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Vergleichstest E-Reader: Tolino vs Paperwhite vs Pocketbook

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Die E-Book-Reader Amazon Kindle Paperwhite, Tolino Shine 3 und Pocketbook Touch HD 3 sind einzeln betrachtet jeweils sehr gut. Wer die Nase vorne hat, zeigt der Vergleichstest.

Der sehr gute Amazon Kindle Paperwhite (Testbericht) kann Hörbücher wiedergegen, ist schick, wasserdicht, toll verarbeitet leicht zu bedienen und günstig. Doch wer ihn kauft, begibt sich in den goldenen Amazon-Käfig, den E-Book-Reader außerhalb des Amazon-Universums zu nutzen ist schwierig.

Doch es gibt mit dem Tolino Shine 3 (Testbericht) und dem Pocketbook Touch HD 3 (Testbericht) Alternativen, die bei uns im Test ebenfalls sehr gut abschnitten. Was die drei E-Book-Reader voneinander unterscheidet und für welchen Einsatz sich welches Gerät anbietet, klärt der Vergleichstest.

Grundsätzlich sind die drei E-Book-Reader bezüglich ihrer Maße sehr vergleichbar, auch wenn der Tolino Shine 3 seine Mitstreiter um wenige Millimeter und auch Gramm unterbietet. Das kann einen Unterschied machen, da man einen E-Book-Reader meist mit wenigen Fingern an einer Seite festhält und so ein Hebel entsteht, bei dem bereits wenige Gramm Unterschied ins Gewicht fallen.

Bezüglich ihrer Verarbeitung hat der Amazon Kindle Paperwhite leicht die Nase vorn. Das liegt vor allem daran, dass er als einziger im Bunde einen mit den Displayrändern plan abschließenden Displayschutz hat. Das fühlt sich toll an und verhindert, dass sich Schmutz in den Ritzen sammelt. Außerdem ist er wasserdicht nach IPX8. Demnach soll er unter 2 m Wassertiefe 60 min aushalten, bevor Wasser eintritt. Das gilt jedoch wie bei IP-Zertifizierungen üblich nur für Süßwasser, salziges Meer oder seifiges Badewasser gilt es zu meiden.

Auch der Pocketbook Touch HD 3 kommt mit einer Wasserdichtigkeit, allerdings nach IP67. Damit soll er in 1 m Tiefe immerhin 30 min durchhalten. Ungewöhnlich: In den Sicherheitshinweisen steht, dass der Pocketbook nach einem Wasserbad 24 Stunden lang trocknen soll, bevor er wieder einsatzbereit ist. Wir testeten beide erfolgreich in etwa 0,3 m Tiefe 30 min lang.

Was der Pocketbook den anderen voraus hat, sind seine vier frei programmierbaren Knöpfe unterhalb des Displays. Damit ist er im Vergleichstest der Einzige, der alternativ zum Touchscreen auch mittels Tastendruck blättert. Außerdem ist er der Einzige, der in der Version Spicy Copper Mut zu Farbe beweist und aus dem grauen E-Book-Reader-Einheitsbrei ausbricht.

Der Tolino Shine 3 ist optisch unscheinbar. Spötter mögen ihn langweilig nennen. Trotzdem ist seine Verarbeitungsqualität hoch, auch wenn er ohne IP-Zertifizierung kommt. Doch seine Rückseite ist zum Davonlaufen. Der billig wirkende Kunststoff mit der angedeuteten Perforierung rutscht, zeigt Fingerabdrücke und fühlt sich insgesamt einfach billig an. Viele werden nun zu Recht denken: Mir doch egal, ich packe den E-Reader ohnehin in eine Schutzhülle. Ob nun die Rückseite hässlich ist oder nicht, diesen Gedankengang unterstützen wir. Schließlich soll der E-Reader auch nach einem ungewollten Sturz noch wie gewohnt aussehen und funktionieren.

