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Vergleichstest: fünf microSDXC-Karten ab 200 GByte

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Wir haben fünf aktuelle microSDXC-Karten mit einer Kapazität von mehr als 200 GByte getestet. Die großvolumigen Speicherwinzlinge eignen sich nicht nur für den Einsatz im Smartphone, Camcorder oder im Fotoapparat, sondern auch als schlanker Ersatz für die externe SSD.

Zwar bietet derzeit noch die 64 und 128 GByte großen Modelle das beste Preis-pro-Gigabyte-Verhältnis, aber auch die von uns getesteten microSDXC-Karten mit mehr als 200 GByte kosten teilweise nicht einmal mehr 100 Euro. Im Test überzeugten sämtliche Probanden durch eine erfreulich hohe Schreibleistung.

Eine ausführliche Übersicht zum Einsatz der flash-basierten Speicherkarten in Android-Smartphones und zu den zahlreichen, unterschiedlichen Geschwindigkeitsklassen hatten wir bereits im letzten Jahr in Form einer Kaufberatung und eines zusätzlichen Guides aufbereitet.

Sinnvolle Einsatzbereiche für schnelle Speicherkarten mit hoher Kapazität gibt es zu Genüge, nötig sind sie allerdings vor allem als Speichermedium für Smartphones. Foto- und wie Videokameras sowie Notebooks setzen zumeist auf vollformatige SDXC-Karten; mittels eines entsprechenden Adapters passt aber auch die micro-Variante. Ein Foto mit einer aktuellen, hochwertigen Digitalkamera wie beispielsweise Nikons mit 45,7 Megapixeln auflösender D850 belegt bei maximaler Qualität ohne Kompression bereits knapp 100 MByte. Im Vergleich dazu ist der Speicherbedarf von mit dem Smartphone geschossenen 4k-Bildern geradezu lächerlich gering. Aber auch im Mobiltelefon können die microSDXC-Karten eine ebenso sinnvolle Ergänzung sein, wie als Speichererweiterung fürs Notebook: Beispielsweise als schnelle Möglichkeit, um ständig wechselnde Filme, Serien oder sonstige Multimediadateien stets mitzuführen. Gerade VR-Videos mit Rundumansicht sind echte Speicherfresser.

Auch digitale Camcorder und 360-Grad-Action-Cams sind auf viel Speicherplatz und einen hohen Datendurchsatz angewiesen: Hier hilft zumeist nur eine Nachfrage beim Hersteller und ein Blick ins Datenblatt, was der Hersteller im individuellen Fall wenigstens voraussetzt. Die erforderliche Schreibleistung hängt von der Auflösung, dem verwendeten Codec und der gewählten Bildwiederholungsrate ab.

Wir haben uns bei sämtlichen getesteten microSDXC-Karten auf die so genannten Kit-Versionen beschränkt. Das bedeutet, dass ein Adapter zur Nutzung der Speichermedien in einem normalen SD-Kartensteckplatz beiliegt. Somit erhält der Anwender mehr Flexibilität beim Einsatz, ohne einen spürbaren Aufpreis zahlen zu müssen.

Da die meisten Hersteller ihre Karten in Kunststoffverpackungen mit Abziehfolie unterbringen, eignen sich diese Lösungen nicht zur Weiterverwendung. Allein Samsungs EVO Plus 2017 bietet eine Schachtel mit Verschlusslasche, die sich zur späteren Aufbewahrung und zum Transport eignet. Bei ADATAs Premier One kann zumindest die größere Pappbox mit Einschub weiterverwendet werden.

Darüber hinaus gibt es im gesamten Testfeld nur ein einziges Modell mit über den SD-Adapter hinausgehenden Lieferumfang: SanDisk spendiert der Extreme sowohl die Datenrettungssoftware Rescue Pro als auch ein Jahresabo des Magisto Video Editors.

Mit Ausnahme der ADATA Premier One, die dank UHS-II-Interface eine Lese- und Schreibleistung von bis zu 275 bzw. 155 MBtye/s liefern soll, setzten Samsung, SanDisk und Toshiba bei ihren Karten noch auf UHS-I. Hier reichen die angegebenen Transfergeschwindigkeiten je nach Modell von teils deutlich unter bis zu maximal 100 MByte/s.

