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Billige Android-Tablets: Videos, Fotos und Spiele ab 100 Euro
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Auf der CeBIT sind Fabi und ich über etliche günstige Android-Tablets gestolpert. Über Modelle ab gut 100 Euro, die wir früher nur belächelt haben – weil sie Mist waren. Miese Displays, miese Touchscreens, miese Prozessoren, sprich: Unbrauchbare Hardware, für die selbst wenig Geld noch viel zu viel ist. Doch das hat sich geändert.

Auch Tablets aus dem unteren Preissegment haben inzwischen eine so ordentliche Ausstattung, dass sie als Video-Player, Spielekonsole und Surfstation taugen. Sie sind im Urlaub wohl besser aufgehoben als ein sündhaft teures iPad, dessen Verlust oder Beschädigung ein weit größeres finanzielles Loch reißt. Man kann sie dem Nachwuchs ohne große Angst in die Finger geben und nicht zuletzt sind sie natürlich auch ein toller iPad-Ersatz für jeden, der nicht mehrere hundert Euro für einen Touch-Computer ausgeben kann oder möchte.

Bei Preisen von gut 100 Euro muss der Hersteller sparen – ganz klar, dass sich damit nicht das technische, optische und haptische Niveau eines Retina-iPads erreichen lässt. Doch die Hersteller sparen an unterschiedlichen Punkten, und daher muss der Käufer entscheiden, was ihm wirklich wichtig ist.

Einen genauen Blick müssen Kaufinteressenten auch auf die Display-Technik werfen. In diesem Preisbereich gibt es Modelle mit TN- und Modelle mit IPS-Displays. Beides sind LCDs, doch die billigeren TN-Panels haben schlechtere Blickwinkel. Wer das Tablet nur alleine nutzt, kann sich – bei einem ansonsten guten Angebot – vielleicht noch mit TN anfreunden, aber wenn die Kids auf der Rücksitzbank gemeinsam auf ein Display gucken sollen, müssen die Blickwinkel größer sein. Wenn es irgendwie geht, würden wir einen Bogen um die TN-Panels machen.

Ein wichtiger Punkt ist die Display-Auflösung. Maßstab im 7-Zoll-Segment sind die 1280 × 800 Pixel des Nexus 7, doch das Gerät ist mit mindestens 199 Euro fast doppelt so teuer wie die Tablets, um die es hier geht. Im Preisbereich von gut 100 Euro sollten es derzeit 1024 × 600 Pixel sein. Manche Modelle kommen mit 800 × 480 Pixeln daher – das ist zu wenig.

Was gar nicht mehr geht, sind resistive Touchscreen-Displays. Sie reagieren auf Druck und nicht auf Berührung, Zwei-Finger-Zoom und Wischgesten funktionieren hier nicht oder nur unbefriedigend. Sie sind ohnehin fast nicht mehr anzutreffen, aber ein absolutes Ausschluss-Kriterium. Kapazitive Touchscreens müssen sein.

Nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist darüber hinaus die Display-Helligkeit. Viele der günstigen Modelle sind zu dunkel, um außerhalb von geschlossenen Räumen benutzt werden zu können – und fallen deswegen auch bei Auto- oder Bahnfahrten aus der engeren Wahl.

Die nächsten bösen Fallen lauern unter der Haube der Tablets. Billige Prozessoren ziehen trotz hoher Taktfrequenzen im Gigahertz-Bereich nicht die Wurst vom Brot und vermiesen mit fiesem Ruckeln im Browser und bei Spielen jeden Spaß. Leider lässt sich das häufig nicht mit dem ersten Blick ins Datenblatt erkennen, denn die Hersteller tricksen, was das Zeug hält. Nur zu gerne zählen sie die Kerne des Grafikprozessors auf oder rechnen die Taktfrequenzen von Grafik- und Hauptprozessor zusammen. Im Zweifelsfall hilft nur: ausprobieren und gnadenlos zurückschicken, wenn es hakt. Leichter zu erkennen ist eine zu geringe Arbeitsspeicherausstattung: 512 MByte oder mehr sollten es sein.

Ebenfalls im Gehäuse verborgen ist der Akku. Das 7-Zoll-Tablet Nexus 7 von Google hat eine Batteriekapazität von 4325 mAh, während das günstigere Acer Iconia B1 mit 2710 mAh deutlich weniger Energie speichert. Archos gibt bei seinem 70 Titanium gleich gar keine Kapazität an. Erschwerend kommt hinzu, dass man den Laufzeitangaben der Hersteller kaum über den Weg trauen kann. Die Möglichkeit, echte Messungen unter Laborbedingungen durchzuführen, ahtten wir bislang nicht.

