer der zwei PLC-Adapter zwar, aber es war dem Autor schier unmöglich, den genauen WiFi-Speed aus den deutschen oder amerikanischen Webseiten des Herstellers heraus zu lesen. Im Datenblatt steht nur: „PWL1000: IEEE 2,4 GHz / 5 GHz 802.11 b/g/n/ac.“ Die Geschwindigkeitsangabe fehlt.

Das TP-Link TL-WPA9610 Starter-Set ist bei der Geschwindigkeit bereits weiter als bei AVM und Devolo – der chinesische Hersteller setzt bereits auf 2.000 Mbps PLC im Backbone. Das WLAN funkt mit 300 Mbps bei 11n und 866 Mbps bei 11ac – also knapp unter dem AVM 1260E und exakt so viel wie das Devolo-Kit. Wer allerdings eine Steckdose will, der bekommt diese nur in einem Adapter ohne WLAN-Funktion.

Strom und Starkregen passen schlecht zusammen. Der Löwenanteil der Powerline-WLAN-Adapter ist daher für den Indoor-Betrieb vorgesehen und kann höchstens kurzzeitig sowie unter Aufsicht draußen betrieben werden. Devolo will das mit dem DLAN WiFi Outdoor ändern. Dieser ist gegen Staub und Schmutz sowie gegen Wasser und Starkregen gemäß IP65 geschützt. Damit kann er auch bei Wind und Wetter im Garten bleiben, idealerweise sollte er aber dennoch an einem geschützten Ort stehen.

Die Einrichtung ist simpel: Nutzer verbinden einen devolo Powerline-Adapter per LAN-Kabel mit dem Router und stecken ihn in eine freie Wandsteckdose. Der WiFi Outdoor Adapter kommt in eine Außensteckdose und baut draußen einen WLAN-Hotspot auf.

Die technischen Daten: PLC-Speed bis 500 Mbps und WLAN-11n bis 300 Mbps. Ob auch WLAN-11ac unterstützt wird, ist unklar. Der UVP liegt bei 169,90 Euro. Das Outdoor-Modell wird nur einzeln verkauft, so dass Nutzer einen zweiten PLC-Adapter für den Anschluss am Router benötigen. Hier wäre es schön, wenn Devolo ein passendes Kit im Angebot hätte.

Von welchem Hersteller PLC-Adapter auch stammen: Powerline-Strecken generieren stets unerwünschte Funkstrahlung. Die 230-Volt-Strom-Kabel liegen – anders als etwa Ethernet-Leitungen – in der der Regel ohne Abschirmung unter dem Putzo der in Trockebauwänden. PLC-Hersteller versuchen daher, diese Störstrahlung in Frequenzbereiche zu verlagern, wo sie wenig stören. In der Vergangenheit hat das nicht geklappt und war der Grund für kontroverse Diskussionen.

Messungen des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) haben den 500-Mbps-Adaptern von Netgear mit dem Qualcomm Atheros Chipset AR7400 per Januar 2011 wie folgt bestätigt: „Eine Beeinträchtigung des UKW- und DAB-Empfangs durch den Betrieb der nach HomePlug AV2 (IEEE 1901) operierenden Adapter ist […] nicht gegeben“.

Dagegen haben die Störstrahlenmessungen des IRT den 1000-Mbps-PLC-Produkten von Belkin und MSI bescheinigt, „dass diese Modems im Frequenzbereich 30 MHz bis 305 MHz stärker stören als nach der Norm EN 55022 erlaubt“. Diese Störungen erkannten beim IRT offenbar nicht nur die Profi-Messgeräte, sondern auch das bloße Ohr der Testexperten: „Subjektive Hörtests im Nahbereich zu einer datenführenden, ungeschirmten Stromleitung lassen Störungen von UKW-Empfang sowie deutliche Störungen des DAB-Empfangs erkennen, bis zum kompletten Ausfall des Audiosignals.“ Leider werden derart aufwändige Messungen nicht für alle neuen PLC-Produkte durchgeführt.

Inwieweit stören auch die jüngeren 1200-Megabit-Produkte? Dazu ein Sprecher von Devolo: „Aktuelle Powerline-Adapter, […] die dem HomePlug AV(2) Standard folgen, nutzen ausschließlich Frequenzen zwischen 2 und 68 MHz. Störungen […] sind somit nicht zu erwarten.“

Powerline ist eine gute Alternative zu teuren Mesh-Systemen oder WLAN-Repeatern. Die Qualität der Verbindung hängt aber – egal ob im Haus oder über Außensteckdosen im Garten – immer von der Qualität der Stromleitungen ab. Zudem kann es zu Problemen kommen, wenn die Stromkreise zwischen zwei Adaptern durch einen Zähler getrennt sind. Es lohnt sich aber, Powerline zumindest einmal auszuprobieren. Wenn es funktioniert, dann ist es eine sehr gute Alternative zu normalen LANs oder WLANs.

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