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Volkskrankheit Bluthochdruck: Smarte Messgeräte unter 40 Euro

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Fast jeder dritte Deutsche leidet an Bluthochdruck, viele unbemerkt. Smarte Blutdruckmessgeräte können helfen, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Wir zeigen, worauf man beim Kauf achten sollte.

Viele glauben, Bluthochdruck betrifft nur ältere Menschen. Das ist so nicht ganz richtig. Zwar leiden drei von vier Personen zwischen 70 und 79 Jahren an Hypertonie, wie Bluthochdruck in der Fachsprache genannt wird, aber auch junge Erwachsene und sogar Kinder können daran erkranken. So sollen laut der Deutschen Hochdruckliga vier bis fünf Prozent der Kinder bereits erhöhten Blutdruck haben. Insgesamt schätzen sie, dass 20 bis 30 Millionen aller Deutschen unter Bluthochdruck leiden. Besonders gefährdet sind Männer. Statistisch wissen die häufiger nichts von ihrem meist symptomfreien Bluthochdruck und lassen sich seltener behandeln. Die Diagnose Bluthochdruck ist oft ein Zufallsbefund, etwa bei einer Routineuntersuchung.

Der Grund für den Bluthochdruck ist meist unklar. Trotzdem ist er gefährlich, auf Dauer können Herz, Nieren, Augen, Gehirn oder Gefäße Schaden nehmen. Wer von dem Problem weiß, kann in den meisten Fällen erfolgreiche entgegenwirken.

Wer im Sommer mit dem Gartenschlauch Blumen gießen will, benötigt dafür den richtigen Wasserdruck. Ähnlich geht es dem Körper, der ausreichend Druck im Gefäßsystem braucht. Immerhin pumpt das Herz eines Erwachsenen pro Minute etwa fünf Liter Blut durch den Blutkreislauf, das sind gut 7000 Liter am Tag. Dieses Blut versorgt über die Arterien alle Organe und das Gewebe mit Sauerstoff. Die Venen führen das sauerstoffarme Blut zurück zum Herzen. Dabei arbeitet das Herz wie eine Druck-Saug-Pumpe: es zieht sich zusammen und entspannt sich wieder. Deshalb ergeben sich bei der Blutdruckmessung zwei Werte: Der systolische und der diastolische Blutdruck.

Der systolische Blutdruck, auch Systole oder oberer Blutdruck genannt, entsteht in der Phase, in dem sich der Herzmuskel zusammenzieht und Blut in die Arterien presst. Dabei dehnt sich die Wand der Arterie kurz aus, was man auch als Puls an Hals oder Handgelenk spürt.

Der diastolische Blutdruck ergibt sich aus der Entspannungsphase des Herzens, wenn das sauerstoffarme Blut über die Venen zurück in Richtung Herz strömt. Der Wert des Drucks ist dabei deutlich geringer als der systolische Wert, er wird auch als Diastole oder unterer Messwert bezeichnet.

Geräte wie das Medisana BU 540 Connect zeigen übersichtlich Systole und Diastole an.

Dabei passen sich beide Werte den Anforderungen des Körpers an. Strengen wir uns an, stehen unter Druck oder Stress, pumpt das Herz aufgrund des erhöhten Sauerstoffbedarfs vermehrt Blut in den Körper – der Druck steigt. Dieser hohe Blutdruck unter Last ist meist unbedenklich. Problematisch wird es erst, wenn auch in Ruhephasen ein hoher Blutdruck gemessen wird.

Diese Schwankungen sind der Grund, warum Blutdruckmessungen beim Arzt häufig erhöhte Werte anzeigen. Schließlich sind viele Besucher in beim Arztbesuch tendenziell aufgeregt. Eine Messung in entspannter Atmosphäre auf der heimischen Couch liefert die genaueren Werte. Auch sollte man vor der Messung fünf Minuten ruhen. Wer vergleichbare Werte will, sollte zusätzlich darauf achten, stets zur gleichen Uhrzeit zu messen. Kaffee, Nikotin und Zucker können den Blutdruck erhöhen und damit die Werte verfälschen.

