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Farbsprühsysteme
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HVLP, Airless, Farbtank oder Farbansaugung – die Auswahl an verschiedenen Farbsprühsystemen ist riesig und die Angaben sind für Einsteiger verwirrend. TechStage zeigt, welche unterschiedlichen Systeme es gibt und erklärt, was man bei der Produktauswahl beachten sollte.

Dieses Mal widmen wir uns den Farbsprühsystemen, welche zwischen 40 Euro und mehreren Tausend Euro kosten.

Die Grundfunktion aller Farbsprühsysteme ist das berührungslose Auftragen von Farbe mithilfe einer Spritzpistole. Der große Vorteil gegenüber Pinsel und Farbrolle ist der sehr gleichmäßige Farbauftrag und der augenscheinlich geringere Arbeitsaufwand.

Insbesondere bei verwinkelten und schwer zugänglichen Stellen sind die Farbsprühsysteme tatsächlich deutlich bequemer in der Anwendung. Auch bei großen Flächen können solche Systeme besser geeignet sein – allerdings sollte man für jeden Anwendungszweck das richtige Modell wählen, denn die verschiedenen Systeme unterscheiden sich in der Praxis nicht nur durch den Preis.

Die für Privatanwender wichtigsten Varianten von Farbsprühsystemen sind das HVLP- (High Volume Low Pressure) und das Airless-Verfahren (ohne Luft). Die erste Methode ähnelt dabei dem klassischen Airbrush-System. Hier wird Farbe durch einen starken Luftstrom zerstäubt und so auf ein Objekt übertragen. Solche Farbsprühsysteme gibt es ab circa 40 Euro von einer großen Anzahl an Herstellern wie Bosch, Einhell, Wagner und diversen Noname-Marken. Wer plant damit Wandfarbe aufzutragen, sollte allerdings genau hinsehen, da insbesondere die schwächeren Modelle lediglich für dünnflüssige Lasuren und Lacke, nicht aber für klassische Wandfarbe geeignet sind.

Das zweite System kommt, wie schon der Name sagt, ganz ohne Luft aus. Hier wird die Farbe mithilfe einer Membran- oder Kolbenpumpe mit hohem Druck befördert und anschließend durch eine Düse zerstäubt. Diese Systeme gibt es ab etwa 200 Euro. Neben bekannten Marken wie Wagner oder Scheppach sind hier ebenfalls günstige Geräte von weitgehend unbekannten Herstellern zu bekommen. In Baumärkten stößt man erfahrungsgemäß trotzdem eher auf HVLP-Farbsysteme. Auch hier sollte man auf die Spezifikationen achten, wenn man beispielsweise verhältnismäßig grobe Außenfarben auftragen möchte.

VorteileNachteile
HVLPNiedrige PreiseHäufig nur für Lacke und Lasuren geeignet
Farb-/Luftmenge sehr genau und flexibel einstellbarEine verhältnismäßig geringe Flächenleistung
Auch für kleine Teile gut geeignetKleiner Arbeitsradius bei Farbansaugung, sonst hohes Gewicht
Reinigungsaufwand
AirlessHohe FlächenleistungHoher Preis
Wandfarben in der Regel problemlos nutzbarÄnderung der Farbmenge nur durch Austausch der Düse
Großer ArbeitsradiusReinigungsaufwand
Geringes Gewicht und Farbansaugung

Beide Systeme ermöglichen sehr gleichmäßige Oberflächen. HVLP ist allerdings besser für kleinere Flächen geeignet. Die Aussage klein, muss aber relativiert werden, da hier auch das Weiseln ganzer Räume gemeint ist. Im Vergleich zum Airless-System eignen sich diese Geräte aber auch zum Lackieren von kleineren Teilen, wie Möbelstücken, Holztüren, Fensterläden etc. Die Menge der ausgegebenen Farbe lässt sich in der Regel am Gerät und der Sprühpistole einstellen.

Zum Vergleich nehmen wir die Herstellerangaben des HVLP-Sprühgeräts Wagner W950 Flexio für circa 210 Euro und des Airless-Systems Wagner Control 150 M für 290 Euro. Mit dem ersten Gerät dauert der Anstrich von 15 qm 5 Minuten. Dieselbe Quadratmeterzahl erledigt das Airless-System in 2 Minuten. Bei solch einer geringen Fläche wäre die Zeitersparnis letztlich irrelevant; bei einem Neuanstrich des kompletten Hauses, ist der Unterschied aber nicht zu unterschätzen.

Bei günstigen HVLP-Systemen wird die Farbe in einem Tank an der Sprühpistole aufbewahrt und von dort aus per Luftstrom gefördert. Das hat den Vorteil, dass die Geräte schnell und einfach zu reinigen sind, da die Farbe letztlich nur mit Farbtank und Sprühkopf in Berührung kommt. Die Nachteile sind das hohe Gewicht der Sprühpistole und der verhältnismäßig kleine Tankinhalt, welcher ein regelmäßiges Nachfüllen notwendig macht.

Hochwertigere HVLP-Geräte verfügen hingegen über eine integrierte Pumpe, welche die Farbe zur Luftdüse in der Sprühpistole fördert. Ständiges Nachfüllen entfällt ebenso, wie das Zusatzgewicht des Tanks. Allerdings ist der Reinigungsaufwand dieser Geräte größer und der Preis höher. Die Auftragsmenge kann man in der Regel nur durch einen Düsenwechsel verändern.

