Wildkameras: Fotofallen zum Beobachten und Überwachen | TechStage
TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Wildkameras: Fotofallen zum Beobachten und Überwachen

von  // 

Bewegungsmelder, Nachtsichtfunktion und lange Batterielaufzeiten machen Wildkameras nicht nur für Förster und Jäger interessant. Wir erklären, worauf es beim Kauf ankommt.

Solar-Überwachungskameras (Ratgeber) oder Lampen mit WLAN-Kameras (Vergleichstest) eignen sich zur Überwachung von Haus und Garten. Wer in Schrebergarten oder der Ferienhütte keine dauerhafte Stromversorgung und kein WLAN zur Verfügung hat, braucht andere Alternativen. Für solche Zwecke sind Wildkameras oder Fotofallen prädestiniert: Sie zeichnen Aufnahmen selbstständig auf Speicherkarte auf und haben sehr lange Batterielaufzeiten.

Zu den Grundfunktionen jeder Wildkamera zählt die Aufnahme von Fotos und Videos. Beim ursprünglichen Verwendungszweck, der Tierbeobachtung, sind Fotos die beste Wahl, da sie weniger Speicherplatz benötigen und die Batterien der Kamera schonen.

Bilder und Videos entstehen entweder in festgelegten Zeitabständen oder mit Hilfe des integrierten Bewegungsmelders. Praktisch ist der sogenannte Hybrid-Modus. Hier macht die Kamera Fotos, sobald sie Bewegungen registriert. Bewegt sich etwas für mehrere Sekunden, zeichnet die Kamera ein kurzes Video auf. Die Reichweite der Bewegungsmelder liegt zwischen 12 und etwa 20 Metern. Der aufgenommene Sichtwinkel variiert stark.

Der Lieferumfang der von uns getesteten Wildkamera.

Insbesondere bei der Fotofunktion spielt die Auslöseverzögerung eine entscheidende Rolle. Bei einer zu langen Verzögerung sind kurze Ereignisse, wie ein Wildwechsel, nämlich schon vorbei, bevor die Kamera auslöst. Die meisten Wildkameras lösen nach etwa 0,7 bis 1,5 Sekunden nach Erkennen einer Bewegung aus. Einige Kameras sind sogar noch schneller. Die Modelle der Hersteller Reconyx und Cuddeback brauchen nur 0,2 bis 0,3 Sekunden, um die Kamera zu aktivieren und ein oder auch mehrere Fotos zu schießen.

Die Anzahl der Bilder und die Aufnahmedauer der Videos stellt der Nutzer in den Settings der Kamera ein. Um eine lückenlose Überwachung auch bei Dunkelheit zu ermöglichen, haben die Kameras außerdem eine Nachtsichtfunktion an Bord.

Wer die Kamera als Einbruchschutz benutzt, um beispielsweise das Vereinsgelände zu überwachen, bekommt die Kameras auch mit integriertem Mobilfunk-Modul. Zusammen mit einer SIM-Karte versenden diese Modelle Bilder an Smartphones oder an die eigene E-Mail-Adresse. Im Notfall kann man so zeitnah reagieren. So ausgestatteten Kameras sind allerdings teurer und verursachen laufende Kosten für den anfallenden Datenversand.

Eine weitere interessante Anwendung ist die Zeitrafferfunktion der Wildkameras. Diese ist zwar auch bei Actioncams verbaut, deren Akkus halten allerdings nur wenige Stunden und die Aufnahmeintervalle sind deutlich kürzer. Mit den Wildkameras ist es möglich Videos über einen Zeitraum von mehreren Tagen oder Wochen aufzuzeichnen, um beispielsweise Wachstum oder Baufortschritte zu dokumentieren.

Die Nachtsichtfunktion der Kameras ermöglicht Aufnahmen in völliger Dunkelheit. Die so entstandenen Bilder und Videos sind schwarz-weiß und deutlich verrauschter als normale Aufnahmen. Trotzdem: Lieber ein verhältnismäßig unschönes Fotos als gar kein Beweismaterial. Ein weiterer Vorteil der monochromen Aufzeichnungen ist der deutlich geringere Speicherbedarf.

Bei einigen günstigen Wildkameras kommt für die Nachtaufnahmen ein LED-Blitz zum Einsatz. Dies sorgt zwar für eine ordentliche Ausleuchtung, hat aber verschiedene Nachteile. Zum einen ist der Blitz deutlich sichtbar. Das verrät die Existenz der Kamera und verschreckt scheue Tiere. Einbrecher werden zwar sicherlich erschrecken, allerdings besteht die Gefahr, dass sie die Kamera schlicht demontieren und mitnehmen.

Von links nach rechts: PIR-Bewegungssensor, Kameralinse und Infrarot-Beleuchtungsmodul.