Die Maßeinheit für den Blutdruck ist mmHg – Millimeter Quecksilbersäule, da er ursprünglich mithilfe einer Quecksilbersäule ermittelt wurde. Als normal gilt ein Blutdruck zwischen 120/80 und 130/85 mmHg. Ab diesem Wert bis 140/90 mmHg gilt er als hochnormal. Meist hilft dann zur Senkung schon eine Änderung von Gewohnheiten, wie vermehrter Sport, der Verzicht auf Zigaretten oder eine Ernährungsumstellung. Medikamente sind selten nötig. Wer in ruhigen Situationen regelmäßig einen Blutdruck von über 140/90 mmHg hat, leidet möglicherweise unter Bluthochdruck. Ärzte verschreiben in solchen Fällen häufig Medikamente.

Bluthochdruck wird nicht umsonst als Volkskrankheit bezeichnet. Sie ist weit verbreitet, wird häufig nur zufällig diagnostiziert und verringert im schlimmsten Fall die Lebenserwartung. Deswegen kann es in vielen Fällen Sinn ergeben, ein Blutdruckmessgerät im eigenen Haushalt zu haben und den Blutdruck bei sich und den Familienmitgliedern regelmäßig zu prüfen. Einige Modelle übertragen dabei die Werte per Bluetooth oder WLAN an das Smartphone. So ergibt sich eine nachvollziehbare Kurve, aus der man Tendenzen lesen kann. Einige Geräte leiten die Werte auf Wunsch sogar direkt an den Arzt weiter.

Wir haben uns das Medisana BU 540 Connect und das Withings BPM Connect genauer angeschaut. Das Medisana BU 540 Connect kostet aktuell unter 40 Euro, das Withings BPM Connect knapp 90 Euro.

Das Medisana BU 540 Connect ist klassisch aufgebaut. Der Käufer legt eine große Armmanschette aus einem flexiblen Kunststoff mit einem Umfang von 22 bis 42 Zentimetern um den Oberarm. Dabei sollte der Abstand zwischen Armbeuge und Manschette etwa zwei bis drei Zentimeter betragen. Auch ist es wichtig, die Manschette nicht zu fest anzulegen. Hier sollten noch zwei Finger Platz finden. Üblicherweise wird der herznahe linke Arm zur Messung empfohlen. Von der Manschette führt ein gut 50 Zentimeter langer Kunststoffschlauch zum Basisgerät.

Medisana BU 540 Connect (9 Bilder)

Das Basisgerät bietet ein in der Diagonale gut zehn Zentimeter messendes, unbeleuchtetes LC-Display. Auch ältere Personen sollten es gut ablesen können. Mit dem großen grünen Taster startet die Messung. Weniger schön: Uns passierte es im Test mehrfach, dass wir den Taster etwa beim Transport versehentlich betätigten und das Gerät mit einer Messung begann. Immerhin bemerkt es nach etwa zehn Sekunden den Fehler und schaltet sich ab.

Der Messvorgang selbst dauert etwa eine Minute. Im Anschluss zeigt das Display unter anderem Systole, Diastole und den Puls an. Das Gerät selbst speichert übersichtlich die letzten 250 Messungen, auf Wunsch aufgeteilt auf zwei Nutzer. Es berechnet außerdem den Durchschnittswert der letzten drei gespeicherten Werte. Eine Farbskala bewertet die Ergebnisse.

Medisana BU 540 Connect: Screenshots der App (21 Bilder)

Wer die Daten zusätzlich in der App speichern und grafisch aufbereiten will, lädt zunächst die App Vita Dock+ herunter und erstellt einen Account. Nach dem erfolgreichen Hinzufügen des Medisana BU 540 Connect zur App, übertragt das Gerät nach der Messung die Werte. Allerdings muss dafür direkt bei der Messung die App geöffnet sein. Es ist nicht möglich, dies im Nachhinein zu übertragen. Das ist schade und schränkt den Mehrwert der App deutlich ein. Immerhin ist die App sie erstaunlich schick, übersichtlich und flott.

