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Vergleichstest: 4 Fossil-Smartwatches mit Wear-OS

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Fossil Carlyle, Emporio Armani Connected, Puma Smartwatch und Michael Kors Access – alle kommen von der Fossil-Group, alle mit Wear OS. Wir klären, was die Uhren können.

Huawei Watch GT2 (Testbericht) oder Honor Magic Watch 2 (Testbericht) sind tolle smarte Uhren, echte Smartwatches sind es aber nicht. Dafür fehlen einfach ein paar Funktionen, etwa nachinstallierbare Apps. Das ist bei Uhren mit Wear OS anders, sie bieten alles, was derzeit an Smartness am Handgelenk möglich ist.

Von links: Armani, Fossil, Puma und Michael Kors

Führend sind dabei aber nicht mehr die Pioniere der schlauen Uhren mit Android-Betriebssystem wie Motorola, Sony oder LG, sondern vor allem das – im weitesten Sinne – Modeunternehmen Fossil-Group. Außer unter eigenem Namen bringt das Unternehmen noch Smartwatches mit Wear OS unter anderen Modelabels auf den Markt. Wir haben Fossil The Carlyle HR 5 für 295 Euro, Emporio Armani Connected für 399 Euro, Puma Smartwatch für 279 Euro und Michael Kors Access Gen 4 für inzwischen 209 Euro in der UVP des Herstellers miteinander verglichen.

Die Carlyle sieht ziemlich schick aus. Das schwarze Gehäuse mit zwei Knöpfen und einer drehbaren Krone auf der rechten Seite ist mit seinen 44 Millimetern etwas kleiner als manches Konkurrenzprodukt, wirkt nicht übermäßig dick und fällt mit knapp 100 Gramm Gewicht am Handgelenk kaum auf. Das beiliegende 22-Millimeter-Armband besteht innen aus Silikon und verfügt außen über einen dunkelbraunen Kunstleder-Besatz. Damit hat man beim Sport einen bequemen Sitz, es sieht aber deutlich schicker aus als ein reines Silikonarmband. Das knapp 1,3 Zoll große OLED-Display bietet eine Auflösung von 416 × 416 Pixel und mit daraus resultierenden 328 Pixel pro Zoll scharfer Darstellung. Der Rahmen um das runde Display ist etwas breit geraten, das fällt vor allem bei aktiver Nutzung auf, nicht aber bei Darstellung des reduzierten Always-on-Displays.

Zur Steuerung gibt es neben den erwähnten Druckknöpfen und der Krone mit Scroll-Funktion ein eingebautes Mikrofon für Sprachbefehle an den Google Assistant und ein Lautsprecher, über den Telefonate Hands-free getätigt werden können. Das funktioniert zumindest in ruhiger Umgebung ganz ordentlich. Die Belegung der beiden zusätzlichen Tasten lässt sich über die Fossil-App ändern, zudem kann man darüber neue Ziffernblätter einspielen. Weitere Ausstattungsmerkmale sind GPS, NFC, Pulssensor, Beschleunigungs-, Höhen- und Umgebungslichtsensor. Die Uhr ist bis 3 ATM wasserdicht und somit laut Hersteller zum Schwimmen, aber nicht zum Tauchen geeignet. Eine Akkuladung sollte je nach Nutzung für ein bis sieben Tage reichen – letzteres gilt aber nur im reinen Uhrenmodus ohne zusätzliche Konnektivität. Ist alles aktiviert, ist allabendliches Laden notwendig. Das geschieht dann über ein magnetisch angedocktes Ladepad, das bei allen vier Uhren gleich aussieht und in Weiß – bei der schwarzen Carlyle etwas unpassend – geliefert wird. Positiv: Vier Leistungsmodi lassen sich über das Akkusymbol einstellen, um gegebenenfalls die Laufzeit zu verlängern.

Fossil The Carlyle HR 5 (7 Bilder)

Als Antrieb dient ein Snapdragon Wear 3100, der speziell an die Bedürfnisse von Wearables angepasst ist und sich per Bluetooth 4.2 Low Energy mit dem Smartphone verbindet – ohne wird die Uhr wie alle Wear-OS-Modelle von „smart“ schnell zu eher „dumb“. Weiterhin möglich bleiben dann Tracking von Laufstrecken und Musikhören aus dem 8 GByte großen, internen Speicher. Der Prozessor leistet sich in Verbindung mit 1 GByte RAM kaum Schwächen, nur hin und wieder gibt es eine kurze Gedenkpause. Im Vergleich zu älteren Wear-OS-Uhren ist das aber eine deutliche Verbesserung. Gut gefallen hat uns die Möglichkeit, beim Abspielen von Musik die beiden Knöpfe zum vor- und zurückspringen verwenden zu können.