Deutlich besser geeignet sind Fotofallen, die mit Infrarotlicht (IR) arbeiten. Dieses ist mit dem menschlichen Auge nicht zu sehen und somit deutlich unauffälliger. Allerdings gibt es hier Unterschiede beim Wellenspektrum der eingesetzten IR-LEDs. Bei günstigen Kameras kommen meist preiswerte LEDs mit einem Spektrum von 850 nm zum Einsatz. Diese erzeugen zwar ein nicht sichtbares Licht, allerdings sind die LEDs selbst leicht zu erkennen. Während des Betriebs glimmen die LEDs rot und sind somit deutlich sichtbar. IR-LEDs mit einem Wellenspektrum von 940 nm sind hingegen kaum oder gar nicht sichtbar. Bei der Objektüberwachung ist dies essentiell – außer die Kamera soll abschrecken.

Unsere Test-Kamera arbeitet mit vier oder auch acht handelsüblichen AA-Batterien oder alternativ mit einem 12-Volt-Netzteil. Wie lange die Wildkamera im Batteriebetrieb läuft, hängt stark von den gewählten Einstellungen ab. Am längsten hält die Kamera im bewegungsgesteuerten Fotomodus durch. Laut verschiedener Erfahrungsberichte, sind damit Batterielaufzeiten von über sechs Monaten möglich.

Dies ist allerdings nur dann möglich, wenn die Kamera tatsächlich nur Bewegungen von Lebewesen aufzeichnet. Bei Videoaufzeichnungen oder falscher Platzierung ist die Laufzeit signifikant kürzer. So sorgen beispielsweise direkte Lichteinstrahlung oder bewegende Blätter und Äste für unnötige Aufnahmen, die die Batterien zusätzlich belasten. Noch mehr Strom wird mit Videos und dem Infrarot-Licht verbraucht. Einen Zeitraum von mehreren Wochen überstehen die Batterien aber auch bei intensiverer Nutzung.

Der eigentliche Flaschenhals der Wildkameras ist der Speicherplatz, da günstige Kameras maximal Speicherkarten bis zu einer Kapazität von 32 GByte akzeptieren. Bei der Aufnahme von Full-HD-Videos ist dieser Speicher schnell verbraucht. Soll die Kamera tatsächlich Beobachtungen über mehrere Wochen hinweg machen, ist deshalb die Fotofunktion besser geeignet.

Wildkamera (8 Bilder)

Wiei wichtig die richtige Positionierung ist, merken wir beim Durchsehen der ersten Testaufnahmen. Trotz gut 500 Bildern finden wir praktisch keine gewünschten Aufnahmen auf der Speicherkarte. Die meisten Fehlaufnahmen gehen auf das Konto von sich im Wind bewegenden Buschwerk. Auch direkte Sonneneinstrahlung in den Morgenstunden sorgt für unnötigen Datenmüll. Die einzigen Lebewesen, die auf den ersten Fotos zu sehen sind, sind fliegende Vögel, die lediglich an einer kleinen Stelle am Bildrand erkennbar sind.

Ein Eichhörnchen im Vogelhaus; Screenshot aus einem Videoclip.

Beim nächsten Versuch stellen wir deshalb die Empfindlichkeit des Bewegungsmelders herunter und wählen eine andere Position für die Kamera auf. Doch auch hier sind die Ergebnisse sehr bescheiden. Dieses Mal finden sich kaum Aufnahmen auf der Speicherkarte. Zum einen war die gewählte Empfindlichkeit zu niedrig, zum anderen haben wir die Kamera zu nahe am Boden positioniert. Damit der Bewegungssensor tatsächlich eine Reichweite von 15 Metern und mehr abdecken kann, muss er hoch genug angebracht sein. Der Hersteller empfiehlt eine Höhe von 120 bis 150 cm. Das von uns genutzte Mini-Stativ ist deutlich zu niedrig.

Wer nicht stundenlang Aufnahmen mit bewegenden Blättern und im Hintergrund fliegenden Vögeln ausmisten will, muss einige Zeit in die Suche nach einer geeigneten Kameraposition und vernünftigen Einstellungen investieren. Die Settings sollten vor dem Aufstellen unbedingt noch einmal auf Richtigkeit geprüft werden, da die Sichtung der Aufnahmen sonst extrem frustrierend ausfällt.

Die Bedienung unserer Testkamera, einer Wimius H4, funktioniert insgesamt unkompliziert. Um die Kamera einzuschalten, Settings zu ändern oder die Speicherkarte zu wechseln wird zunächst das Camouflage-Kunststoffgehäuse geöffnet. Es ist seitlich mit zwei Klammern gesichert und kann zusätzlich mit einem Vorhängeschloss verschlossen werden. Im Inneren befinden sich ein Farbdisplay, vier Funktionstasten, Micro-SD-Karteneinschub, Micro-USB-Buchse und der ON-Off-Schalter. Auch Bewegungsmelder und IR-LEDs sind jetzt deutlich zu sehen. Die Steuerung des Kameramenüs gestaltet sich dank Display und Taster bequem und intuitiv.

