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Vergleichstest: Sechs Smartphone-Gimbals ab 70 Euro

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Ein stabilisierendes Gimbal, in das das Smartphone eingespannt wird, sorgt für leinwandreife Videos statt amateurhaften Wackelaufnahmen aus dem Urlaub. Wir haben sechs Geräte getestet.

DJI Osmo: App
Der DJI Osmo mit der dazugehörigen App.

Wer viel Videos mit seinem Smartphone aufzeichnet, weiß die Bild- und Tonqualität dieser Geräte zu schätzen. Die Zeiten der miesen Handy-Kameras sind längst vorbei: dumpfe Mikrofone, niedrige Videoauflösungen und Bildraten, die man so nur von einem animierten Stapel Papier in Form eines Daumenkinos kennt. Inzwischen nehmen auch günstigere Smartphones schon in 4K UHD oder 1080p mit 120 Bildern pro Sekunde auf, manche Geräte das HTC U11 sind mit bis zu vier Mikrofonen ausgerüstet und können den Ton sogar aus einer bestimmten Richtung aufnehmen.

Trotzdem sieht man den Unterschied zwischen professionellen Filmaufnahmen und Handyclips auf den ersten Blick. Hauptgrund ist die unsaubere, wackelige Kamera-Führung – und genau hier kommen Gimbals ins Spiel. Das sind Griffe mit Akku und meist ein paar Tasten zur Steuerung und eine mit drei Motoren gelagerte Smartphone-Halterung. Die Motoren gleichen jede Bewegung des Griffs aus, und damit wirken aus der Hand geschossene Clips wie aufwändige Kamera-Fahrten durch ein Studio.

Entsprechende Modelle, die sich universell für quasi alle Smartphones inklusive iPhone und Android eignen, gibt es ab 70 Euro. Wir haben sechs Geräte getestet.

Beginnen wollen wir mit dem DJI Osmo Mobile 2 (Testbericht). Dessen Vorgänger DJI Osmo Mobile (Testbericht) konnte im Test überzeugen. Das aktuelle Modell hat einen fest eingebauten Akku mit längerer Laufzeit, Kunststoffgehäuse und dient auch als Powerbank. Die Verarbeitung ist ohne Tadel, das Gewicht tragbar und die Software mit so vielen Optionen ausgestattet, dass wir uns manchmal einen Anfänger-Modus gewünscht hätten. Apropos Modi: Neben Panoramen aus Einzelbildern nimmt das Osmo 2 damit Videos in unterschiedlichen Auflösungen und Bildraten auf. Wer will, kann auch ein Objekt markieren, das dann von der Kamera dank nachjustierendem Gimbal nicht mehr aus dem Blickfeld gelassen wird. Zeitraffer, Hyperlapse und Motionlapse sind weitere Modi, die dem Kameramann Spezialeffekte ermöglichen. Zu beachten ist nur, dass im fertig geschnittenen Video solche Spezialeffekte nur dosiert zum Einsatz kommen sollten, um den Zuschauer nicht zu nerven.

DJI Osmo 2

Der Osmo Mobile 2 ist mit 72 × 113 × 295 mm noch gut in der Tasche oder dem Rucksack zu verstauen und mit 485 g auch nicht so schwer, dass der Arm gleich erschlafft. Wer es schafft, die 15 Stunden Akkulaufzeit zu nutzen, dürfte aber eher zu den Exoten gehören. Sinnvoll ist die Powerbank-Funktion, mit der das filmende Smartphone wieder aufgeladen werden kann.

Obwohl der Nachfolger schon auf dem Markt ist, ist auch das Ur-Model des Copter-Herstellers DJI noch neu zu bekommen – und mit einem Preis von knapp 100 Euro ist es etwa 20 Euro günstiger. Schon der erste Osmo Mobile (Testbericht) ist ausgezeichnet verarbeitet und bietet eine umfangreiche Applikation an.

DJI Osmo: Gesicht- und Objekttracking
Der Osmo Mobile beherrscht Gesicht- und Objekttracking.