Amazon Kindle Paperwhite vs Tolino Shine 3 vs Pocketbook Touch HD 3
Amazon Kindle Paperwhite Tolino Shine 3 Pocketbook Touch 3 HD
Preis 119 105 149
Gesamtnote Einzeltest sehr gut sehr gut sehr gut
Displaytechnologie E-Ink Carta E-Ink Carta E-Ink Carta
Dsplaygröße in Zoll 6 6 6
Auflösung / Pixeldichte in ppi 1448 x 1072 / 33 ppi 1448 x 1072 / 33 ppi 1448 x 1072 / 33 ppi
Helligkeit kalt in cd/m² 108 122 (52) 92
Helligkeit warm IN cd/m² 123 (55) 58
Größe in mm 167 x 116 x 8,18 156,4 x 110,2 x 8,35 161,3 x 118 x 8
Gewicht in g 182 - 191 165 157
Planes Display
Wasserdicht IPX8 IP67
Speicher (davon verfügbar) in GByte 8 / 32 (27,1) 8 (5,8) 16 (13,9)
RAM in MByte 512 512 512
Akkugröße in mAh 1500 1500 1500
WLAN/LTE-Option/Bluetooth ✔/✔/✔ ✔/✖/✖ ✔/✖/✔
Unterstützte Dateiformate AZW3, AZW, TXT, PDF, ungeschützte MOBI, PRC nativ, HTML, DOC, DOCX, JPEG, GIF, PNG, BMP, AAX EPUB, PDF, TXT PDF, PDF (Adobe DRM), EPUB, EPUB (Adobe DRM), DJVU, FB2, FB2.ZIP, DOC, DOCX, RTF, PRC, TXT, CHM, HTM, HTML, MOBI, ACSM, JPEG, PNG, TIF, BMP, MP3, M4B
Hörbücher
Port zum Laden und für Datentransfer Micro-USB Micro-USB Micro-USB
3,5-mm-Klinkenstecker
Physische Knöpfe zum Blättern
Knöpfe zum Seitenblättern

Das Display ist bei einem E-Reader das vielleicht wichtigste Bauteil. Schließlich ist das Gerät primär zum Lesen da und soll Inhalte scharf darstellen. Das haben die Hersteller der drei Geräte verstanden und verbauen jeweils das sehr gute, 6 Zoll große E-Ink-Carta-Display mit einer Auflösung von 1448 × 1072 Pixel (300 ppi) und 16 darstellbaren Graustufen. Bei allen drei ist Ghosting, also das Durchscheinen der vorher dargestellten Seite, nur bei sehr genauem Hinsehen vorhanden.

Deutliche Unterschiede gibt es bei der Displaybeleuchtung. So bieten der Pocketbook Touch HD 3 und der Tolino Shine 3 neben der üblichen kaltweißen Beleuchtung außerdem eine warmweiße Option. Der Verzicht auf das blaue Licht macht vor allem am Abend Sinn, soll der Blauanteil doch das Einschlafen erschweren. Der Amazon Kindle Paperwhite kennt nach wie vor nur eine kaltweiße Beleuchtung mit hohem Blauanteil.

Bezüglich ihrer Ausleuchtung sind alle drei auf einem hohen Niveau – einzelne Lichthöfe sind nicht oder kaum auszumachen. Keiner der drei hat einen Helligkeitssensor. Allerdings passt der Shine 3 auf Wunsch die Farbtemperatur abhängig von der Tageszeit an. Der Touch HD 3 geht hier noch einen Schritt weiter. In einem Diagramm kann der Nutzer führ jede Tageszeit sowohl die Helligkeit, als auch die Farbtemperatur bestimmen.

Die Einstellungsmöglichkeiten beim Pocketbook Touch HD 3 sind vielfälltig.

Eine kleine Überraschung offenbarte die Helligkeitsmessung. Bei kaltweißer Beleuchtung kommt der Amazon Kindle Paperwhite auf 108, der Pocketbook Touch HD 3 auf 92 und der Tolino Shine 3 lediglich auf 52 cd/m². Allerdings versteckt der Tolino eine Option, die Helligkeit aufzubohren. Dafür muss man einfach in den Beleuchtungsoptionen ein paar Sekunden lang den Punkt Hell gedrückt halten. Nun setzt sich der Shine 3 mit einer maximalen Helligkeit von 122 cd/m² an die Spitze. Etwa diese Helligkeit erreicht er auch bei warmweißer Beleuchtung, während der Touch HD 3 hier mit 58 cd/m² deutlich abfällt. Damit bietet der günstigste der drei die beste Beleuchtung.

Wer mit seinem E-Book-Reader auch Hörbücher konsumieren möchte, kann den Tolino Shine 3 gleich mal wieder vergessen. Der unterstützt im Gegensatz zum Kindle Paperwhite und Touch HD 3 nämlich keine Audio-Dateien und hat kein Bluetooth für die Verbindung mit externen Boxen. Eigene Boxen oder einen 3,5-mm-Klinkenstecker haben übrigens alle drei nicht. Wie viel Sinn Hörbücher auf einem E-Reader machen, steht auf einem anderen Blatt und muss jeder für sich selbst entscheiden.

