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WLAN Mesh oder Repeater: Wer braucht was?

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Bild: Asus

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Seit 2017 bringen die Hersteller mehr WLAN-Mesh-Systeme statt Repeater auf den Markt. Wo sind die Vorteile, was machen klassische Range Extender besser – und was ist die beste Wahl für welchen Anwendungsfall?

Repeater sind einfach nachzukaufen und erweitern bestehende WLANs: Sie versorgen ein oder mehrere Zimmer ohne großen Aufwand. Reicht ein Repeater nicht, können auch mehrere Geräte zum Einsatz kommen. Das allerdings hat Einfluss auf den Datendurchsatz, mehr dazu in den Nachteilen der Repeater.

Ein großer Vorteil ist die einfache Konfiguration. Die auch als Range Extender bekannten Produkte koppeln sich in fast allen Fällen durch einen Druck mit der WPS-Taste mit dem zugehörigen Router. Das ist einfach und geht schnell. Alternativ bringen die meisten Geräte eine web-basierte Konfiguration mit weiteren Funktionen mit.

Die Kosten sind überschaulich. Schnäppchen wie den Belkin N300 (Testbericht) gibt es zeitweise schon unter 15 Euro. Ausgereifte 11n-Single-Band-Repeater für 2,4 GHz, etwa der AVM 310 (Testbericht) kosten unter 30 Euro. Moderne 11ac-Dual-Band-Repeater für 2,4 und 5 GHz starten bei 50 bis 70 Euro, etwa der Devolo WiFi Repeater ac (Testbericht) oder der deutlich bessere AVM 1750E (Testbericht). Reichweitenstarke WLAN-Repeater können aber auch 130 bis 150 Euro kosten, etwa der Netgear EX7000 (Testbericht).

Die einfachsten Geräte nutzen das gleiche Frequenzband sowohl für die Verbindung zwischen Router und Repeater als auch für die Kommunikation mit Endgeräten. Als Faustregel gilt daher: Jeder Repeater halbiert die verfügbare Bandbreite. Bei smarten Dual-Band-Repeatern ist der Verlust (bei geschickter Konfiguration) nicht so krass wie bei Single-Band-Repeatern. Am meisten Leistung bleibt bei teuren Tri-Band-Repeatern erhalten, hier muss aber auch der Router mitspielen.

„Dumme“ WLAN-Repeater übernehmen den Netzwerknamen (SSID) des WLAN-Routers nicht automatisch, sie eröffnen ein neues Netzwerk. Strahlt der WLAN-Router beispielsweise die SSID „Harry“ aus, funkt der Repeater unter „Harry-REP“. Das Problem: Endgeräte bleiben möglichst lange mit dem aktuellen Netzwerk verbunden, um Verbindungsabrüche zu vermeiden. So kommt es vor, dass sich zum Beispiel ein Smartphone nicht mit „Harry-Rep“ verbindet, obwohl dieses einen besseren Empfang bietet. Neuere Endgeräte sind hier besser, dennoch ist ein Wechsel nicht garantiert.

Beim Wechsel zwischen Router-WLAN und Repeater (Roaming), also zwischen „Harry“ und „Harry-REP“, reißt der Datenfluss jäh ab: Ton und Bild eines Video-Calls setzen aus, Video-Streams ruckeln. Je nach Konfiguration kommt es vor, dass das Endgerät beim Wiederverbinden eine andere IP erhält, das würde etwa auch Online-Banking oder ähnliche Web-Anwendungen negativ beeinflussen.

AVM FRITZ!WLAN Repeater 310 (20002576)

AVM 310

AVM FRITZ!WLAN Repeater 1750E (20002686)

AVM 1750E

Belkin Wireless Mini Range Extender (F9K1111DE)

Belkin N300 Mini

devolo WiFi Repeater AC (9789)

Devolo Repeater ac

Netgear EX7000 Nighthawk (EX7000-100PES/EX7000-100UKS)

Netgear EX7000

Mesh-Lösungen sollen die Nachteile von Repeatern ausgleichen und versprechen eine bessere Abdeckung. Ziel ist eine lückenlose, schnelle, unterbrechungsfreie Netzwerkversorgung bis in die hintersten Ecken kurzum: ein besseres WLAN. Leider gibt es noch keine verbindliche Definition, was ein WLAN Mesh genau ausmacht. Die Hersteller sind sich aber in folgenden Punkten einig: Es müssen mindestens zwei smarte Funkstationen beteiligt sein, die für Endgeräte wie ein Netzwerk aussehen und unter der gleichen SSID, also dem gleichen Netzwerk-Namen, erreichbar sind.