Was Withings bereits beim Thermo (Ratgeber Fieberthermometer) gezeigt hat, beweisen sie auch beim Withings BPM Connect: Sie verstehen was von funktionalem Design. Das Blutdruckmessgerät ist gerade im Vergleich zum Medisana BU 540 Connect geradezu filigran und bietet sich so auf Reisen für die regelmäßige Kontrolle an. Dabei verbindet Withings das Basisteil direkt mit der Manschette. Die zwei Einheiten sind fest miteinander verbunden. Die Manschette selbst besteht aus einem angenehmen Stoff und eignet sich für Arme mit einem Umfang von bis zu 36 Zentimetern.

Withings BPM Connect (12 Bilder)

Vor dem Beginn der Messung sollten Nutzer die App Withings Health installieren. Auch hier ist es nötig ein Konto zu erstellen, anschließend fügt man das Withings BPM Connect dem Konto hinzu.

Ein doppelter Druck auf den einzigen Knopf startet die Messung, sie dauert gut 40 Sekunden. Nach Abschluss zeigt eine durch den weißen Kunststoff schimmernde LED-Anzeige abwechselnd Puls, Systole und Diastole an. Nun überträgt Withings BPM Connect selbstständig die Messwerte über WLAN an die Server von Withings, das Smartphone muss man dafür nicht aus der Tasche ziehen. Sollte WLAN nicht eingerichtet sein, kennt das Blutdruckmessgerät alternativ auch Bluetooth für die direkte Verbindung mit dem Smartphone.

Withings BPM Connect: Screenshots der App (8 Bilder)

Die WLAN-Variante hat den Vorteil, dass zum Beispiel technisch wenig versierte Großeltern selbstständig den eigenen Blutdruck messen und die Werte automatisch auf die mobilen Endgeräte von ihren Kindern und Enkeln übertragen werden. Diese können dann auf etwaige Unregelmäßigkeiten reagieren. Alternativ können iOS-Nutzer Apple Health verknüpfen und die Blutdruckwerte und den Puls an ihren Arzt weiterleiten.

Withings BPM Connect speichert unbegrenzt viele Messwerte von bis zu acht Personen. Laut Withings hält der über Micro-USB wiederaufladbare Akku bis zu sechs Monate. Wir hätten uns an der Stelle eine zukunftssichere USB-C-Schnittstelle gewünscht, schließlich soll das Gerät im Idealfall viele Jahre seinen Dienst verrichten.

Eine regelmäßige Blutdruckkontrolle bietet sich auch unabhängig von einer Bluetooth- oder WLAN-Unterstützung des Messgeräts an. Auch diese Geräte sind in der Regel recht genau, kosten aber nochmal weniger. Hier zeigen wir die beliebtesten.

Um die Volkskrankheit Bluthochdruck rechtzeitig zu erkennen und ihr entgegenwirken zu können, sind Blutdruckmessgeräte für den Privatgebrauch optimal. Dabei benötigen sie nicht zwingend Bluetooth oder WLAN. Derartige Geräte sind bereits ab 20 Euro erhältlich. Wer eine clevere App-Integration wünscht, könnte mit dem Withings BPM Connect glücklich werden. Uns gefällt besonders, dass der Nutzer das Smartphone ausgeschaltet lassen kann, die Werte überträgt das Blutdruckmessgerät dennoch. Auch bezüglich Optik und Verarbeitung ist das Withings BPM Connect seinen Konkurrenten überlegen. Dafür müssen Käufer dann aber auch knapp 90 Euro auf den Tisch legen.

Was gegen Bluthochdruck helfen kann, ist Sport. Dabei gibt es durchaus auch nerdige Möglichkeiten, sich zu bewegen, wie wir im Betrag Fit mit VR: Top Sieben der besten Spiele für VR-Workouts zeigen. Lieber draußen Sport und dabei noch gute Musik hören? Dann empfehlen wir unsere Bestenliste: Top 5 Fitness-Tracker für Sport und Alltag und den Ratgeber: Kopfhörer für Jogger und Sportler.

Wer sich für schlaue medizinische Geräte für den Heimgebrauch interessiert, sollte sich auch unseren Beitrag Von Low- bis High-End: Drei Fieberthermometer im Vergleich anschauen.

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