ADATAs Premier One, Samsungs EVO Plus 2017, SanDisks Extreme und Toshibas Exceria M303 fassen jeweils 256 GByte an Daten, lediglich die SanDisk Ultra ist auch in Gestalt des hier getesteten, noch größeren Modells verfügbar und speichert satte 400 GByte.

Der Kopiertest mit unterschiedlich großen Dateien liefert die realistischsten Daten zur Performance-Einschätzung. Bei sehr kleinen Dateien sind sämtliche Testkandidaten sehr langsam. Am sichtbarsten treten die Unterschiede bei den großen Dateien zutage. Hier hat die sehr schnellere ADATA Premier One mit einer Lese- und Schreibleistung von 247,1 bzw. 157,7 MByte/s die Nase weit vorn: Die schnellsten Gegenspieler in Gestalt der Samsung EVO Plus 2017 und SanDisk Extreme bieten nur ungefähr ein Drittel bzw. die Hälfte der Transferleistung (Lesen/Schreiben) des schnellen UHS-II-Speichers.

Als günstigste Karte im Test arbeitet Toshibas Exceria M303 aber nur unwesentlich langsamer als Samsungs EVO Plus 2017 und SanDisks vergleichsweise teuren Extreme. Diese wiederum ist besonders schnell beim Schreiben von Dateien mit unterschiedlicher Größe, während Samsungs EVO Plus 2017 zumindest in diesem Teilbereich zurückfällt, wie der Kopiervorgang eines Ordners mit unterschiedlich großen Dateien zeigt.

Zumindest im direkten Vergleich schreibt SanDisks 400 GByte große Ultra mit nur 44,4 MByte/s langsam. Aber auch das reicht für die meisten Einsatzszenarien aus.

Kopiertest
Hersteller Samsung SanDisk SanDisk Toshiba ADATA
Lesen: kleine Dateien (18.000x128 KByte) 10.1 MByte/s 10.4 MByte/s 10.9 MByte/s 10.3 MByte/s 10.6 MByte/s
Schreiben: kleine Dateien (18.000x128 KByte) 3.0 MByte/s 3.7 MByte/s 3.4 MByte/s 3.0 MByte/s 2.7 MByte/s
Lesen: mittelgroße Dateien (Lesen/Schreiben, 3.600x2,5 MByte) 65.6 MByte/s 66.2 MByte/s 65.2 MByte/s 64.7 MByte/s 118.3 MByte/s
Schreiben: mittelgroße Dateien (Lesen/Schreiben, 3.600x2,5 MByte) 35.3 MByte/s 34.2 MByte/s 28.2 MByte/s 32.1 MByte/s 44.8 MByte/s
Lesen: große Datei (1x25 GByte) 86.9 MByte/s 87.2 MByte/s 87.4 MByte/s 85.6 MByte/s 247.1 MByte/s
Schreiben: große Datei (1x25 GByte) 75.4 MByte/s 71.8 MByte/s 44.4 MByte/s 65.4 MByte/s 157.7 MByte/s
Lesen: gemischter Ordner (9,53 GByte) 04:16 min 04:05 min 04:01 min 04:06 min 04:06 min
Schreiben: gemischter Ordner (9,53 GByte) 12:44 min 11:05 min 11:41 min 11:49 min 11:49 min

Im Dauerschreibtest kopieren wir eine 225 bzw. 360 GByte große ISO-Testdatei auf die 256 bis 400 GByte großen Speicherkarten. Effektiv steht immer etwas weniger Speicherplatz zur Verfügung, als die Verpackung verspricht. So sind es bei Toshibas Exceria M303 ungefähr 230, bei ADATAs Premier One 235, bei Samsungs EVO Plus 2017 und der SanDisks Extreme knapp über 238 und bei der SanDisk Ultra fast 367 GByte.

Die durchschnittliche Schreibgeschwindigkeit liegt bei allen Modellen in etwa auf dem Niveau der Ergebnisse aus dem Kopiertest mit einer großen Datei. Im Rahmen der Einzeltests überzeugten Samsungs EVO Plus 2017, SanDisks Extreme und Toshibas Exceria M303 durch die gleichförmigste Verlaufskurve. Lediglich die SanDisk Ultra wies während des Tests größere Schwankungen der Übertragungsgeschwindigkeit auf. Diese liegt im Mittel bei 45,2 MByte/s, die Verlaufskurve zeigte aber vereinzelte Ausschläge auf knapp über 30 und um 65 MByte/s.

