ANC, Codecs & Bluetooth: Das muss ein guter Kopfhörer können

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Ein guter Kopfhörer klingt ausgezeichnet und schirmt den Nutzer von der Umgebung ab. TechStage zeigt, worauf man beim Kauf achten sollte.

Gute Kopfhörer mit Bluetooth machen nicht nur den Sport oder die Fahrt zur Arbeit angenehmer. Wer nach langem, ruhigem Homeoffice zurück ins Büro kommt, der sehnt sich schnell nach einer Möglichkeit, die Geräuschkulisse zu verringern. Zeit, sich einen neuen Kopfhörer zu holen. TechStage zeigt in der Übersicht, worauf man beim Kauf achten sollte.

Beim Aufbau gibt es zwei große Unterschiede: Over-Ear- oder On-Ear-Kopfhörer umschließen die Lautsprecher mit einem Polster und sitzen auf oder um die Ohren herum auf. In-Ear-Kopfhörer dagegen erinnern mehr an Ohrstöpsel mit einem Anhängsel, in dem Lautsprecher und die restliche Technik sitzen.

Die Unterschiede sind auf den ersten Blick klar: Over-Ears sind groß, haben aber genügend Raum für Bedienmodule, ausgefeilte Lautsprecher-Anordnungen und große Akkus. Bei In-Ears spart man Platz, allerdings müssen alle Komponenten in kleine Gehäuse passen, die nicht zu schwer sein dürfen – sonst sitzen sie nicht fest im Ohr und purzeln heraus.

Bei In-Ears gibt es zwei unterschiedliche Bauweisen: Entweder sind beide Lautsprecher durch ein Kabel verbunden oder es handelt sich um sogenannte True-Wireless-Kopfhörer. Letztere sind einzelne Lautsprecher, die meist ein einer Ladebox aufgehoben sind. Beide Formfaktoren haben Vor- und Nachteile: True-Wireless-Geräte kommen komplett ohne Kabel aus, in jedem der Kopfhörer steckt die notwendige Technik samt Akku und Bluetooth-Modul. Dazu lagern sie in einer Box, die die Kopfhörer ständig lädt. Unsere Tests in der Themenwelt True-Wireless-Kopfhörer zeigt, dass eine Ladeschale die Kopfhörer rund dreimal voll aufladen kann, bevor sie selbst an die Steckdose muss.

Alternativ können die In-Ears mit einem Kabel verbunden sein. Dieses legt man meist um den Nacken, damit es nicht vor dem Kinn baumelt. Eine Ladebox gibt es nicht, dafür sitzt am Kabel meist ein Steuermodul und ein oder zwei Batterien. Die Bauform ist inzwischen seltener geworden, man sieht sie aber noch bei Sportkopfhörern wie den Bose Soundsport Wireless (Testbericht).

Lange war die Aktive Geräuschunterdrückung (Active Noise Cancelation, ANC) ein Luxus-Feature, das mal mehr oder weniger gut funktioniert hat. Das hat sich in den letzten Jahren aber geändert. ANC wurde deutlich besser und ist inzwischen sogar in günstigen True-Wireless-Kopfhörern richtig gut. Mehr dazu in der Kaufberatung: True-Wireless-Kopfhörer mit ANC ab 49 Euro.

ANC nutzt Mikrofone am Kopfhörer, um den Umgebungsschall zu analysieren und einen Gegenschall zu erzeugen. Damit lassen sich vorwiegend gleichbleibende Geräusche, etwa im Flieger oder der Bahn, gut ausfiltern. Dank der verbesserten Technik kapseln die Kopfhörer immer besser von der Umgebung ab. Die Bose Quiet Comfort 45 (Testbericht) haben etwa dauerhaft die ANC-Funktion aktiv und filtern neben Fahrgeräuschen auch die Diskussionen der Kollegen im Büro effizient heraus. Tatsächlich ist gutes ANC inzwischen auch in Mainstream-Produkten zu bekommen, primär bei Over-Ear-Kopfhörern.

