Gerüche und Feinstaub beseitigen: Luftreiniger für Wohn- und Schlafzimmer

Luftreiniger in der Praxis

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Luftreiniger von Philips und Xiaomi beseitigen im Praxistest Gerüche und Feinstaub überraschend gut. Dabei arbeiten sie geräuscharm und verbrauchen kaum Strom.

Die Stiftung Warentest hat 2020 erstmals Luftreiniger getestet. In aufwendigen Testverfahren wurde die Reinigungsleistung der Geräte für Pollen, Formaldehyd und Aerosole überprüft. Überdies flossen Handhabung, Umwelteigenschaften sowie die Sicherheit der Geräte und das Datensendeverhalten in die Bewertung ein.

Mit einer Gesamtbewertung von 2,4 (gut) errang der Philips 2000i AC2889/10 2020 den Testsieg. Ein Jahr später hat die Stiftung Warentest erneut sieben Modelle überprüft. Dieses Mal konnte der Xiaomi Air Purifier Pro mit der Gesamtnote 2,3 (gut) den Sieg einfahren. Beide Luftreiniger zeigen auch mit gebrauchten Filtern noch gute Leistungen, während die Reinigungswirkung anderer Modelle mit der Zeit teilweise erheblich nachließ.

Zudem überzeugten die beiden Testsieger bei der Reduktion von Aerosolen. Sie senken die Viren­konzentration erheblich, sodass eine Ansteckung durch ein Virus weniger wahrscheinlich ist. In Kombination mit regel­mäßigem Lüften sei der Effekt noch größer, so die Stiftung Warentest.

Das Funktionsprinzip von Luftreinigern ist simpel: Ein Lüfter saugt Umgebungsluft an und leitet sie durch Filter zurück in den Raum. Philips setzt auf insgesamt drei Filter (Vorfilter, Aktivkohlefilter, HEPA-Filter), während Xiaomi diese zu einem All-in-One-Filter verbaut hat.

Der sogenannten Primärfilter entzieht der Luft Staub, Haare und andere große Partikel wie Baumwollfaser. Der HEPA-Filter, Xiaomi nennt diesen Hocheffizienzfilter, reinigt die Luft von Partikeln ab einer Größe von 0,3μm. Hierzu zählen etwa Staub, Feinstaub, Pollen Hautschuppen von Tieren und Rauch. Ein Aktivkohlefilter reinigt die Luft von Gerüchen, die etwa beim Kochen entstehen, Formaldehyd und anderen flüchtigen organischen Verbindungen. Die neuen Luftreiniger Xiaomi Air Purifier 4 und 4 Pro können darüber hinaus Luft mit negativen Ionen anreichern. Damit soll die Luftreinigung noch effizienter sein. Außerdem wirken sich negative Ionen positiv auf die Gesundheit aus.

Feinstaub (engl. Particulate Matter) ist in drei Klassen unterteilt: Man unterscheidet Partikel in den Größen 10, 2,5 und 0,1 Mikrometer. Entsprechend haben sich dafür die Bezeichnungen PM10, PM2.5 und PM0.1 international etabliert.

Die gesundheitlichen Folgen von Feinstaub sind anhand zahlreicher wissenschaftlicher Studien gut belegt. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verschlechtert Feinstaub die Gesundheit von Menschen. Neben eher leichten Symptomen wie Kopfschmerzen, fehlender Leistungsfähigkeit oder reduzierte Konzentrationsfähigkeit können durch Ablagerungen von Feinstaub im Lungengewebe auch schwerwiegende Erkrankungen wie Asthma, Bronchitis oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) ausbrechen. Auch das Herz-Kreislaufsystems kann durch Feinstaub in Mitleidenschaft gezogen werden. Ultrafeine Partikel können sogar über die Lungenbläschen in die Blutbahn gelangen und so andere Organe befallen.

Laut WHO führen bereits kurzzeitig erhöhte Feinstaub-Konzentrationen zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen. Aber auch geringere Konzentrationen sind über einen längeren Zeitraum gesundheitsschädlich.

In Verbindung mit Covid-19 gehen Forscher davon aus, dass etwa 15 Prozent aller weltweiten Todesfälle auf eine langfristige Exposition von Luftverschmutzung zurückzuführen sein könnte. In Europa soll dieser Anteil sogar 19 Prozent betragen und in Ostasien beachtliche 27 Prozent.

Für den Einsatz von Luftreinigern sprechen also eine Vielzahl von Gründen. Doch wie sieht der tatsächliche Nutzen in der Praxis aus? Ist der Einsatz eines Luftfilters spürbar oder kann man sich lediglich an verbesserten Luftwerten im Display des Luftreinigers erfreuen?

Für einen Test von Luftreinigern in der Praxis verwenden wir den Testsieger Philips 2000i AC2889/10 und das gerade vorgestellte Xiaomi-Modell Smart Air Purifier 4. Im Vergleich zur Vorgängerserie hat Xiaomi die Modelle der 4er-Serie in Sachen Stromverbrauch und Reinigungsleistung verbessert.