Wirklich gefallen hat uns bei dem Osmo Mobile die Funktion des Gesichts- und Objekttrackings. In dem Bildsucher der Kamera kann ein Gegenstand oder ein Mensch mit einem halbdurchsichtigen Rechteck markiert werden. Anschließend werden Bewegungen automatisch von dem System nachgezogen. Im Mittelpunkt der Aufnahme steht immer das markierte Objekt. Das ist ideal für beispielsweise Food-Blogger, die selbst vor dem Herd stehen und sich ständig hin und her bewegen müssen. Am Ende wird es niemand glauben, dass es eigentlich ein One-Man-Show gewesen ist.

DJI Osmo Mobile schwarz (CP.ZM.000449)

Schwarz

DJI Osmo Mobile silber (CP.ZM.000499)

Silber

Wer sein Gimbal mit Smartphone an einem Stativ befestigen möchte, der wird bei diesem Vorgehen große Schwierigkeiten erleben. DJI hat den Gewinde-Anschluss an einer unglücklichen Position an der Seite angebracht, sodass eine vertikale Ausrichtung ohne zusätzliches Originalzubehör kaum möglich ist. Dabei kann der Osmo Mobile wunderbare Zeitrafferaufnahmen mit ganz feiner Motorik machen. Dafür ist die Betriebszeit mit 4,5 Stunden im Vergleich zur Konkurrenz eher im unteren Bereich des Felds unterwegs.

Mit rund 90 Euro noch etwas günstiger ist der etwas gleich große Rollei Steady Butler Mobile (Testbericht). Er misst 113 × 307 × 113 mm und bringt mitsamt eingebautem Akku 472 Gramm auf die Waage. Das Gehäuse aus Kunststoff lässt sich gut halten, die Halterung ist für kleinere Smartphones bis 6 Zoll Bildschirmdiagonale geeignet. Der fest eingebaute Akku erlaubt einen 12stündigen Betrieb und kann auch als Powerbank genutzt werden.

Rollei Steady Butler Mobile

Die für iOS und Android erhältliche App ist mit einer Gesichtserkennung ausgerüstet, stellt auf diese scharf und kann auf Wunsch auch Fotos machen, wenn eine bestimmte Anzahl von Gesichtern im Sichtfeld des Smartphones entdeckt werden. Auch Zeitraffer, Motion Lapse und Panoramen lassen sich dank App und Gimbal schießen.

Die Stabilisierung ist nicht ganz so gut wie bei den DJI-Modellen, was sich besonders bei Wind zeigt. Hier scheinen die Motoren einfach etwas schwächer zu sein. Auch im Auto macht der Gimbal bei schnellen Kurvenfahrten eine etwas unglückliche Figur und das eingespannte Smartphone neigt sich quer.

Der Beyondsky Eyemind (Testbericht) ist mit 70 Euro das günstigste Gerät im Testfeld. Hier wurde an der Gehäusequalität etwas gespart. Der Kunststoff ist nicht ganz so griffig wie beim DJI- und beim Rollei-Modell. Viel schwerer wirkt aber die unausgereifte Software, die fast durchgängig in chinesischer Sprache gehalten ist und die ebenfalls grundlegende Betriebsmodi wie einen Folgemodus und einen Sperrmodus bietet. Timelapse, Moving Time Lapse oder ähnliche Spielereien gibt es nicht.

Beyondsky Eyemind

Der Gimbal ist für Besitzer schwerer und großer Smartphones wie beispielsweise dem Huawei P20 Pro (Testbericht) leider ungeeignet, weil er das Gewicht nicht balancieren kann. Auch bei leichteren Geräten wie beispielsweise einem iPhone 5S konnte das Eyemind auf Dauer eine horizontale Ausrichtung nicht zuverlässig beibehalten.

Dafür ist der Akku des Beyondsky Eyemind wechselbar und standardisiert und lässt sich pro Ladung im Gimbal etwa acht Stunden lang benutzen. Als Powerbank funktioniert der Akku aber nicht.

Smooth Q mit einem iPhone 7s Plus
Der goldene Smooth Q mit einem iPhone 7s Plus.

Der zweitgünstigste Gimbal in dieser Runde ist der Smooth Q von dem Spezialisten Zhiyun Tech. Während die Kernfunktion, das Stabilisieren von Videos, im Test exzellent funktioniert hat, sind andere Extras eher ausreichend bis mangelhaft. Das Tracken von Objekten ist zwar dabei, funktioniert aber in der Praxis äußerst träge und mit Verzögerung. Was für ein langsamer Kameramann, könnte man hier im Vergleich zu der Osmo Mobile meinen.