Schon bei der Ankunft beim Käufer will die Armani-Variante der Fossil-Smartwatch der 5. Generation klarmachen: Hier hast du etwas ganz besonderes! Denn während die Carlyle in einem einfachen Karton mit durchsichtigem Kunststoffdeckel steckt, erwartet den Armani-Käufer ein spezielles Aufbewahrungs-Etui mit Reißverschluss und Samt-Inlay. Nicht ganz dazu passen wollen die billig wirkenden Schaumstoffeinlagen, die allerdings effektiv Kratzer an Uhrengehäuse oder dem schicken schwarzen Metallarmband unserer Testversion verhinderten. Uns hat das nicht ganz überzeugt – der Liefer“karton“ ist zwar ansprechender als bei Fossil direkt, so richtig hochwertig wirkte er auf uns aber nicht. Auch hier kommt wieder ein weißer Ladeadapter zum Einsatz.

Emporio Armani Connected 3 (10 Bilder)

Die Uhr selbst geht optisch ähnliche Wege wie das Modell direkt von Fossil. Die Armbandaufnahmen sind etwas ausladender als bei der Carlyle, das Gehäuse ist in mattem Schwarz statt glänzender Oberfläche gehalten. Das gilt für das Gliederarmband mit doppelter Faltschließe, durch die von außen kein Schließmechanismus zu sehen ist. Je nach Lichteinfall erinnert das Material an Gun-Metall. Die Größe der Uhr ist mit der Fossil Carlyle weitestgehend identisch, entsprechend wirkt die Armani-Version wohlproportioniert. Leider stört hier im Betrieb erneut der etwas breite Rand um das ebenfalls identische OLED-Display. Die Verarbeitung des Armani-Modells ist genauso hochwertig wie beim direkten Fossil-Modell, auch hier kommt aber auf der Unterseite Kunststoff zum Einsatz. Die beiden zusätzlichen Knöpfe sind allerdings nicht so weit hervorstehend und eckig ausgelegt. Die Krone dient hier als Druckknopf und zusätzlich zum Scrollen durch Menüs.

Technisch ist die Emporio Armani Connected 3 mit der Fossil Carlyle der 5. Generation identisch, entsprechend gelten alle Angaben zu Bedienung und Laufzeit für die Armani-Variante.

Die Puma Smartwatch ist die erste Zusammenarbeit von Fossil und Sportartikelhersteller Puma. Hauptaugenmerk liegt hier trotz Wear OS auf Fitness, das zeigt schon die grell-gelbe Farbgebung unseres Testmusters. Auch beim Design der Uhr geht die schlicht Puma Smartwatch genannte Uhr andere Wege. So verzichtet sie auf weitere Bedienknöpfe, die Scroll-Funktion der Krone behält sie immerhin bei. Die feste Lünette ist in einem gelb-goldenen Farbton gehalten, die wenig hochwertig wirkende Kunststoffeinfassung hingegen schwarz. Leider passt das neongelbe Kunststoffarmband farblich nicht ganz zum eher goldenen Farbton des Uhrenkorpus. Zudem ist das Armband etwas hart und wirkt nicht übermäßig hochwertig. Positiv ausgedrückt wirkt die Puma Smartwatch im Vergleich zur Carlyle oder der Armani Connected 3 deutlich sportlicher, negativ ausgedrückt billig.

Puma Smartwatch (6 Bilder)

Das verwundert, da sich die Uhr vor allem an die Damenwelt richtet. Das macht die geringere Größe und das kürzere Armband deutlich. Das OLED-Display misst hier nur knapp 1,2 Zoll, die Darstellung ist ähnlich scharf wie bei den beiden zuvor genannten Modellen. Technisch gibt es teils spürbare Unterschiede zu den anderen Modellen. So genehmigt sich die Puma-Uhr immer wieder deutliche Pausen. Grund dürfte der mit 512 MByte geringerer Arbeitsspeicher sein, denn als Antrieb kommt ein Snapdragon Wear 3100 zum Einsatz. Auch der interne Speicher fällt mit 4 GByte geringer aus, zudem fehlt ein Lautsprecher. GPS, Pulsmesser und NFC gibt es bei der Puma Smartwatch.

In Bezug auf die Laufzeit gibt es hier wenig Unterschiede zu den zuvor genannten Uhren. Werden alle Funktionen genutzt, ist abendliches Laden nötig. Vor allem GPS ist ein Akkufresser, aber auch das Always-on-Display zählt dazu. Highlight: Statt ATM 3 ist die Uhr gemäß ATM 5 wasserdicht.