Ein bislang ungeklärtes Problem ergab sich bei ADATAs Premier One: Diese verhält sich zwar trotz ihrer sehr hohen Leistung ebenfalls überwiegend konsistent, in einigen wenigen Durchläufen brach die Schreibleistung aber jeweils einmal für wenige Sekunden auf 0 MByte/s ein. Dieses Verhalten war zwar nicht in jedem Durchlauf reproduzierbar, wir konnten es aber in insgesamt drei Fällen beobachten. Der Blick über den eigenen Tellerrand zeigt, dass sich auch andere Tester im Internet mit derselben Problematik konfrontiert sahen.

Dauerschreibtest
Hersteller Samsung SanDisk SanDisk Toshiba ADATA
Schreiben, Durschnittswert 75,4 MByts/s 72,4 MByte/s 45,2 MByte/s 66,3 MByte/s 155,5 MByte/s

Der synthetische CrystalDiskMark ist ein eher herstellerfreundlicher Benchmark, der sich vor allem dazu eignet, die erreichbaren Maxima auszuloten. Das zeigt sich insbesondere am Beispiel der SanDisk Ultra, die die Schreibleistung von 68,6 MByte/s in unserem Kopier- und Dauerschreibtest nicht aufrechterhalten kann. Vergleichbare Werte treten jedoch in Form kurzfristiger Peaks auf.

Während die ADATA Premier One sich aufgrund ihrer 4k-Random-Schreibleistung überhaupt nicht zur Installation von Apps eignet, hinterlassen Samsungs EVO Plus 2017 und SanDisks Extreme in dieser Teildisziplin den besten Eindruck.

CrystalDiskMark
Hersteller Samsung SanDisk SanDisk Toshiba ADATA
seq. Read QD1 87.8 MByte/s 86.0 MByte/s 86.8 MByte/s 86.0 MByte/s 271.2 MByte/s
seq. Write QD1 80.8 MByte/s 82.2 MByte/s 68.6 MByte/s 68.7 MByte/s 164.7 MByte/s
4K Rd. Read QD1 1193 IOPS 2087 IOPS 2094 IOPS 1098 IOPS 2360 IOPS
4k Rd. Write QD1 581 IOPS 347 IOPS 446 IOPS 359 IOPS 43 IOPS

Bei den sequenziellen Datentransfers limitiert im AndroBench der microSDXC-Steckplatz des von uns verwendeten LG G6 Smartphones mit Android 8.0: Bei knapp über 83 MByte/s (Lesen) bzw. 63 MByte/s (Schreiben) ist selbst bei den schnellsten Speicherkarten im Testfeld Schluss. Ein eigentümliches Verhalten zeigt ADATAs Premier One, die abwechselnd jeweils drei unterschiedliche Schreibwerte (ungefähr 63, 28 und 50 MByte/s) aufweist. Das Verhalten war in jedem der Teildurchläufe reproduzierbar. Samsungs EVO Plus 2017 und Toshibas Exceria M303 fallen zumindest in diesem Benchmark hinter beide SanDisk-Modelle zurück.

Die I/O-Leistung entspricht bei allen Karten abgesehen von der ADATA Premier One grob der A1-Spezifikation der SD Association (Lesen/Schreiben: 1500/500 IOPS). Damit eignen sich alle diese Modelle auch grundlegend zur Installation von Smartphone-Apps. Besonders gut schneiden Samsungs EVO Plus 2017 und SanDisks Ultra ab. Hier ist allerdings auch die Gesamtsystemleistung ausschlaggebend, so dass die Ergebnisse von Smartphone zu Smartphone abweichen können.

AndroBench
Hersteller Samsung SanDisk SanDisk Toshiba ADATA
seq. Read 77.7 MByte/s 83.2 MByte/s 83.5 MByte/s 83.0 MByte/s 77.7 MByte/s
seq. Write 43.3 MByte/s 62.7 MByte/s 58.2 MByte/s 40.2 MByte/s (uneinheitlich, siehe Text)
4k Rd. Read 1896 IOPS 2857 IOPS 2706 IOPS 1509 IOPS 1552 IOPS
4k Rd. Write 787 IOPS 516 IOPS 657 IOPS 479 IOPS 92 IOPS

