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Vergleichstest: Fünf Kopfhörer mit ANC für unter 400 Euro

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Kopfhörer bringen nicht nur Ohren zum Klingen, sondern sorgen auch für Ruhe: Per Noise Cancelling filtern viele Modelle Umgebungsgeräusche ab. Mal mehr, mal weniger. Wie sich fünf kabellose ANC-Kopfhörer in dieser Disziplin schlagen, zeigt der Vergleichstest auf.

Nicht erst seit Apple beim iPhone auf einen Klinkenanschluss verzichtet, wächst die Nachfrage nach kabellosen Kopfhörern. Musik wird per Bluetooth übertragen – und damit dies funktioniert, muss auch ein Akku in den Kopfhörern Platz finden. Das Mehr an Technik erlaubt es auch, Kopfhörer mit genügend Strom für eine aktive oder adaptive Geräuschunterdrückung zu versorgen. Das Konzept ist leicht erklärt: Mikrofone registrieren Außengeräusche wie Flugzeuglärm, der Kopfhörer produziert eine Art Kontergeräusch, wodurch die Lärmbelästigung stark reduziert oder sogar komplett ausgeblendet wird, wenn es denn funktioniert. Denn trotz einheitlicher Benennung dieser Funktion, ist das Ergebnis bei den fünf entsprechenden Kopfhörern in diesem Vergleichstest höchst unterschiedlich.

Eine Gemeinsamkeit haben alle Kontrahenten im Testumfeld: Es handelt sich um Over-Ear-Kopfhörer in geschlossener Bauweise. Das bedeutet, dass die Hörmuschel das Ohr komplett umschließt – und so bereits physikalisch eine gewisse Geräuschabschirmung stattfindet. Außerdem werden alle Kopfhörer per Bluetooth mit dem Zuspieler verbunden. Allen Kopfhörern liegt zudem ein Verbindungskabel bei, wodurch sie für die Musikwiedergabe trotz leerem Akku genutzt werden können. Beim Stromkabel setzen Sennheiser, Bose und Beats auf Micro-USB, Sony und Bowers & Wilkins dagegen auf USB-C –und nur der B&W PX erlaubt es, darüber Musik zu hören.

Bose Quietcomfort 35 II
Bose Quietcomfort 35 II

Design ist, wie sollte es anders sein, immer eine Geschmacksfrage. Der eine mag leichten Kunststoff, die andere mag Metall. Ob der Look klassisch oder futuristisch sein soll, entscheidet der ganz persönliche Lifestyle. Generell gilt: Bei einem Kopfhörer in dem getesteten Preissegment, darf man exzellente Materialien, eine perfekte Verarbeitung und einen hohen Sitzkomfort erwarten. Hier fällt das Ergebnis in den Details dann doch sehr unterschiedlich aus. Der PX gibt sich beispielsweise bei den verwendeten Materialen und der Verarbeitung keine Blöße, zu Recht werden die Produkte des Herstellers gerne mit den Luxus-Gütern von Mont Blanc verglichen. Das geht allerdings aufs Gewicht: Mit 335 g ist der PX der schwerste Kopfhörer im Test. In Verbindung mit den gut verarbeiteten, aber harten und damit unbequemen Hörpolstern lässt der Komfort dadurch ein wenig Luft nach oben. Der WH-1000 XM3 von Sony ist mit 255 g deutlich leichter, die Polster viel weicher. Das Headset ist auf dem Kopf kaum zu spüren, der Sitz ist perfekt. Dafür schlackert er in der Hand stark an den Scharnieren und wirkt bei Nichtnutzung fast wie ein günstiges Spielzeug. Bose hat wiederum beim Quietcomfort 35 II Mikrofasern für die Ummantelung des Bügels eingesetzt, was für Staubpartikel und Fussel wie eine unausgesprochene Einladung gilt. Und auch wenn der Studio 3 Wireless von Beats durch den verwendeten Kunststoff recht leicht ist: Schnell zeugen hier und da Kratzer auf der Oberfläche von der Nutzung.

Sony WH-1000 XM3
Sony WH-1000 XM3

Aber auch wenn es hier und da kleinere Verarbeitungsschwächen gibt, fällt keiner der Kopfhörer wirklich negativ aus der Reihe.

Die generelle Soundqualität lässt sich zwar mit Messgeräten feststellen, so ein Ergebnis sagt am Ende aber nicht viel über das individuelle Hörempfinden aus. Aber es gibt Möglichkeiten, die eigenen Wünsche mit den Fähigkeiten eines Kopfhörers zu überprüfen. Eine davon: Das Lieblingsstück zum Vergleich mit dem für sich optimalen Setting anhören – und dann noch einmal mit dem Kopfhörer der Wahl. Auch ist es wichtig, seinen Geschmack richtig zu beurteilen: Hört man vor allem klassische Musik, sollte man den Kopfhörer nicht auf Techno-Fähigkeiten überprüfen.

Sennheiser PXC 550
Sennheiser PXC 550

Die gute Nachricht zum Testumfeld: Kein Kopfhörer macht einen schlechten Job bei der Musikwiedergabe. Die Schlechte: Keiner ist in allen Sound-Disziplinen wirklich überragend, jeder hat spezielle Stärken, aber auch Schwächen. Der Bose Quietcomfort 35 II ist soundtechnisch ein ordentlicher Allrounder, hinterlässt aber kein wirkliches Aha-Erlebnis. Der Sony WH-1000 XM3 fühlt sich mit allen Stilrichtungen sehr wohl, könnte aber bei harten Beats mehr Wumms vertragen. Der Beats Studio 3 Wireless hat wiederum eine ganze Menge Wumms zu bieten, dafür schwächelt er beim restlichen Sound. Auch der Bowers & Wilkins PX will mit starken Bässen punkten, übertreibt es damit aber ein wenig. Dafür klingt klassische Musik äußerst lebendig und die Soundausgabe des Sennheiser PXC 550 zählt zur besten im Testumfeld – doch besonders bei der Sprachausgabe ist der Kopfhörer konkurrenzlos.

