TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Smarte Indoor-Gärten: Gemüse & Kräuter im Haus züchten

von  // 

Smarte Pflanzkästen für Innenräume versprechen die einfache Zucht von Gemüse und Kräutern. Wir schaffen einen Überblick zu den aktuellen Modellen, ihren Stärken und Schwächen.

Sie versorgen Pflanzen automatisch mit Wasser, beschleunigen das Wachstum mit Licht und bereiten Daten in einer App auf – smarte Indoor-Gärten liefern frisches Grün das ganze Jahr. Und die intelligenten Pflanzkübel sorgen selbst im Keller für eine üppige Ernte. Wir haben drei Modelle ausprobiert und geben eine Übersicht, was man beim Indoor-Gärtnern erwarten darf.

Fast alle Kräuter- und Gemüsesorten wachsen saisonal und nur bei gutem Wetter. Die heimische Zucht beispielsweise von Tomaten lohnt entsprechend im Herbst oder Winter nicht. Diese Beschränkungen wollen Indoor-Gärten umgehen. Die kleinen Pflanzentöpfe sind als Blumentopf oder Blumenkasten von diversen Herstellern erhältlich und werben mit ganzjähriger Aufzucht von Gemüse und Kräutern.

Künstliches Licht, Wasser und Nährstoff reichen für Indoor-Gemüse

Dazu setzen die Systeme auf eine Kombination aus Licht, automatischer Wasserzufuhr und nährstoffreicher Pflanzballen. Über eine App sehen Heimgärtner den Status des wachsenden Grüns. Die heimische Aufzucht hat aber gerade bei den All-In-One-Produkten der Hersteller einen Nachteil – sie ist teuer. Die Pods genannten Pflanzballen verkaufen Bosch, Emsa, Prêt à Pousser & Co. wie Nespresso-Kapseln. Zwischen 3 und 10 Euro kosten eine Packung Gemüsesamen.

Die smarten Gärten sind schnell eingerichtet: Einmal aufgebaut, brauchen sie nur noch rund 1 bis 2 Liter Wasser im Tank und einen Stromanschluss für die LED – meist Vollspektrumlicht. Dann kommen die Gemüse-Kapseln in den Kasten und es geht los.

Bereits nach drei Tagen sprießen die ersten kleinen Pflänzchen. Erntereif sind die Pflanzen in der Regel in sechs bis acht Wochen. Bis zur Ernte wachsen die Pflanzen täglich rund 0,3 bis 0,5 Zentimeter. Wer dem Treiben folgt, sieht nach gut einer Woche schon erste erkennbare Konturen des eigenen Gemüses.

Den Click & Grow mussten wir zweimal bewässern, dann war das Basilikum erntereif

Aber nicht alle Modelle sind durchdacht. Während beispielsweise ein Klick & Grow von Emsa und ein Smartgrow von Bosch die Pflanzen nahezu perfekt aufziehen, sterben beim Lilo von Prêt à Pousser einige Pflanzen nach kurzer Zeit. Der Grund hierfür ist einfach: Der Lilo ist falsch geplant. Pro Pod sind drei Setzlinge in einer Reihe, ein bis zwei davon bekommen aber nicht genug Licht ab, da sie zu nahe aneinander sind und gehen ein.

Smarte Gärten sind nicht wegen ihrer App smart. Die kann nämlich in den meisten Fällen überhaupt nichts – zumindest war das bei unseren drei aktuellen Testobjekten so. Vielmehr bieten die Apps nur Informationen und Tipps. Ein Basilikum ist gepflanzt? Dann sagt die App, wann man mit dem ersten Grün rechnen darf und wann das Kraut erntereif ist. Mehr bieten die Apps nicht. Die Pflanzkübel lassen sich nicht via App an- und ausschalten, Informationen zum Wasserstand gibt es nicht.

Die Apps der smarten Gärten sind eher ein digitales Nachschlagwerk mit Tipps und Infos

Das ist schade, denn so kann man sich die App eigentlich auch komplett sparen. Einzig Bosch hat seiner App eine smarte Funktion gegönnt. Wenn die Pflanzen beim Smart Grow kurz vor der LED stehen, warnt die App. Dann muss ein Verlängerungsstab eingebaut werden, damit der Abstand zwischen Pflanze und LED wieder passt.