Käufer günstiger Android-Tablets müssen davon ausgehen, vom Hersteller mit keinem einzigen Update auf neuere Versionen des Google-Betriebssystems bedacht zu werden. Dementsprechend sollte beim Kauf kein alter Schinken auf dem Tablet laufen. Derzeit aktuell ist die Version 4.2, wobei fast alle aktuellen Geräte noch mit 4.1 ausgeliefert werden – beides ist okay. Android 2 muss aber nicht mehr sein.

Häufig nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist der App-Store. Speziell billige Tablets verzichten auf die Google-Zertifizierung und müssen ohne das offizielle Angebot Google Play auskommen. Das schränkt die Auswahl von Anwendungen gravierend ein und ist nur dann akzeptabel, wenn das Gerät primär für Ausflüge ins Netz sowie als Film- oder Foto-Betrachter zum Einsatz kommt.

Viel Raum für Luxus bleibt in diesem Preisbereich nicht. UMTS-Modems und SIM-Kartenslots sind quasi nicht zu bekommen, und wenn doch, bedeutet das viel zu starken Verzicht in den anderen aufgezählten Punkten. Unterschiede gibt es da noch eher bei den Kameras; ob GPS, Bluetooth oder HDMI an Bord sind und mit welchen Frequenzen das WLAN-Modul zurechtkommt. Doch die Unterschiede in diesem Punkt sind eher Makulatur und Geschmackssache. Wer auf GPS nicht verzichten möchte, kann etwa zum Acer Iconia B1 greifen. Dafür gibt es aber eben dann auch ein TN-Display, während das ähnlich teure Archos 70 Titanium mit IPS-Display, aber ohne GPS ausgeliefert wird.

Ein kleines, ärgerliches Detail bei manchen Billigheimern – wie dem Archos 70 Titanium – ist die Ladebuchse im Gehäuse. Alle Tablets aus der Titanium-Reihe des französischen Herstellers lassen sich nämlich nicht via USB-Buchse aufladen, sondern verlangen nach einem speziellen Netzteil. Das einfach nur nervig und kann sogar zu einem Killerargument werden: Entsprechende Lade-Adapter fürs Auto sind kaum zu bekommen oder sündhaft teuer, während USB-Adapter für den Zigarettenanzünder bei eBay gerade mal ein paar Euro kosten. Das ist keine gute Kombination mit den oft schwachen Akkus.

Wiederum Geschmackssache ist die Materialauswahl des Gehäuses. Uns gefallen die Alu-Schalen der neuen Archos-Tablets wirklich gut und sie wären ein Grund, warum wir die Androiden aus Frankreich denen der Plastik-Konkurrenz vorziehen würden – aber eben nur, wenn auch die restliche Ausstattung zu den geplanten Einsatzbedingungen passt.

Unsere Kollegen von c't haben kürzlich einen ausführlichen Test von Android-Tablets zwischen 90 und 200 Euro durchgeführt. Vor allem bei den besonders günstigen Modellen gab es häufige App-Abstürze, nervige Fehlermeldungen und andere Probleme, die eher Frust als Lust aufkommen lassen.

Die neuen Modelle von der CeBIT waren zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht verfügbar und wir hatten auf der Messe nicht die Möglichkeit, die Geräte so unter die Lupe zu nehmen, wie es unsere Kollegen im Labor machen konnten. Bei einem der Archos-Modelle ist uns dennoch ein Programm abgestürzt – wobei das auch noch auf die nicht finale Software zurückzuführen sein könnte.

Den kompletten Test der günstigen Android-Tablets könnt Ihr bei unseren Kollegen für 2,50 Euro herunterladen.

Ordentliche Tablets für gut 100 Euro? Das geht tatsächlich! Und die meisten aktuellen Tablets in diesem Preisbereich haben von vornherein keine fiesen Haken mehr, sondern sind grundsolide. Wer auf die genannten Punkte achtet, bekommt einen praktischen Begleiter für faires Geld.

Auf der CeBIT hat uns vor allem das Archos 70 Titanium gut gefallen, aber auch das Acer Iconia B1 hat einen ordentlichen Eindruck hinterlassen. Hier findet Ihr unsere Hands-On-Videos:

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