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Vergleichstest: Acht Kopfhörer mit ANC für unter 400 Euro

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Müssen sich Bose und Sony warm anziehen? Immer mehr Kopfhörer-Hersteller setzen auf ANC. Wir haben acht aktuelle Modelle bis zu 400 Euro getestet und verraten, welches Headset in welcher Disziplin punktet.

Kabellose Kopfhörer haben immer häufiger eine aktive Geräuschunterdrückung (engl. kurz ANC) an Bord. Dabei registrieren Mikrofone Außengeräusche wie Flugzeuglärm, die Kopfhörer produzieren daraufhin eine Art Kontergeräusch, wodurch die Lärmbelästigung stark reduziert oder sogar komplett ausgeblendet wird. Allerdings funktioniert dieser Effekt nicht bei allen Herstellern gleich gut: Das Ergebnis bei den acht getesteten ANC-Kopfhörern ist höchst unterschiedlich. Das gilt auch für den Sound und den Tragekomfort.

Bei allen Kontrahenten im ANC-Vergleichstest handelt es sich um Over-Ear-Kopfhörer in geschlossener Bauweise, bei denen die Hörmuschel das Ohr komplett umschließt. In den meisten Fällen sorgen Kopfhörer in dieser Bauform bereits physikalisch für eine gewisse Geräuschabschirmung. Eine weitere Gemeinsamkeit: Alle Kopfhörer funktionieren kabellos und werden vor allem per Bluetooth mit einem Zuspieler verbunden – auch wenn überall ein Verbindungskabel beiliegt. Die Akkus in den Geräten lassen sich nicht austauschen, jedenfalls nicht ohne Mühe. Beim Stromkabel setzen Sennheiser, Bose, Fresh ‘n Rebel und Beats auf Micro-USB, Sony, Microsoft, Jabra und Bowers & Wilkins dagegen auf USB-C.

Bose Quietcomfort 35 II
Bose Quietcomfort 35 II

Geschmäcker sind unterschiedlich: Der eine mag leichten Kunststoff, die andere mag Metall. Ob ein Kopfhörer klassisch oder futuristisch aussehen soll, entscheidet nur der ganz persönliche Lifestyle. Aus diesem Grund lässt sich die Optik der verschiedenen Kopfhörer nicht objektiv bewerten. Generell gilt aber: Ein Kopfhörer für mehrere hundert Euro muss aus exzellenten Materialien perfekt Verarbeitung sein und einen hohen Sitzkomfort bieten. Eine Kombination ganz nach dem Geschmack von Bowers & Wilkens, deren PX gibt sich bei den verwendeten Materialen und der Verarbeitung keine Blöße. Dafür ist es mit 335 g der schwerste Kopfhörer im Test. Und dank der harten und unbequemen Ohrpolster ist der Sitz alles andere als perfekt. Aber immer noch deutlich besser als beim Clam von Fresh ‘n Rebel.

Fresh'n Rebel Clam
Fresh'n Rebel Clam

Der Lifestyle-Kopfhörer bringt zwar nur 260 g auf die Waage, fühlt sich aber trotz relativ weicher Polster auf dem Kopf fast wie eine Schraubzwinge an. Der Grund: Das Plastik ist starr und unflexibel und lässt Tragekomfort missen. Dafür kostet der Clam auch nur 150 Euro. Ganz anders der mehr als doppelt so teure WH-1000XM3 von Sony: Mit seinem Gewicht von 255 g und weichen Polstern ist das Headset auf dem Kopf kaum zu spüren, der Sitz ist perfekt. Auch der Quietcomfort 35 II von Bose fühlt sich selbst nach mehreren Stunden noch bequem an. Beim Studio 3 Wireless von Beats werden die Ohren dagegen nach einiger Zeit ganz schön warm. Das minimalistische Design des Surface Headphones von Microsoft täuscht, beim Gewicht wurde nicht gespart. Doch trotz der 320 g steht auch längeren Reisen mit dem Kopfhörer nichts im Wege. Beim Jabra Elite 85h gilt das sogar, wenn es regnet: Der Material-Mix ist witterungsbeständig und hält auch schlechtes Wetter aus.

