Gut und günstig? Smart-Home Xiaomi Aqara im Test

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Smart-Home-Sensoren zum Schnäppchenpreis: Bewegungsmelder, Öffnungskontakte oder Wassersensoren aus China sind kein Geheimtipp mehr, sondern bewährt. Wir blicken auf drei Jahre Erfahrung und neue Komponenten.

Zunächst kamen sie noch vom chinesischen Technologie-Konzern Xiaomi, der sich inzwischen mit seinen Smartphones, Elektronik-Produkten und Haushaltsgeräten einen guten Ruf in Deutschland schaffen konnte. Die Smart-Home-Sparte hört inzwischen auf den Markennamen Aqara. Weiterhin gibt es zuverlässige Sensoren mit Zigbee-Funk zum Schnäppchenpreis – und wer auf die Homekit-Anbindung setzt, kann auf die chinesische Cloud verzichten und die Komponenten offline verwenden.

In der Vergangenheit konnten die Smart-Home-Produkte vor allem aufgrund ihres günstigen Preises und der hohen Zuverlässigkeit begeistern, allerdings nur in Kombination mit Bastel-Lösungen wie der Open-Source-Steuerzentrale ioBroker. Die zugehörige App der ersten Generation war nämlich, nunja, relativ chinesisch, sprich: Auch bei deutscher Spracheinstellung mangelt es hier und da vollständig an Übersetzungen, Push-Mitteilungen auf dem Smartphone enthalten chinesische Schriftzeichen und die Bedienung ist wenig intuitiv.

Die neue Aqara Home App ersetzt die alte Xiaomi Home App und macht vieles besser. Okay, auf dem Niveau etwa der App der Bosch Smart Home Alarmanlage mit ihren tollen Grafiken, Erklärungen und einem interaktiven Einrichtungsassistenten ist sie nicht. Aber sie ist solide, verständlich und funktional, wenn auch nicht immer ganz übersichtlich. Zwar könnte man über die App das ganze Smart Home konfigurieren und steuern, Regeln anlegen und so weiter, doch dafür gibt es bessere Lösungen. Als Anbindung an Apple Homekit oder andere vorhandene Smart-Home-Lösungen wie ioBroker, die die Logiken hinter Sensoren und Aktoren übernehmen, ist Aqara wunderbar. Und: Wer ohnehin schon auf Apple setzt, bekommt mit Homekit auch eine simple, leistungsfähige und optisch ansprechende Visualisierung für iPad und iPhone mit dazu.

Das Grundprinzip ähnelt Philips Hue (Testbericht) . Zwingend nötig für den Betrieb ohne Basteln ist der Aqara Hub. Er steckt als einziges Gerät in einer Steckdose, verbindet sich via WLAN mit dem Netzwerk im Haus und dem Internet und stellt die Verbindung zu den Funkkomponenten her. Vom Aqara Hub gibt es inzwischen mehrere Versionen. Die Ur-Ausführung kommt ohne Euro-Stecker; wir haben sie über ein Jahr im Einsatz gehabt – aus heutiger Sicht ist es aber nicht sinnvoll, sie noch zu kaufen. Sie unterstützt kein Homekit und bei 32 Funk-Sensoren ist Schluss. Aktuell besteht die Wahl zwischen dem Hub M1S und dem neuen Hub M2, der uns bereits zum Test vorliegt und demnächst in den Handel kommen soll. Beide Modelle sprechen mit bis zu 128 Aqara-Sensoren und -Aktoren.

Hauptunterschiede: Das M1S hat ein integriertes RGB-Licht und funkt ausschließlich per WLAN, das M2 hat statt RGB-Beleuchtung einen Infrarot-Blaster zur Fernsteuerung von Fernsehern & Co. über die Smart-Home-Anbindung, und neben WLAN auch einen Anschluss fürs Netzwerkkabel.

Die Kommunikation zwischen den Sensoren und Aktoren und dem Aqara-Hub erfolgt über Zigbee 3.0. Dieser Funkstandard wurde explizit für Smart-Home-Komponenten entwickelt und zeichnet sich durch hohe Zuverlässigkeit, eine für Privathaushalte dank Mesh ausreichende Reichweite und niedrige Energieaufnahme auf. Letzteres ist für die batteriebetriebenen Sensoren sehr wichtig. Bewegungsmelder und Magnetkontakte für Türen und Fenster laufen mit einer Knopfzelle und halten laut Hersteller bis zu zwei Jahren durch.

