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iPhone als Verhütungscomputer und günstige Alternativen

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Ab Herbst 2019 wird das iPhone in Verbindung mit einer Apple Watch zum Verhütungscomputer. Die Kaufberatung zeigt, wie das funktioniert und welche günstigen Alternativen sich anbieten.

Mit dem Herbst-Update der Apple Watch auf WatchOS 6 wird Apples Armbanduhr zum Verhütungscomputer und protokolliert den weiblichen Zyklus. Mit der neuen Zyklustracking-App eignen sich Watch und iPhone dann sogar zur Empfängnisverhütung. Welche zusätzliche Hardware dafür nötig ist und deutlich günstigere Komplettlösungen zur Zykluserfassung zeigt diese Kaufberatung.

Wenn Apple im September 2019 iOS 13 und watchOS 6 ausrollt, werden Besitzerinnen der Apple Watch und kompatiblen iPhones eine neue Gesundheits-App vorfinden: Die Zyklustracking-App erlaubt das Dokumentieren und Auswerten des Menstruationszyklus. So kann über die Health-App künftig sehr genau bestimmt werden, wann die nächste Periode ansteht. Zudem dürfte das Update besonders für Frauen interessant sein, die keine Hormone zur Schwangerschaftsprävention einnehmen oder eine Schwangerschaft planen. Denn mit dem neuen Gesundheits-Feature wird Apples Health-App zum Baby-Planer einerseits und zum Verhütungscomputer andererseits. Für letzteres Feature ist jedoch zusätzliche Hardware notwendig, denn fruchtbare Tage lassen sich innerhalb der App ausschließlich mittels täglicher Dokumentation der Basaltemperatur sicher ermitteln. Wer keine Schwangerschaft plant, sondern künftig mittels Apple Watch oder iPhone verhüten möchte, muss Zubehör kaufen.

Die beliebtesten Verhütungsmittel der Deutschen 2018.

Sogenannte Verhütungscomputer oder Zykluscomputer sind bereits seit rund zehn Jahren auf dem Markt erhältlich und entwickeln sich stets weiter. So ließen sich mit der Erfindung des Smartphones erste Geräte auch mit einer kompatiblen App verbinden – doch wie sicher ist ein Verhütungscomputer eigentlich?

Der amerikanische Wissenschaftler Raymond Pearl hat den nach ihm benannten Pearl Index entwickelt, der die Sicherheit von Verhütungsmitteln bestimmt. Es gilt: Je kleiner der Pearl Index, desto sicherer die Verhütungsmethode. An einem Beispiel: Ein Pearl Index von 0,1 besagt, dass von 1000 Frauen, die über ein Jahr das gleiche Verhütungsmittel verwenden, im Durchschnitt eine Frau schwanger wird. Die Anti-Baby-Pille ist laut Statista Deutschlands beliebtestes Verhütungsmittel. Sie wird mit einem Pearl Index von 0,1 bis 0,9 beziffert und gilt damit als das aktuell sicherste Mittel zur Schwangerschaftsprävention. In Sachen hormonfreier Verhütung liegen Verhütungscomputer mit einem Pearl Index von 0,4 bis 1,4 laut Pro Familia weit vorne.

Bei allen Verhütungsmitteln gilt der Pearl Index nur bei korrekter Anwendung. Bei Anwendungsfehlern ist das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft höher.

Zykluscomputer arbeiten mit der Anwenderin eng zusammen und sind auf tägliche Daten angewiesen. Dazu gehört neben Dokumentationen zur Dauer der Monatsblutung auch das morgendliche Erfassen der Basaltemperatur. Diese wird unmittelbar nach dem Aufwachen zu einer festen Zeit mit einem Thermometer unter der Zunge gemessen. Fruchtbare und unfruchtbare Tage lassen sich mittels dieser Temperatur bestimmen, da die Basaltemperatur von Frauen im Laufe des monatlichen Zyklus minimalen aber wiederkehrenden Schwankungen unterliegt.

So ist die Basaltemperatur in der ersten Hälfte des Zyklus niedriger als in der zweiten Zyklushälfte. Dabei ist die Basaltemperatur zum Zeitpunkt des Eisprungs stets am niedrigsten und steigt in den darauffolgenden zwei Tagen um 0,2 bis 0,5 Grad an. So lassen sich mittels Temperaturerfassung sehr zuverlässig die wenigen fruchtbaren Tage vor und am Tag des Eisprungs im Zyklus einer Frau berechnen – eine gute Methode zur Empfängnisverhütung oder Planung einer Schwangerschaft.