Beide Geräte mussten ihre Leistung in verschiedenen Räumen einer etwa 70 Quadratmeter großen Wohnung in München unter Beweis stellen. Neben der Luftreinigung war für den praktischen Nutzen in allen Testräumen (Wohnzimmer mit 35 Quadratmeter, Büro mit 11 Quadratmeter und Schlafzimmer mit 14 Quadratmeter) auch die Lautstärke der Geräte von Interesse.

Grundsätzlich bieten beide Luftreiniger einen leisen Betrieb, sofern die Luftqualität nicht bestimmte Schwellenwerte übersteigt. Das war in der Wohnung im Münchner Norden während der etwa zweiwöchigen Testphase im Normalbetrieb aber nur selten der Fall. Weder beim Arbeiten im Homeoffice-Büro oder beim Filmabend im Wohnzimmer wurde der Betrieb des Luftreinigers als störend von den Bewohnern empfunden. Beide Geräte erzeugen im Automatik – respektive Schlafmodus ähnlich hohe Schallemissionen. Trotzdem wurde der Xiaomi im Schlafzimmer bevorzugt, da sein Betriebsgeräusch als weniger störend empfunden wurde.

Was die Reinigungsleistung angeht, überzeugen beide Testgeräte im Alltag. Im Schlafzimmer reinigen sie die Luft effektiv: Gerüche menschlicher Ausdünstungen wurden vom später zu Bett gehenden Bewohner nicht wahrgenommen. Im kleinen Büro sorgen sie für ein angenehmes Arbeitsklima, sodass trotz längerer Nutzung ohne Lüftung nicht der Eindruck von verbrauchter Luft entstand. Und auch im Wohnzimmer mit offener Küche waren Gerüche vom Kochen schneller aus der Luft als ohne Luftreiniger. Interessant in diesem Zusammenhang: Das Zubereiten von Bratwürsten in einer Heißluftfriteuse ließ den PM2.5-Wert von etwa von 5 auf 600 hochschnellen - etwa vergleichbar mit dem Qualm einer Zigarette.

Natürlich ersetzen Luftreiniger nicht das Lüften. Überraschend in diesem Zusammenhang war allerdings die Beobachtung, dass beide Geräte an bestimmten Tagen eine Verschlechterung der Feinstaubkonzentration durch die Luftzufuhr von außen registrierten. An diesen Tagen war die Feinstaubbelastung in München durch Saharastaub besonders hoch. Nachdem die Balkontür geschlossen wurde, reinigten die Geräte die Raumluft innerhalb weniger Minuten und zeigten wieder die zuvor gemessenen Werte an. Als der Saharastaub sich aus der Stadt verzogen hatte, stieg die Feinstaubkonzentration durch Frischluftzufuhr nicht mehr.

Gesundheitliche Verbesserungen stellten sich bei einem Bewohner ein, der unter einer leichten chronischen Bronchitis leidet und sich vorwiegend durch häufigeres Husten bemerkbar macht. Das Husten reduzierte sich nach etwa zwei Tagen. Beide Bewohner empfanden beim Atmen die Luft als „frischer“ – fast so wie bei einem Spaziergang im Wald.

Die Größe des Raumes spielt bei der Auswahl eines Luftreinigers eine zentrale Rolle. Der Xiaomi Smart Purifier 4 Pro ist laut Hersteller für bis zu 60 Quadratmeter große Räume geeignet. Der Smart Purifier 4 soll die Luft in Räumen bis 48 Quadratmeter effizient reinigen, während der Smart Purifier 4 Lite für Raumgröße von bis zu 43 Quadratmeter spezifiziert ist. Philips sieht den 2000i AC2889/10 für Räume mit bis zu einer Größe von 77 Quadratmeter vor.

Neben diesen von den Herstellern empfohlenen Raumgrößen können sich Interessierte auch an der Clean Air Delivery Rate (CADR) der jeweiligen Modelle orientieren. Der CADR-Wert gibt an, wie viel Raumluft innerhalb einer Minute gereinigt wird. Bei Partikeln gibt Xiaomi für die Pro-Variante einen Wert von 500m³/h an. Beim Smart Air Purifier 4 sind es 400m³/h und beim Lite-Modell 360m³/h. Philips spezifiziert den 2000i AC2889/10 mit 380 m³/h.

Für Formaldehyd liegen die CADR-Werte bei den Xiaomi-Geräten Pro, Standard und Lite bei 185m³/h, 150m³/h und 120m³/h. Für den Philips liegen für Formaldehyd keine Werte vor. Allerdings hat ihm die Stiftung Warentest bei der Beseitigung von Formaldehyd nur mit „ausreichend“ bewertet, während das Xiaomi-Testgerät ein „gut“ erhielt.

