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Smart Heizen: Darauf sollte man beim Kauf achten

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Smartes Heizen schafft Komfort und spart Energie. Damit sinken die laufenden Heizkosten. Wir zeigen in dieser Kaufberatung, worauf man beim Kauf achten sollte.

Ist von smartem Heizen die Reden, meint man in den allermeisten Fällen Heizkörperthermostate mit App-Anschluss, welche die Alten, Manuellen ersetzen. Diese sitzen direkt am Heizkörper und regulieren dort die Temperatur. In der Vergangenheit haben wir derer viele getestet. Welcher das Beste ist, zeigen wir in der Top-10: Die besten smarten Heizkörperthermostate. Eine große Gegenüberstellung gibt es im Vergleichstest 2020: Die besten smarten Heizkörperthermostate. Alle Ratgeber und Einzeltests sammeln wir auf unserer Themenseite Smartes Heizen.

Neben den Heizkörperthermostaten am Heizkörper sind smarte Lösungen auch direkt an der Heizungsanlage oder an der Fußbodenheizung möglich. Allen gemein ist eine ortsunabhängige Steuerung via Smartphone und Sprachsteuerung über Alexa und/oder Google Assistant und/oder Siri. Häufig benötigen sie eine Bridge, verstehen sich mit Raumthermostaten sowie weiteren Smart-Home-Geräten und bieten spezielle Funktionen wie Geofencing. Diese Kaufberatung gibt einen Überblick.

Smarte Heizkörperthermostate können überall dort zum Einsatz kommen, wo in den Räumen klassische Heizkörper mit Drehregler, dem Thermostat, stehen. Dieses „dumme“ Thermostat kann nun „schlau“ gemacht werden. Das funktioniert in den allermeisten Fällen recht einfach. Dafür muss lediglich am besten mit einer Rohrzange oder einem Franzosen ein Schraubring gelöst, das alte Thermostat abgenommen und durch das neue ersetzt werden. Großes technisches Verständnis ist hierfür nicht nötig. Einen Wasserschaden muss ebenfalls niemand befürchten, da der Wasserkreislauf geschlossen bleibt. Nur zu viel Zeit sollten sich Installateure nicht lassen, da die Heizkörper ohne aufgeschraubtes Thermostat voll aufdrehen und sehr heiß werden können.

Tado Thermostat V3+ (11 Bilder)

Kompliziert wird es nur, wenn sich der Heizkörper beispielsweise hinter Blenden oder einer Einbauküche versteckt. Hier sollte man darauf achten, ein relativ kleines Heizkörperthermostat zu kaufen. Empfehlenswert sind die Thermostate Wiser Heat, Fritzdect 301 und Tado V3+ im Vorteil, da sie kleiner sind als Innogy, Homematic IP, Comet DECT, Bosch und Eve Thermo.

Die Thermostate von Tado bieten einem Bajonett-Verschluss, um sie zum einen einfacher an schwer zugänglichen Stellen zu installieren. Zum anderen lösen sie sich mit einem Handgriff vom Heizkörper, um zum Beispiel Batterien zu tauschen.

Hat man Zugang zur Heizungsanlage, wird es unübersichtlich. Das liegt schlicht daran, dass es unzählige Varianten gibt, darunter Thermen, Zentralheizungen oder Fernwärme. Mieter mit Zentralheizung haben keine Möglichkeit, dort smarte Erweiterungsboxen zu installieren und müssen sich auf die lokale Raumsteuerung beschränken. Hat man Zugang, schaltet sich die Erweiterungsbox direkt vor den Heizkessel und verbindet sich drahtlos oder kabelgebunden mit einem Wandthermostat.

Die Homematic-IP-Steuereinheit einer Fußbodenheizung.

Vor dem Kauf sollte man sich darüber im Klaren sein, ob die angepeilte Lösung die eigene Heizungsanlage unterstützt. Hat man keinen Exoten im Keller stehen, sollte das kein Problem sein. Tado behauptet in seinem Kompatibilitätsleitfaden zum Beispiel, fast alle Heizungsanlagen zu unterstützen. Eine derartige Liste stellen alle Anbieter etsprechender Lösungen bereit. Die App führt meist durch die Installation, die allerdings nicht mehr so simpel ist wie das Tauschen eines Thermostats. Im Zweifelsfall empfehlen wir, einen Fachinstallateur zu konsultieren.