In der Tat: Die Sensoren der ersten Generation sind beim Autoren dieser Zeilen bereits seit Anfang 2018 durchgehend im Einsatz. Aufgrund einer kontrollierten Wohnraumbelüftung haben die Fensterkontakte zwar nicht sonderlich viel zu tun, aber bislang laufen 15 Magnetkontakte und sogar ein PIR-Bewegungsmelder im WC ununterbrochen – mit der ersten, mitgelieferten Batterie. Selbst die Knopfzelle der täglich geöffneten Durchgangstür zur Garage zeigt noch eine Spannung von über 3,0 von ursprünglich 3,2 Volt und wird mit einem Ladezustand von 100% angegeben.

Die Komponenten werden je nach Generation unter den Markennamen Xiaomi, Mi (Mijia) und Aqara gehandelt; Aqara sind die neuesten. Wichtig ist hier vor allem der Unterschied beim Gateway, dem Aqara Hub: Nur die neue Version ist mit EU-Stecker zu haben und kompatibel zu Homekit. Wer den aktuellen Hub einsetzt, kann auch Funksensoren und Aktoren der früheren Versionen verbinden. Inzwischen ist die Verfügbarkeit der älteren Sensoren aber kaum noch gegeben.

Über die passende App, die es kostenlos für Android und iOS gibt, lernt man zunächst die verschiedenen Sensoren und Aktoren an. Sofort kann man in der App den Status einsehen – etwa, welche Fenster geöffnet sind, welcher Bewegungsmelder etwas erkannt. Auch Aktoren lassen sich dann schalten, beispielsweise das im Gateway integrierte Nachtlicht aktivieren.

Auch komplexere Aufgaben lassen sich über die App konfigurieren, darunter die typische Wenn-Dann-Logik. Beispiel: Wenn der Wassersensor unter der Waschmaschine anspricht, dann sende eine Push-Nachricht aufs Smartphone. Wenn der Bewegungsmelder im Flur anspricht, schalte das Nachtlicht im Aqara Hub für fünf Minuten auf grün. Wenn das Fenster im Bad länger als 30 Minuten offen ist, sende eine Push-Nachricht.

Coole Sache, aber da kommt gleich der große Haken: Aqara ist unglaublich gut aufgestellt bei Sensoren, die etwas feststellen – aber nicht bei Aktoren, die etwas machen. An dieser Stelle bräuchte man nun Sirenen, Lampen, Dimmer, Zwischenstecker und so weiter. Immerhin, der erste Aqara-Zwischenstecker ist gleichzeitig mit dem neuen Hub M2 geliefert worden. Ausführlich getestet haben wir ihn noch nicht, aber auf Anhieb funktioniert er und erfüllt seinen Job.

An dieser Stelle kommt die hervorragende Unterstützung von Smarthome-Schaltzentralen wie der Open-Source-Lösung ioBroker ins Spiel. Auf einem Raspberry Pi oder einem anderen Server installiert, sorgt die Software für eine plattformübergreifende Visualisierung per Webbrowser, für die Anbindung von Smart-Home-Komponenten anderer Hersteller wie AVM (Zwischenstecker und Heizkörperthermostate) , Philips Hue (smarte Beleuchtung) , Türstationen von Doorbird, den KNX-Bus oder die Sprachsteuerung via Amazon Alexa oder Google Home . Eine vollständige Übersicht über alle Adapter zur Kommunikation mit Komponenten diverser Hersteller findet sich auf der ioBroker-Webseite .

Zugegeben: Das ist eine Bastellösung. Allerdings eine sehr gute. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, sollte aber Grundkenntnisse in IT, Netzwerkinfrastruktur und Smart Home mitbringen – oder zumindest Interesse und die Bereitschaft, sich in Foren ordentlich einzulesen.

