Externe SSD-Festplatte selber bauen? Besser, günstiger und mehr Funktionen

Dockcase 2.5 Smart Hard Drive Enclosure

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Wer eine SSD unterwegs nutzt, greift zum Fertigmodell oder baut mit Gehäuse selbst einen externen Datenträger geschützt vor Wasser, Stürzen oder Stromausfall.

Preise von Flash-basiertem Speicher wie etwa eine SSD oder NVMe kennen preislich nur eine Richtung: nach unten. Während sich der Grafikkartenmarkt erst langsam wieder erholt, ist NVMe-basierter Flash-Speicher so günstig wie nie. 1 TByte Speicher kostet etwa weniger als 90 Euro. In diesem Ratgeber zeigen wir, wann es sich lohnt, eine externe SSD mit einer passenden USB-Hülle selbst zu bauen und bis zu welcher Größe man besser etwas Fertiges kauft.

Wer lieber selbst einen mobilen Datenträger aus einer SSD und einem externen Gehäuse baut, hat einige Vorteile. Bei der Auswahl des Gehäuses kann der Käufer flexibel auf seine eigenen Bedürfnisse eingehen. Soll es ein möglichst robustes Gehäuse sein? Muss es wasserdicht sein? Braucht es eine Notstromversorgung? Zudem besteht so die Möglichkeit, die freie Wahl bei der Auswahl des Datenträgers zu haben und etwa eine besonders schnelle NVMe-SSD dafür zu nutzen.

Ganz kurz eine Einordnung zu Beginn: Eigentlich ist eine interne oder externe SSD oder ein M.2-NVMe-Speicher keine Festplatte im klassischen Sinn. Die Festplatten sind, streng genommen, die mechanischen Platten, auf die ein Arm magnetisch Informationen ablegt oder von diesen liest. Bei einer SSD gibt es diese mechanischen Komponenten nicht, stattdessen liegen die Daten digital im Speicher vor. Der bessere Oberbegriff wäre Datenspeicher – leider hat sich SSD-Festplatte aber eingebürgert.

Auch eine NVMe ist ein Solid-State-Drive, also SSD. In diesem Text unterscheiden wir die Bauform, SSD beschreit die klassische 2,5-Zoll-Größe mit SATA-Anschluss, NVMe meint die flachen Riegel mit M.2-Anschluss.

Gegenüber einer externen, mechanischen Festplatte haben portable SSDs den großen Vorteil, dass es keine mechanischen Komponenten zum Auslesen der Daten benötigt. Damit sind die SSDs per se robuster. Anders als bei externen Festplatten muss man keinen Headcrash fürchten, wenn die Platte etwa beim Speichern vom Tisch fällt. Außerdem punkten sie bei der Geschwindigkeit, was sich beispielsweise bei Videoschnitt oder beim Laden von Spielen oder Programmen, die auf dem externen Speicher installiert sind, positiv bemerkbar macht.

Unzerstörbar sind die externen SSDs allerdings nicht. Anfällig sind unter anderem die USB-Anschlüsse, hier kann es zu mechanischen Defekten kommen. Auch hier sollte man eine Sicherung der wichtigen Daten anfertigen. Mehr dazu erklären wir im Ratgeber Grundlagen Datensicherung: Backup für Windows.

Teilweise hört man, dass man SSDs nur unter Windows oder Mac OS hernehmen kann und man sich vorab entscheiden müsse. Das stimmt nur zum Teil. Wer die portablen SSDs zum Austausch zwischen Mac und Windows nutzen möchte, der kann sie per FAT32 oder exFAT formatieren. FAT32 kann allerdings nur Dateien kleiner als 4 GByte verarbeiten, für den Austausch von Videomaterial eignet sich das nur bedingt.

exFAT hat keine Größenbeschränkung, das Format hat aber den Ruf, Daten nicht sorgsam zu behandeln und Fehler zu produzieren. Zum Austausch von Informationen, Bildern und Videos ist das normalerweise kein Problem, solange die Originale sicher aufgehoben sind. Windows setzt inzwischen komplett auf NTFS. Das Format lässt sich unter Mac zwar lesen, wer aber Daten auf die Sticks schreiben möchte, der kommt um ein paar Umwege nicht herum. Die einfachste Lösung ist das Mac-OS-Tool Mounty for NTFS. Wer nur mit einem Mac arbeitet, der sollte die externen Datenspeicher per APFS formatieren, das Standard-Dateiformat von Apple. Windows-Nutzer benötigen dann aber ein Zusatzprogramm. Mehr dazu schildert der Artikel Apples Dateisystem APFS von heise online.

