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Smarter Grillen: Thermometer mit Bluetooth und WLAN

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Mit Thermometern hebt man sein Können am Grill auf die nächste Stufe. TechStage probiert billige und teure Geräte mit WLAN und Bluetooth aus und erklärt, worauf man achten sollte.

Die Grillsaison lockt. Wer sich an komplexeres Grillgut als Würstchen wagen möchte, der kommt früher oder später nicht um ein vernünftiges Thermometer herum. Gerade bei größeren Grillstücken, teuren Schnitten oder längeren Grill-Sessions stellt man damit sicher, dass die Kerntemperatur des Garstücks nicht zu hoch wird und zeitgleich hat man die Außentemperatur im Griff. Für diesen Ratgeber haben wir uns mehrere smarte Thermometer geholt, die die Temperaturen per Bluetooth oder WLAN ans Smartphone schicken. Die Idee: So hat man seine Grillstücke im Blick, ohne dass man direkt daneben stehen muss.

Wir zeigen in diesem Ratgeber, auf welche Punkte man achten muss, welche Techniken besser funktionieren und warum die Temperaturüberwachung so wichtig ist.

Low & Slow, das ist das Geheimnis für großartiges Fleisch vom Grill. Davon profitieren nicht nur Pulled Pork oder Lammkeule, sondern vor allem Geflügel. Ein ganzes Huhn auf einem entsprechenden Halter entwickelt bei mehreren Stunden um die 90 bis 120 Grad einen sensationellen Geschmack, eine knusprige Haut und ist einfach ein Genuss. Damit diese Methode funktioniert, muss der oder die am Grill aber wissen, was im Grillgut vor sich geht. Nur wenn das Fleisch eine gewisse Kerntemperatur erreicht kann man sichergehen, dass keine schädlichen Bakterien mehr im Fleisch sind.

Überwachtes BBQ: Mit Thermometern kann man Grillgut langsam und niedrig zuverlässig zur passenden Kerntemperatur garen.

Um die Anzahl der Bakterien zu verringern, gibt es mehrere Werte. Für die meisten Hobbyköche sind Temperatur und die Kochdauer wahrscheinlich am relevantesten. Beide lassen sich so ausbalancieren, dass man Grillstücke nicht zwingend bis zur Unkenntlichkeit zerkochen muss, damit sie sicher sind. Ein wichtiger Punkt ist die Quelle des Fleischs. Wer sich darauf verlassen kann, dass seine Kochstücke einen kurzen Weg haben und die Kühlkette immer korrekt eingehalten wurde, der kann etwas mehr experimentieren. Im Zweifel sollte man daher eher zu Grillgut vom Metzger greifen (der idealerweise selbst schlachten und so die Lieferketten kurz halten sollte). Wer seiner Quelle vertraut, der muss beispielsweise auch Schweinefleisch nicht komplett grau durchkochen, sondern kann es ebenfalls mit einem leichten rosa Schimmer servieren.

Sehr lesenswerte Informationen dazu bietet der dritte Band „Tiere & Pflanzen” der Modernist Cuisine. Wer aber keine 400 Euro für eine Kochbuchsammlung ausgeben möchte, der findet die Informationen in der günstigeren Modernist Cuisine at Home oder sollte in seiner lokalen Bücherei nachfragen, ob sie die Bücher im Verleih haben. Einen Auszug mit dem relevanten Kapitel gibt es bei Scientific American auf Englisch.

Bei den Kerntemperaturen gibt es mehrere Vorgaben, ein guter Anhaltspunkt ist die Liste der Webseite Kerntemperatur.org. Oft zitiert und in viele Geräte integriert sind die Vorgaben der amerikanischen Behörde FDA. Diese sind allerdings so ausgerichtet, dass sie die Mindestangabe dafür sind, wann Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchte garantiert nicht mehr schädlich sind. Steaks etwa sollten laut der Webseite mindestens 63 Grad Kerntemperatur erreichen. Das entspricht einem Well-Done-Steak, das nur wenige Leute anspricht. Hier kommt die Qualität und die Herkunft wieder ins Spiel. Wer seinem Fleischer traut, der kann problemlos sein Steak Rare (48 - 52 Grad Celsius) oder Medium (55 bis 59 Grad Celsius) zubereiten. Einzig bei Geflügel sollte man aufgrund der Salmonellengefahr auf Nummer sicher gehen und bei ganzen Hähnchen etwa eine Kerntemperatur um 80 Grad Celsius herum anstreben. Bei der Brust reicht eine Temperatur um die 75 Grad.