Deutlich einfacher geht es mit Apple Homekit. Der Ruf der Smart-Home-Lösung von Apple war in der Vergangenheit nicht der Beste. Schuld daran sind vor allem die teuren, energiehungrigen und reichweitenschwachen Bluetooth-Komponenten der Anfangszeit, doch das ist passé. Die Anbindung beispielsweise der Aqara-Komponenten an Homekit erfolgt bereits bei der Ersteinrichtung. Das System meldet sich als Sicherheitssystem, sprich als Alarmanlage, bei Homekit an und sämtliche angelernten Sensoren und Aktoren tauchen sofort in der Home-App auf iPhone und iPad auf. Etwas fummelig ist, dass man die einzelnen Komponenten an mehreren Stellen sinnvoll benennen muss, um sie auch wiederzufinden, und dass man sie sowohl in der Aqara- als auch in der Home-App auf die jeweiligen Räume sortieren muss. Das wäre sicherlich schöner gegangen, ist letztlich aber auch bei einer umfangreichen Smart-Home-Installation nur eine einmalige Sache von Minuten. Wer ein iPad mit Home-App (ab iOS 10), ein aktuelles Apple TV oder einen Homepod-Lautsprecher zuhause hat, kann sämtliche Regeln und Automatismen inklusive Anwesenheitserkennung der Bewohner über Homekit laufen lassen und hat ohne weiteres Zutun auch außer Haus über das Internet Zugriff auf alle Status-Informationen, kann Lichter schalten und so weiter.

Ohne Hub geht nichts, ansonsten alles nach Bedarf. Besonders begehrt sind die günstigen Magnetkontakte für Türen und Fenster, die batteriebetriebenen und selbstklebenden Bewegungsmelder, die aufgrund des günstigen Preises auch für exotische Aufgaben wie eine Unter-Bett-Beleuchtung oder eine stockwerksweise Treppenbeleuchtung zum Einsatz kommen. Bastler nutzen die Vibrationsmelder, um beispielsweise den Posteinwurf am Briefkasten zu erkennen und per Push-Mitteilung auf neue Briefe hinzuweisen oder an Fensterrahmen oder -Scheiben zur Einbruchserkennung. Der Feuchtigkeitssensor warnt bei Überschwemmungen an Waschmaschine, Trockner, abtauender Kühltruhe oder im Bad, außerdem gibt es günstige Sensoren, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck messen.

Klasse in Kombination mit ioBroker oder Apple Homekit sind auch die Eingabegeräte – etwa Lichtschalter, die mit doppelseitigem Klebeband überall ihren Platz finden. An der Wand, unterm Wohnzimmertisch oder im Schrank, und je nach angebundenen Komponenten schalten sie Hue-Leuchten, über Zwischenstecker Stehlampen oder die Kaffeemaschine, über Logitech Harmony den Fernseher oder regeln die Lautstärke der Musikwiedergabe. Wer es richtig abgefahren mag, bestellt sich noch den Gesten-Würfel dazu: Er führt unterschiedliche Aktionen aus, wenn man ihn dreht, neigt, schüttelt, klopft oder auf eine bestimmte Seite legt – etwa volle Beleuchtung im Wohnzimmer, Fernsehlicht oder gemütliche Lichtstimmung zum Essen.

Wann immer es um chinesische Produkte geht, liegt dieser Punkt früher oder später auf dem Tisch. In früheren Versionen war das durchaus ein Thema. Wer die chinesische Version des Aqara Hub, Mi Hub oder Xiaomi Hub einsetzt, muss die Region in der App auf China stellen – ansonsten lassen sich die Produkte nicht anlernen. Das soll wohl mit der europäischen DSGVO zu tun haben.

Wer datenschutzkonform unterwegs sein möchte (und dem Hersteller glaubt, dass das so auch stimmt), braucht die europäische Version des Gateways und muss die Aqara-App statt der Mi Home App einsetzen. Stellt man die Region dort auf Europa, ist die Hardware nur noch zu Homekit kompatibel – Wenn-Dann-Verknüpfungen, Schaltaufgaben & Co. lassen sich dann über die Apple-Umgebung realisieren und die Umsetzung erfolgt offline über eine Homekit-Steuerzentrale (iPad, Apple TV oder Apple Home).

Die Sensoren haben sich in über drei Jahren Praxiseinsatz absolut bewährt. Die Hardware ist ordentlich verarbeitet, die Funktionalität klasse. Als Stand-Alone-Lösung mit China-App und China-Cloud würden wir die Komponenten nicht einsetzen – aber als Ergänzung in einem Smart Home auf ioBroker- oder Homekit-Basis sind die Aqara-Sensoren nicht nur gut, sondern auch in Puncto Preis-Leistung unschlagbar.

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