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So geht's: Wie WLAN-Repeater die Reichweite vergrößern

Bild: Harald Karcher

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WLAN-Funklöcher sind nervig. WLAN-Repeater oder teure WiFi-Mesh-Systeme versprechen Abhilfe zu Preisen von 15 bis 150 Euro. Wo liegen die Unterschiede?

WLAN ist eine feine Sache, sofern die Funkverbindung gut ist. Befinden sich die Endgeräte im gleichen Zimmer – mit Sichtlinie zum Router – sind sie meist mit ausreichender Qualität verbunden. Doch schon im Zimmer nebenan bricht die Geschwindigkeit ein, Youtube und Netflix ruckeln, bis die Verbindung ganz abreißt.

Mehr WLAN heißt die Lösung. Am besten erweitert man das eigene Netz mit einem Kabel zum nächsten Access Point. Das ist die günstigste und zuverlässigste Variante, aber nicht jeder kann und will LAN-Strippen durch die Wohnung ziehen. Wie geht es kabellos?

Derzeit existieren zwei funkbasierte Produktgattungen zur drahtlosen Erweiterung des WLAN-Netzes: WIFI-Repeater und WIFI-Mesh-Points. Die Übergänge zwischen guten WLAN-Repeatern und Mesh-Systemen sind fließend. Die älteren und bekannteren Funk-Verlängerungsstationen, die Repeater, brachten anfangs keinen allzu großen Effekt, außerdem ließen sie sich nur umständlich installieren. Heute sind die meisten Geräte aufgrund von WPS leicht einzurichten und bringen wirklich etwas.

WLAN-Repeater – auch als WIFI Range Extender bekannt – nehmen das Funksignal des WLAN-Routers in einiger Distanz auf und senden es erneut aus. Entfernter liegenden Clients liegen so wieder im Empfangsbereich. Es bietet sich an, den Repeater auf halber Strecke zwischen Router und Endgerät zu installieren. Die großen Preisunterschiede sind in der Anzahl der Funk-Bänder begründet, die das Gerät bietet: Es gibt Single-, Dual- und Tri-Band-Repeater. Faustregel: Mit der Anzahl der Funk-Bänder steigt der Preis.

Single-Band-Repeater funken nur auf einem WLAN-Band, in der Regel bei 2,4 GHz. Damit müssen sie zwei Strecken gleichzeitig bedienen: in Richtung WLAN-Router und in Richtung WLAN-User. Weil sie das Band zu diesem Zwecke teilen müssen, halbiert sich die Geschwindigkeit zwischen Access-Point und Endgerät. Das muss nicht schlimm sein: Wenn der Router eine Netto-Geschwindigkeit von 100 Mbps hinausschickt und hinter dem Repeater dann immer noch 30 bis 50 Mbps ankommen, reicht das für die meisten Anwendungen inklusive Video-Streaming aus.

Dual-Band-Repeater funken auf zwei WLAN-Bändern: 2,4 und 5 GHz. Die Geschwindigkeitsverluste sind geringer als bei Single-Band-Repeatern. Wann welches Band genau zum Einsatz kommt, legt das System meist selber fest: Dazu schreibt AVM: „Dank Crossband Repeating wählen die Fritz!WLAN Repeater 1750E, 1160 und DVB-C für alle Geräte im drahtlosen Heimnetz automatisch die beste und schnellste Verbindung.“

Bild: AVM Im Haus verteilte WLAN-Repeater sorgen für besseren Empfang. Die Geschwindigkeit kann sich dadurch aber reduzieren.

Tri-Band-Repeater nutzen drei Funk-Bänder: Meist dient das obere 5-GHz-Band exklusiv der Koppelung zwischen WLAN-Router und WLAN-Repeater. Das untere 5-GHz-Band sowie das 2,4 GHz-Band stehen damit komplett für WLAN-Endgeräte zur Verfügung. Tri-Band ist stabilste, schnellste und teuerste Repeater-Architektur.

In den folgenden Tagen zeigen wir, wie gut sich Repeater zwischen 15 und 150 Euro schlagen. Eines vorab: Selbst der günstigste Repeater im Test, der Belkin N300, sorgte für guten WLAN-Empfang.

Die meisten WLAN-Repeater sind kompatibel zu den meisten WLAN-Routern weltweit. Das heißt, man kann Geräte verschiedener Hersteller fast beliebig mischen. Große Unterschiede zeigen sich in der Bediener-Software. Zudem gilt die komplette Technologie als veraltet, da derzeit viele Hersteller ihre WLAN-Mesh-Systeme in den Markt drücken.