Es ist nahezu unmöglich, eine einzelne microSDXC-Karte aus dem Testfeld der Modelle mit mehr als 200 GByte Speicherplatz als klaren Sieger herauszugreifen. Dazu fallen die Unterschiede in den meisten Bereichen zu gering aus. Vielmehr erscheint es sinnvoll, den Kauf vom Tagespreis und dem persönlichen Einsatzzweck abhängig zu machen: Der Einsatz im Smartphone erfordert sicherlich nicht dieselbe Schreibleistung wie die Verwendung in einem hochauflösenden Camcorder bei Verwendung eines Videocodes mit geringer Kompression. Hier hilft notfalls nur die Nachfrage beim jeweiligen Hersteller, wieviel Geschwindigkeit nötig ist. Und selbst während des Testzeitraums schwankten die Anschaffungspreise für einzelne Modelle deutlich.

ADATAs Premier One (Testbericht) rutscht nur knapp an einem Sieg vorbei: Zwar ist sie das teuerste 256-GByte-Modell im Test, liefert aber gleichzeitig als einziges Medium mit UHS-II-Interface Bestwerte bei sequenziellen Datentransfers. Beim zufälligen Lesen und Schreiben von 4k-Dateien kann sie nicht punkten, das ist aber auch nicht ihr Einsatzbereich. Sie ist vielmehr in Camcordern oder professionellem Fotoequipment zu Hause und macht auch eine gute Figur als Ersatz für eine externe SSD, wenn es um eine schnelle Lösung zur Mitnahme ständig wechselnder Multimediadaten geht. Allerdings konnten wir sporadisch Einbrüche bei der Überprüfung der Dauerschreibleistung feststellen, deren Ursache wir bis heute nicht final klären konnten.

Samsungs EVO Plus 256 (Testbericht) liefert in den meisten Bereichen Top-Leistung zu einem hervorragenden Preis und eignet sich dank ihrer hohen I/O-Leistung auch zur Auslagerung einiger Android-Apps. Beim sequenziellen Datendurchsatz spielt sie zusammen mit der teureren SanDisk Extreme in derselben Liga. Lediglich im AndroBench kann sie die exzellente Schreibleistung aus unseren Kopiertests nicht bestätigen, in welchem sie mit Ausnahme des Kopierens eines Ordners mit gemischt großen Dateien mehrere Bestwerte erreicht.

Die sequenzielle Schreibleistung der SanDisk Extreme (Testbericht) ist fast genauso gut wie die der Samsung EVO Plus 2017. Zusätzlich liest sie einen Hauch schneller und setzt sich auch beim Kopieren des Ordners mit gemischt großen Dateien ab: Dank der im Vergleich zur Konkurrenz etwas höheren Schreibleistung bei kleinen Dateien absolviert sie diese Disziplin in Bestzeit und ist auch unter Android sehr schnell. Die I/O-Performance ist hingegen nur gut. Als Gegenwert für den zweithöchsten Anschaffungspreis unter der 256-Gyte-Modellen spendiert SanDisk der Extreme zusätzliche Softwarebeigaben in Form einer Datenrettungssoftware und eines Programms zur Videobearbeitung.

SanDisks Ultra (Testbericht) ist zwar im Hinblick auf die sequenzielle Schreibleistung das langsamste Modell im Test, mit bis zu um 45 MByte/s in unseren eigenen Kopiertests jedoch immer noch sehr schnell. Dabei handelt es sich allerdings um einen Durchschnittswert, von dem die Karte im Langzeitkopiertest nach oben und unten abweicht. Wem das ausreicht, der bekommt das 400 GByte große Volumenschlachtschiff für aktuell rund 126 Euro. Die Ultra ist somit nicht nur günstiger als teure 256-GByte-Modelle, sondern auch die derzeit einzige, flächendeckend verfügbare Version mit derart viel Speicherplatz.

Toshibas Exceria M303 (Testbericht) ist einen Hauch günstiger als alle anderen microSDXC-Karten im Test, dabei aber abgesehen von der sequenziellen Schreibleistung im AndroBench nur unwesentlich langsamer: In unseren Kopiertests erreicht sie 65-66 MByte/s und liegt leistungstechnisch am nächsten an den offiziellen Herstellerangaben. Beim Lesen und Schreiben kleiner und mittelgroßer Dateien liefert die M303 ebenfalls gute Werte, nur bei der I/O-Leistung im AndroBench fällt sie ein wenig zurück, wenngleich die Leistung immer noch zur Installation von Apps gemäß A1-Spezifikation ausreicht.

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