Einmal installiert, funktionieren sie ähnlich wie ein smartes Heizkörperthermostat. Am besten und zuverlässigsten arbeiten die Erweiterungsboxen mit den Raumlösungen in Form eines Thermostats des gleichen Herstellers zusammen.

Für eine zentrale Steuerung kommunizieren die Thermostate meist über einen drahtlosen Verbindungsstandard mit einer Bridge, die entweder im WLAN oder direkt am Router hängt. Doch es gibt Ausnahmen. So kommuniziert Eve Thermo (Testbericht) via Bluetooth direkt mit Apple-Geräten, Android wird nicht unterstützt. Auf Wunsch gibt es auch eine Bluetooth-Bridge, genaueres hier. Mit ihr sind die Eve-Lösungen dauerhaft im Netz, so ist auch eine ortsunabhängige Steuerung etwa aus dem Büro möglich.

AVM Fritzdect 301 (22 Bilder)

Auch AVM Fritzdect 301 (Testbericht) und Comet DECT Thermostat (Testbericht) kommen im Starter-Pack ohne Bridge, verbinden sie sich doch über DECT direkt mit einer kompatiblen Fritzbox (7490, 7580 und 7590 im Vergleich). Eine Bridge ist hier schlicht nicht nötig, das spart Geld und ein zusätzliches Gerät, welches dauerhaft am Strom hängt – wenn man denn einen DECT-fähigen Router besitzt.

Die meisten anderen smarten Heizkörperthermostate nutzen ein proprietäres Funkprotokoll auf 868 MHz. Devolo (Testbericht) setzt auf Z-Wave und Wiser Heat (Testbericht) auf Zigbee. Dennoch benötigen diese zwingend ihre eigene Bridge. Denn Wiser Heat verbindet sich nicht mit der Zigbee-Bridge von Philips Hue (Testbericht Starter-Kit) oder einem Zigbee-fähigen Amazon Echo Plus 2 (Testbericht).

Die Bridges hängen meist per LAN-Kabel am Router. Einige wie die Bridge von Tado nutzt den USB-A-Port des Routers für die Stromversorgung, andere wie die Bridge von Bosch (Testbericht) benötigt das mitgelieferte USB-Netzteil. Bridges mit WLAN wie sie Wiser und Netatmo (Testbericht) bieten, haben den Vorteil, dass sie recht ortsunabhängig platziert werden können und keinen LAN-Port am Router blockieren.

Alle smarten Thermostate kommen mit einer App. Dort kann der Nutzer die aktuelle Solltemperatur bestimmen und Zeitpläne festlegen. Das funktioniert meist auch aus dem Mobilfunknetz, ist also ortsunabhängig. Einige Thermostate orientieren sich bei der Temperatureinstellung an der aktuellen Außentemperatur. Schaltet man sie im Sommer ab, drehen sie in regelmäßigen Abständen die Heizung auf und wieder zu, damit das Ventil, der Stift am Heizkörper, beweglich bleibt.

Bosch smartes Heizkörperthermostat (8 Bilder)

Alle smarten Heizkörperthermostate besitzen einen Temperaturfühler, die meisten protokollieren die Ist-Temperatur. Einige messen auch die Luftfeuchtigkeit und beziehen sie in die Statistik mit ein. Viele erfassen auf Wunsch einen plötzlichen Temperaturabfall wie er bei einem für das Lüften geöffnetem Fenster entsteht und drehen die Heizung ab. Klingt gut, funktioniert aber in der Praxis oft weniger gut als erhofft. In einigen Fällen mussten wir einen Eisbeutel auf der Heizkörperthermostat legen, um ein Abdrehen zu provozieren. Bei einer Fußbodenheizung ist so eine Automatik außerdem wegen deren Trägheit ohnehin nicht sinnvoll.

Einige Systeme wie Tado unterstützen Geofencing, beziehen also die Standortdaten der Bewohner mit ein. So dreht Tado die Heizkörper ab, wenn alle Bewohner außer Haus sind und wieder auf, wenn sie sich nähern. Andere verstehen komplexe Wenn-Dann-Routinen oder den Automatisierungsdienst IFTTT, der allerdings inzwischen kostenpflichtig ist.
Wer besonderen Wert auf Datensicherheit legt, sollte sich die Lösung von AVM und Eve ansehen. Dort lagern die Daten nicht in der Cloud, sondern auf dem Router, beziehungsweise in den Geräte selbst oder auf dem mobilen Endgerät.