Bei der App-Steuerung bietet Philips in Sachen Datenschutz mehr als Xiaomi. Anwender können den Luftreiniger von Philips auch ohne Nutzerregistrierung per App (Clean Home+) steuern, während beim Xiaomi-Gerät ohne Registrierung nichts geht. Außerdem bietet die Philips-App eine Datenhistorie, sodass Nutzer die Luftqualität auch über einen längeren Zeitraum beobachten können. Die Xiaomi-Home-App zeigt hingegen nur den aktuelle PM2.5-Wert an. Clean Home+ von Philips informiert Anwender zusätzlich über den aktuellen Allergenindex, was besonders für Allergiker nützlich ist. Und wer mit der App Air Matters öffentlich zugängliche Luftqualitätsmessstationen überwacht, darf sich über eine integrierte Steuerungsmöglichkeit des Philips-Luftreinigers freuen.

Für die Auswahl eines Luftreinigers sind des Weiteren die Leistungsaufnahme sowie die Kosten für neue Filter von Bedeutung. Für den Philips 2000i AC2889/10 haben wir eine maximale Leistungsaufnahme (Turbo-Modus) von knapp 40 Watt ermittelt. Der Xiaomi Smart Purifier 4 begnügt sich bereits mit höchstens 27 Watt. Doch in der Praxis dürften diese Werte, die bei maximaler Drehzahl ermittelt wurden, weniger bedeutsam sein. Im Automatik-Modus, der im Testzeitraum zu 99 Prozent der Zeit aktiv war, benötigen beide Geräte nur etwa 3-4 Watt. Bei einer Dauernutzung verursachen die Geräte somit pro Tag lediglich 2-3 Cent an Stromkosten.

Die Abnutzung des Filters ist von der Nutzungszeit und der Luftqualität am Standort abhängig. Xiaomi gibt für seine Filter eine Nutzungszeit von 6 bis 12 Monaten an. Ein Ersatzfilter für das Pro-Modell ist aktuell für 65 Euro, für die Standardvariante ab etwa 60 Euro und für die Lite-Version ab 50 Euro erhältlich. Beim Philips müssen Anwender zwei Filter ersetzen, den Vorfilter können sie selbst reinigen. Der Aktivkohlefilter kostet aktuell 39 Euro und der Hepafilter 43 Euro. Für ersteren hat Philips eine Nutzungsdauer von 2400 Stunden und für den Hepafilter 4800 Stunden spezifiziert. Bei 12 Stunden Nutzungszeit pro Tag hält der Hepafilter 400 Tage und der Aktivkohlefilter 200 Tage.

Xiaomi verkauft die neusten Luftreiniger der Serie 4 ab 179 Euro (Smart Purifier 4 Lite). Der Smart Purifier 4 und Smart Purifier 4 Pro sind für 249 und 349 Euro erhältlich. Die Straßenpreise liegen teilweise deutlich darunter: So ist der Smart Air Purifier 4 Lite bereits ab etwa 145 Euro erhältlich, während der Smart Air Purifier 4 175 Euro und die Pro-Version circa 257 Euro kostet. Und den Philips 2000i AC2889/10 gibt es ab etwa 250 Euro.

Um ehrlich zu sein, wir sind von den Luftreinigern überrascht. Klar, die Messwerte der Stiftung Warentest sprechen eine klare Sprache. Die Testsieger der letzten Jahre halten das, was sie versprechen. Doch sind Tabellen mit Messwerten für die meisten Anwender kein probates Argument für den Kauf eines Gerätes, dessen Sinnhaftigkeit von vielen angezweifelt wird. Der gesundheitliche und praktische Nutzen dieser Geräteklasse hat sich aber auch in unserem kurzen Praxistest gezeigt. Dass diese Erfahrungen kein Einzelfall sind, zeigen viele Berichte anderer Nutzer.

All jene, die auf eine verbesserte Luftqualität zur Steigerung der Gesundheit Wert legen, können guten Gewissens in einen Luftreiniger investieren. Die Modelle von Philips und Xiaomi sind sicher eine gute Wahl. Auch wenn man sich als Anwender mehr Analysedaten zur Nutzung wie Betriebsstunden und Lüfterdrehzahl wünscht. Und eine Anpassung der voreingestellten Grenzwerte zur Lüftersteuerung auf Basis lokaler Regularien oder neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen wäre ebenfalls wünschenswert.

Die anfallenden Stromkosten sind so gering, dass sie kaum eine Rolle bei den Betriebskosten spielen. Relevanter sind da schon die Kosten für Filter. 60-70 Euro alle sechs bis zwölf Monate für einen neuen Filter sind sicher für viele angesichts des Nutzens der Luftreiniger nicht zu viel. Doch lässt sich die Nutzungszeit durch eine intelligente Steuerung verlängern. Beide Geräte können Anwender so konfigurieren, dass sie nur zu bestimmten Zeiten die Luft reinigen.

Noch besser ist es, wenn man den Betrieb der Luftreiniger anhand realer Messwerte von leistungsfähigen Luftsensoren steuert und somit dafür sorgt, dass der Luftreiniger nur dann aktiv wird, wenn dafür tatsächlich Anlass besteht. Informationen zu diesem Thema bietet der Beitrag Temperatur, CO2, VOC & Co. – smarte Raumluftsensoren ab 10€. Und in unserer Themenwelt Smart Home finden sich weitere Artikel, wie man mit smarter Technik sein Zuhause optimieren kann.

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