Apple erfindet mit seiner Zyklustracking-App das Rad nicht neu. Im Apple Store sind zahlreiche kostenfreie und kostenpflichtige Apps von Clue, LadyCycle, MyNFP oder Flo verfügbar. Im Jahr 2017 kritisierte Stiftung Warentest jedoch in einem umfangreichen Bericht zum einen die mangelhafte Genauigkeit, mit der 18 von 24 Tracking-Apps den weiblichen Zyklus aufzeichneten. Zum anderen ist bei zahlreichen Zyklus-Apps die Datenverarbeitung für die Nutzerin nicht transparent. Frauen sollten hier vor allem bei kostenlosen Tracking-Apps ohne Werbeeinblendungen stutzig werden. Diese Apps verdienen womöglich Geld mit der Weitergabe von Gesundheitsdaten. Denn mittlerweile lassen sich bei zahlreichen Apps neben Informationen zur Menstruation auch Daten wie Basaltemperatur, Stimmungslage, sexuelle oder sportliche Aktivität und sogar Arztbesuche und Diagnosen eintragen.

Apple verspricht sensiblen Umgang mit dieser Art von Daten und legte bereits in der Vergangenheit großen Wert auf Verschlüsselung der innerhalb der Health-App dokumentierten Werte. Die Apple Watch könnte so samt Zyklustracking-App so zu einer sicheren und zuverlässigen Tracking-Alternative für den weiblichen Zyklus werden.

Beurer Basalthermometer

Wer bereits im Besitz einer Apple Watch ist und mit dem Update auf watchOS 6 nicht nur Daten zur Menstruation, sondern auch die Körpertemperatur zur Bestimmung fruchtbarer Tage dokumentieren möchte, benötigt dazu ein separates Präzisionsthermometer. Am bequemsten und zuverlässigsten ist die Übertragung der Daten an das Smartphone per Bluetooth. Das Basalthermometer von Beurer bietet diese Schnittstelle und ist zu iOS sowie Android kompatibel. Die zugehörige, kostenlose App Ovy fügt die Messwerte zu einer Prognose zusammen und schickt über das Smartphone Benachrichtigungen zu Fruchtbarkeit und nächster Menstruation. Das Basalthermometer von Beurer funktioniert deshalb auch ohne Apple Watch als Zyklusthermometer, erlaubt aber zusätzlich die Integration der Messwerte in Apples Health App. In Bezug auf die Konkurrenz braucht das Thermometer vergleichsweise lange zum Messen der Basaltemperatur: Ganze drei Minuten dauert ein Messvorgang laut Hersteller. Zum Vergleich: Die Erfassung der Temperatur beim Verhütungscomputer Daysy liegt gerade einmal bei einer Minute.

Beurer OT 30 Basal Zyklus-Thermometer (791.06)

Beurer Thermometer

(Kein Produktbild vorhanden)

Dppan Basalthermometer

Daysy von Valley Electronics

Neben Produkten von Persona und Cyclotest hat sich in den vergangenen sechs Jahren vor allem ein Produkt zum Verkaufsschlager entwickelt: Daysy von Valley Electronics. Der weiße Zykluscomputer sieht aus wie ein Thermometer mit übergroßem Griff, besitzt kein Display, sondern zeigt fruchtbare und unfruchtbare Tage mittels roter und grüner LED direkt an. Eine dritte LED leuchtet gelb und macht die Nutzerin entweder über starke Zyklusschwankungen aufmerksam (dann sollte kein ungeschützter Geschlechtsverkehr vollzogen werden) oder zeigt sich während der ersten Wochen permanent, wenn der Zyklus der Frau erst noch „erlernt“ wird. Das ist bei Zykluscomputern normal und für eine sichere Prognose fruchtbarer Tage sehr wichtig. Wenn alle Farben des Daysy leuchten, liegt möglicherweise eine Schwangerschaft vor. Ein permanentes rotes blinken zeigt an, dass der Eisprung an diesem Tag stattfindet.

Eine übersichtliche Auswertung mit Zyklus-Verlaufskurven und Fruchtbarkeits-Prognosen finden Nutzerinnen von Daysy in der zugehörigen App DaysyView, die für iOS und Android kostenfrei zur Verfügung steht. Das aktuelle Modell aus 2018 besitzt zudem eine Bluetooth-Schnittstelle und überträgt die Messwerte automatisch an die App. Hier erfahren Nutzerinnen außerdem in einem Zykluskalender, wann die nächste Periode voraussichtlich einsetzen wird. Besonders praktisch ist hier die Export-Funktion, über die alle Daten ausgedruckt und mit dem behandelnden Gynäkologen für detaillierte Diagnosen geteilt werden können.

Der Verhütungscomputer Daysy von Valley Electronics ist für etwa 300 Euro im Handel erhältlich. Ob Apple künftig über die aktualisierte Health-App Messwerte von Daysy zur Auswertung verwenden kann, ist noch unklar. Sollte dies möglich sein, ließe sich die Zyklustracker-App von Apple mit Messwerten von Daysy füllen.