Sony WH-1000 XM3
Sony WH-1000 XM3

Aber auch wenn es hier und da kleinere Verarbeitungsschwächen gibt, fällt keiner der Kopfhörer wirklich negativ aus der Reihe.

Auch wenn sich die generelle Soundqualität mit Messgeräten feststellen lässt, sagt so ein Ergebnis nicht viel über das individuelle Hörempfinden aus. Wir haben im Test daher die Kopfhörer mit verschiedenen Songs aus ganz unterschiedlichen Quellen ausprobiert. So lief Musik von Streaming-Diensten, unkomprimierte High-Res-Aufnahmen, aber auch MP3-Dateien. Aber selbst die große Auswahl an Titel verrät am Ende des Tages nicht, ob die Kopfhörer jeden akustischen Geschmack treffen. Aber es gibt Faktoren, die bei der Entscheidung helfen können: Hört man zum Beispiel vor allem klassische Musik, sollte man den Kopfhörer nicht auf Techno-Fähigkeiten überprüfen.

Sennheiser PXC 550
Sennheiser PXC 550

Im Test macht kein Kopfhörer macht einen schlechten Job bei der Musikwiedergabe, wenn auch der Clam das musikalische Schlusslicht bildete. Der Sound des günstigen Headsets wirkt leer und fad. Dagegen sind sowohl der Jabra Elite 85h, der Microsoft Surface und der Bose Quietcomfort 35 II soundtechnisch mehr als ordentliche Allrounder, ohne dass sie ein Aha-Erlebnis verursachen. Der Sony WH-1000XM3 kommt mit allen Genres – und vor allem mit Highres-Formaten – sehr gut klar, ihm fehlt es bei harten Beats aber ein wenig an Wumms. Davon hat wiederum der Beats Studio 3 Wireless mehr als genug, der restliche Sound überzeugt weniger. Beim Bowers & Wilkins PX klingt klassische Musik äußerst lebendig. Der Sound des Sennheiser PXC 550 ist tadellos, bei der Sprachausgabe ist der Kopfhörer konkurrenzlos.

Bowers & Wilkins PX

Bei der Geräuschunterdrückung sind die Unterschiede größer, als beim Sound. Die ANC-Wirkung des PXC 550 von Sennheiser hat deutliche Schwächen und kann nur als dezent beschrieben werden. Das Gleiche gilt für den B&W PX: Es kommt hier nicht wirklich zu einem Abkapselungseffekt. Im Vergleich dazu schneidet die Geräuschunterdrückung des Fresh ‘n Rebel gar nicht mal so schlecht ab – wenn auch längst nicht so gut wie beim Beats Studio 3. Beim Jabra Elite 85h können die verschiedenen ANC-Modi und die Automatik überzeugen. Beim Surface von Microsoft lässt sich der ANC-Effekt wiederum sehr einfach per Drehrad – bis zu dem Punkt, dass zum Beispiel Verkehrslärm fast komplett ausgeblendet wird. Richtig eindrucksvoll ist dagegen die ANC-Leistung des Sony WH-1000XM3 und des Bose Quietcomfort 35 II: Bei beiden Kopfhörern funktioniert die Abschirmung prächtig.

Es ist erstaunlich, dass es beim ANC-Feature sehr große Unterschiede gibt – und das günstigste Modell hier sogar mit einigen der teuersten Kopfhörer mithalten kann. Das spricht nicht für die hochpreisigen Headsets: Gerade in diesem Preissegment sollte dem verkaufsträchtigen und damit wichtigsten Feature mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Beats Studio 3 Wireless
Beats Studio 3 Wireless

Aktuelle Kopfhörer haben immer mehr Funktionen, die häufig nicht mehr alleine und komfortabel über die Hardware gesteuert werden können. Aus diesem Grund haben viele Hersteller eine Smartphone-App entwickelt. Lediglich Beats und Fresh ‘n Rebel verzichten auf eine spezielle Software, die wenigen Einstellungsmöglichkeiten werden direkt am Kopfhörer oder direkt über das iPhone-Betriebssystem vorgenommen. Microsoft hat zwar eine App für den Surface-Kopfhörer, aber zum Testzeitpunkt gab es diese nicht in den deutschen Stores. Per App lässt sich bei allen Herstellern der Sound ein wenig optimieren und die Stärke der Geräuschabschirmung justieren. Die meisten Features bieten die Apps von Jabra, Sennheiser und Sony.

Die unverbindliche Preisempfehlung bei den Modellen liegen bei 149 Euro (Fresh ‘n Rebel) 299 Euro (Jabra und Microsoft), 350 Euro (Sennheiser und Beats), 380 Euro (Sony und Bose) und 400 Euro (B&W). Die Marktpreise liegen teilweise deutlich unter den Preisempfehlungen der Hersteller.

Bose Quietcomfort 35 II

Bose Quietcomfort 35 II

Sony WH-1000XM3

Sony WH-1000XM3

Sennheiser PXC 550

Sennheiser PXC 550

B&W PX

B&W PX

Beats Studio 3 Wireless

Beats Studio 3 Wireless

Microsoft Surface Headphones

Microsoft Surface Headphones

Fresh \'n Rebel Clam

Fresh 'n Rebel Clam

Jabra Elite 85h

Jabra Elite 85h

Bose Quietcomfort 35 II Sony WH-1000 XM3 Bowers & Wilkins PX Sennheister PXC 550 Beats Studio Wireless 3 Microsoft Surface Headphones Fresh ‘n Rebel Clam Jabra Elite 85h
Typ Over Ear Over Ear Over Ear Over Ear Over Ear Over Ear Over Ear Over Ear
Bauform geschlossen geschlossen geschlossen geschlossen geschlossen geschlossen geschlossen geschlossen
Anschluss Klinkenstecker (3.5mm), Micro-USB Klinkenstecker (3.5mm), USB (Typ C) Klinkenstecker (3.5mm), USB (Typ C) Klinkenstecker (3.5mm), Micro-USB Klinkenstecker (3.5mm), Micro-USB Klinkenstecker (3.5mm), USB (Typ C), Bluetooth Klinkenstecker (3.5mm), Micro-USB Klinkenstecker (3.5mm), USB (Typ C)
Bluetooth / NFC Ja / ja Ja / Ja Ja / Ja Ja / Ja Ja / Nein Ja / Nein Ja / Nein Ja (5.0) / Nein
Betriebsdauer, ANC aktiv 20h 30h 30h 22h 30h 15h 22h 32h
Sprachassistent Alexa, Google Alexa, Google - Google Siri Cortana - Alexa, Google, Siri
App Ja Ja Ja Ja Nein Ja Nein Ja
Gewicht 236g 255g 227g 335g 260g 290g 260g 300g
Preis 380 Euro 380 Euro 350 Euro 400 Euro 349 Euro 299 Euro 149 Euro 299 Euro

Während ein normaler Kopfhörer vor allem gut klingen soll, muss ein Modell mit ANC-Funktion zusätzlich in der zweiten Disziplinen glänzen: Störende Außengeräusche sollen weitestgehend ausgeblendet werden. Lange Jahre war Bose quasi das Synonym für Noise Cancelling und der Quietcomfort 35 II unterstreicht dieses Image eindrucksvoll. Allerdings zeigt das illustre Teilnehmerfeld, dass auch andere Unternehmen gute ANC-Kopfhörer herstellen können. Auch wenn uns neben dem Bose-Klassiker ganz besonders der Sony WH-1000XM3 gefallen hat, landen dicht dahinter auf weiteren guten Plätzen landen die Kopfhörer von Jabra und Microsoft.

Aber selbst der Beats Studio 3 Wireless zeigt beim ANC überraschende Qualitäten. Dass der Clam von Fresh ‘n Rebel bei ANC nicht ganz mithalten kann, wundert nicht wirklich, bei Sennheiser und Bowers & Wilkins ist das dafür ärgerlich. Auch wenn uns das Gesamtpaket von Sony und von Bose am besten gefällt, sind Microsoft und Jabra qualitativ nicht weit entfernt – preislich aber deutlich attraktiver. Und selbst dem Clam können wir trotz musikalischen Schwächen etwas Positives abgewinnen, schließlich bleibt hier der Lärm relativ günstig draußen.

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