Je nachdem, was die Kerntemperatur sein soll, kann die Außentemperatur des Grills um 10 bis 40 Grad darüber liegen. Meist bewegt man sich zwischen 90 Grad und 125 Grad. Hat man die Zieltemperatur erreicht, kann man noch mal kurz hochfahren, um etwa die Haut des Hähnchens richtig knusprig zu bekommen. Ganze Hähnchen sind eins der Gerichte, die enorm von der langen Zeit bei niedriger Temperatur profitieren. Nach mehreren Stunden auf dem Griff bleibt das Fleisch saftig und fällt fast von selbst vom Knochen, wenn man die knusprige Haut aufschneidet.

Grillthermometer Apps (4 Bilder)

Die App zum NX6305 zeigt die Daten aller sechs Sensoren an - sofern sie eingesteckt sind.

Im Test hatten wir drei verschiedene Thermometer mit unterschiedlichen Konzepten. Das günstigste Gerät ist das Rosenstein & Söhne NX5561, das unter anderem von Pearl vertrieben wird. Es handelt sich um ein Grillthermometer mit einem ansteckbaren Sensor, WLAN und einem per USB aufladbarem Akku. Es kostet zum Testzeitpunkt rund 22 Euro. Das zweite Gerät kommt ebenfalls von Pearl und ist das Rosenstein & Söhne NX6305 Profi-Grillthermometer. Es bietet bis zu sechs verschiedene Anschlüsse für Temperatursonden, funkt mit der App per Bluetooth und kostet rund 40 Euro. Beide Geräte werden unter verschiedenen Namen auch anderswo verkauft. Das dritte Gerät ist der Meater (Testbericht), einem Sensor mit zwei Temperaturfühlern sowie einer Bluetooth-Verbindung zur App.

Die Thermometer im Praxistest.

Das günstige NX5561 fällt bereits beim Setup durch. Es war uns im Test mit mehreren Smartphones nicht möglich, das Gerät in unser Haus-WLAN einzubinden. Die zugehörige App war dermaßen instabil, dass sie bei der Übertragung der Zugangsdaten auf das Thermometer auf mehreren Handys komplett einfror und die Daten einfach nicht auf das Thermometer gelangen wollten. Hier also gleich eine Warnung vorweg: Bei günstigen Thermometern und WLAN-Apps, die ein Drittanbieter für alle Modelle baut, sollte man vorsichtig sein.

Das NX5561 bringt einen eigenen Akku mit, der per USB geladen wird.

Deutlich besser fuhren wir mit den Bluetooth-Modellen von Rosenstein & Söhne und dem Meater. Die Koppelung in den Apps war schnell erledigt, auch wenn das Thermometer von Rosenstein & Söhne offenbar in der App zunächst nicht den Zugriff auf die Standortdaten abgefragt hat. Das bedeutet, dass man zunächst selbst in die Rechte der Android-App wechseln und dort den Standort freigeben muss – andernfalls kann die App die Bluetooth-Funktion nicht nutzen. Ein nerviger Fehler. Wie es besser geht, zeigt die Meater-App, die den Sensor ohne Probleme fand.

Das NX6305 funkt Informationen von bis zu sechs Temperatursonden per Bluetooth zur App.

Das zeigt ein großes Problem dieser günstigen Geräte: Die meisten kommen vom gleichen Hersteller und werden für die jeweiligen Verkäufer mit einem anderen Namen und Gehäuse versehen. Um die Apps kümmert sich niemand, da verlässt man sich darauf, dass die Entwickler schon gute Arbeit leisten. In den meisten Fällen stimmt das, oft geht es aber schief.

Meater-App (22 Bilder)

Das Fleisch hat die gesetzte Temperatur erreicht.

Der Meater dagegen lies sich einfach einrichten. Für die größere Reichweite gibt es die Funktionen Meater Link und Meater Cloud. Erstere erlaubt es einem Smartphone, anderen Geräten den Status der Temperatur mitzuteilen. Sprich, wer ein altes Handy neben den Grill legt, kann von einem anderen Smartphone aus die Daten abfragen. Über die Meater Cloud geht das auch übers Internet von unterwegs. Die Funktion ist auch in den Meater Block integriert, der neben vier Meater-Thermometern ein WLAN-Modul für die Kommunikation mitbringt. Dafür legt man dann aber knapp 300 Euro hin.

