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Smartwatches bis 50 Euro: Was sie können – und was nicht

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Uhren mit Farbdisplay und Smartphone-Anbindung kosten zwischen 15 und 900 Euro. Wir erklären, was die billigen Smartwatches können und was sie von teuren Modellen unterscheidet.

Eine der Grundfunktionen, mit der sich Smartwatches von klassischen Uhren unterscheiden, ist das Anzeigen von Smartphone-Inhalten, wie Nachrichten, Kalendereinträgen oder eingehenden Anrufen. Damit dies funktioniert müssen die Geräte zueinander kompatibel sein. Statt der dedizierten Smartwatch-Betriebssysteme von Samsung, Apple oder Google kommt auf den meisten Billig-Smartwatches ein proprietäres OS in Kombination mit einer App zum Einsatz. Zwar funktionieren diese meistens sowohl mit iOS wie mit Android, auf Grund der restriktiven Einschränkungen von Apple ist die Nutzung mit dem iPhone allerdings stark eingeschränkt und wenig praktikabel.

Unter Android klappt das Anzeigen von Terminen, Anrufen oder eigehenden Nachrichten erfreulich gut, zumindest bei unserem Testgerät, einer Alcatel/TCM MT10G. Neben SMS zeigt die Uhr beispielsweise die Nachrichten von Threema, Messenger, Whatsapp, Skype, Instagram und Gmail an. Benachrichtigungen von Dropbox, Spotify, Amazon Shopping, Ebay, Telegram, Facebook und Youtube landen ebenfalls zuverlässig auf der Smartwatch. Hier macht das Modell von Alcatel/TCM eine gute Figur und kann mit den Marken-Smartwatches mithalten. Bei vielen billigen Modellen sind die Nachrichten allerdings auf SMS, Messenger und Emails beschränkt. Die Texte der Nachrichten werden zwar angezeigt, angehängte Fotos hingegen nicht. Das Beantworten von Nachrichten ist per Smartwatch meist nicht möglich.

Die günstige Alcatel MT10G (links) neben der Huawei Watch GT (rechts).

Wer die Uhr für seine sportlichen Aktivitäten nutzt, möchte Funktionen wie Schrittzähler, GPS-Tracking, Herzfrequenz-Sensor und Musikwiedergabe nutzen. Das Steuern der Musikwiedergabe auf dem Smartphone klappt immerhin mit den meisten günstigen Uhren. Bei günstigen Smartwatches muss der Nutzer Abstriche machen. Zwar haben in der Preiskategorie unter 50 Euro fast alle Modelle einen Schrittzähler, GPS oder einen eigenen Speicher für Musik sucht man allerdings vergeblich. Wir haben für diesen Text ein Modell mit GPS-Modul gefunden, dieses ist aufgrund seiner Bauform und des genutzten schwarz-weiß-Displays eher als Fitnesstracker und nicht als Smartwatch einzuschätzen. Wer einen Begleiter für den Sport sucht, der ist mit einer Fitness-Uhr besser beraten. In unserem Vergleichstest „Sechs Sportuhren im Vergleich: Das können Garmin, Fitbit & Co“ stellen wir passende Geräte vor.

Die Alcatel/TCM MT10G hat einen Herzfrequenz-Sensor verbaut – eine Ausnahme in dem Preissegment. Die Messergebnisse stimmen annähernd mit den Ergebnissen von teuren Smartwatches überein. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn die Uhr sehr eng am Handgelenk anliegt. Bei locker getragenen Armbändern misslingt die Messung – anders als bei beispielsweise der Samsung Galaxy Watch (Testbericht). Das Auswerten von gelaufenen Schritten oder gemessenem Puls klappt sowohl an der Smartwatch wie am Smartphone.

Auf Wunsch löst die MT10G die Smartphone-Kamera aus. Das klingt praktisch, funktioniert in der Praxis allerdings mit einer deutlichen Verzögerung. Bei der Alcatel-Smartwatch vergehen zwischen dem Drücken des Auslösers auf dem Zifferblatt und der Aufnahme des Fotos mehrere Sekunden. So ist die Funktion in der Praxis schlicht unbrauchbar. Bei namenhaften Smartwatches, wie der Watch GT von Huawei, merkten wir im Test keine Verzögerung keine Verzögerung.

Die Bedienung der billigen Smartwatches ist ähnlich wie bei den teuren Markengeräten (Vergleichstest Smartwatches von 200 bis 2000 Euro), es gibt aber teilweise große Unterschiede. Während bei einer Apple Watch, Watch GT oder Galaxy Watch keinerlei Verzögerungen bei der Eingabe bemerkbar sind, hakt es bei den billigen Uhren regelmäßig.

Der Pulsmesser funktioniert nur, wenn die Uhr sehr ang am Handgelenk anliegt.

