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Smart-Home-Alarmanlagen selbst planen und einbauen

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Die Einbruchszahlen sind hoch, die dunkle Jahreszeit heizt das Thema weiter an. Eine Alarmanlage mit App-Steuerung soll die Wohnung oder das Haus absichern. Worauf muss man achten? Wie plant und montiert man den elektronischen Wachhund, und was passiert, wenn der Alarm losgeht?

Die offizielle Bezeichnung einer Alarmanlage ist Einbruchmeldeanlage (EMA). Genau das machen solche Systeme: Sie melden einen Einbruch, und zwar dann, wenn es eigentlich schon zu spät ist – wenn Fenster oder Türen aufgebrochen sind oder Personen im Inneren des Gebäudes Bewegungsmelder auslösen. Darum empfiehlt die Polizei, eher Fenster, Türen und Schlösser abzusichern, als eine Alarmanlage nachzurüsten. Sie halten die bösen Buben im Zweifelsfall gleich draußen.

Ob eine Alarmanlage abschreckt, weil das Entdeckungsrisiko höher ist, oder anlockt, weil es ja offensichtlich etwas zu holen gibt, ist umstritten. Die Entscheidung kann einem niemand abnehmen. Fakt ist, dass viele Versicherer dann Einbruchmeldeanlagen vorschreiben, wenn hohe Werte zu schützen sind.

Das Montieren der einzelnen Komponenten ist keine große Sache. Die Polizei rät allerdings davon ab, eine EMA selbst einzubauen, stattdessen sollte man besser auf einen ausgebildeten und zertifizierten Errichterbetrieb zurückgreifen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Durch das Nichtbeachten grundlegender Vorschriften ist zum einen die Fehlalarmquote von Selbstbauten erheblich höher, zum anderen löst das System unter Umständen aufgrund von Planungsfehlern nicht aus, wenn wirklich ein Einbruch stattfindet.

Tür- und Fenstersensoren mit Magnetkontakt kommen üblicherweise mit Klebepads und können ohne Schrauben befestigt werden.

Gelegentlich gibt es Sets, bestehend aus Alarmzentrale und dutzenden Tür- und Fensterkontakten samt Bewegungsmeldern für 100 bis 200 Euro. Damit kann man ganze Wohnungen oder Häuser absichern, doch wirklich zuverlässig sind Systeme in dieser Preisklasse unserer Erfahrung nach nicht. Einfache Komponenten und unverschlüsselte Übertragung stellen nicht sicher, dass Sensoren tatsächlich reagieren, ob der Batteriestatus ausreichend ist, ob es Störungen gibt und ob nicht böse Buben von außerhalb des Hauses die Zentrale deaktivieren.

Die Mittelklasse, und dazu gehören auch moderne Alarmanlagen mit App-Steuerung für iPhone und Android, sind zwar technisch oft nicht schlecht – allerdings kommt es stark auf die konkrete Konfiguration an, wie brauchbar sie sind, ob der Hersteller ausreichend Vorkehrungen gegen Hacker-Angriffe getroffen hat und ob sie fachgerecht montiert sind. Grundlagen der professionellen Alarmanlagen-Technik werden aber auch in dieser Klasse üblicherweise ignoriert, etwa die sogenannte Zwangsläufigkeit. Demnach muss technisch sicher gestellt sein, dass sich die EMA nur dann aktivieren lässt, wenn Türen und Fenster geschlossen sind, niemand anwesend ist und dass sich gesicherte Bereiche erst nach Entschärfen der Alarmanlage wieder betreten lassen. Die dafür nötigen Module, etwa elektronisch gesteuerte Zusatzschlösser für Türen oder Sensoren, die ein angelehntes von einem verriegelten Fenster unterscheiden können, sind vergleichsweise teuer und nur mit hohem Aufwand zu installieren. In der Mittelklasse, wo Komponenten für eine Wohnung oder ein Einfamilienhaus zwischen mehreren hundert und etwa ein bis zwei tausend Euro liegen, gibt es bei den meisten Systemen die entsprechenden Komponenten gar nicht.

Es kann eine Förderung geben, allerdings nur, wenn die Anlage von einem professionellen und zertifizierten Errichterbetrieb montiert wird. Für die Selbstmontage einer Alarmanlage gibt es keine Gelder vom Staat.

