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Nicht zu wissen, wie es dem Nachwuchs im Kindersitz im Auto oder im Fahrradanhägner geht, lässt Eltern erst wahnsinnig und dann zu schlechten Verkehrsteilnehmern werden. Wir zeigen, wie man das eigene Handy zusammen mit einer günstigen WLAN-Kamera und einer Solar-Powerbank zum smarten Rückspiegel auf dem Lenker aufrüsten kann.

Mit dem Radanhänger zur Kita, zum Waldspielplatz oder zum Turnen: Die Anhänger von Thule, Queridoo, Croozer & Co. für ein oder zwei Kinder haben sich emanzipiert, etabliert und sind auch aufgrund ihrer nicht günstigen Preise ein Wunsch vieler Eltern. In der Praxis sind vor allem die ersten Touren, aber auch längere Ausflüge durchaus eine Herausforderung. Noch schlechter als beim Kindersitz im Auto kann man hier nämlich sehen, was hinten los ist, wenn es quäkt. Gibt es eine allgemeine Unzufriedenheit oder ein akutes Problem? Schnüren Anschnallgurt oder Helm-Riemchen gerade irgendwelche Extremitäten ab? Kommt das Essen wieder hoch? Oder war da einfach nur gerade ein besonders großer Kran am Straßenrand zu sehen oder der Schnuller liegt knapp außer Reichweite?

Um diese drängenden Fragen zu beantworten, machen Eltern hanebücherne Aktionen, blicken nach hinten, verlassen ihre Fahrspuren. Verständlich, aber gefährlich. Gibt es keinen anderen Weg, um zu sehen, was hinten los ist?

Wir wollen das Smartphone nutzen. Mit der passenden Handy-Lenkerhalterung (Vergleich) ist das Display ohnehin im Blick. Für den Kinderwagen braucht es also eine Kamera, die ein Live-Bild an das Smartphone schickt.

Überwachungskameras (Testsieger) eignen sich dafür nur eingeschränkt. Sie erfordern üblicherweise eine vorhandene WLAN-Infrastruktur, also einen Accesspoint und teilweise einen Internet-Zugang für den Cloud-Service – das schießt über das Ziel hinaus. Praktischerweise gibt es zwei verschiedene Produktkategorien, die für diesen Zweck bestens infrage kommen.

Mini-WLAN-Kameras sind optimal für diesen Zweck. Die meisten benötigen eine USB-Stromversorgung, andere Modelle haben den Akku bereits integriert. In beiden Fällen öffnen die Geräte, sobald man sie einschaltet, ein eigenes WLAN-Netz, in das man das Smaartphone einklinkt. Die passende App auf dem Handy verbindet sich direkt mit der Kamera und zeigt sofort und ohne Umwege das Live-Bild an.

Die Alternative sind Action Cams mit integriertem WLAN. Sie sind teurer, haben aber eine bessere Bildqualität und zusätzliche Funktionen wie einen Bildstabilisator, den wir für unseren Einsatzzweck aber nicht brauchen. Sie bieten sich vor allem an, wenn man ohnehin auf der Suche nach einer Actioncam ist; alleinig für die Nutzung im Rad-Anhänger sind sie in der Regel zu teuer und schießen über das Ziel hinaus.

Für unser Experiment nutzen wir eine billige WLAN-Kamera mit Schwanenhals-Linse für circa 30 Euro von Amazon.

Der einfachste Weg, für Strom im Kinderanhänger zu sorgen, ist eine Powerbank. Besondere Funktionen wie etwa kabelloses Laden mit dem Qi-Standard (Qi-Powerbanks im Vergleich) brauchen wir nicht, die billigsten Modelle reichen aus. Auch die Stromaufnahme ist nicht sonderlich groß, weswegen selbst eine 20-Euro-Powerbank länger durchhält als die meisten Fahrradtouren mit kleinen Kindern dauern dürften.

Aus Prinzip wollten wir Solarzellen im Anhänger – wenn wir schon ökologisch korrekt fahren, wollen wir auch ökologisch korrekt laden. Im letzten Jahr haben wir einige Solar-Lademöglichkeiten für Gadgets getestet. Daher wissen wir, dass Powerbanks, die einfach nur ein Solarpanel auf dem Deckel tragen, für den Dauereinsatz nicht genug Strom gewinnen. Da der Radanhänger aber ohnehin die meiste Zeit geparkt ist, reicht das für diesen Zweck aus – alle paar Wochen kommt die Powerbank dann an ein USB-Netzteil, um komplett geladen zu werden. Wer den Öko-Gedanken bis zur Perfektion spielen möchte, kann flexible Solarpanele (Testbericht) auf Dach und Heck seines Radahängers befestigen und ist damit komplett autark.