Modelle wie Click & Grow oder Prêt à Pousser haben einen Wassertank mit einem Schwimmer. Eine regulierte Wasserzufuhr pro Pod für optimales Pflanzenwachstum ist nicht möglich. Im Feldversuch mit dem Click & Grow lässt sich das Ergebnis aber dennoch sehen. Das gepflanzte Basilikum ist hervorragend gediehen. Bei Prêt à Pousser ist das Ergebnis deutlich schlechter. Hier scheint zu viel Wasser an die Pflanzen zu kommen. Bei unserem Testmodell schimmelt die Erde.

Schimmel weckt wenig Vertrauen für eine gesunde Ernährung

Die Produkte von Aero Garden und Bosch verfügen hingegen über eine Wasserpumpe. Diese führt je nach Pflanze die optimale Wassermenge hinzu. Tipp: Wer solch ein System nutzt, sollte nur Pflanzen einer Sorte setzen, sodass die Wasserzufuhr nicht durcheinanderkommt.

Smarte Indoor-Gärten benötigen zwischen 7 und 8 Watt Energie. Hochgerechnet auf ein gesamtes Jahr kosten die Pflanzgärten zwischen 7 und 10 Euro.

Beim Zubehör ist die Preisspanne deutlich höher. Pflanzkapseln der Hersteller liegen zwischen 3 und 10 Euro. Die teuersten Anbieter sind Click & Grow und Bosch. Bei Bosch kommen zudem im Zweifelsfall noch ordentlich Ausgaben hinzu, wenn Heimgärtner weitere Verlängerungsstäbe für den LED-Aufbau oder mehr Pflanzmöglichkeiten wollen. So liegt ein zusätzliches Distanzteil bei 20 Euro, ein größerer Einsatz bei 30 Euro. Diese Erweiterungsmöglichkeiten bieten die anderen Gärten nicht und werden nur für spezielle Sorten (etwa Tomaten) benötigt, sind aber dennoch einfach zu teuer.

Click&Grow 3

Click&Grow 3

(Kein Produktbild vorhanden)

Prêt à Pousser Lilo

Bosch Smartgrow 3

Bosch Smartgrow 3

AeroGrow

AeroGrow

Smarte Indoor-Gärten setzen sich aus LEDs, (halb-)automatischer Bewässerung und Pflanzkapseln zusammen. Sieht man mal von den wenig hilfreichen Apps ab, ist das der Gesamtumfang dieser Gärten.

Optisch ähnliche Modelle zum Lilo von Prêt à Pousser gibt es schon für unter 50 Euro

Hier haben wir uns die Frage gestellt, ob ein Eigenbau nicht günstiger ist. Die Funktionen der All-In-One-Produkte von 65 bis 150 Euro hier zum Vergleich in der Übersicht.

Ein guter Eigenbau setzt sich entsprechend aus einer LED und einer Pflanzschale mit Bewässerung zusammen. Vollspektrum-LEDs beginnen ab 20 Euro. Ein Blumentopf mit Bewässerung liegt bei rund 10 Euro. Zusammen mit einem Päckchen Samen für 2 bis 3 Euro kommen wir auf 33 Euro für den Eigenbau. Das sind gut 32 bis 67 Euro weniger als die Modelle von Click & Grow, Prêt a Pousser. Zum Bosch liegt der Preisunterschied sogar bei 117 Euro – im Vergleich verzichtet man hier beim Eigenbau aber auch auf die automatische Bewässerung.

Wem der selbstgebaute Indoor-Garten aber zu kompliziert ist, der bekommt auch einfache Sets für unter 50 Euro. Hier gibt es Kombinationen mit und ohne Wassertank.

(Kein Produktbild vorhanden)

Semai LED

Emsa Fresh Herbs Kräutertopf weiß (514244)

Emsa Kräutertopf

Romberg Style Boqube

Romberg Style Boqube

Romberg Mini Garten

Romberg Mini Garten

Shada Mini Grow

Shada Mini Grow

Indoor-Gärtnern ist eine tolle Sache für kleine Wohnungen und Menschen, die ganzjährig frisches Gemüse und Kräuter selbst anpflanzen wollen. Teure Markenprodukte zur Umsetzung des heimischen Gartens sind aber nicht notwendig. Ein Eigenbau kann zum gleichen Erfolg führen.

Zudem empfehlen wir immer Kosten, Zeit und Nutzen gegenzurechnen. Verbraucht ein Haushalt etwa mehrmals im Monat Salat oder Kräuter, hilft der Garten wenig. Denn selbst der eigens angepflanzte Basilikum braucht seine 6 bis 8 Wochen, bis er reif ist. Und kostet dann beispielsweise bei Click & Grow gleich 8 Euro für die Pods.

Ähnliche Produkte im Test

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige