TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Vier smarte Fahrradschlösser im Vergleichstest

10
von  //  Twitter

Smarte Fahrradschlösser mit Alarm, Bluetooth und App versprechen Komfort und hohen Diebstahlschutz. Was die Schlösser leisten, zeigt unser Vergleichstest.

Wer ein smartes Fahrradschloss hat, kann sich das nervige Schlüssel-aus-der-Tasche-Kramen sparen: Dank Bluetooth und App-Anbindung versprechen die Schlösser viel Komfort. Einige Modelle haben sogar einen eingebauten Alarm, der Diebe schon beim ersten Berühren abschrecken soll. Wieder andere bringen den vom Smartphone bekannten Fingerprintsensor auf das Schloss. Klingt toll – nützt aber leider nichts.

Im Rahmen unserer Themenwelt zu smarten Fahrradschlössern haben wir außerdem das Miikey Fingerabdruck-Fahrradschloss (Testbericht), das I lock it (Testbericht), das Vgeby-Schloss (Testbericht) und das Linka Original (Testbericht) getestet. Dieser Artikel vergleicht die Kernfunktionen der Schlösser miteinander. Details finden sich in den verlinkten Einzeltests.

Die hier getesteten Fahrradschlösser kommen in drei Designvarianten:

  1. Speichenschlösser, die am Sitzrohr des Rades montiert und mit einem Metallstift durch die Speichen verschlossen werden
  2. Klassische Kabelschlösser zum Wickeln und Stecken
  3. Längere, U-förmige Bügelschlösser aus stabilem Metall zum Anschließen des Fahrrads an Laternen und so weiter
Linka Original und I lock it tarnen sich als klassische Rahmenschlösser.

Linka und I lock it stammen aus der ersten Kategorie. Während das Linka Original etwas schmaler und durch den Metallkörper recht schwer ist, setzt der Hersteller beim I lock it auf leichteres Kunststoffmaterial und baut das Schloss dafür breiter. Das hat den Vorteil, dass es unproblematischer auf verschiedene Fahrradmarken passt. Im direkten Vergleich war es einfacher und angenehmer, das I lock it mit den mitgelieferten Schrauben am Fahrrad zu befestigen. Allerdings: Beim Fahrradschloss kommt es nicht auf einfache Montage an – sondern vor allem auf Stabilität und Haltbarkeit.

Das Vgeby-Bluetooth-Schloss besteht aus einem verzwirbelten Metalldraht in einer Kunststoffhülle. Verschlossen wird dieser in einer Kunststoffbox. Durch dieses Design ist das Schloss zwar flexibel, aber es ist nicht besonders robust. Die Ummantelung bekommt schon tiefe Kerben, wenn man versucht, das Schloss um sein Fahrrad zu wickeln. Und mit nur einem Zentimeter Dicke ist der Draht auch schnell durchtrennt. Damit taugt das Vgeby eigentlich nur für den kurzen Zwischenstopp am Bäcker – wer ein hochwertiges Rad über Nacht draußen stehen lassen muss, braucht definitiv etwas solideres.

Vielleicht das aus Metall gefertigte Bügelschloss von Miikey? Es wird nach Belieben zwischen Mittelstange und Hinterrad oder zwischen Rahmen und Fahrradständer angebracht und zum Fixieren der Verschluss auf die Enden gesteckt. Am Bügel befinden sich acht Rasterpunkte, sodass das Schloss in seiner Verwendung flexibel ist. Insgesamt hinterlässt es einen deutlich solideren Eindruck, kann aber mit einem Bügelschloss von Markenherstellern wie Kryptonite nicht mithalten.

Alle Schlösser im Test werden per Bluetooth mit einer passenden Smartphone-App verbunden. Die App übernimmt bei allen Schlössern das Entriegeln; der restliche Funktionsumfang und der Komfort beim Bedienen der App unterscheidet sich deutlich.

Das Miikey Fingerabdruck-Fahrradschloss (Testbericht) ist im Test das einzige mit Fingerabdrucksensor. Dieser hat sehr zuverlässig funktioniert. Neben Fingerabdruck und App öffnet auch ein konventioneller Schlüssel das Schloss. In der App befindet sich eine Dokumentation, wann das Schloss entsperrt wurde. Leider registriert sie tatsächlich nur die Entsperrungen per App; werden Fingerabdrucksensor oder Schlüssel zum Aufschließen benutzt, gibt es keinen neuen Eintrag.

