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Vergleichstest: 4 smarte Indoor-Gärten ab 60 Euro

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Automatische Beleuchtung und Bewässerung bringen garantierten Erfolg beim Heimgärtnern. Wir haben vier Indoor-Gärten von 60 bis 150 Euro getestet.

Smarte Indoor-Gärten versprechen frische Kräuter und Gemüse das ganze Jahr. Wir haben Aerogarden Harvest (Testbericht), Bosch Smartgrow 3 (Testbericht), Emsa Smart Garden 3 (Testbericht) und Prêt à Pousser Lilo (Testbericht) getestet und verraten, ob sich die smarten Pflanzkästen lohnen.

Smarte Gärten bestehen aus Pflanzschale mit Wasserbehälter und LED-Beleuchtung für das Pflanzenwachstum. Auf diese Weise ziehen sie Pflanzen jeder Art ganzjährig auf – soweit die Theorie. In der Praxis brauchen alle Indoor-Gärten aber menschliche Hilfe und zwar bei der Bewässerung und beim Vergrößern des Abstands von Beleuchtung und Pflanze.

Die Gärten von Emsa und Prêt à Pousser haben keine Signalfunktion, wenn der Wasserstand zu niedrig ist. Sie arbeiten stattdessen mit Schwimmern und verzichten auf eine Wasserpumpe. Ist der Schwimmer zu tief, fehlt Wasser. Nachteil: Die Pflanzen stehen dauerhaft im Wasser und können Schimmeln oder Eingehen. Bei Emsa und Prêt à Pousser ist beides passiert.

Die Produkte von Aerogarden und Bosch signalisieren hingegen mit einer blinkenden LED, wenn der Wasserstand zu niedrig ist. Das sorgt für Aufmerksamkeit. Vor allem beim Bosch ist ein zu niedriger Wasserstand unüberseh- und hörbar – die gesamte LED-Beleuchtung blinkt und die Wasserpumpe gurgelt laut.

Von links nach rechts: Bosch/Plantui Smartgrow 3, Emsa Smart Garden 3, Aerogarden Harvest und Prêt à Pousser Lilo.

Alle Indoor-Gärten setzen auf Vollspektrum-LEDs, um eine natürliche Beleuchtung zu erzielen und das Pflanzenwachstum zu beschleunigen. Zu Beginn der Aufzucht sind die LEDs beim Bosch und Prêt à Pousser rund drei Zentimeter über den Saatkapseln positioniert, beim Aerogarden und Emsa sind es sieben bis zehn Zentimeter. Unser Test hat gezeigt, dass der unterschiedliche Abstand keine große Rolle spielt – selbst bei größerer Entfernung klappt das Wachstum wunderbar. Sobald die Pflanzen wachsen, muss man den Abstand zur Beleuchtung allerdings vergrößern. Sonst drohen die jungen Kräuter und Gemüse direkt zu verbrennen.

Bosch und Emsa legen ihren Gärten Steckmodule bei, um den Abstand zu vergrößern. Nachteil: Die Steckmodule haben eine fixe Höhe. Der Aerogarden Harvest und Prêt à Pousser Lilo haben hingegen eine stufenlose Anpassung der Höhe integriert. Beim Lilo schiebt man die Beleuchtung entlang einer Schiene nach oben – das ist praktisch, aber nicht sonderlich gut verarbeitet. Beim Harvest ist ein Teleskoparm verbaut, der eine Höhenverstellung um jeweils einen Zentimeter erlaubt. Den größten Abstand zwischen Pflanzkasten und LED bietet der Emsa Smart Garden 3 mit maximal 33 Zentimetern. Beim Aerogarden sind es 30 Zentimeter, beim Bosch und Prêt à Pousser 20. Somit bietet der Aerogarden und der Emsa den meisten Platz für das Pflanzenwachstum.

Die Beleuchtungszeit beträgt bei fast allen Modellen 16 Stunden pro Tag. Nur der Aerogarden bietet optional noch einen Zeitraum von 18 oder gar 24 Stunden an – letzteres empfiehlt sich für einen schnelleren Keimvorgang bis zum ersten Grün.