Das Exemplar von Michael Kors ist eine Mischung aus Fossil- und Puma-Smartwatch – sowohl optisch als auch technisch. Der Lieferkarton reiht sich bei Aufmachung und Wertigkeit zwischen Armani und Fossil ein – immerhin gibt es hier einen Kunststoff-Einsatz mit Kunstlederbezug statt Pappe. Bei der Größe orientiert sich die Uhr am Puma-Modell, kommt aber mit drei Knöpfen, von denen sich der Mittlere wie bei den Modellen von Fossil und Armani zum Scrollen drehen lässt. Der Uhrenkorpus ist in Gold gehalten und unterscheidet sich klar vom Gelb-Ton der Puma-Uhr. Denkt man sich deren schwarze Kunststoffeinhüllung weg, trifft man erneut auf große optische Ähnlichkeit des reinen Korpus. Die Verarbeitung ist ansonsten tadellos, auch das weiße Silikonarmband mit großflächigem Michael-Kors-Schriftzug wirkt weicher und hochwertiger.

Michael Kors Access Gen 4 MKGO (6 Bilder)

Technisch entspricht die Uhr von Michael Kors nahezu der Puma Smartwatch. Entsprechend gibt es hier wegen des kleineren Arbeitsspeichers immer mal wieder eine kurze Gedenksekunde, insgesamt kam uns die Uhr im Test aber schneller vor. Der Rest ist bis auf die niedrigere Wasserdichtigeitseinstufung (ATM 3) identisch, ein Lautsprecher fehlt ebenfalls.

Allen vier Uhren liegt nur ein minimaler Lieferumfang bei: Ein Heftchen als Schnellanleitung, eines für die Garantie. Ein USB-Ladegerät fehlt, lediglich ein Ladekabel mit fest verbundener Ladeschale gibt es, ohne die die Smartwatches nicht geladen werden können. Auffällig waren im Test die spürbar langsamere Bediengeschwindigkeit der Puma Smartwatch, auch die Uhr von Michael Kors kommt nicht an Fossil Carlyle und Armani Connected heran. Da haben Puma mit MK am falschen Ende gespart. GPS stellte sich bei allen vier Uhren als eher schwach heraus, zu Beginn von sportlichen Aktivitäten, die manuell ausgelöst werden müssen, warteten wir schon mehrere Minuten, bis ein GPS-Fix gefunden war. Das machen die reinen Sportuhren oft besser.

Auffällig: Keine der Uhren wollte sich beim ersten Versuch mit dem verwendeten Huawei P30 Pro verbinden, erst im zweiten Anlauf klappte das. Die angegebene Akkulaufzeit von im Schnitt 24 Stunden halten wir bei allen vier Modellen für optimistisch. Allein das Always-on-Display, ohne die eine Smartwatch in unseren Augen aber sinnlos ist, frisst kontinuierlich Strom, sodass jedes erneute Auf-die-Uhr-schauen mit einer niedrigeren Akkuanzeige bestraft wird. Als Sportuhr sind die Geräte daher eher ungeeignet, selbst wenn – bis auf gelegentliche Ausreißer – alle Uhren ähnliche Pulswerte anzeigten. Bei so wenig Ausdauer lohnt sich rein für sportliche Aktivitäten eher ein Griff zu Fitness-Trackern wie dem Honor Band 5 (Testbericht) oder dem Xiomi Band 4 (Testbericht). Das ist besonders für die Puma Smartwatch bitter, die sich auch optisch eher an Sportler richten will. Immerhin sind alle Uhren in etwa 1 Stunde wieder voll aufgeladen. Unser Tipp: Wen es ein OLED-Bildschirm sein soll, aber nicht zwingend Wear OS sein muss, empfehlen wir einen Blick auf die Garmin Venu (Testbericht).

Optisch am besten gefallen haben uns – und ja, natürlich ist das Geschmackssache – vor allem die Fossil Carlyle und dann die Armani-Uhr. Für Frauen würden wir außerdem die Smartwatch von Michael Kors der Puma Smartwatch vorziehen. Technisch haben die beiden erstgenannten Herrenuhren bis auf die bessere Wasserdichtigkeit der Puma-Uhr am meisten zu bieten, das merkt man bei der täglichen Bedienung.

Grundsätzlich liefert Fossil für unseren Geschmack das beste Preis-Leistungs-Verhältnis: Armani ist trotz gleicher Technik einfach zu teuer, die Uhr von MK ist zwar deutlich günstiger, kann aber weniger. Die Puma Smartwatch fällt in unserem Vergleich durch: Sie ist zu teuer, dafür technisch zu schwach aufgestellt und verfolgt mit dem energiehungrigen Wear OS als Sportuhr einfach den falschen Ansatz.

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