Alle Bluetooth-Kopfhörer nutzen Codecs für die Musikwiedergabe. Dabei gibt es aber deutliche Unterschiede bei der Auswahl und der Anzahl der Codecs.

  • SBC: Quasi der Standard, ein lizenzfreier Codec, der zwingend vorhanden sein muss, wenn das Headset das A2DP (Advanced Audio Distribution Profile) unterstützen möchte. Der Codec komprimiert Inhalte verlustbehaftet, teilweise mit deutlichen Qualitätseinbußen.
  • AAC: Der AAC-Codec ist der Standard in allen Apple-Geräten, kommt aber nicht von Apple. Er wurde von der Motion Picture Audio Group (MPEG) entwickelt und liefert hauptsächlich bei Apple-Geräten eine sehr gute Qualität. Für Android gibt es ebenfalls Support, allerdings schwankt die Qualität. Er gilt als rechenintensiv.
  • AptX/ AptX HD: Diese Codecs von Qualcomm sind meist Synonym für eine geringe Latenz, was besonders bei schnellen Spielen (Fortnite, Call of Duty, Pubg Mobile) wichtig ist. AptX Low Latency ist sogar noch etwas besser bei der Latenz, neben Spielen profitieren Videocalls davon. AptX HD erhöht die Bandbreite und kann hochauflösendes Audio besser wiedergeben. Neben den Kopfhörer müssen auch die Zuspieler (also TV, Tablet oder Smartphone) die Technik unterstützen.
  •  LDAC: Ein Konkurrent-Format zu AptX HD, entwickelt von Sony. Der Codec erlaubt hochauflösendes Audio über Bluetooth und bietet deutlich bessere Bitraten als etwa SBC. Er wird seltener genutzt.
  • LHDC: Ein weiterer Codec für hochauflösendes Audio über Bluetooth und ein direkter Konkurrent zu LDAC und Aptx HD. Er wird von der HWA Allianz entwickelt, zu ihr gehören etwa Pioneer, Sennheiser oder Onkyo.
  • LC3: Der jüngste Audio-Codec, seit Bluetooth 5.2 ist er erst an Bord. Er soll mittelfristig SBC ablösen und bietet eine deutlich bessere Qualität. Bis der Codec der neue Standard wird, dürfte es aber noch etwas dauern.

Nach den ganzen technischen Daten kommen wir zum wichtigsten – und schwierigsten – Punkt. Dem Klang. Die Beurteilung ist deswegen so schwierig, weil Klang immer subjektiv ist. Dennoch kann man in Tests gut wie die Kopfhörer grundsätzlich klingen. Apple (und Beats-Produkte) tendiert beispielsweise dazu, den Bass stark in den Vordergrund zu stellen. Das war lange auch bei Bose so, mit den Quiet Comfort 45 (Testbericht) scheint sich das geändert zu haben – die haben einen ausgeglichenen Klang, der aber auch keine Schwerpunkte in eine Richtung hat. Bei günstigen Kopfhörern ist die Fokussierung auf den Bass ebenfalls häufig zu finden – so etwa beiden Anker Soundcore Live Q30 (Testbericht) oder den Skullcandy Crusher ANC (Testbericht).

Hersteller wie Sennheiser oder Sony liefern meist sehr guten Klang, der sich über Equalizer am Handy weiter optimieren lässt. Nach ANC könnte ein personalisierter Sound der nächste große Technikpunkt sein. Ein gutes Beispiel dafür sind Nuras Nuraphones. Die haben in die Kopfhörer integrierte Einmessmikrofone, die kombiniert mit der App ein für jeden Nutzer anderes Hörprofil erstellen. Das klingt zunächst wie Marketing, funktioniert in der Praxis aber ausgesprochen gut und sorgt für tollen Sound. Andere Hersteller nutzen Audioexperten, um den Klang direkt zu optimieren. Neben den großen Firmen mit Audio-Ingenieuren sehen hier auch Startups eine Chance. Clever macht das etwas Valco mit den VMK20. Die kosten knapp 170 Euro, klingen aber deutlich besser. Das liegt an den Anpassungen des Bluetooth-Chipsatzes und des darin enthaltenen Digital Sound Processors (DSP) und der Optimierung durch Toningenieur Jasse Kesti. Kombiniert mit den High-Res-Tonformaten kann man hier noch etwas herausholen, neue Firmen haben entsprechend neben den klassischen Schwergewichten gute Chancen.