Laut Hersteller speichert die App die GPS-Daten beim Abschließen. In unserem Test hat das nicht funktioniert. Wer das Schloss mit Freunden oder Familie teilen möchte, kann über die App andere Nutzer hinzufügen und das gewünschte Schloss für ausgewählte Personen autorisieren. Diese müssen aber alle ein Nutzerkonto in der zugehörigen App besitzen.

Das Vgeby-Schloss (Testbericht) dokumentiert ebenfalls alle Sperr- und Entsperrvorgänge. GPS-Positionen von der Stelle, an der das Fahrrad angeschlossen wurde, speichert es nicht. Auch gibt es keine Option, das Schloss für Freunde oder Familie freizugeben. Wer nicht mal mehr das Smartphone aus der Tasche holen möchte, um das Schloss zu entsperren, kann hier die „automatische Entsperrung“ aktivieren. Sobald sich der Nutzer in der Nähe des Gerätes befindet, öffnet es sich von selbst.

Das Linka Original (Testbericht) registriert jedes Schließen und Aufschließen in der App. Dabei speichert es auch den Standort beim Verriegeln des Rades. Das Schloss bietet außerdem das automatische Entsperren an, wenn man sich wieder in der Nähe befindet. Allerdings dauerte es manchmal etwas länger, bis es die Nähe zum Smartphone in der Tasche von allein erkannt hat.

Auch I lock it (Testbericht) merkt sich Schließen und Aufschließen inklusive GPS-Koordinaten in der App. Das automatische Entsperren, wenn man sich wieder in der Nähe befindet, ist ebenfalls möglich und funktioniert beim I lock it zuverlässiger als beim Linka-Schloss. Zusätzlich gibt es eine Option, das Rad automatisch zu sperren, wenn man sich entfernt. Doch selbst in der geringsten Einstellung braucht es einen großen Abstand, bis die Sperre aktiv wird (etwa 15 Meter).

Jetzt kann es natürlich passieren, dass der Smartphone-Akku leer ist. Muss man dann das Rad stehen lassen, weil man es nicht mehr per App entsperren kann? Beim Schloss von Vgeby ist das tatsächlich der Fall. Es gibt keine Möglichkeit, das Schloss ohne Smartphone zu öffnen – außer natürlich mit Hilfe eines Bolzenschneiders, der mit den dünnen Sicherungsdrähtchen keine größeren Probleme haben sollte.

Beim I lock it haben sich die Entwickler eine Farbkombination ausgedacht. Aus drei Farben baut man sich einen sechsstelligen Code zusammen, um das Fahrrad auch ohne Smartphone zu entriegeln. Hierfür hält man die Powertaste gedrückt. Währenddessen wechselt die Farbe der LED zwischen grün, blau und rot; an der richtigen Stelle lässt man die Taste dann los. So lässt sich das Rad auch unkompliziert mit Freunden teilen, die keine App dafür haben.

Ähnlich funktioniert das beim Linka Original. Hier gibt es einen vierstelligen Zahlencode. Allerdings ist das Eingabesystem etwas kompliziert: Powertaste so lange gedrückt halten, bis die LED violett blinkt, dann drückt man entsprechend des Zahlencodes die Powertaste mehrfach. Nach jeder Zahl gibt das Schloss mit einem Ton Feedback, dass man nun die nächste Stelle des Pins erreicht hat.

Das Miikey 3in1 Fahrradschloss wird auch per Fingerabdruck entsperrt, wenn das Smartphone ausgeschaltet ist. Und sollte es damit mal Probleme geben, gibt es immer noch den guten, alten Schlüssel.

Smarte Fahrradschlösser Übersicht
Linka I lock it Vgeby Miikey
Testnote 2 2 4 3
Design Speichenschloss am Sitzrohr Speichenschloss am Sitzrohr Kabelschloss Bügelschloss
Sperren/Entsperren per App
Näherungserkennung
Entsperren ohne Smartphone ✔ (Zahlencode) ✔ (Farbcode) ✔ (Fingerabdrucksensor + Schlüssel)
Alarm
Dokumentation von Interaktionen ✔ (nur beim Entsperren per App)
Speichern von GPS-Daten
Mit Freunden teilbar? ✔ (App oder Zahlencode) ✔ (App oder Farbcode) ✔ (App, Fingerabdruck oder Schlüssel)
Testnote 2 2 4 3