Alle Indoor-Gärten baut man in maximal vier Schritten auf. Der Prêt à Pousser besteht aus Bodenplatte, drei Pflanztöpfen, drei Schwimmern, einer Stange für Beleuchtung. Das Modell von Bosch setzt sich aus Wasserschale, einer Kombination aus Pflanzenhalterung und Wasserpumpe sowie der LED-Beleuchtung zusammen. Beim Aerogarden und Emsa geht der Aufbau am schnellsten: Hier sind es nur zwei Komponenten, die zusammengehören. Beim Aerogarden kommen der Pflanzkasten mit der Beleuchtungseinheit auf die Bodenplatte, beim Emsa das LED-Licht auf den Pflanzkübel. Anschließen sind die Indoorgärten einsatzbereit.

Alle vier Hersteller verkaufen Pflanzkapseln für ihre Geräte. Mit Preisen ab 4 Euro ein teurer Spaß.

Die Samen zur Aufzucht kommen in Pods genannten Kapseln. Der Einbau der Pflanzkapseln funktioniert bei allen vier Gärten gleich: Die Samenbehälter kommen in die vorgesehene Aussparung im Garten. Aerogarden, Bosch und Emsa setzen auf runde Pods, Prêt à Pousser auf längliche. Der Harvest von Aerogarden zieht sechs Pflanzen gleichzeitig auf, die anderen Geräte jeweils nur drei. Vorteil bei Aerogarden und Emsa: Hier gibt es günstige Ersatz-Pods von Drittanbietern zur Pflanzenanzucht. Denn die Kapseln der Hersteller kosten ordentlich. 4 bis 45 Euro kann man dafür ausgeben – ein Päckchen Samen aus dem Baumarkt liegt unter einem Euro.

Alle Indoor-Gärten kommen ohne Sonnenlicht aus. Die Vollspektrum-LEDs reichen, um die Pflanzen zum Wachsen zu bringen. Dennoch schadet Sonnenlicht nicht, sondern beschleunigt das Pflanzenwachstum zusätzlich. Vor allem bei Tomaten oder Paprika empfiehlt sich die Kombination aus natürlichem und künstlichem Licht. Unser Tipp: Man sollte den Zyklus der künstlichen Beleuchtung an das Tageslicht anpassen. Ist es Tag, sollten die LEDs auch leuchten. Ist es dunkel, brauchen die Pflanzen ihre Nachtruhe. Nach unserer Messung leuchtet der Aerogaden mit rund 1600 nits am hellsten, gefolgt vom Bosch und Prêt à Pousser mit 420 nits. Schlusslicht ist der Garten von Emsa mit 260 nits – das hat aber keine spürbaren Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum.

Lange Wartezeit bei Aerogarden: Rund 14 Tage hat es gedauert, bis die erste Pflanze wächst.

Bei der Geschwindigkeit des Wachstums liegt im Praxistest der Emsa Smart Garden 3 ganz vorne. Er liefert schon nach zwei Tagen das erste Grün. Danach folgen Prêt à Pousser und Bosch mit vier beziehungsweise sieben Tagen. Der Aerogarden braucht rund 14 Tage, um ein Pflänzchen hervorzubringen. Was lernen wir daraus? Heller ist nicht gleich schneller. Erntereif sind Kräuter und Salate bei allen Modellen nach gut 30 Tagen. Gemüse, etwa Tomaten oder Paprika, brauchen deutlich länger. Hier darf man mitunter zwei bis drei Monate warten.

Seit Ende Dezember 2019 wachsen Tomaten im Lilo. Seit Mitte Feburar 2020 sieht man erste Früchte.

Jeder Indoor-Garten versorgt die gesetzten Pflanzen mit Nährstoffen für einen gesamten Wachstumszyklus. Bei Emsa und Prêt à Pousser sind die Nährstoffe in den Pods integriert, beim Modell vom Bosch und beim Aerogarden ist die Pflanzennahrung separat und wird ins Wasser gekippt. Einen Unterschied der beiden Methoden konnten wir in Hinblick auf das Pflanzenwachstum nicht feststellen. Wichtig bei den Nährstoffen fürs Wasser: Pflanzt man unterschiedliche Kräuter und Gemüse an, muss man auf das Mischverhältnis achten. Zu viel oder zu wenig Nahrung sorgt für eingeschränktes Wachstum.