In den kommenden Wochen werden wir einige Alarmsysteme mit Internet-Anbindung und App-Steuerung testen. Dabei erfolgt sowohl das Programmieren der Anlage als auch das Schärfen und Entschärfen über eine App auf dem Smartphone, außerdem gibt es eine Push-Benachrichtigung im Alarmfall.

Alle Alarmanlagen mit App-Steuerung unterstützen die Einbindung von WLAN-Kameras, damit man im Alarmfall von unterwegs einen Blick ins Haus werfen kann.

Mit Blick auf die Sicherheit und die Fehlalarmsicherheit sind solche Systeme eigentlich nicht im Sinne der Polizei: Zum Einen öffnet die Internet-Anbindung auf einem neuen Weg eventuell Tür und Tor für digitale Angriffe inklusive der Möglichkeit, von einem anderen Ort festzustellen, ob jemand zu Hause ist oder nicht. Und zum anderen ist das Schalten der Alarmanlage mit dem Grundprinzip der Zwangsläufigkeit nicht zu vereinbaren – theoretisch ließe sich die Anlage ja auch vom Arbeitsplatz aktivieren, obwohl der Lebenspartner noch zu Hause ist. Das steigert die Gefahr für Fehlalarme.

Für technik-affine Nachrüster sind das aus unserer Sicht trotzdem die spannendsten Modelle, zumal die einzelnen Sensoren kabellos angebunden sind. So sind diese Systeme auch für die Nachrüstung in Häusern und Wohnungen geeignet, lassen sich beim Umzug spurlos wieder beseitigen – und ziehen bei Bedarf mit um.

Einen ersten Überblick über Modelle und Kosten zeigt der folgende Preisvergleich mit Starter-Sets unterschiedlicher Anbieter. Bei manchen Herstellern gibt es verschiedene Starter-Pakete mit unterschiedlicher Anzahl an Sensoren.

ABUS Smartvest Funk-Alarmzentrale, Set (FUAA35000A)

Abus Smartvest

ABUS Smartvest Funk-Alarmzentrale, Set (FUAA35210A)

Abus Smartvest

Bosch Sicherheit Starter-Paket, Set (8750000006)

Bosch

Lupus Electronics Lupusec XT1 Starter Pack (12017)

Lupus

Gigaset Elements Safety Starter Kit (L36851-H2500-B101)

Gigaset Elements

Gigaset Elements Alarm System M, Set (L36851-H2525-B101)

Gigaset Elements

Panasonic Home Safety Starter Kit, Set (KX-HN6011)

Panasonic

Somfy One (2401492)

Somfy

Hauptbestandteil einer Einbruchmeldeanlage ist die Alarmzentrale – quasi der Computer. Hier sammeln sich die Informationen der einzelnen Komponenten und anhand der Programmierung wird entschieden, was passiert.

Dazu kommen die Sensoren. Sie reagieren auf Bewegung (mit Infrarot- oder Radar-Meldern), auf Öffnung (Magnetkontakte für Türen und Fenster), auf Glasbruch (akustisch im Raum oder per Piezo-Melder auf der Scheibe), auf Erschütterung oder auf andere Gefahren wie Gas, Rauch oder Wasser. Sinnvoll ist außerdem ein Panik-Taster, etwa am Bett oder an der Haustür, über den Bewohner Hilfe rufen können. Allerdings sollte man dann auch sicherstellen, dass dieser Hilferuf auch von jemandem entgegengenommen wird.

Neben der Einbruchsmeldung unterstützten die meisten Smart-Home-Alarmsysteme auch Gefahrenmeldung, etwa mit Rauch- oder Wasserstandsmeldern.

Außerdem gibt es die Aktoren, dazu gehören Innen- und Außensirenen, bei Smart-Home-Alarmanlagen aber auch schaltbare Steckdosen und Leuchten. In vielen Fällen gehören noch Bedieneinheiten zu einer vollständigen Einbruchmeldeanlage – Zifferntastaturen oder RFID-Leser, die das Schärfen und Entschärfen der Alarmanlage ermöglichen, ohne dass die Zentrale erreichbar sein muss.

Leuchtmelder, die den Status zeigen (Scharf / Unscharf), sind zwar bei vielen günstigen Alarmanlagen vorgesehen, gehören aber eigentlich nicht in das System: Von außen sollte man nicht erkennen können, ob die Anlage aktiv ist oder nicht.

Am Beispiel der Abus Smartvest zeigt der folgende Preisvergleich eine Auswahl möglicher Komponenten. An dieser Stelle haben wir Abus gewählt, da die Auswahl der Zusatzmodule vergleichsweise groß ist. In den Einzeltests der verschiedenen Anlagen werden wir auf die Eigenheiten der Hersteller und der Module im Detail eingehen.