Das Schloss von Miikey hat keinen eingebauten Alarm. Linka Original und I lock it verfügen beide über einen 110-dB-Alarm. Das ist laut genug, um Leute in der Umgebung aufmerksam zu machen, aber nicht laut genug, um eventuelle Diebe daran zu hindern, das Rad wegzutragen. Leider kam es im Test öfter zu Fehlalarmen, wenn beispielsweise die Bluetooth-Verbindung nicht sofort griff und man das Fahrrad zu früh bewegt oder jemand, der eigentlich ein anderes Fahrrad aufschließen will, mit seinem Hintern dagegen stößt. Diese Person könnte den Schock ihres Lebens bekommen. Hier hat I lock it mitgedacht: Anstatt sofort beim ersten Rempler schrill den Alarm auszulösen, ertönt ein dreimaliger Warnton. Erst bei weiteren Erschütterungen gibt es die volle 110-dB-Dröhnung.

Der Hersteller des Vgeby-Bluetooth-Schlosses hatte eigentlich nette Ideen. Der eingebaute Alarm ist mit 115 dB sehr laut. Sobald jemand im verriegelten Zustand versucht, das Batteriefach aufzuschrauben, geht der Alarm los. Auch wenn man den Draht durchschneidet, soll der Alarm anspringen. Bei Bedarf aktiviert der Nutzer in den Optionen noch den Vibrationsalarm. Doch leider ist der Alarm des Schlosses so konstruiert, dass er sich sehr leicht beispielsweise durch den Einsatz von Knete zum Schweigen bringen lässt. Schon das Zuhalten des Alarmmoduls auf der Vorderseite verringert dessen Lautstärke enorm.

iLockIt Rahmenschloss, elektronischer Schlüssel

I Lock it Rahmenschloss

LINKA Original Smart Lock Rahmenschloss schwarz, elektronischer Schlüssel

Linka Original

(Kein Produktbild vorhanden)

Miikey Fahrradschloss

(Kein Produktbild vorhanden)

Miikey Fahrradschloss

(Kein Produktbild vorhanden)

Vgeby Fahrradschloss schwarz

(Kein Produktbild vorhanden)

Vgeby Fahrradschloss rot

Kurz und knapp: Aus Sicht der Sicherheit sind alle smarten Fahrradschlösser nicht mehr als Spielzeug. Profi-Fahrraddiebe würden wohl „Geschenkband“ dazu sagen. Die Produkte eignen sich für einen kurzen Zwischenstopp, für nicht mehr und nicht weniger.

Wer sein Rad wirklich schützen möchte, bekommt für vergleichbar viel Geld schon etwas anständiges. Vor allem die Bügelschlösser von Kryptonite und die Faltschlösser von Abus werden regelmäßig empfohlen. Und zumindest Abus bietet auf Wunsch auch eine Alarmanlage für sein Schloss.

ABUS Bordo Granit X-Plus 6500 Faltschloss schwarz, Schlüssel (55160)

Abus Bordo Granit

(Kein Produktbild vorhanden)

Abus Bordo Alarm

Kryptonite New-U Evolution Mini-7 Bügelschloss, Schlüssel (002079)

Kryptonite Mini

Kryptonite New-U New York Lock Standard Bügelschloss, Schlüssel (002154)

Kryptonite New York

Der Komfort eines smartes Fahrradschlosses ist toll – aber bei der Sicherheit seines Lieblingsrades sollte man keine Kompromisse eingehen. Von den im Vergleich getesteten Schlössern haben das Linka Original (Testbericht) und das I lock it (Testbericht) am besten abgeschnitten. Handhabung und Funktionspaket sind hier am stimmigsten. Der Nachteil dieser Speichenschlösser: Sie sperren das Fahrrad lediglich ab, nicht an. Wer das will, sollte sich das Zubehör der Hersteller anschauen. Beide bieten zum Beispiel eine kompatible, sehr robuste Metallkette für ihre Rahmenschlösser an.

Ein richtig unsicheres Gefühl hinterlässt das Vgeby-Schloss (Testbericht) mit seinem dünnen Sicherungsdraht, der keinem Bolzenschneider lange Widerstand leistet. Auch das Miikey Fingerabdruck-Fahrradschloss (Testbericht) gefällt nur auf den ersten Blick mit seinem guten Fingerabdrucksensor, entpuppt sich jedoch bei genauerem Hinschauen als wenig durchdacht. Zur Gesamtnote sehr gut hat es bei keinem der getesteten Schlösser gereicht.

Ähnliche Produkte im Test

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige