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Verdunstungskühler im Vergleich: Kühle Brise ab 20 €

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Sie sind günstig, mobil, oft leise sowie energieeffizient und kühlen die Luft dennoch spürbar ab: Verdunstungskühler. Wir zeigen, worauf man beim Kauf achten sollte.

Im Ratgeber Klimaanlagen-Grundlagen: So viel kostet gute Raumkühlung zeigen wir, welche Möglichkeiten es gibt, die Temperatur im Raum zu senken. In der Kaufberatung Mobile Klimaanlage: Günstig gegen teuer – lohnt der Aufpreis? widmen wir uns den Monoblockklimaanlagen. Für diesen Beitrag haben wir drei Verdunstungskühler ausprobiert und zeigen, was sie bringen und worauf es beim Kauf ankommt.

Der Übergang eines Stoffes vom flüssigen in den gasförmigen Zustand, ohne den Siedepunkt zu erreichen, benötigt Energie. Diese zieht sich der Stoff aus der Umgebungstemperatur. Dadurch senkt sich die Raumtemperatur ab. Umgangssprachlich nennt man diesen Effekt Verdunstung. Auch unser Körper macht sich dies zunutze. Bei Hitze bilden sich auf der Haut Schweiß, dieser verdunstet und kühlt. Geht etwas Wind, beispielsweise über einen Ventilator, wird die Verdunstung weiter angeregt.

Nun gibt es am Markt zunehmend günstige Ventilatoren, die feine Wasserpartikel in der Luft verteilen, die dort in den gasförmigen Zustand übergehen. Das erhöht die Luftfeuchtigkeit und senkt die Temperatur. In Gebäuden, vor allem gut abgedichteten Neubauten, die ohnehin ein Problem mit zu hoher Luftfeuchtigkeit haben, sollte man sie eher nicht oder nur mit geöffnetem Fenster nutzen, was wiederum bei hohen Außentemperaturen den kühlenden Effekt ad absurdum führt. In derartigen Umgebungen kann ein Luftentfeuchter (Ratgeber) oder eine Split- beziehungsweise Monoblockklimaanlage helfen.

Andersherum gibt es jedoch auch viele Räume, die unter einer zu geringen Luftfeuchtigkeit leiden. Hier kann ein Verdunstungskühler zu einem gesunden Raumklima beitragen. Messen kann man die aktuelle Raumluftfeuchtigkeit unter anderem mit einigen Heizkörperthermostaten (Bestenliste), einer Wetterstation (Netatmo Testbericht) oder entsprechenden Smart-Home-Sensoren zum Beispiel von Samsung Smartthings (Testbericht). In Innenräumen soll die optimale Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent pendeln. Liegt sie darunter, kann das dem Wohlbefinden schaden, liegt sie deutlich darüber, besteht die Gefahr von Schimmelbildung.

Verdunstungskühler sind günstig und vergleichsweise mobil. Sie benötigen keine feste Installation wie etwa Split-Klimaanlagen und auch keinen nach außen führenden Schlauch für die Abluft wie Monoblockklimaanlagen (Kaufberatung). Meist gibt es eine Schale für das Wasser, welches abgepumpt und zerstäubt vor einen Ventilator gesprüht wird. Dieser verteilt es im Raum.

Der kühlende Effekt ist messbar. Wir positionieren einen digitalen Temperaturfühler in einem halben Meter Abstand vor drei verschiedenen Verdunstungskühler: dem leistungsstarken Honeywell CS10XE, dem Sichler 3in1-WLAN-Luftkühler LW-480.wlan und dem Sichler WLAN-Stand-Sprühnebel-Ventilator VT-480.app. Die folgenden Werte sind bei den drei Geräten vergleichbar, exemplarisch beschränken wir uns auf den Honeywell CS10XE.

