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Vergleichstest: Vier mobile Lötkolben für unterwegs

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Mobile Lötkolben für Reparaturen und Bastelprojekte werden per Batterie, Akku, Powerbank oder Butangas befeuert. Wir testen vier unterschiedliche Varianten und erklären die Unterschiede.

Was für DIY-Projekte sonst noch benötigt wird, zeigt unser Ratgeber Die besten Werkzeuge für die Nerd-Werkstatt.

Der Hersteller Weller ist vor allem für seine professionellen Lötstationen bekannt. Neben den Highend-Geräten für viele hundert Euro hat der Hersteller aber auch einen günstigen und handlichen Lötkolben für Privatanwender im Angebot. Der BP865CEU ist in einer Kunststoffbox verpackt und bekommt seinen Strom von vier AA-Batterien.

Der Batterielötkolben kommt vom Hersteller Weller.

Zum Lieferumfang gehören insgesamt zwei verschieden dicke Lötspitzen, ein Werkzeug zum Austausch der Spitzen und etwas bleifreies Lot. Der Lötkolben hat zwei verschiedene Leistungsstufen mit 8 Watt und 11 Watt. Je nach Einstellung erreicht er Temperaturen von 450 °C oder 510 °C.

Die Verarbeitung des Lötkolbens ist in Ordnung, aber nicht überragend. Der verwendete Kunststoff wirkt billig und der Temperatur-Schalter ist nicht sonderlich präzise und rastete auch mal zwischen den drei Schaltzuständen (Aus, Stufe 1, Stufe 2) ein. Die Kunststoffschachtel eignet sich hervorragend für den Transport im Rucksack oder der Werkzeugtasche.

Den USB-Lötkolben gibt es unter unzähligen verschiedenen Namen und Herstellerbezeichnungen. Letztlich haben aber alle die gleichen technischen Daten. Die Arbeitstemperatur der sehr dünnen Lötspitze erreicht 450 °C bei einer 5-Volt-Stromversorgung über USB. Das Netzteil oder die Powerbank sollten mindestens 1,6 Ampere zur Verfügung stellen.

Unser USB-Lötkolben ist ein Noname-Modell von Ebay.

Zum Lieferumfang gehören lediglich der Lötkolben und ein 1,4 Meter langes USB-Kabel. Netzteil oder Powerbank müssen zusätzlich gekauft werden.

Der USB-Lötkolben ist, seinem Preis entsprechend, nicht besonders hochwertig. Das Kunststoffgehäuse ist zwar ordentlich verarbeitet, aber die Lötspitze ist beispielsweise leicht schief. Ohne Schachtel würden wir ihn nicht in die Werkzeugkiste geben; dafür erscheint er zu wenig stabil. Unseren ersten USB-Lötkolben mussten wir umtauschen. Dieser war schon nach dem Auspacken defekt und entwickelte schlicht keinerlei Hitze.

Für unseren Test haben wir uns für den Gaslötkolben Dremel 2000 entschieden. Dieser kommt in einer schicken Metallbox und einigem Zubehör zum Kunden. Neben Lötarbeiten eignet sich das Gerät, laut Hersteller, auch zum Heißschneiden, für Brandmalerei, zum Entfernen von Farben und zum Aufschrumpfen von Schrumpfschläuchen. Für all die verschiedenen Funktionen sind unterschiedliche Spitzen und Aufsätze beigepackt. Zum Lieferumfang gehören außerdem Schutzhaube, Lot, Wechselwerkzeug und Metallbox mit Schwämmchen. Der Lötkolben wird mit Butangas befeuert und erreicht beim Löten eine Maximaltemperatur von 550 °C. Das Feuerzeuggas muss extra gekauft werden.

Der Lötkolben eignet sich auch zum Schrumpfen, als Styroporschneider oder für Brandings auf Holz.

Der Gaslötkolben ist hochwertig verarbeitet, was man beispielsweise beim Sicherungshebel der Gaszufuhr bemerkt. Versehentliches Zünden des Lötkolbens ist somit ausgeschlossen. Die hübsche Metallschachtel ist nicht sonderlich kompakt, hilft aber Ordnung zu halten. Das Zubehör ist zwar großzügig, wir hätten uns trotzdem noch eine zweite Lötspitze in einer anderen Größe gewünscht. Insgesamt ist der Gaslötkolben verhältnismäßig klobig und so nur bedingt für feine Arbeiten geeignet.