Hörbücher gehen auch auf dem Pocketbook Touch HD 3. Wie sinnvoll das ist, muss jeder selbst entscheiden.

Wer auf dem Gerät Hörbücher ablegen will, braucht deutlich mehr Speicher als reine E-Book-Leser. Deswegen macht es durchaus Sinn, dass der Pocketbook Touch HD 3 gleich mit 16 GByte kommt, von denen 13,9 verfügbar sind. Der Kindle Paperwhite kommt optional mit 8 oder 32 GByte. Wir haben die große Version vorliegen, bei der zu Beginn 27,1 GByte frei waren. Der Tolino Shine 3 hat 8 GByte, hier sind noch 5,8 GByte frei.

In den Punkten RAM und Akkukapazität liegen die Modelle mit 512 MByte, beziehungsweise 1500 mAh gleich auf. Dank des gleich großen Akkus ist auch die Laufzeit der Geräte vergleichbar.

Wer LTE will, kommt am Paperwhite kaum vorbei. Gegen Aufpreis verbaut Amazon eine SIM-Karte, die in weiten Teilen der Welt dafür sorgt, dass der Amazon-Store erreichbar ist. WLAN bieten alle drei Modelle.

Alle drei setzen zum Laden und für die Datenübertragung auf einen Micro-USB-Port.

Bezüglich der Performance landet der Pocketbook Touch HD 3 auf dem letzten Platz. Er braucht mit neun Sekunden am längsten, um aus dem Standby aufzuwachen und das Surfen durch die Optionen macht aufgrund der langen Wartezeiten am wenigsten Spaß. Besonders fällt die schlechte Performance bei der On-Screen-Tastatur auf, die sich beim Tippen gemächlich Zeit lässt.

Der Kindle Paperwhite und der Shine 3 sind quasi gleich auf. Wobei man beim Kindle Paperwhite das Gefühl hat, dass einige Funktionen besser programmiert wurden und entsprechend schneller sind. Das fällt vor allem beim Seitenblättern auf, was hier von allen drei Kandidaten am schnellsten funktioniert.

Käufer eines Kindle E-Readers entscheiden sich gleichzeitig für Amazon und gegen alle anderen Buchhändler. Das hat Vorteile, aber auch ein paar Nachteile. Zunächst ist es preislich für den Kunden egal, ob er ein E-Book bei Amazon oder irgendeinem anderen Buchhändler kauft. Denn Dank der Buchpreisbindung, die auch für E-Books gilt, kosten sie überall gleich viel.

Doch Amazon-Kunden haben eine größere Buchauswahl – vor allem an Indie-Büchern. Denn Amazon gewährt bis zu 70 Prozent Umsatzbeteiligung und hat eine große Kundenbasis, weshalb viele Indie-Autoren ihre Titel vor allem dort publizieren. Die Tolino-Allianz der großen deutschen Buchhändler hat hier zwar aufgeholt, kann aber noch nicht mithalten.

Wer nun vom Kindle auf einen alternativen E-Reader wechseln will, steht erst einmal vor einem Problem. Denn während die anderen auf das weit verbreitete Epub-Format setzen, verkauft Amazon seine E-Books im nicht kompatiblen AZW-Format. Bevor diese auf anderen E-Book-Readern funktionieren, muss man sie konvertieren. Nach einem Download aus der Kindle-Bibliothek auf PC oder Mac hilft das kostenlose Programm Calibre. Achtung: Nur bei kopierschutzfreien E-Books ist das legal.

Grundsätzlich ist die Software des Amazon Kindle Paperwhite hervorragend. Sie reagiert schnell und ist logisch aufgebaut. Wer Amazon ohnehin viel nutzt und sich dort wohlfühlt, wird auch mit dem Paperwhite wunderbar zurechtkommen.

Je nachdem, wo man den Shine 3 oder den Touch HD 3 kauft, ist ein entsprechender Shop vorinstalliert. Allerdings bieten sie jeweils sehr einfache Möglichkeiten, alternative Buchhändler zu verwenden oder freie Formate aufzuspielen. Alle drei bieten korrespondierende Apps, um geräteübergreifend das gleiche Buch seitengenau zu synchronisieren.