Airless-Systeme fördern die Farbe in der Regel ebenfalls direkt aus dem Eimer. Kleinere Geräte, wie der Wagner Control 150 M verfügen zumindest über einen großzügigen Farbtank. Das geringe Gewicht der Sprühpistole und der große Farbvorrat ermöglichen ein komfortables Arbeiten ohne ständige Unterbrechungen. Der Reinigungsaufwand dieser insgesamt teureren Systeme ist allerdings deutlich höher als bei günstigen HVLP-Sprühern. Gleiches gilt allerdings auch für den Arbeitsradius, welcher bei Airless-Geräten durch längere Schlauchlängen deutlich größer ausfällt. Die Geräte müssen so seltener neu platziert werden, was bei großen Flächen sinnvoll ist.

Für ein hohes Arbeitstempo ist auch die Farb-Fördermenge wichtig. Wie sehr sich die Menge der geförderten Farbe bei den verschiedenen Produkten unterscheidet, zeigt folgende Tabelle.

Unsere ersten Erfahrungen mit zwei HVLP-Systemen, dem schon älteren Aeromax 4000 und dem Wagner W950 Flexio, zeigen schon deutlich, wo Stärken und Schwächen der Geräte liegen.

Beginnen wir mit den Vorteilen: Im Vergleich zu Pinsel oder Rolle ist der Farbauftrag sehr gleichmäßig und es sind keine Strukturen in der Oberfläche zu erkennen. Wenn Farb– und Luftmenge korrekt eingestellt sind, geht die Arbeit zügig von der Hand. Dies gilt für komplette Räume, aber auch beispielsweise bei der Lackierung von Gartenmöbeln. Während das Streichen an schwer zugänglichen Stellen mit dem Pinsel eine echte Qual ist, sprühen wir mit der Farbpistole ganz bequem in jede noch so kleine Nische. Das Arbeiten mit den Geräten ist unkompliziert und den Reinigungsaufwand empfinden wir als erträglich. Pinsel oder Farbrolle ordentlich zu spülen dauert schließlich ebenfalls einige Zeit.

Allerdings gibt es auch klare Einschränkungen, die wir rasch feststellen. Da ist zum einen die Lautstärke. Die Pumpen machen viel Lärm und bei längerem Arbeiten würden wir tatsächlich Kopfhörer oder Ohrenschützer empfehlen. Ok, Lärm gehört zu einer Baustelle dazu, aber das Nachlackieren der Gartenmöbel an Sonn- oder Feiertagen fällt mit dieser Variante definitiv aus.

Der zweite Punkt ist allerdings deutlich problematischer: Der Farbnebel, der bei der Arbeit mit der Sprühpistole entsteht. Zwar hält sich dieser im Vergleich zu einer Spraydose in Grenzen, allerdings sind zumindest im Umkreis von drei bis vier Metern überall winzige Farbtröpfchen zu finden. Hier ist also Vorarbeit in Form von Ausräumen oder Abkleben gefragt. Und insbesondere wer mit einem HVLP-System arbeitet, muss hier wirklich sehr sorgfältig arbeiten, da sich nicht festgeklebte Folien durch den Luftstrom schnell selbstständig machen. Einzelne Teile würden wir aus diesem Grund ebenfalls nur im Freien und mit ausreichend Abdeckplanen lackieren wollen.

Im Preisvergleich sind aktuell hauptsächlich HVLP-Geräte zu finden, doch letztlich gibt es noch deutlich mehr Hersteller und Varianten bei Spezialanbietern oder auf Amazon. Gleiches gilt für die Airless-Systeme. Hier ist die Auswahl beim Online-Versandhaus ebenfalls wesentlich größer. Hier finden sich dann auch Einsteiger-Modelle wie Airless Scheppach ACS3000 für 199 Euro oder Arebos Airless für 190 Euro.

Farbsprühsysteme sind eine interessante und bequeme Alternative zu Pinsel und Farbrolle. Einfache Systeme sind bereits ab etwa 40 Euro erhältlich. Hochwertigere Modelle mit Farbansaugung gibt es ab 270 Euro. Allerdings sind diese Farbsprüher nicht für jeden Verwendungszweck geeignet. Um große Flächen, ganze Wohnungen oder Häuser, neu zu streichen, lohnen sich vor allem die teureren Airless-Systeme zwischen 200 und 600 Euro.

Sollen nur einzelne Räume oder Gegenstände neu eingefärbt werden, sind HVLP-Geräte besser geeignet und zudem günstiger. Für kleine Ausbesserungsarbeiten ist der Aufwand für das Abkleben und die Reinigung bei beiden Varianten zu hoch. Hier würden wir definitiv zu Rolle oder Pinsel greifen.

Außerdem sind nicht alle Geräte für Lack und Wandfarben geeignet. Insbesondere wer Fassadenfarbe verarbeiten will, muss genau auf die Herstellerangaben achten.

Für das detailreiches Lackieren sind solche Farbspühgeräte nicht geeignet. Hier empfehlen wir unsere Kaufberatung Günstige Airbrush-Systeme für Einsteiger. Weitere Ratgeber zum Thema DIY gibt es in der Themenwelt Werkstatt.

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