Wir haben uns für keine feste Montage entschieden – zu oft steht der Anhänger auch mal für ein paar Stunden draußen, da nehmen wir das kompakte Equipment lieber mit. Gummischlaufen im Inneren, am Rahmen des Hängers befestigt, sorgen für den nötigen Halt während der Fahrt.

Alternativen sind etwa Klettbänder, die man auf die Powerbank klebt und am Stoff des Anhängers vernäht oder Kabelbinder, die sowohl die Solarpaneele halten als auch Kamera und Stromversorgung fixieren.

Ob eine feste Montage möglich ist, hängt wohl vor allem vom geplanten Einsatzort und der üblichen Umgebung des Radanhängers ab. Vorteil der flexiblen Lösung: Sie lässt sich bei einer Urlaubsreise auch ins Auto legen.

Größter Nachteil der WLAN-Kameras: Ist das Handy mit der Kamera verbunden, verliert es seine Internet-Verbindung. Leider gehen Smartphones nach wie vor standardmäßig davon aus, dass eine WLAN-Verbindung auch für den Internet-Zugang sorgt. Anrufe kommen zwar nach wie vor durch, Messenger-Dienste oder GPS-Freigaben aber nicht. Immerhin lässt sich die WiFi-Verbindung mit einem Fingertipp bei Bedarf an- und abschalten, um etwa eine mögliche Planänderung bei einem kurzen Stopp an Freunde mitzuteilen.

Die zweite Herausforderung sind die zugehörigen Apps. Bei den günstigen Kameras handelt es sich ausnahmslos um China-Ware, was in Puncto Bildqualität und Zuverlässigkeit unserer Erfahrung nach kein Problem darstellt, aber die Apps ... naja. Sobald das Live-Bild einmal zu sehen ist, sind hier auch keine größeren Hürden zu erwarten, aber die erste Einrichtung kann durchaus etwas fummeliger sein. Man sollte sich damit nicht fünf Minuten vor der geplanten Fahrt auseinandersetzen, sondern ausreichend Zeit einplanen, um die Technik zum Laufen zu kriegen und anständig zu montieren.

Wir haben für unseren Aufbau eine No-Name-Mini-Kamera mit Schwanenhals benutzt. Sie ist unter verschiedenen Markennamen bei diversen Online-Shops zu finden, beispielsweise als Uyikoo Schlangenkamera für circa 45 Euro bei Amazon. Grund für die Entscheidung: Der Schwanenhals, an dem die Linse sitzt, ermöglicht eine freie Befestigung der Powerbank. Die Kamera lässt sich immer so ausrichten, dass man das Gesicht des Nachwuchses sucht.

Zwar würden wir uns manchmal über einen größeren Weitwinkel wünschen, um zum Beispiel sehen zu können, wohin der Schnuller geflogen ist – aber um zu wissen, dass das Geschrei von hinten gerade wegen des fehlenden Schnullers aktiviert wurde und nicht, weil irgendwelche Extremitäten kurz vor der Abschnürung durch die Gurte sind, reicht für eine beruhigte Fahrt aus.

Eine Auswahl passender Kameras inklusive WLAN-tauglichen Actioncams sowie Handy-Halterungen für das Fahrrad zeigt das folgende Preisvergleichs-Element.

Mit 60 bis 70 Euro kommt man hin – für Kamera, Powerbank und Smartphone-Halterung am Lenkrad. Wer nicht ohnehin auf der Suche nach einer Action-Cam ist, macht mit den günstigen Produkten nichts falsch. Das ist kein hoher Preis für das beruhigende Gefühl, zu wissen, was beim Nachwuchs los ist. Und es erhöht die Verkehrssicherheit, weil radelnde Eltern sich nicht dauernd umdrehen müssen.

Übrigens: Mein Kollege Philipp hat das gleiche Projekt schon im Auto durchgeführt: Kameras für den Kindersitz

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