Ein Mesh-System besitzt deutlich mehr Intelligenz als eine Router-Repeater-Kombination. Die einzelnen Komponenten eines Meshs kommunizieren untereinander und können Endgeräte intelligent aufteilen. Das Ziel ist, dass Nutzer es nicht merken, wenn sie von einer Station zur nächsten wechseln. Gleichzeitig verhindern sie ein „nervöses Roamen“: Sitzt ein Nutzer an der Schnittstelle zwischen zwei Funkstationen, springt er im Idealfall nicht zwischen den beiden hin und her. Stattdessen hält ihn ein Access Point im Netz, auch wenn der andere kurzzeitig besser empfangbar wäre. In großen Umgebungen, etwa Büros oder Hotels, ist auch die Funktion zur Selbstheilung wichtig: Sind mehrere Mesh-Access-Points installiert, kann sich da System bei einem Ausfall selbst heilen und entstandene Lücken durch andere Funkkomponenten in Reichweite schließen.

Die Intelligenz überträgt sich auch auf die Endgeräte. Mesh-Systeme messen die Signalstärken der umliegenden Funkstationen, um das WLAN-Endgerät dann jeweils in die stärkste Zelle zu lotsen. Klügere Lösungen messen zusätzlich den aktuellen Internet- und Daten-Speed der umliegenden Zellen, der nicht immer 1:1 mit der Signalstärke korrelieren muss.

Die erste Konfiguration ist etwas aufwändiger als bei Repeatern, ab Komponente zwei wird es einfach. Denn ein gutes Mesh-System verteilt Einstellungen vom Master-Knoten automatisch an alle weiteren angeschlossenen Access Points. Statt also SSID-Netzwerknamen, WPA2-Schlüssel, Gästenetzwerk und Inhaltefilter einzeln einrichten zu müssen, reicht das Durchführen der Kopplungsroutine. Binnen Sekunden sind zusätzliche Mesh-Komponenten konfiguriert. Die Grundkonfiguration geschieht bei den meisten Produkten per Smartphone-App, einzelne Systeme wie Linksys Velop unterstützen zusätzlich eine Konfiguration per Browser. Die Apps geben außerdem genaue Daten zum aktuellen Zustand des Netzwerks, zeigen verbundene Endpunkte oder Informationen zum Durchsatz.

Bild: Netgear Wie Netgear bei Orbi setzen aktuelle WLAN-Mesh-Systeme auf drei Funkbänder. Eine Frequenz ist dabei exklusiv für die Kommunikation zwischen den Mesh-Komponenten.

Warum ist ein Mesh schneller als ein Repeater? Aktuelle Mesh-Lösungen setzen auf Tri-Band, nutzen also drei Funkfrequenzbänder. Die interne Kommunikation des Meshs läuft über ein eigenes Band, 2,4 GHz und 5 GHz stehen ohne Einschränkung für WLAN-Clients zur Verfügung. Anders als bei Dual-Band oder Single-Band kommt es hier zu keinen oder nur minimalen Einbrüchen bei der Bandbreite. Bereits jetzt sollte man beim Mesh-Kauf auf Tri-Band achten, Dual-Band-Ansätze sind langfristig die schlechtere Lösung.

Das Prinzip Mesh ist nicht auf WLAN begrenzt. AVM kann etwa auch die eigenen Powerline-Adapter (Datentransport über Stromleitungen) in Mesh-Lösung integrieren. Devolo vermeidet den Begriff WiFi-Mesh bei den eigenen WLAN-Produkten zwar noch, arbeitet aber unbestätigten Gerüchten zufolge an einer ähnlichen Kombination aus Powerline und WLAN.

Die beiden größten Nachteile sind Preis und geschlossenes Ökosystem. Mesh-Systeme sind deutlich teurer als einfache Repeater. Das gilt nicht nur für die Komponenten an sich, ein Tri-Band-Mesh erweitert kein vorhandenes WLAN, sondern ersetzt bestehende "klassische" Infrastruktur. Dazu kommt, dass es keine Standards gibt. Anders als Repeater kann ein Mesh also nur mit Komponenten des gleichen Anbieters funken.