Geschmacklich überzeugen uns die Ergebnisse vom Aerogarden und vom Emsa. Das Basilikum beider Modelle schmeckt sehr intensiv. Beim Lilo ist der Geschmack ausreichend ausgeprägt, das Bosch-Basilikum schmeckt nach wässriger Holland-Gurke.

Richtig smart ist kein Indoor-Garten, auch wenn die Hersteller gerne mit dem Wort werben. Bosch, Emsa und Prêt à Pousser haben zwar eine kostenlose App zu Ihren Produkten, die ist aber nicht mit dem Gerät verbunden, sondern liefert nur Tipps zur Pflanzenzucht. Etwa sagt die App zum Lilo, dass man die Blüten der Tomatenpflanze streicheln muss, um eine künstliche Bestäubung durchzuführen. Jeder, der fähig ist zu googeln oder gar ein Buch über Gartenarbeit hat, findet diese Informationen auch dort. So eine reine Info-App hätten sich die Hersteller entsprechend sparen können.

Bosch, Emsa und Prêt à Pousser bieten nette Info-Apps, aber ohne smarte Funktionen. Prêt à Pousser verlangt zudem eine Anmeldung mit E-Mail-Adresse und sendet Werbe-Mails.

Meldungen wie „deine Pflanzen müssen gegossen werden“ via Alexa oder Push-Meldung gibt es nicht. Der Aerogarden Harvest verzichtet komplett auf eine App. Dafür ist der Pflanzkasten deutlich intelligenter als die Produkte des Wettbewerbs. Zwei verschiedene Benachrichtigungs-LEDs leuchten am Aerogarden, wenn der Wasserstand zu gering ist oder Nährstoffe fehlen. Eine Warnung, dass die Pflanzen zu nah an der LED-Beleuchtung sind, bietet leider kein Modell. Hier muss man schon zum 300 Euro teuren Smartgrow 6 von Bosch greifen. Der größere Bruder des von uns getesteten Smartgrow 3 (Testbericht) ist das einzige Modell, das diese Funktion anbietet.

Indoor-Gärten gibt es ab 60 Euro. Im mittleren Preissegment, also um die 100 Euro, liegen der Prêt à Pousser Lilo und der Aerogarden Harvest. Wer auf vermeintlich smarte Funktionen verzichten kann und sich zumutet, regelmäßig eigenständig den Wasserstand zu prüfen, bekommt „dumme“ Indoor-Gärten bereits ab 35 Euro. Die bieten Beleuchtung, aber keinen Wassertank – man stellt also einfach Töpfe mit Erde unter das Licht.

Smarte Indoor-Gärten sind nicht intelligent. Ja, die Modelle beleuchten nach dem Zeitschaltuhr-Prinzip und ja, einige wie der Harvest oder der Smartgrow 3 bewässern per Pumpe. Mehr Intelligenz haben die Hersteller den Gärten nicht geschenkt. Vielmehr kauft man sich einen Mix aus Aquarium und Nespresso-Marketingstrategie. Der leuchtende Pflanzkasten ist nett anzusehen und suggeriert das Gefühl, etwas Gesundes und Nachhaltige zu machen. Gleichzeitig wollen die Hersteller die Pods gerne verkaufen und nehmen dafür ordentliche Preise – 5, 10 oder 25 Euro für Gemüse & Co. sind ganz normal. Mit Pods oder Quellkapseln von Drittanbietern kann man immerhin beim Emsa Smart Garden 3 (Testbericht) und beim Aerogarden Harvest (Testbericht) ordentlich Geld sparen.

Wer mehrmals in der Woche frisches Gemüse oder Kräuter will, sollte sich so einen Garten nicht zulegen. Wer hingegen saisonunabhängig anpflanzen will oder die Indoor-Gärten nur zur Aufzucht nimmt, ist hier gut aufgehoben.

Die Modelle von Aerogarden, Bosch, Emsa und Prêt à Pousser eignen sich optimal zur Aufzucht. Die geringste Arbeit hat man mit Aerogarden und Bosch. Die Gärten der beiden Hersteller sorgen mit Ihrer täglichen Bewässerung für schönes und kräftiges Wachstum.

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