Das Spiel mit dem Feuer, beziehungsweise das Arbeiten mit dem Gaslötkolben ist in den ersten Minuten gewöhnungsbedürftig. Das Geräusch eines kleinen Flammenwerfers macht uns zu Beginn recht nervös. Dies legt sich aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase.

Der für den Test genutzte TS100 ist ein mobiler Lötkolben mit externer Stromversorgung zwischen 12 und 24 Volt. In unserem Test nutzen wir dazu sowohl ein klassisches Netzteil als auch einen Modellbau-Akku (mit 12 Volt). Das Gerät gibt es in unterschiedlichen Bundles mit mehr oder weniger Zubehör. Bei unserem Modell waren ein Netzteil, etwas Lot und eine sehr einfache Ablagehilfe beigepackt. In anderen Paketen fehlt das Netzteil oder es ist beispielsweise noch ein passender Adapter für Modellbau-Lipos enthalten. Wir haben den Adapter mit XT60-Buchse selbst gebastelt.

Der Lötkolben TS100 kann per Netzteil oder per Akku betrieben werden.

Der kompakte Lötkolben verfügt über einen Überhitzungsschutz und ein schickes OLED. Auf dem Display werden nicht nur Ist- und Soll-Temperatur angezeigt, sondern es auch die Zeiten für den Stromsparmodus, die aktive Spannung oder gar ein individuelles Logo. Wir haben den TS100 für den Test allerdings lediglich mit den Standardeinstellungen und der im Auslieferzustand installierten Firmware genutzt. Die Betriebsspannung kann im Bereich 12 bis 24 Volt liegen, wobei ein Strom von 1,4 bis 2,7 Ampere fließt und sich so eine unterschiedliche Heizleistung ergibt. Im Idealfall kommt der Lötkolben bei 24 Volt auf 65 Watt. Die Löttemperatur ist per Taster im Bereich 100 bis 400 °C einstellbar.

Der Lötkolben ist etwa so groß wie ein Kugelschreiber und sehr hochwertig verarbeitet. Es ist allerdings schade, dass weder eine Transportbox noch weitere Lötspitzen zum Lieferumfang gehören. Immerhin gibt es Lötspitzen in verschiedensten Größen zum Nachkaufen.

Die verschiedenen Lötkolben sind erfreulich schnell einsatzbereit. Wir haben mit der Stoppuhr gemessen, wie lange die Geräte brauchen bis sie heiß genug sind, um Standard-Lot zu schmelzen. Die Angaben sind lediglich ein Anhaltspunkt, da die tatsächliche Zeit von verschiedenen Faktoren und vom verwendeten Lot abhängig ist.

Die Standardspitzen sind ganz unterschiedlich dick.
  • Beim Lötkolben von Weller hängt die benötigte Zeit von den verwendeten Batterien und deren Restkapazität ab. Wir nutzen im Test frische Markenbatterien und die dünne Lötspitze. Der Batterielötkolben braucht etwa 20 bis 25 Sekunden bis das Lot schmilzt.
  • Unser USB-Kolben hängt an einer Powerbank mit einer maximalen Leistung von 3 Ampere. Die sehr dünne Spitze ist nach etwa 12 bis 15 Sekunden heiß genug, um das Lötzinn zu schmelzen.
  • Den Dremel Gaslötkolben haben wir mit günstigem Feuerzeuggas aus dem Baumarkt befüllt. Bis die verhältnismäßig dicke Spitze heiß genug ist, vergehen 12 bis 15 Sekunden.
  • Beim TS100 ist die Aufheizzeit vom genutzten Netzteil oder Akku abhängig. Für den Test kommt ein Netzteil mit 12 Volt und maximal 5 Ampere zum Einsatz. Mit der dünnen im Lieferumfang enthaltenen Lötspitze dauert es 15 bis 20 Sekunden bis wir das Zinn schmelzen können.
Batterielötkolben USB-Lötkolben Gaslötkolben 12-Volt-Lötkolben
Weller Noname Dremel TS100
Temperaturbereich 450 / 510 °C 450 °C 550 °C 100 bis 400 °C
Energiequelle 4x AA Batterie USB 5V 1600 mAh Butangas 12 bis 24 Volt
Aufwärmzeit in Sekundedn 20 bis 25 12 bis 15 12 bis 15 15 bis 20