Tatsächlich sind die Übergänge zwischen alten WLAN-Repeatern und neuen WiFi-Mesh-Systemen fließend. AVM zum Beispiel hat seinen Fritz!WLAN Repeater 1750E, der schon seit Jahren auf dem Markt ist, im Jahr 2017 über Software-Updates mit so genannten Mesh-Komfort-Funktionen angereichert. Nutzer können demnach ihre Hardware aus den letzten Jahren weiter nutzen: Sie erhalten den Mesh-Komfort – wie etwa Single-SSID – gratis per Firmware-Update aus dem Internet.

Die jüngeren Funk-Verlängerungsstationen sind Mesh-Systeme. Sie ersetzen üblicherweise den Router beziehungsweise Access Point; dazu gibt es Funk-Stationen, die im Haus verteilt überall WLAN bereit stellen. Mesh ist allerdings erheblich teurer als herkömmliche WLAN-Repeater, oft gibt es dafür aber mehr Komfort und Reichweite. Hersteller bieten die Systeme mit Dual-Band- oder Tri-Band-Stationen an, Single-Band gibt es nicht. Ein Netgear Orbi RBK50 Tri-Band-Pärchen war Ende Januar 2018 für knapp 400 Euro zu erhalten, umgerechnet also 200 Euro pro Mesh-Point zusätzlich zum DSL-Router.

Bild: Netgear Mesh-Systeme bieten die höchstmögliche Geschwindigkeit.

Einen großen Unterschied gibt es noch im Bereich Single-SSID, also den einheitlichen Netzwerknamen über alle Access-Points hinweg. Andere WLAN-Systeme haben oft den Nachteil, dass mit jedem weiteren WLAN-Repeater ein weiterer Netzwerk-Name (SSID) im Heim des Nutzers erscheint und Anwender sich je nach Standort händisch von einer Funkzelle zur nächsten einloggen müssen. Netgear bietet jedoch ein Orbi-Mesh-System für Firmen an, das gleich ab Werk mit drei SSIDs ausgestattet. Denn manche Anwender wünschten keine Single-SSID.

Da jeder Hersteller Mesh unterschiedlich definiert, sind die Systeme verschiedener Hersteller nicht untereinander kompatibel. Die meisten Systeme aus den USA haben beispielsweise kein DSL-Modem integriert. Sie können eine vorhandene Fritzbox oder einen Telekom-Speedport nicht komplett ersetzen. Viele Produkte ließen außerdem anfangs nur mithilfe einer Smartphone-App installieren und verwalten. Inzwischen haben einige Mesh-Hersteller nachgebessert und erlauben die Konfiguration auch mittels Web-Interface.

Belkin N300 Range Extender (F9K1015)

Belkin N300

AVM FRITZ!WLAN Repeater 1750E (20002686)

AVM WLAN Repeater 1750E

AVM FRITZ!Box 7490 (20002584/20002585)

AVM FRITZ!Box 7490

AVM FRITZ!Box 7590 (20002784)

AVM FRITZ!Box 7590

Netgear Orbi RBK50 Router und Satellit Set (RBK50-100PES/RBK50-100UKS)

Netgear Orbi RBK50

Ob Anwender nun WLAN-Repeater nutzen oder Mesh-Systeme einrichten sollten, lässt sich kaum allgemeingültig beantworten. Für sehr große Wohnungen, Häuser und Villen bietet ein teures Mesh-System Vorteile im Vergleich zu WLAN-Repeatern. Die hochpreisigsten Produkte, etwa das Netgear Orbi RBK50 AC300, bieten in unseren Vergleichstests ein bisschen mehr Reichweite als ein guter WLAN-Repeater von AVM (1750E) zu einem Preis von rund 75 Euro. Doch der bereits in die Jahre gekommene AVM-Repeater lässt sich mit einer Fritzbox 7490 oder 7590 so verbinden, dass beide nur eine einzige SSID ausstrahlen. Der alte AVM-Repeater bietet also eigentlich längst Mesh-Komfort zum günstigen Preis.

Außerdem haben wir einen 15 Euro teuren Repeater von Belkin getestet. Dieser hat nach Kopplung mit der Fritzbox 7590 zwar eine andere SSID als die 7590 ausgestrahlt, aber das zum Testen verwendete Handy LG V30 hat sich bei Wanderungen vom Dachgeschoss in den Keller eigenständig die jeweils günstigere Funkzelle heraus gesucht. Ein manueller Wechsel war nicht notwendig. Die Unterschiede zwischen bewährten WLAN-Repeatern und modernen WiFi-Mesh-Systemen sind also gar nicht so dramatisch.

AVM Fritz WLAN Repeater 310 im Test: günstig und gut

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