Bild: Dieses Bild entstand in der Dämmerung, das nächste Bild in der Serie wurde im Nachtsichtmodus aufgezeichnet.

Zur Montage unserer Kamera stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Neben einem Standard-Stativgewinde und einer dafür passenden Montageplatte ist auch ein Textilband beigelegt. Dieses kann beispielsweise um einen dicken Baumstamm gelegt werden, ohne dass der Baum dabei Schaden nimmt. Wir nutzen im Test ein klassisches Kamera-Stativ.

Der Sichtwinkel unseres Testgeräts ist mit 70 Grad angegeben. Verglichen mit dem FOV (Field of View) von Actioncams ist das schon recht wenig. Im Test sehen die Aufnahmen dann sogar noch weniger weitwinklig aus. Der tatsächlich aufgezeichnete Sichtwinkel liegt realistisch zwischen 45 und 50 Grad. Eventuell wurden hier die Angaben vertauscht. Der Bewegungsmelder scheint nämlich einen größeren Radius abzudecken – hier könnte das mit den angegebenen 70 Grad hinhauen. Der niedrige Sichtbereich hat den Nachteil, dass die aufgenommene Fläche deutlich schmaler ist. Der Vorteil ist, dass auch mehrere Meter entfernte Motive vernünftig abgelichtet werden. Wer sich eine Wildkamera zulegt, muss sich im Vorfeld Gedanken machen, wie groß der benötigte Sichtwinkel tatsächlich sein sollte.

Die Bildqualität der von uns getesteten Wildkamera ist in Ordnung, viel mehr aber auch nicht. Die native Full-HD-Auflösung wirkt leicht matschig. Der geringe Dynamikumfang sorgt für überblendete oder dunkel abgesoffene Bildteile. Zu Dokumentationszwecken ist die Qualität ausreichend. Günstigere Kameras mit 720p und weniger, beispielsweise die Dörr SnapShot Limited Black 5.0 S, dürften hier noch deutlich schlechter abschneiden.

Ein Screenshot aus einem Videoclip im IR-Nachtsichtmodus.

Die angeblichen 20-Megapixel-Fotos unserer Kamera sind ausreichend scharf und zu Auswertungszecken gut nutzbar. Spätestens beim Hineinzoomen ist aber klar, die Bilder haben eigentlich eine deutlich niedrigere Auflösung und sind lediglich hochgerechnet. Einen Fotowettbewerb kann man mit den Bilder definitiv nicht gewinnen. Die Nachtaufnahmen sind zwar monochrom, die Qualität der Fotos und Videos ist trotzdem ordentlich.

Am günstigsten sind Kameras ohne Mobilfunkmodul. Für Zeitraffer und Beobachtungen sind Modelle ab HD-Auflösung ausreichend ausgestattet.

Für eine sinnvolle Überwachung sollte die Kamera Alarm schlagen können. Dazu sind ein Mobilfunkmodul und eine SIM-Karte notwendig. Nach dem Auslösen der Kamera verschickt diese das Bild an Smartphone oder E-Mail-Account.

Wildkameras sind eine bezahlbare Möglichkeit zur Beobachtung und Überwachung von Orten, an denen kein Strom und kein WLAN zur Verfügung steht. Steht die Überwachungsfunktion im Vordergrund, sollten die Kameras über ein Mobilfunk-Modul verfügen, um den Nutzer im Alarmfall benachrichtigen zu können.

Obwohl die Bedienung unkompliziert ist, sollte man genügend Zeit in die Wahl der Settings und der Position der Kamera stecken. Sind diese nicht wirklich vernünftig gewählt, führt der bewegungsgesteuerte Aufnahmemodus zu tausenden Fehlaufnahmen und massenweise Datenmüll. Diese per Hand durchzugehen und zu sortieren kostet Zeit und frustriert.

Ein weiterer praktischer Anwendungszweck für die Wildkameras ist die Nutzung für Zeitrafferaufnahmen. Bei rein zeitgesteuerten Aufnahmen halten Batterien und Speicherkarte sehr lange und das nervige Sichten der Einzelaufnahmen entfällt. Sollen der Umbau vom Garten oder das Wachstum einer Pflanze dokumentiert werden, sind die Geräte sehr gut geeignet.

Zur Echtzeitüberwachung des Hinterhofs oder des Eingangsbereichs von Wohn- und Geschäftsimmobilien sind beispielsweise Lampen und Strahler mit WLAN-Kamera (Vergleichstest) besser geeignet. Zum einen ist die Bildqualität etwas besser, zum anderen fallen keine Kosten für eine SIM-Karte an. Steht zwar WLAN aber keine Stromquelle zur Verfügung, gibt es Kameras, wie die Ring Spotlight (Testbericht), mit einer Stromversorgung per Akku und Solarpanel.

Ähnliche Artikel auf TechStage

Einloggen, um Kommentare zu schreiben