ABUS Smartvest FUBW35000A, Funk-Bewegungsmelder

Bewegungsmelder

ABUS Smartvest FUBE35000A, Funk-Fernbedienung

Fernbedienung

(Kein Produktbild vorhanden)

Funk-Bedienteil

ABUS Smartvest FUSG35000A, Funk-Sirene

Funk-Sirene

ABUS Smartvest FUMK35000A, Funk-Öffnungsmelder

Tür-/Fensterkontakt

(Kein Produktbild vorhanden)

Rauchmelder

ABUS Smartvest Funk-Wassermelder, Überflutungssensor (FUWM35000A)

Wassermelder

Eine Alarmanlage kann die Außenhaut eines Gebäudes überwachen. Dazu müssen Fenster und Türen lückenlos mit Öffnungskontakten versehen sein, außerdem sind Glasbruchmelder überall dort nötig, wo Einbrecher durch eine Scheibe ins Haus gelangen könnten. Die Alternative dazu ist die Fallenüberwachung. Dabei werden Bewegungsmelder geschickt an Orten platziert, an denen ungebetene Gäste vorbei müssen, etwa Flure, Eingangsbereiche oder Treppenhäuser.

Prinzipbedient ist die Außenhautüberwachung die teurere Variante: Es ist eine Vielzahl an Sensoren nötig, um Wohnungen oder Häuser rundherum abzusichern. Dafür erfasst die Anlage einen Einbruch in der Regel früher, nämlich bereits beim Öffnen von Tür oder Fenster und nicht erst dann, wenn ungebetene Gäste bereits im Haus sind. Auch Einbrecher wissen, dass die Polizei nicht in Sekundenschnelle vor der Tür steht – wer schon „drin“ ist, nimmt vielleicht noch schnell etwas mit, während er vielleicht nicht einsteigt, wenn der Alarm bereits beim Öffnen des Fensterflügels ertönt.

Bei Bewegungsmeldern (im Bild ein Modell von Somfy) ist die Beachtung der Montageanleitung besonders wichtig, um eine zuverlässige Alarmierung sicherzustellen. Der richtige Ort, aber auch Höhe und Winkel sind entscheidend.

Weit verbreitet ist auch die Kombination aus Außenhaut- und Fallenüberwachung. Da die Nachrüstung speziell von Glasbruchmeldern teuer und umständlich ist und sich akustische Glasbruchsensoren nicht in allen Fällen eignen, werden vor allem bei Selbstbau-Alarmanlagen gerne Öffnungskontakte an wichtigen Türen und Fenstern angebracht und um Bewegungsmelder ergänzt.

Wer Haustiere hat, kommt um die Außenhautüberwachung in den meisten Fällen nicht herum. Zwar gibt es auch Bewegungsmelder, die nicht auf Tiere reagieren sollen, hier kommt es aber stark auf die Montage, die Auswahl der Komponenten und die Größe der Tiere an – Laien sollten von solchen Experimenten lieber die Finger lassen, um Fehlalarme zu vermeiden.

Die Alarmzentrale gehört an einen Platz, der für Einbrecher nicht schnell zu erreichen ist. Vor allem billige Alarmanlagen haben Bedieneinheit, Code-Eingabe oder RFID-Leser und eventuell sogar eine Sirene in der Zentrale integriert, aber wird die Zentrale zerstört oder stromlos gemacht, geht die Alarmierung etwa per SMS, Internet (Push-Message) oder Telefon nicht weiter – die Investition ist dann nutzlos. Alarmzentralen sollten grundsätzlich über einen Pufferakku verfügen, der auch bei Stromausfall noch für Funktion sorgt. Erfolgt die Alarmierung neben einer Sirene auch über Telefon oder Internet, muss natürlich auch die Internet-Anbindung funktionieren – etwa über eine integrierte SIM-Karte (ausreichenden Empfang am Montageort prüfen) oder mit einer Notstromversorgung (USV) für DSL-Router und Telefonanlage.