Die Leistung der externen Festplatte hängt von mehreren Punkten ab. Am relevantesten ist die verfügbare USB-Schnittstelle. Mit der Einführung von USB-C hatte man zwar gehofft, dass die Bezeichnungen weniger und einheitlicher werden, tatsächlich hat sich hier wenig getan. USB-C kann zwischen 5 GBit/s und 20 GBit/s liefern, je nach Ausbau. Die Kollegen der c’t erklären es im Artikel USB-C: Der Alleskönner im Detail.

Für diesen Ratgeber haben wir uns drei externe SSD-Speicher vorgenommen. Diese schließen wir per USB-C an einem USB 3.1 und einem schnellen USB 3.2 Gen 2 Port an. Letzteren haben wir über eine PCI-Karte nachgerüstet. Anschließend nutzen wir den Data Drive Storage Benchmark von PCMark und testen damit die drei Geräte. Der Benchmark schreibt insgesamt knapp 15 GByte an Daten, er versucht so realistisch wie möglich zu sein. Damit ist er weit weg von den theoretischen Spitzen, die die Systeme erreichen können. Aber er zeigt gut, was die Geräte im Alltag liefern.

Der Test emuliert unter anderem den Boot von Windows, den Start von Photoshop oder Illustrator, das Kopieren von Dateien oder das Arbeiten in Excel. Wir nutzen daraus hauptsächlich die Bandbreite, die in MByte/s angegeben wird. Je höher der Wert, desto besser.

USB-C 3.1 USB-C 3.2 2x2 Intern
Orico GV100                139               162  x 
LaCie Rugged SSD Pro               202               229  x 
WD Black in USB-Gehäuse               156               205  x 
SATA 6, intern  x   x                  75
NVMe, intern  x   x                488
Alle Angaben in MByte/s, gerundet

Bei den richtig großen externen SSDs ist der Markt schon deutlich spannender. Wer hier fertig kauft, der muss zunächst definieren, welchen USB-C-Standard es sein soll. Kurz: je schneller, desto teurer. Eine externe SSD mit 1 TByte Speicher und USB-C 3.0 kosten etwa 80 Euro. Bei USB-C 3.1 ist der Einstieg etwas höher, rund 90 Euro zahlt man – entsprechend würden wir in jedem Fall zum schnelleren Standard raten. USB-C 3.2 ist derzeit weniger interessant. Hier zahlt man für 1 TByte mindestens 130 Euro. Wasserfeste externe Datenträger bekommt man mit 512 GByte ab 70 Euro, mit 1 TByte ab 120 Euro.

Ab USB 3.2 ist es alternativ sinnvoll, eine eigene NVMe-SSD einzusetzen. Man benötigt dazu ein externes Gehäuse und eine dazu passende NVMe. Tatsächlich ist der einzige Stolperstein, ein Gehäuse mit SATA-Anschluss zu finden. Hier muss man unbedingt auf ein schnelles NVMe-/PCIe-Interface achten. Die Gehäuse beginnen ab etwa 37 Euro. Die NVMe-Speicher kosten derzeit ab etwa 60 Euro für 1 TByte. Beides zusammen ist also nur unwesentlich teurer, als eine fertige externe SDD.

Den Vorteil bemerkt man, sobald man einen entsprechend schnellen Anschluss findet. Wo die Selbstbau-NVMe bei einem USB-C-Anschluss nach 3.1 bis zu 156 MByte/s schafft, steigt der Wert der gleichen Festplatte in unserem Testsystem an einem USB-C 3.2 Gen 2-Anschluss auf 204 MByte/s. Unsere günstige SSD Orico GV100 schafft dagegen knapp 162 MByte/s. Die LaCie Rugged SSD Pro mit Thunderbolt-Anschluss kann den schnellen USB-Port ebenfalls voll nutzen und erreicht 229 MByte/s. Dafür kostet der externe Speicher aber auch knapp 388 Euro. Zum Vergleich, eine interne SATA erreicht im Benchmark knapp 75 MByte/s, eine interne NVMe liegt mit 488 MByte/s weit vor dem schnellsten USB-Gerät.