Smooth Q: Tasten
So schaut das Steuerungsfeld des Smooth Q aus.

Wem die Verarbeitung und die Materialien wichtig sind, sollte einen Bogen um den erschwinglichen Smooth Q machen. Das Gehäuse ist durchweg aus Kunststoff gemacht und fühlt gar nicht wertig an. Die Gimbals von Feiyu Tech sowie DJI sind aus mattem Metall. Die Kontaktflächen wurden mit einer gummiartigen Schicht überzogen; das sorgt für einen festen Halt.

Im Smooth Q sitzt ein festeingebauter Akku, bei den anderen zwei lässt sich dieser in wenigen Sekunden austauschen. In der Testphase hat der Zhiyun-Gimbal eine Nutzungszeit von knapp sechs Stunden geschafft. Zeitgleiches Laden über eine Powerbank hat ebenso gut funktioniert, wie das Aufladen eines Smartphones über den integrierten Anschluss USB Type A.

Zhiyun Z1 Smooth Q schwarz

Schwarz

(Kein Produktbild vorhanden)

Silber

Zhiyun Z1 Smooth Q gold

Gold

(Kein Produktbild vorhanden)

Pink

Testvideo erstellt mit dem DJI Osmo Mobile – Quelle: Musik: „NVY - Ok“ von Expo Records (http://thehusk.ca/gate.asp?t=313166939)

Der Smooth Q wird in einer stark gepolsterten Tasche geliefert. Damit ist das Transportieren sicher und die sensible Technik bleibt gut aufbewahrt. Neben der Farbe Gold, gibt es den Smooth Q auch in Pink, Silber oder Schwarz. Testbericht zu dem Zhiyun Smooth Q.

Feiyu Tech SPG
Feiyu Tech: Kompakter Gimbal für kompakte Smartphones.

Von allen Gimbal-Systemen ist die Applikation von Feiyu Tech am schlechtesten umgesetzt. Was die Installation betrifft, so ist die App zwar mit vielen Smartphones kompatibel, doch sie stützt oft ab. Das ist ein großes Problem, wenn man das SPG im produktiven Einsatz hat. Bei diesem Gimbal hat uns ebenfalls die edle Aufmachung gefallen: handlich, leicht und klasse von der Beschaffenheit.

Eine weitere Herausforderung mit dem SPG sind große Smartphones. Ein iPhone 7s Plus von Apple bringt den Gimbal an seine Grenzen: Nach dem Anbringen, kratzt die Aufhängung an den anderen Teilen. Warum? Weil das eingesetzte Smartphone zu breit ist. Auch aufgefallen ist uns die schwache Leistung der drei Motoren. Während der Osmo Mobile und der Smooth Q jegliches von uns getestete Smartphone stabil und waagerecht halten konnten, gab es beim SPG eine leichte Schräglage. Selbst nach ganz feiner Balance-Einstellung, die bei allen drei Gimbals durchgeführt werden muss, kippte das iPhone entweder nach links oder rechts.

Genau wie beim Osmo Mobile und dem Smooth Q gibt es am Griff einige Tasten zur manuellen Steuerung des Gimbals. So kann die Aufhängung bei den drei Punkten in alle vier Himmelsrichtung gedreht werden. Spezielle Tasten blockieren einige Achsen oder wechseln zwischen den unterschiedlichen Modi. Ein mehrfaches Drücken der Funktionstaste aktiviert die zu dem Anwender gerichtete Kamera.

Der SPG hat ebenfalls sechs Stunden geschafft. Die Akkus sind im Vergleich zu der so genannten „DJI Intelligent Battery“ günstiger. Sie kosten in herkömmlichen Onlineshops etwas um die zwei bis drei US-Dollar. DJI liegt bei durchschnittlich 30 Euro. Testbericht zum Feiyu Tech SPG.

Bei 70 Euro geht es los, aber vor allem die chinesischen Modelle unbekanter(er) Hersteller floppen bei Apps und Auslegung. Wer kann, sollte sich eines der DJI-Gimbals zulegen: Hard- und Software sind auf höchstem Niveau, die Funktionsvielfalt ist ungeschlagen und nicht nur die Produktqualität, sondern auch die der entstehenden Videos, sind auf sehr hohem Niveau.

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