Wie testet man den Klang am besten? Auf Spotify und allen anderen Plattformen gibt es zahlreiche „Headphones Test“ Playlisten. Die müssen nicht schlecht sein, im Alltag sollte man aber Songs anhören, die man gut kennt. Dann erkennt man einen klaren Unterschied zu anderen Kopfhörern, etwa, wenn im Klangbild neue Details auftauchen.

True-Wireless-Geräte haben zwar den kleinsten Akku, da sie aber ständig in ihrem Ladecase aufgehoben werden, sind die Kopfhörer meist für ein paar Stunden geladen. Das ist der große Vorteil gegenüber In-Ear-Kopfhörern mit Kabel oder den meisten Over-Ears. Normalerweise sollte ein moderner Over-Ear-Kopfhörer mit einer vollen Ladung einen Arbeitstag samt Fahrtweg von und zur Arbeit durchhalten, also etwa 11 bis 12 Stunden am Stück. Das schaffen die meisten Geräte selbst mit aktivem ANC. True-Wireless-Kopfhörer halten meist zwischen 4 und 8 Stunden Dauernutzung durch, werden von ihrem Lade-Case aber mindestens dreimal aufgeladen. Die meisten Produkte haben eine Art Schnellladung, sodass 15 bis 30 Minuten am Strom für ein paar Stunden Musik sorgen.

Unser Tipp: Die meisten Hersteller messen die Laufzeit unter besten Bedingungen bei etwa halber Lautstärke. Von den Angaben kann man etwa 30 bis 50 Prozent abziehen, dann ist man auf realen Laufzeiten.

Die meisten Headsets bieten verschiedene Steuerungsoptionen an. Unserer Erfahrung nach sollte man wenigstens die Wiedergabe starten und pausieren, einen Titel weiterspringen und die Lautstärke einstellen können. Dann kann das Smartphone in der Tasche bleiben.

Bei In-Ear-Kopfhörern sind diese Funktionen wegen des geringen Platzes arg eingeschränkt. Hier sind ein der zwei Tasten mit mehreren Funktionen belegt, sodass man dennoch vernünftig damit arbeiten kann. Außerdem pausieren diese Geräte die Wiedergabe größtenteils automatisch, wenn man sie aus den Ohren nimmt. Teilweise haben die Kopfhörer Touch-Flächen, bei den Bose Frames Tempo (Testbericht) kann man so etwa die Lautstärke durch Wischen anpassen.

Bei Over-Ear-Kopfhörern gibt es normalerweise kein Platzproblem, hier entscheidet das Design über Knöpfe oder Touch-Flächen. Unserer Erfahrung nach bevorzugen wir in den meisten Fällen allerdings Tasten, idealerweise solche, die man einfach blind finden kann. Geräte mit Touch, etwa die Teufel Real Blue NC (Testbericht) oder die Nura Nuraphones (Kurztest), sind oft zu sensitiv und man schaltet aus Versehen Lieder weiter oder aktiviert eine Funktion, die man nicht möchte. Ja, es sieht cool aus, wir würden hier aber den Ansatz „Form follows Function“ empfehlen.

Kabellos funken nahezu alle guten Kopfhörer per Bluetooth – aber ist die verwendete Funktion wichtig? Ja und nein, genauer gesagt, es kommt auf die Funktion an. Ab Version 4.2, das alle modernen Geräte unterstützen sollten, ist der Low-Energy-Modus integriert. Das verbessert die Akkulaufzeit deutlich und sollte mindestens von Kopfhörer und Handy erfüllt sein. Die weiteren Bluetooth-Updates haben diesen Standard verbessert. Gut, wenn man sie hat, aber nicht zwingend notwendig.