Für unseren Test nutzen wir ein Gehäuse von Icybox, darin steckte eine Western Digital Black SN750 (Testbericht). Der Einbau ist simpel: Alles Notwendige, bis hin zum Schraubendreher, liegt im Paket. Im Grunde muss man das Gehäuse nur öffnen, den richtigen goldfarbenen Abstandhalter einsetzen und ein paar Schrauben eindrehen. Das schafft man selbst mit wenig Erfahrung schnell.

Lässt man Fragen nach dem Preis oder dem Tempo außer Acht, bieten sich weitere Vorteile, auf ein externes Gehäuse zu setzen im Verbund mit einer SSD oder NVMe. Neben dem Schutz des Datenträgers durch ein abgeschirmtes Gehäuse ist eine kurzzeitige Power Loss Protection (PLP) denkbar, damit Daten beim Schreibvorgang im Falle eines Stromausfalls nicht verloren gehen.

Um ein solches Produkt handelt es sich beim Dockcase 2.5" Smart Hard Drive Enclosure, welches uns der Hersteller zum Test zur Verfügung gestellt hat. Der Clou: Fällt der Strom plötzlich aus, sorgt ein Stromausfallschutz für 10 Sekunden dafür, dass es beim Schreibvorgang zu keinem Datenverlust kommt. Das Case eignet sich für Datenträger im Format 2,5 Zoll mit SATA-Anschluss sowohl für SSDs als auch HDDs.

Ein Display auf der oberen Seite des Gehäuses macht Angaben zum Status der verwendeten SSD sowie des Notstromschutzes. Für eine schnelle Datenübertragung sorgt beim USB-C-Anschluss der Standard USB 3.2 Gen 2. Zusätzlich befindet sich ein zweiter USB-C-Steckplatz am Gehäuse zur Stromversorgung anderer Geräte mit 15 Watt. Für zusätzlichen Schutz sorgt eine dicke Silikon-Ummantelung, die man über das Gehäuse ziehen kann. So übersteht das Case bei unserem Versuch auch einen Sturz aus knapp 1,5 Meter auf harten Boden.

Regulär im Handel ist das Smart Hard Drive Enclosure von Dockcase noch nicht erhältlich. Bis zum 19. Oktober 2022 läuft dafür eine Kampagne auf Kickstarter.

Nichts ist ärgerlicher, als ein Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee, die auf dem Schreibtisch umkippen. Eine kurze Unachtsamkeit kann schnell das Ende von Elektronik und damit auch wichtigen Daten bedeuten. Abhilfe versprechen hier externe Gehäuse für SSDs mit Spritzwasserschutz.

Zu unterscheiden ist hierbei nach der IP-Zertifizierung, je höher die zweite Ziffer, desto effektiver der Schutz. IPX5 steht für "Schutz vor Strahlwasser", IPX6 für "Schutz gegen starkes Strahlwasser", IPX7 für "Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen" und IPX8 für "Schutz gegen dauerndes Untertauchen". Ein Gehäuse mit IP65 etwa sollte es überstehen, wenn ein Glas Wasser darüber geschüttet wird, wirklich wasserdicht ist es aber erst ab IPX7 oder IPX8. Die erste Ziffer steht für den Grad des Schutzes vor Fremdkörpern, 6 steht etwa für staubdicht. Mehr dazu erklären wir im Beitrag Top 10: Wasserdichte Smartphones mit IP-Zertifizierung.

Die Auswahl hält sich in Grenzen. Wer eine SATA-SSD nutzt, bekommt ab 15 Euro ein Gehäuse mit USB 3.0 und einer Schutzklasse von IP66. Das Silverstone Mammoth MMS02 bietet den größten Schutz mit IP68. Eine Variante mit IP67 für NVMe liegt bei stolzen 83 Euro.

Auch wenn eine SSD aufgrund der Technologie nicht so empfindlich ist gegen Erschütterungen, kann ein stabiles Gehäuse sehr nützlich sein für jeden, der den Datenträger oft mit sich herumträgt. Eine Gummiummantelung bietet bereit einen effektiven Schutz. Noch robuster sind Varianten, die für die Militärnorm MIL-STD-810G zertifiziert wurden. Ein entsprechendes Gehäuse mit USB 3.0 für SATA-SSD bekommt man ab 10 Euro.