Magnetkontakte werden oben mittig am Fenster- oder Türflügel platziert. Doppeltüren oder -fenster benötigen zwei Kontakte. Wer zwischen Gekippt und Geschlossen unterscheiden möchte, bringt einen zweiten Magnetkontakt unten seitlich am Rahmen an, allerdings: Gekippte Fenster sind für Einbrecher eine Einladung und kein Hindernis. Auf gekippte Fenster sollte man vor allem bei Abwesenheit grundsätzlich verzichten. Sinnvollerweise bringt man zusätzlich im Rahmen eine Feder an, die angelehnte Türen oder Fenster aufdrückt, damit die Alarmanlage nicht bei einem geschlossenen, aber nicht verriegelten Fenster von einem sicheren Zustand ausgehen kann.

Bei Bewegungsmeldern ist grundsätzlich die Montageanleitung zu beachten – aus ihr gehen Winkel und Montagehöhe sowie der überwachte Bereich hervor. Die Melder sollten nie auf Fenster gerichtet sein, sondern immer von Fenstern wegsehen – zum einen, um Fehlalarme durch Bewegung oder Tiere außerhalb des Hauses auszuschließen, zum andern, um nicht von außen absichtlich ausgelöst werden zu können.

Alarmsirenen im Inneren sorgen vor allem für Lärm und Stress. Davon können es gerne mehrere sein, die im Idealfall nicht leicht zu erreichen und zu zerstören sind. Auch Außensirenen sollten nicht erreichbar sein, generell empfehlen wir aber, mit der Montage von Alarmsirenen außen am Gebäude vorsichtig umzugehen: Man sollte sie erst anbringen, wenn die Anlage mehrere Monate fehlalarmfrei funktioniert hat, um Ärger mit den Nachbarn, der Polizei und den Behörden zu vermeiden. Grundsätzlich sollten Außensirenen natürlich gut zu sehen und zu hören sein, das rote Blink- oder Blitzlicht sollte in Richtung der Anfahrtstraße für Sicherheitsdienste oder Polizei ausgerichtet sein, damit der Tatort schnell gefunden wird.

Die meisten Alarmsysteme mit App-Steuerung unterstützen auch Smart-Home-Komponenten wie funkgesteuerte Steckdosen – damit kann man zum Beispiel beim Öffnen der Tür eine Stehlampe einschalten.

Darf meine Alarmanlage die Polizei anrufen? Klare Antwort: Nein. Auch, wenn viele und vor allem billige Alarmanlagen ein Telefonwahlgerät integriert haben und aufgesprochene Ansagen am Telefon wiedergeben können, sollte man auf keinen Fall und vor allem nicht ohne Rücksprache die 110 einprogrammieren. Spätestens beim wiederholten Fehlalarmfall kommt ansonsten eine Rechnung von den Behörden.

Und genau jetzt kommt das Problem: Was soll passieren, wenn die Alarmanlage losgeht? Will man die Nachbarn oder Verwandte einem potentiellen Einbrecher in die Hände schicken? Oder selbst auf Pirsch gehen, wenn man in der Nähe ist?

Der Idealfall sind professionelle Sicherheitsdienste, an die die Alarmanlage „aufgeschaltet“ wird. Anhand eines vorher vereinbarten Protokolls wird festgelegt, was im Alarmfall passiert. Üblicherweise versucht der Sicherheitsdienst zunächst, Bewohner zu erreichen. Schlägt das fehl, schickt er ein eigenes Einsatzfahrzeug zum Alarm-Ort und überprüft vor Ort, ob es Anzeichen für einen Einbruch oder Einbruchsversuch gibt, verständigt dann die Polizei und bewacht gegebenenfalls das Objekt, bis es – etwa mit aufgehebelter Tür – wieder gesichert ist.

Solche Sicherheitsdienste kosten natürlich Geld. Los geht's mit einer Grundgebühr ab etwa 10 Euro pro Monat zuzüglich Kosten für Einsätze. Unter dem Begriff „Alarmanlage aufschalten“ finden sich bei Google etliche regionale und überregional agierende Anbieter.

Damit eine Alarmanlage wirklich wirksam ist, sollte man nicht auf billigste Modelle zurückgreifen. Außerdem gibt es bei der Montage einiges zu beachten. Wer eine Alarmanlage tatsächlich selbst montieren möchte, sollte sich in die Materie einlesen – etwa im Alarmforum – und die Grundlagen beachten.

Außerdem sollte man sich schon vor dem Kauf der Komponenten überlegen, was im Alarmfall passieren soll. Greift man auf einen Sicherheitsdienst zurück, müssen Protokolle und Anlagen kompatibel sein.

Wir werden in den nächsten Wochen einige App-gesteuerte, sogenannte smarte Alarmsysteme testen und die Testberichte hier verlinken.

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