Ähnlich dem Paperwhite verfügt auch der Shine 3 über eine sehr logische Nutzerführung und schnelle Reaktionszeiten. Dank Android-Unterbau können seine Käufer über Sideload auch zusätzliche Apps aufspielen. Der Touch HD 3 bietet die umfangreichsten Optionen und Anpassungsmöglichkeiten, ist jedoch häufig etwas lahm. Details zur jeweiligen Software finden sich in den Einzeltests zum Amazon Kindle Paperwhite (Testbericht), Tolino Shine 3 (Testbericht) und Pocketbook Touch HD 3 (Testbericht).

Ein Vorteil von Amazon sind seine Flatrate-Angebote. So bekommen Kunden für monatlich knapp 10 Euro über Audible ein Hörbuch pro Monat und sehr viele Podcasts. Nochmal deutlich größer ist die Auswahl bei Kindle Unlimited, einer E-Book-Flatrate zum Fixpreis. Auch wenn die Auswahl mit etwa 1,5 Millionen internationalen und 90.000 deutschen Büchern riesig ist, sind die meisten Titel von Indie-Autoren. Romane namhafter Autoren und Verlage sind eher selten. Auf der Gegenseite unterstützen die E-Reader von Pocketbook und Tolino das Onleihe-Angebot der deutschen Bibliotheken. Hier sind viele bekannte Werke vertreten. Wer sie ausleihen will, muss jedoch häufig mit Wartezeiten rechnen.

Amazon Kindle Paperwhite 2018,  8GB, mit Werbung (53-007317)

Amazon Kindle Paperwhite 2018, 8 GByte, mit Werbung

PocketBook Touch HD 3, spicy copper (PB632-K-WW)

PocketBook Touch HD 3, spicy copper

tolino shine 3

Tolino Shine 3

Amazon Kindle Paperwhite 2018, 32GB, ohne Werbung (53-007321)

Amazon Kindle Paperwhite 2018, 32 GByte, ohne Werbung

Amazon Kindle Paperwhite 2018, 32GB, mit Werbung (53-007322)

Amazon Kindle Paperwhite 2018, 32 GByte, mit Werbung

Amazon Kindle Paperwhite 2018, 32GB, LTE, ohne Werbung (53-007226)

Amazon Kindle Paperwhite 2018, 32 GByte, LTE, ohne Werbung

PocketBook Touch HD 3, metallic grey (PB632-J-WW)

PocketBook Touch HD 3, metallic grey

Sowohl der Amazon Kindle Paperwhite, als auch der Tolino Shine 3 und der Pocketbook Touch HD 3 sind sehr gute E-Book-Reader mit jeweils tollem Display, guter bis sehr guter Hintergrundbeleuchtung und langer Akkulaufzeit.

Dabei bietet der Amazon Kindle Paperwhite (Testbericht) dank hervorragender Verarbeitung, Wasserdichtigkeit, Hörbuchunterstützung, optionalem LTE und flotter Performance das stimmigste Gesamtpaket – wenn man sich denn in der Amazon-Welt wohl fühlt. Kommt noch hinzu, dass er in seiner günstigsten Variante mit 8 GByte und Werbung im Angebot bereits für 70 Euro verkauft wurde. Bei dem Preis führt fast kein Weg an ihm vorbei.

Der Pocketbook Touch HD 3 (Testbericht) ist die eierlegende Wollmilchsau unter den hier getesteten E-Readern. Er bietet ebenfalls Wasserdichtigkeit und Hörbuchunterstützung. Zusätzlich kommt er mit physischen Knöpfen zum Blättern, verschiedenen Farbtemperaturen der Beleuchtung, einer beeindruckend breiten Formatunterstützung und unzähligen Optionen. Lediglich sein Prozessor könnte etwas schneller und sein Preis im Vergleich zu den anderen niedriger sein.

Wer Wasserdichtigkeit und Hörbuchunterstützung nicht braucht, sollte sich den günstigen Tolino Shine 3 (Testbericht) genauer anschauen. Der E-Reader ist bis auf seine Rückseite toll verarbeitet, versteht das freie Epub-Format, unterstützt Onleihe und bietet im Gegensatz zum Paperwhite verschiedene Farbtemperaturen. Für Bastler interessant: Via Sideload können zusätzliche Apps aufgespielt werden.

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