Zwar kann man bei der MT10G per Fingerzeig nach unten scrollen, einmal in Gang gesetzt, lässt sich der Vorgang allerdings nicht mehr aufhalten. Wer einmal schnell von Oben nach Unten wischt, muss warten, bis das Ende des Menüs erreicht ist. Wer nur ein paar Menüpunkte nach unten scrollen will, muss sehr behutsam über das Display streichen. Das gilt leider für alle billigen Smartwatches. Die verbauten Displays reagieren träge (manchmal gar nicht) und verfügen über eine deutlich geringe Auflösung. Die Watch GT hat eine Auflösung von 454 × 454. Bei billigen Uhren liegt diese zum Teil bei unter 100 × 100 Bildpunkten. Die meisten Modelle schaffen immerhin 240 × 240 Bildpunkte. Die MT10G ist mit ihren 400 × 400 Bildpunkten eine rühmliche Ausnahme im Preissegment unter 50 Euro. Die Helligkeit und Schwarzwerte können trotzdem nicht mit der von Markenuhren mithalten. Die getestete Alcatel-Uhr ist bei direkter Sonneneinstrahlung zwar noch ablesbar, mit der Brillanz einer Apple Watch oder einer Galaxy Watch ist das Display aber nicht vergleichbar.

Das Design der billigen Smartwatches ist bei den meisten Modellen ordentlich. Auf den ersten Blick sind Markenuhren und Billigheimer kaum voneinander zu unterscheiden.

Anders sieht es bei der Verarbeitung und der Haptik aus. Während das Echtlederarmband der Watch GT nach mehreren Wochen wie neu aussieht, sind bei der MT10G bereits nach zwei Tagen erste Abnutzungserscheinungen zu erkennen. Das geringe Gewicht und das Kunststoff-Display verstärken den billigen Eindruck. In Sachen Dichtigkeit sind die Unterschiede ebenfalls signifikant. Die meisten Marken-Smartwatches dürfen im Schwimmbad am Handgelenk bleiben – viele der billigen Uhren sind nicht einmal gegen Spritzwasser geschützt.

Das günstige Armband (schwarz) zeigt nach wenigen Tagen erste Abnutzungserscheinungen.

Zubehör, wie Panzerglasscheiben oder Hüllen für das Uhrengehäuse sucht man bei den Uhren bis 50 Euro vergeblich. Bei einigen Modellen, wie der MT10G, ist immerhin das Armband austauschbar.

Die Akkulaufzeit ist ein wichtiges Kriterium beim Kauf der Uhren. Während die Galaxy Watch etwa einmal pro Woche ans Ladegerät muss, hält der Akku bei günstigen Uhren gerade mal ein bis zwei Tage durch. Und das selbst bei moderater Benutzung. Wer die Helligkeit voll aufdreht, die Bluetooth- und die WLAN-Verbindung nutzt, muss günstige Smartwatches bereits nach 10 bis 12 Stunden nachladen. Kabelloses Aufladen ist im unteren Preissegment nicht möglich.

Nutzer von Uhren mit den Betriebssystemen Android Wear OS oder Samsungs Tizen können zusätzliche Apps installieren und zahlreiche unterschiedliche Zifferblatt-Designs (Skins) herunterladen. Bei den günstigen Uhren mit proprietären Betriebssystemen ist das nicht möglich. Zwar stehen hier mehrere Skins zur Verfügung, allerdings ist die Anzahl auf wenige unterschiedliche Designs beschränkt. Bei einigen Modellen, wie bei der MT10G, kann der Nutzer immerhin eigene Fotos im Hintergrund einblenden. Das ist im unteren Preissegment nicht selbstverständlich.

Firmwareupdates sind bei günstigen Smartwatches nicht selbstverständlich.

Während Markengeräte regelmäßig Software-Updates bekommen, ist dies bei günstigen Uhren nur bei wenigen Herstellern, wie beispielsweise Alcatel, der Fall. Bei der MT10G zeigt sich im Test allerdings ein anders Problem. Bei Erhalt der Uhr ist die für das Smartphone notwendige Android-App nicht im Google-Playstore verfügbar. Zum Glück haben wir die Uhr bei einem deutschen Händler bestellt. Dieser schickt uns nach der Anfrage die App per Email. Auf die Anfrage beim Hersteller haben wir übrigens lediglich eine Standardantwort mit der Bitte um Geduld bekommen.

Technaxx TrendGeek TG-SW1 schwarz

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Alcatel Move Time MT10G silber mit Lederarmband schwarz

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Smartwatches der untersten Preisklasse ähneln ihren teuren Pendants optisch, sind aber bei weitem nicht so leistungsfähig. Wer auf seinem Zifferblatt eingehende Anrufe oder Nachrichten ablesen will, kommt mit günstigen Modellen bis 50 Euro aus – vorausgesetzt man nutzt ein Android Smartphone. Für Nutzer des iPhones ist der Funktionsumfang zu sehr eingeschränkt – das ist allerdings bei teuren Smartwatches, mit Ausnahme der Apple Watch, ebenfalls so. Für die Verwendung mit dem Apple-Smartphone ist letztlich nur die Apple-Watch-Serie empfehlenswert.

Die Bedienung von günstigen Smartwatches ist intuitiv und ähnlich zu teuren Modellen – allerdings deutlich weniger flüssig. Qualitätsunterschiede bemerkt man bei den verwendeten Materialien, dem Display und insbesondere bei der Akkulaufzeit.

Wer sich eine zuverlässige Herzfrequenzmessung, ein GPS-Modul oder einen Musikplayer wünscht, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen und sich eine Uhr wie die Samsung Galaxy Watch (Testbericht) oder die Huawei Watch GT (Testbericht) zulegen. Unzählige Zifferblatt-Designs und installierbare Apps sind ebenfalls nur im gehobenen Preissegment zu finden.

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