Im Test haben wir unterschiedlich dicke Kabel verzinnt und verlötet, sowie Lot auf Platinen aufgebracht. Das Positive gleich vorweg: Dünne Kabel zu verzinnen und miteinander zu verbinden ist für keinen der Lötkolben ein Problem. Wer nur Kabelquerschnitte bis etwa AWG18 (Durchmesser 1,024 mm) verarbeitet, kann jedes der getesteten Geräte einsetzen. Bei sehr filigranen Arbeiten an einer Platine würden wir allerdings nicht zum Gaslötkolben greifen. Dessen Lötspitze ist schlicht zu groß.

Bei dickeren Kabeln ab AWG16 (Durchmesser 1,29 mm) kommen Batterie- und USB-Lötkolben an ihre Grenzen. Da hilft es auch nicht, die dickere Spitze beim Weller-Gerät zu verwenden. Die zur Verfügung stehende Leistung ist schlicht nicht ausreichend, um damit vernünftige Ergebnisse zu erzielen. Das Verlöten an einer Platine ist zwar irgendwie möglich, die Lötstelle ist dann aber weder sauber noch zuverlässig.

Batterie- und USB-Lötkolben sind nur für dünne Kabel geeignet.

Für den TS100 und den Gaslötkolben sind auch Arbeiten an Kabeln mit AWG14 (Durchmesser 1,63 mm) und mehr möglich. Bei einem Kabelquerschnitt ab AWG12 (Durchmesser 2,05 mm) sollte man sich eine breitere Lötspitze für den TS100 zulegen und mit 24 Volt arbeiten. Leistungstechnisch sind solche groben Arbeiten aber mit beiden Modellen machbar.

Weller BP860CEU Batterie-Lötkolben

Batterielötkolben

AGT NX-5376-944 USB-Lötkolben

USB-Lötkolben

Miniware TS100 Lötkolben

12-Volt-Lötkolben

(Kein Produktbild vorhanden)

Gaslötkolben

Einen klaren Testsieger zu definieren fällt schwer. Am besten gefällt uns das Arbeiten mit dem verhältnismäßig teurem TS100. Hier haben uns vor allem Handling und Leistung überzeugt. Die bequeme und variable Temperatureinstellung ist ein weiterer großer Pluspunkt. Mit keinem der Konkurrenzmodelle gehen die Lötarbeiten einfacher von der Hand. Letztlich finden wir den TS100 besser als so manche klassische Lötstation der mittleren Preisklasse. So praktisch die flexible Stromversorgung über einen Modellbau-Lipo auch ist, nicht jeder hat passende Akkus zur Hand. Schade auch, dass das Gerät ohne vernünftige Transportbox geliefert wird.

Der Dremel Gaslötkolben mit seinem großzügigen Lieferumfang ermöglicht die meisten Funktionen. In der Praxis ist vor allem die zusätzliche Schrumpffunktion praktisch. Das Löten an sich klappt gut, solange es sich nicht um sehr filigrane Aufgaben handelt. Arbeiten an Platinen und schwer zugänglichen Stellen sind mit dieses Modell nur bedingt möglich. Die größten Nachteile sind das klobige Erscheinungsbild und das gewöhnungsbedürftige Heizen mit einer Flamme. Der Gaslötkolben eignet sich am ehesten für kurze Reparaturen und Ausbesserungsarbeiten. Für aufwendige Arbeiten mit vielen Lötstellen raten wir zu einem anderen Lötkolben.

Batterie- und USB-Lötkolben sind Leistungstechnisch auf einer ähnlichen Stufe. Die beiden handlichen Geräte sind zwar schnell einsatzbereit und günstig, sie eignen sich aber nur für dünne Kabel. Arbeiten an Platinen mit wenig Platz sind mit beiden Lötkolben problemlos möglich. Letztlich gefällt uns das Modell von Weller besser als die USB-Noname-Variante. Das liegt vor allem an der besseren Verarbeitung und der praktischen Transportbox. Ein weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass keine externe Stromqualle benötigt wird.

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