Bowers & Wilkins PX

Ein etwas anders Bild ergibt sich, wenn man sich die Geräuschabschirmung anschaut – oder besser: anhört. Das Testgerät des PXC 550 von Sennheiser hat hier deutliche Schwächen, die ANC-Wirkung darf hier getrost als dezent beschrieben werden. Das gleiche gilt für den B&W PX: Es kommt hier nicht wirklich zu einem Abkapselungseffekt, im Gegenteil: Die Kontergeräusche, die den Lärm eigentlich rausfiltern sollen, entpuppen sich eher als Störgeräusche. Der Beats Studio 3 überzeugt dagegen mit einer sehr guten Abschirmung. Wirklich eindrucksvoll ist dagegen die ANC-Leistung des Sony WH-1000 XM3 und des Bose Quietcomfort 35 II: Bei beiden Kopfhörern funktioniert die Abschirmung prächtig. Fast alle Hersteller ermöglichen es, die Stärke der Abschirmung manuell zu verändern. Lediglich beim Beats-Kopfhörer gibt es nur die Wahl zwischen an und aus – den Rest übernimmt eine intelligente Automatik.

Trotz starker Unterschiede beim ANC-Feature wäre es unfair, die schwächeren Modelle nur danach zu bewerten – zumal dieser Effekt nicht ständig aktiviert, sondern in vielen Fällen nur auf Reisen oder in stressigen Job-Situationen genutzt wird. In diesem Preissegment sollte allerdings dem verkaufsträchtigen und damit wichtigsten Feature mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Beats Studio 3 Wireless
Beats Studio 3 Wireless

Es gehört zum guten Ton, dass Kopfhörer heutzutage eine eigene Smartphone-App bekommen. Lediglich Beats verzichtet auf eine spezielle Software, die wenigen Einstellungsmöglichkeiten werden direkt am Kopfhörer oder direkt über das iPhone-Betriebssystem vorgenommen. Per App lässt sich bei allen Herstellern der Sound ein wenig optimieren und die Stärke der Geräuschabschirmung justieren. Die meisten Features bieten die Apps von Sennheiser und Sony, auch, wenn der Sinn vieler Funktionen nicht gleich ersichtlich ist.

Die unverbindliche Preisempfehlung bei allen Modellen liegt bei 350 Euro (Sennheiser und Beats), 380 Euro (Sony und Bose) und 400 Euro (B&W). Die Marktpreise liegen teilweise deutlich darunter. Den im Verhältnis zum UVP niedrigsten Preis gibt es derzeit beim Quietcomfort 35 II mit 250 Euro und dem PXC für 240 Euro.

Bose Quietcomfort 35 II

Bose Quietcomfort 35 II

Sony WH-1000XM3

Sony WH-1000XM3

Sennheiser PXC 550

Sennheiser PXC 550

B&W PX

B&W PX

Beats Studio 3 Wireless

Beats Studio 3 Wireless

Bose Quietcomfort 35 II Sony WH-1000 XM3 Sennheiser PXC 550 B&W PX Beats Studio 3 Wireless
Schnittstelle Klinkenstecker (3,5 mm), Bluetooth, NFC, Micro-USB Klinkenstecker (3,5 mm), Bluetooth, NFC, USB-C Klinkenstecker (3,5 mm, 6,35 mm), Bluetooth, NFC, Micro-USB Klinkenstecker (3,5 mm), Bluetooth, NFC, USB-C Klinkenstecker (3,5 mm), Bluetooth, Micro-USB
Betriebsdauer 20 Stunden 30 Stunden 30 Stunden 22 Stunden 22 Stunden
Kabel 1,2 Meter, einseitig, austauschbar 1,2 Meter, einseitig, austauschbar, Winkelstecker austauschbar einseitig, austauschbar einseitig, austauschbar
Gewicht 236 g 255 g 227 g 335 g 260 g
Note 2 1 3 3 3
Preis 379 Euro 379 Euro 349 Euro 349 Euro 349 Euro

Ein Kopfhörer mit ANC-Funktion muss gleich in zwei Disziplinen glänzen: Abgespielter Sound soll perfekt klingen, störende Außengeräusche dafür gleichzeitig kaum mehr hörbar sein. Für einige Kopfhörer im Testumfeld ist diese doppelte Herausforderung eine Nummer zu groß. Auch wenn die Soundqualität sowohl beim Sony WH-1000 XM3 als auch beim Sennheiser PXC am besten abgeschnitten hat, schlagen sich die anderen Headsets recht wacker. Daher sollte bei der Kaufentscheidung das ANC-Feature ein großes Gewicht erhalten.

Lange Jahre war Bose quasi das Synonym für Noise Cancelling. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, auch andere Hersteller können Umgebungsgeräusche teilweise sogar hervorragend abschirmen. In unserem Test hat uns in dieser Disziplin neben dem Quietcomfort von Bose besonders der Sony WH-1000 XM3 gefallen. Auch der Beats Studio 3 Wireless zeigt hier überraschende Qualitäten. Sowohl Sennheiser als auch Bowers & Wilkins haben hier noch Nachholbedarf. In unserem Test gefiel uns das Gesamtpaket von Sony und von Bose am besten.

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