Honeywell CS10XE (12 Bilder)

Bei ausgeschaltetem Luftkühler messen wir 24,1 Grad, schalten wir die Ventilationsfunktion hinzu, senkt sich die Temperatur nach 30 Minuten auf 23,4 Grad. Aktivieren wir nun die Kühlfunktion, also den Sprühnebler mit Verdunstungseffekt, reduziert sich die Temperatur auf 20,4 Grad. Diese 3 Grad im Vergleich zur reinen Ventilation sind deutlich spürbar. Man hat sofort das Gefühl einer erfrischenden und kühlenden Brise. Das funktioniert nicht nur in Räumen, sondern auch auf Balkonen oder Terrassen. Hier sollte man dann aber auf ein Gerät mit ausreichender Leistung setzten.

Im zweiten Test wollen wir wissen, wie stark ein Verdunstungskühler einen etwa 20 Quadratmeter großen, geschlossenen Raum herunterkühlt. Hier ist der Kühlungseffekt schon weit weniger deutlich. Keines der Geräte schaffte es, die Temperatur des Raumes nach einer Stunde Kühlung um mehr als ein Grad zu senken. Nach zwei bis drei Stunden setzte gar ein gegenteiliger Effekt ein. Die Temperatur stieg wieder leicht. Vor allem fühlte man sich dort wie in der Sauna. Die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass die empfundene Temperatur deutlich höher als die eigentliche Temperatur ist. Für die tatsächliche Raumkühlung sind Verdunstungskühler, egal welcher Preisklasse, ungeeignet. Schließlich handelt es sich im Raum weitestgehend um ein geschlossenes System. Soll die Temperatur nachhaltig sinken, muss eine Klimaanlage mit Abluftschlauch her. Es kann jedoch helfen, wenn man Eiswürfel oder Kühl-Packs ins Wasser legt.

Die Verdunstungskühler sollten regelmäßig gereinigt werden. Zum einen können sich im Wasserbehälter Bakterien bilden, die von dort über den Ventilator in der Luft verteilen. Wenn man an der von Wasser bedeckten Innenseite des Tanks einen Biofilm spürt, ist dringend eine Reinigung durchzuführen. Außerdem sollte man in Gebieten mit hartem Wasser die Geräte regelmäßig von Kalk befreien. Sowohl gegen Bakterien als auch gegen Kalk hilft eine regelmäßige Reinigung mit etwas Essig. Einige Nutzer setzen dem Wasser gar grundsätzlich Essig bei.

Verdunstungskühler sind günstig, die ersten Modelle kosten unter 20 Euro. Meist nutzen sie zur Stromversorgung einen USB-Port, wodurch sich die kleinen Erfrischer vor allem für den Schreibtisch anbieten. In ihnen steht ein nasses Pad in einem Wasserbehälter, an dem ein Ventilator einen Luftstrom vorbeileitet. Die Flüssigkeit verdampft und kühlt die Luft etwas ab.

In den meisten Fällen bieten sie mehrere Geschwindigkeiten. Die niedrigste sollte leise genug sein, um es in sehr heißen Nächten im Schlafzimmer auf dem Nachttisch laufen zu lassen, ohne dass es den Schlaf stört.

Standventilatoren mit Luftkühler fangen bei etwa 65 Euro an, können aber auch über 200 Euro kosten. Exemplarisch haben wir uns den Sichler WLAN-Stand-Sprühnebel-Ventilator VT-480.app angeschaut, er kostet bei Pearl knapp 150 Euro. Sie haben gegenüber den Turmventilatoren mit Kühlfunktion einen großen Vorteil: sie sind in der Regel im Betrieb ruhiger. Das können wir im Test bestätigen, auf der niedrigsten Stufe schaufelt der Ventilator nur sehr leise surrend Luft durch den Raum. Schaltet man die Befeuchtungsfunktion hinzu, wird es etwas lauter. Trotzdem gehört der Sichler VT-480.app zu den leisten Luftkühlern. Mit aktivierter Befeuchtungsfunktion tritt mittig vor dem Ventilator zerstäubtes Wasser aus und verteilt sich im Raum. Dies ist als Nebel deutlich sichtbar und ein ziemlich cooler Effekt.