Der nächste große Schritt ist Bluetooth 5.2. Diese Version wurde 2020 eingeführt und kommt jetzt langsam in den Kopfhörern an. Bluetooth 5.2 bringt den oben erwähnten neuen Audio-Codec LC3 mit und liefert mit LE-Audio neue Funktionen für die Übertragung von Klang, die weniger Strom benötigen sollten. Die Funktionen können jetzt von Entwicklern genutzt werden und hält langsam in die Smartphones und die Kopfhörer Einzug. Wer auf High-End-Audio steht und die Kopfhörer lange nutzen möchte, der sollte bereits jetzt auf passende Geräte achten. Alle anderen können auch die Vorgänger nehmen und beim nächsten Upgrade dann entsprechend aufrüsten. E

Bei Kopfhörern sollte man inzwischen nur noch zu USB-C greifen. Die Zeiten, in denen man proprietäre Ladekabel nutze oder Micro-USB sind vorbei. USB-C lädt die Headsets oder Ladeschalen schnell und kann dank USB-PD auch einige Schnellladefunktionen nutzen. Außerdem benötigt man dann nur ein Kabel für Handy und Kopfhörer, mit Ausnahme des iPhones.

Bei Over-Ears sollte man auch das Thema Klinkenanschluss nicht unterschätzen. Oft ist es so, dass die Klinke teilweise besseren Sound liefern kann, vor allem, wenn sie mit einem guten Verstärker oder einer anständigen Soundkarte (Ratgeber USB-Soundkarten) verbunden ist. Vor allem unter Windows sollte man bei Filmen oder Spielen zu einem Kabel greifen, der Bluetooth-Treiber von Windows ist berühmt-berüchtigt für seine Mittelmäßigkeit. Dazu kommt, dass man Mikrofon und Lautsprecher am Kopfhörer auch dann noch per Klinke nutzen kann, wenn der Akku leer ist – nur auf ANC muss man dann verzichten.

Allerdings gibt es hier eine Stolperfalle: Einige Hersteller, etwa Valco beim VMK20, optimieren den Klang auf die Bluetooth-Verbindung. Es lohnt also, kurz in die technischen Daten und das Begleitblatt zu blicken und sich für den PC eventuell ein zusätzliches Headset (Ratgeber USB-Headsets) zu holen. Es spricht aber nichts dagegen, ein solides Gaming-Headset mit Bluetooth für unterwegs zu holen. Worauf man achten sollte, zeigen wir im Beitrag Bluetooth, ANC, Top-Sound: Gute Gaming-Kopfhörer für den Alltag finden.

Ein Kopfhörer-Kauf kann eine Bauchentscheidung sein oder Wochen an Recherche voraussetzen – je nachdem, was man gerne hätte. Tatsächlich sind die meisten True-Wireless- und Over-Ear-Kopfhörer inzwischen mehr als brauchbar, selbst günstige Modelle schneiden im Test gut ab. Dazu kommt, dass man problemlos Produkte kaufen kann, die in oder zwei Jahre alt sind. Die Technik ist ausgereift und man bekommt ordentliche Schnäppchen. Ein gutes Beispiel sind die Huawei Freebuds Studio (Testbericht), die mit gutem Klang und tollem Sound beeindruckten. Zum Test in 2020 lag der Preis bei knapp 300 Euro, jetzt bekommt man sie für 145 Euro – das ist ein sehr guter Preis für sehr gute Kopfhörer.

Etwas Recherche ist nie verkehrt, selbst wenn man das vermeintliche Schnäppchen seiner Lieblingsfirma entdeckt hat. Denn neue Firmen kommen auf den Markt und die haben größtenteils ziemlich gute Ideen und spannende Preise.

Eine gute Anlaufstelle sind unsere Themenwelten True-Wireless-Kopfhörer und kabellose Kopfhörer. Dort sind neben unseren Einzeltests auch die Bestenlisten, etwa die Top-10 der Over-Ear-Kopfhörer mit Bluetooth oder die zehn besten True-Wireless-Kopfhörer mit ANC.

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