Cyclotest Myway

Im Gegensatz zum sehr einfach gehaltenen Verhütungsmonitor Daysy kommt die Alternative von Cyclotest im Rundumpaket mit Monitor und kabelgebundenem Basalthermometer. Das Prinzip des Cyclotest Myway ist jedoch identisch zum Daysy Verhütungscomputer: Vor dem Aufstehen messen Frauen unter der Zunge die Körpertemperatur – diese verarbeitet der Verhütungscomputer für Prognosen zu fruchtbaren und unfruchtbaren Tagen sowie Eisprung und Beginn der nächsten Menstruation. Das Gerät von Cyclotest hebt sich allerdings mit erweiterten Features ab: Frauen können mit zusätzlichen Daten wie Zervixschleimbeschaffenheit oder Hormonkonzentration durch Ovulationstests die Messgenauigkeit der Zyklusphase und somit Sicherheit bei der Empfängnisverhütung erhöhen. Zudem bietet der Cyclotest Myway mit dem sogenannten Moduswechsel einen schnellen und praktischen Switch zwischen Kinderwunsch und Verhütung an. Ab Werk läuft der Zykluscomputer im Verhütungsmodus und bietet folgende Features ausschließlich beim Wechsel in den Kinderwunsch-Modus:

  • Anzeige hochfruchtbarer Tage
  • Hinweis auf mögliche Gelbkörperschwäche
  • Geburtsterminplaner
  • Schwangerschaftsanzeige
  • Berechnung des Geburtstermins

Der Cyclotest Myway kommt ohne Bluetooth-Schnittstelle und kann deshalb nicht in eine App integriert werden. Der Hersteller bietet jedoch eine kostenlosen Software an, mit der die Daten exportiert und ausgedruckt werden können. Ab 275 Euro ist der Cyclotest Myway im Handel erhältlich.

Persona von Clearblue

Der Persona Verhütungscomputer von Clearblue erstellt einen Zykluskalender mit fruchtbaren und unfruchtbaren Tagen ganz ohne morgendliche Messung der Basaltemperatur. Das kompakte Gerät mit Bildschirm und Schnittstelle für Ovulationsteststreifen misst die Konzentration der weiblichen Hormone Östrogen und luteinisierendes Hormon (kurz LH) im Urin, die mittels Teststreifen an 16 festgelegten Tagen (im ersten Zyklus, danach an acht Tagen) des Zyklus eingeben werden müssen. Der Verhütungscomputer erstellt anhand der Hormonkonzentration einen Zyklusplan und gibt Prognosen zur nächsten Menstruation und zu fruchtbaren Tagen.

Neben dem Vergleichsweise günstigen Basis-Gerät zur Eingabe der Hormonwerte müssen Frauen hier zusätzlich kompatible Ovulationstests beim Hersteller kaufen. Die Vier-Monats-Packungen sind im Internet ab 35 Euro erhältlich. Mit dem Persona Verhütungsmonitor entstehen so laufende Kosten, die mit Vergleichsgeräten – ausgelegt auf die Messung der Basaltemperatur – wegfallen. Der einzige Vorteil ist, dass nicht täglich, sondern ab dem zweiten Zyklus nur an acht Tagen pro Zyklus eine Hormonspiegel-Messung zur Bestimmung von fruchtbaren und unfruchtbaren Tagen vorgenommen werden muss. Die Daten des Persona Verhütungscomputers lassen sich künftig auch in der Apple Watch App zum Zyklus-Tracking dokumentieren.

Der Persona Verhütungscomputer ist ab 35 Euro im Handel erhältlich.

Die Masse an unterschiedlichen Methoden zur digitalen natürlichen Familienplanung zeigt bereits, dass es bei der Wahl des passenden Zykluscomputers vor allem auf die Anwendungsvorlieben ankommt. Wer sein iPhone oder die Apple Watch ohnehin schon mit zahlreichen Gesundheitsdaten füttert und es kaum abwarten kann, auch den Zyklus genau zu dokumentieren, sollte sich ein Präzisionsthermometer mit Bluetooth-Schnittstelle, wie von Beurer, zulegen und unter watchOS 6 mit dem Tracking loslegen. Diese Methode ist ohne vorhandene Apple Watch zudem die günstigste, da Hersteller hier oft Apps zur Dokumentation mitliefern.

Wer lieber ein Gerät nutzen möchte, das Thermometer und Monitor vereint und zudem mangels Internetverbindung keine Daten weiterleitet, sollte sich für die Kompaktlösung von Cyclotest entscheiden. Ausgeklügelte Zykluscomputer können zudem deutlich schneller die Temperatur erfassen – das kann vor allem bei Frauen, die nach dem Aufwachen beim Stillhalten für die Messung schnell wieder einschlafen, wichtig sein. Sowohl der Cyclotest als auch die bildschirmfreie Alternative Daysy bieten diesen Komfort.

Noch bequemer geht das monatliche Dokumentieren des Zyklus mit Ovulations-Monitoren, die mittels Teststreifen ausschließlich auf die Auswertung der Konzentration des Hormonspiegels setzen. Nach dem ersten Zyklus muss der Persona Verhütungsmonitor nur noch an acht Tagen des Zyklus in die Hand genommen werden. Nachteil sind die dauerhaft laufenden Kosten, die durch die Anschaffung der Teststreifen entstehen. Auch der Umweltaspekt aufgrund von entstehendem Papier- und Plastik-Abfall durch Verpackung, Schutzversiegelung und Teststreifen sollte hier bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden.

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