Sichler VT-480.app (9 Bilder)

Optisch ist der Sichler VT-480.app gewöhnungsbedürftig, Kollegen vergleichen ihn mit einem Roboter aus der Star-Wars-Persiflage Space Balls. Sein Fuß ist unförmig knubbelig, er erinnert etwas an einen übergroßen Wassertropfen. Die Sprühnebelvorrichtung mitsamt schwarzem Schlauch wirkt wie eine sehr trashige Kopie der Darth-Vader-Maske. Elegant ist anders.

Der Sichler VT-480.app klinkt sich auf Wunsch ins heimische WLAN ein, hat eine eigene App und reagiert auf Alexa- und Siri-Sprachbefehle. Sein Ventilatorkopf hat einen Durchmesser von 40 Zentimeter, kleiner sollte er auch nicht sein, da sonst die Geräuschentwicklung zunimmt. Auf Wunsch dreht er sich automatisch im 90-Grad-Winkel horizontal hin und her. Beim Kauf sollte man auf diese Funktion achten, da sich so die kühle Luft besser im Raum verteilt. Sein Wassertank fasst knapp vier Liter. Wir empfehlen kein Gerät mit einem deutlich kleineren Tank zu kaufen, da er sonst zu häufig nachgefüllt werden muss.

Die meisten großen Verdunstungskühler kommen ähnlich einem Turmventilator in einem Kunststoffkasten. Dadurch sind sie kompakter als die oben besprochenen Ventilatoren mit Luftkühler, aber auch lauter. Wir haben uns den Honeywell CS10XE und den Sichler 3in1-WLAN-Luftkühler LW-480.wlan angeschaut.

Sichler LW-480.wlan (8 Bilder)

Der Honeywell macht vieles richtig. Er ist mit 100 Watt recht stark, hat einen großen Zehn-Liter-Wassertank, oszilliert die Luft im 90-Grad-Winkel und kommt mit einem Ionisator zu Verbesserung der Luftqualität. Dennoch hat er zwei große Nachteile. Zum einen bringt er keine Smart-Features mit. Bei seinem Preis hätten wir uns gewünscht, dass wir ihn über Sprachbefehle steuern können. Fehlanzeige. Der zweite und deutlich wichtigere Punkt: Der Honeywell CS10XE ist selbst auf der niedrigsten Stufe richtig laut. Neben ihm zu schlafen, wird für viele nicht möglich sein. Selbst beim Fernsehen stört das surrende Geräusch.

Der etwas kleinere Sichler LW-480.wlan ist mit 65 Watt leistungsschwächer, aber leiser. Wenn auch nicht so leise wie ein Ventilator mit Kühlfunktion. Sein Tank fasst vier Liter, ein Ionisator soll die Luft reinigen, die Swing-Funktion reicht bis 60 Grad. Im Gegensatz zum teuren Honeywell CS10XE hört er auf Alexa und Siri, außerdem kommt er mit einer eigenen App.

Auch sehr günstige Verdunstungskühler bringen etwas – wenn man denn direkt davorsitzt, egal ob in geschlossen Räumen oder auf Balkon und Terrasse. Die verdunstende Flüssigkeit sorgt an besonders heißen Tagen für deutlich mehr Abkühlung, als es ein Ventilator ohne Wasserzerstäuber könnte. Allerdings sind die Verdunstungskühler ungeeignet, um die gesamte Raumtemperatur herabzusetzen. Hier müssten dann echte Monoblockklimaanlagen (Kaufberatung) her.

Wer einen Verdunstungskühler etwa im Büro nutzen will, könnte mit einem Tischventilator mit Kühlfunktion glücklich werden, gerade weil ihr Kaufpreis mit häufig unter 20 Euro sehr gering ist. Soll eine große Lösung her, sind die Turmverdunstungskühler zwar meist schicker, aber leider auch deutlich lauter als Ventilatoren mit Wasserzerstäuber. In beiden Kategorien muss man mit einem Einsatz von mindestens 50 Euro rechnen.

Im Ratgeber Klimaanlagen-Grundlagen: So viel kostet gute Raumkühlung zeigen wir, welche Möglichkeiten es sonst noch gibt, die Temperatur im Raum zu senken.

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