Bild: Harald Karcher Unterschiedliche Systeme lassen sich nicht "vermeshen". Das Google WiFi (die vier Runden Komponenten) können die Fritz-Box nur ersetzen oder sie als Modem nutzen.

In Deutschland gibt es zwar keinen Routerzwangs mehr, in der Praxis kommen die Modems aber fast immer vom Internetanbieter. Reine Modems gibt es kaum noch, die zur Verfügung gestellten Geräte bringen oft gleich noch Router- und WLAN-Funktionen mit. Zwar arbeiten alle Mesh-Basisstationen hinter einem externen Router, es kann bei Themen wie NAT oder dem externen Zugriff auf Smart-Home-Geräte zu Problemen kommen. Idealerweise sollte man bei der Anschaffung eines Mesh-Systems das Modem so dumm wie möglich schalten – die kompletten Routing-Funktionen kann das Mesh übernehmen. Ein weiterer Sonderfall: Mit Ausnahme von AVM unterstützt derzeit kein Mesh eine Integration von Festnetz-Anschlüssen. Auch wenn diese inzwischen meist auf VoIP umgestellt sind, ist es dennoch schwer, die Zugangsdaten in andere Lösungen als die der Telefonanbieter zu übernehmen.

EIn anderes Problem ist die "digitale Luftverschmutzung". Die Tri-Band-Mesh-Systeme ballern die Luft gleich auf drei Bändern mit WLAN-Datenverkehr zu, zusätzlich kommt der Funkverkehr der Endgeräte. Wenn sich demnächst alle Nachbarn Tri-Band-Mesh-Systeme anschaffen, dann wird es bald eng im Frequenz-Spektrum, nicht nur bei 2,4 GHz, auch bei 5 GHz.

Aktuell drängen zahlreiche Anbieter auf den Markt für WLAN-Mesh. Neben bekannten Namen wie Netgear, Asus, D-Link oder Linksys kommen gibt es auch neue Mitbewerber, darunter Synology oder Google. Da man sich beim Thema Mesh aktuell noch für ein geschlossenes Ökosystem entscheidet, sollte man genau abwägen, welchem Hersteller man vertraut.

Aus diesem Grund haben wir uns für Sets der folgenden fünf Hersteller entschieden, unser Meinung nach bringen sie aktuell die größte Erfahrung in kommerziellen Mesh-Produkten mit. Für den Aufbau eines Mesh empfehlen wir Tri-Band-Lösungen. Es macht Sinn, direkt auf drei Funkkomponenten zu gehen um möglichst flexibel zu sein, entsprechen haben wir diese Sets in unsere Übersicht aufgenommen.

Netgear Orbi RBK53 Router und 2x Satellit Set (RBK53-100PES/RBK53-100UKS)

Netgear Orbi

Linksys Velop Set, 3er-Pack (WHW0303-EU)

Linksys Velop

ASUS Lyra Tri-Band Set, 3er-Pack (90IG04C0-BM0B10)

Asus Lyra

TP-Link Deco M5, 3er-Pack (Deco-M5-3-Pack)

TP Link Deco

Ubiquiti Amplifi HD Set (AFi-HD)

Ubiquiti Amplifi

Wer nur im hintersten Zimmer das WLAN ein bisschen aufpeppen will, dem reicht möglicherweise ein einfacher WLAN-Repeater. Die Übersicht zu aktuellen Geräten haben wir hier in unserer Kaufberatung zusammengestellt.

Wer die Kosten nicht scheut und ein großes Haus, ein Büro oder eine Hotel mit etlichen Zimmern und mehreren Etagen lückenlos mit einem hohen WLAN-Speed bis in die hinterste Ecke versorgen möchte, sollte sich ein Mesh-System ansehen. Die Tri-Band-Lösungen von Asus, Linksys, Netgear oder Amplifi sind technisch sehr gut, kosten allerdings entsprechend. Gerade bei einer Neuinstallation, wenn keine Kabel möglich sind, kann sich ein Mesh lohnen. Anbieter wie Netgear haben zudem eine Pro-Lösung im Markt, mit der Hotels, Gaststätten oder Büros mit WLAN versorgt und die einfach verwaltet werden können.

Eine weitere Alternative ist das legen von Gigabit-Netzwerkkabeln, die dann dedizierte Access Points, etwa von Ubiquiti, ins LAN einbinden. Das ist mehr Aufwand, garantiert aber mit die beste Leistung.

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