Mit einem speziellen externen Gehäuse kann man für mehr Datensicherheit sorgen. Wer seine Daten nicht versehentlich bei Backups überschreiben will, kann ein Case mit Schreibschutzschalter wählen. Eine weitere Möglichkeit sind Gehäuse mit integrierter Verschlüsselung mittels AES. Diese sind mit einer 256-Bit-AES-Verschlüsselung sowie einem Sperrcode versehen. Diese gibt es sowohl für einen M.2-Anschluss als auch 2,5-Zoll-SATA. Eine andere Möglichkeit ist Biometrie: Die RaidSonic Icy Box IB-246FP-C3 etwa nutzt etwa einen Fingerabdruckleser zum Entsperren der Verschlüsselung.

Sehen wir uns nun günstige Flash-Speicher an, vor Ort hatten wir die Orico GV100. Das Modell mit 128 GByte Speicherplatz kostet knapp 50 Euro. Damit ist es nicht das günstigste, inzwischen gibt es etwa Geräte von Transcend oder Adata mit USB-C 3.1 und mindestens 240 GByte Speicher ab knapp 38 Euro. Das sind Preise, die man mit einem Selbstbau nicht erreicht. Günstiger sind in diesem Umfeld nur noch klassische Speicher-Sticks.

Die gibt es ebenfalls mit USB-C-Anschluss, allerdings erreichen sie maximal USB 3.0 und sind dadurch langsamer als SSDs. Dafür bekommt man Sticks ab 256 GByte Speicher von bekannten Herstellern wie Sandisk ab knapp 28 Euro. Wenn es also vor allem um den Formfaktor und weniger um die Geschwindigkeit geht, dann würden wir für Größen um die 256 GByte zu einem USB-Stick raten. Eine externe SSD ist aber um ein Vielfaches schneller, die richtige Schnittstelle vorausgesetzt.

Es gibt allerdings eine Ausnahme, wenn man Daten schnell zwischen Handy und PC übertragen will. Denn es gibt USB-Sticks, die neben dem klassischen USB-A-Anschluss noch Stecker für USB-C und Apple Lightning oder Micro-USB mitbringen. So kann man einen Speicher an fast jedem Gerät anschließen. Mehr dazu im Ratgeber Alleskönner: USB-Sticks mit Anschlüssen für USB-A, USB-C, Micro-USB und Lightning.

Mit den fallenden Preisen ist es tatsächlich nicht immer leicht, die beste Aussage zu treffen. Wir versuchen es im Fazit dennoch: Wenn die Geschwindigkeit zweitrangig ist, etwa weil nur Fotos oder Dokumente auf das externe Gerät wandern, dann sollte man bis knapp 256 GByte zu klassischen USB-Sticks mit USB-C-Anschluss greifen. Ja, sie sind langsamer als SSDs, aber die Preise sind hier einfach unschlagbar günstig.

Wer Daten schneller übertragen will, etwa weil man Videos von dem externen Speicher bearbeitet, der sollte knapp 90 Euro einplanen und eine SSD mit USB-C 3.1 holen. Diese Speicher sind einfach schneller als die Sticks und bieten in dieser Preisklasse bis zu 1 TByte Speicher. Damit können sie in den meisten Fällen problemlos als externe Festplatte dienen, auf der man auch mal ein Programm installieren oder von der man eine virtuelle Maschine aus starten kann.

Wer wirklich Geschwindigkeit möchte, der muss zu einer SSD mit USB-C 3.2 Gen 2 greifen – oder diese dann selbst bauen. Die meisten NVMe-Speicher, die im PC stecken, liegen bei der Leistung weit über dem, was selbst ein schneller USB-Port liefern kann. Dazu das passende Gehäuse und man bekommt für knapp 100 Euro schon einen externen Speicher, der es mit vielen internen SATA-SSDs aufnehmen kann.

Ein weiterer Vorteil eines externen Gehäuses für die SSD: Man kann flexibel das auswählen, was man braucht. Etwa eine Variante mit Notstromversorgung wie das Modell von Dockcase oder stabile Ausführungen mit Gummiummantelung oder Schutz vor Wasser bis hin zur Verschlüsselung über einen Fingerabdruck-Scanner.

Noch mehr Informationen zu Datenträgern und passende Produkte bieten die Ratgeber NVMe-Speicher: Schnelle SSDs für mehr Leistung, 1 TByte ab 80 Euro sowie Beste externe Festplatte finden: So bekommt ihr am meisten Speicher pro Euro. Wenn es vor allem um die Datensicherung geht, dann empfehlen wir einen Netzwerkspeicher. Was diese alles können, zeigen wir in der x86 oder ARM, schnelles LAN, flinke HDDs: Perfektes NAS finden.

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