Der Meater verfügt über zwei Temperatursonden und arbeitet komplett ohne Kabel.

Bei der Genauigkeit schneiden alle Geräte gut ab. Das günstigste WLAN-Thermometer ist etwas schneller als das Bluetooth-Pendant, das kann aber auch an der Platzierung liegen. Hier sollte es inzwischen keine größeren Abweichungen mehr geben.

Wem die fertigen Geräte nicht ausreichen, der kann mithilfe eines Raspberrry Pi oder eines Arduinos sein eigenes Thermometer bauen. Der Vorteil dieser Geräte ist nicht nur, dass man unglaublich flexibel ist und sich keine Gedanken um den Datenschutz machen muss. Da die kleinen Computer mehr Rechenpower haben als die meisten fertigen Thermometer kann man sie auch nutzen, um die Temperatur zu regeln.

Eins der wahrscheinlich ausgereiftesten und umfangreichsten Projekte in diesem Bereich ist WLAN Thermo. Das Thermometer gibt es in verschiedenen Ausführungen und mit Zubehör wie einem Lüfter oder einer Pitmaster-Steuerung. Es ist ein deutschsprachiges Projekt, entsprechend lassen sich Fragen im aktiven deutschen Forum stellen und Lösungen finden. Das Projekt ist definitiv einen Blick wert, gerade für Bastler, die mehr als nur Temperatur ablesen wollen. Wer auf die Steuerung verzichten kann, der bekommt ein fertiges WLAN Thermo Nano Lite (ohne Pitmaster-Steuerung) für 126 Euro, wer selbst baut und das Gehäuse selbst druckt (Ratgeber 3D Drucker), der zahlt weniger als 100 Euro.

Eine Alternative ist HeaterMeter. Statt eines einfachen Thermometers bekommt man eine „BBQ Plattform” an die sich mehrere Temperatursensoren anschließen lassen. Das Projekt hat ein umfangreiches Wiki und ein Forum für Rückfragen oder Bastelideen.

Wer sein Können an Grill und Herd aufs nächste Level heben möchte, der kommt um ein Thermometer nicht herum. Günstige Einstechthermometer sind dabei ein guter erster Start. Wer Grillstücke länger überwachen möchte, der sollte zu Geräten mit mindestens zwei Temperatursonden greifen. Denn neben der Kerntemperatur ist die Umgebungstemperatur ebenso wichtig. Günstige Geräte mit WLAN würden wir nicht empfehlen, im Test waren diese einfach zu zickig.

Fertig: Die Haut ist knusprig aber nicht verbrannt, das Fleisch im Inneren ist saftig und fällt vom Knochen. Alles mit minimalem Aufwand, nur Zeit braucht man.

Bluetooth ist besser, allerdings schlägt hier die Reichweitenbegrenzung oft zu. Meater löst das mit dem Meater Link sehr clever, ein altes Handy hat wahrscheinlich jeder irgendwo herumliegen. Ein anderer Vorteil des Meaters wurde in den Kommentaren zum ursprünglichen Test erwähnt: Ihn kann man problemlos mit Drehspießen einsetzen, da es kein Kabel gibt, das sich verheddern könnte.

Konkret würden wir folgende Empfehlung aussprechen: Wer weniger als 40 Euro ausgeben möchte, der sollte auf ein vernünftiges Markengerät gehen, etwa Rößle oder Weber, jemand, dem man bei einer problematischen App ansprechen kann. Wer mehr Geld in die Hand nimmt, kann zum Rosenstein & Söhne Profi-Grillthermometer oder dem Meater greifen.

Wer WLAN nutzen möchte und bereit ist, etwas in vernünftige Gerät zu investieren, dem empfehlen wir das WLAN Thermo. Die Geräte sind nicht nur reparierbar, sondern lassen sich dank unterschiedlicher Anschlüsse auch erweitern oder mit neuen Thermometern bestücken. Dazu kommt ein vernünftiges Web-Interface, das nicht auf billige Dritt-Apps setzt.

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