Netatmo smartes Heizkörperthermostat – Screenshots (39 Bilder)

Im Grunde reagieren nach einer entsprechenden Einbindung alle Systeme auf Zuruf und machen so die Temperatursteuerung besonders komfortabel. Dabei kennen nur wenige wie etwa Tado Thermostat V3+ (Testbericht) und Netatmo (Testbericht) die drei großen Sprachassistenten von Google, Amazon und Apple. Alexa kennen fast alle, nicht jedoch Eve Thermo (Testbericht), welche nur auf Siri hört.

Die Systeme unterscheiden sich bezüglich ihres Funktionsumfangs und der Nutzbarkeit der App zum Teil massiv. Wir empfehlen für einen besseren Überblick unseren Vergleichstest 2020: Die besten smarten Heizkörperthermostate und anschließend die Lektüre der einzelnen Tests.

Die Thermostate nutzen zur Bestimmung der Raumtemperatur einen integrierten Fühler, der bauartbedingt stets sehr nah am Heizkörper sitzt. Bei vielen kann der Käufer über die App eine Offset-Temperatur einstellen, also stets ein paar Grad von der gemessenen Temperatur abziehen, um näher an der tatsächlichen Temperatur etwa in der Raummitte zu kommen. Eleganter und genauer ist das Verwenden eines Raumthermostats. Dieses hängt dann beispielsweise in der Nähe der Couch, wo die Wohlfühltemperatur erreicht werden soll. Die meisten Systeme bieten dafür ein eigenes Raumthermostat, aber nicht alle.

Wiser Heat (6 Bilder)

Überhaupt sollte man bei entsprechendem Nutzungsinteresse bei der Entscheidung für ein System darauf achten, dass es weitere dazu kompatible Smart-Home-Komponenten gibt. So hilft etwa ein Fensterkontakt dabei, zuverlässig bei geöffnetem Fenster die Heizung abzudrehen.

Die Preise der einzelnen Thermostate variieren von etwa 25 bis 70 Euro. In größeren Haushalten mit vielen Heizkörpern kann sich das zu beachtlichen Summen aufaddieren. Sehr günstig ist das Thermostat von Comet, gefolgt von Innogy. Etwas mehr müssen Käufer für die Temperaturregler Homematic IP, Bosch, Fritzdect 301 und Wiser auf den Tisch legen. Das teuerste System kommt von Tado. Hier ist zu beachten, dass bei Innogy nach zwölf Monaten und bei Tado V3+ von Anfang an für einige Funktionen Folgekosten in Form eines Abo-Modells anfallen.

Ein AVM Fritzdect 301 Thermostat (Testbericht) kostet etwa 45 Euro, das dazu kompatible Comet DECT Thermostat (Testbericht) aktuell nur gut 30 Euro. Sie verbinden sich direkt mit einer Fritzbox, eine zusätzliche Bridge gibt es nicht. Damit ist der Einstieg in die Smart-Heiz-Welt mit der AVM/Comet-Lösung verhältnismäßig günstig, sofern man bereits eine kompatible Fritzbox besitzt. Bosch smartes Heizkörperthermostat (Testbericht) will für sein Starter-Set bestehend aus zwei Thermostaten, einem Fensterkontakt und der Bridge 175 Euro.

Im Starter-Set von Homematic IP (Testbericht) finden Käufer neben einem Thermostat und dem Access Point außerdem einen optischen Fensterkontakt. Wer die Homematic-IP-Thermostate in sein bestehendes Homematic-System integrieren möchte, kann auf den Access Point verzichten und greift gleich zu den Einzelthermostaten, die etwa 50 Euro kosten.

Eve Thermo (Testbericht) kostet jeweils gut 60 Euro. Für Einrichtung und Betrieb ist ein iPhone, iPad oder Macbook nötig. Das Innogy Starter-Set ist mit 135 Euro für drei Thermostate und die Bridge im Vergleich zu den anderen fast schon ein Schnäppchen. Jedes Innogy Thermostat (Testbericht) kostet etwa 50 Euro. Innogy verkauft noch viele weitere kompatible Smart-Home-Komponenten. Achtung: Nach zwölf Monaten fallen Abogebühren an.

Das Tado Thermostat V3+ (Testbericht) kostet mit einem Thermostat und Bridge etwa 110 Euro. Bei Wiser Heat Thermostat (Testbericht) ist der Einstieg wegen der kostenintensiven WLAN-Bridge recht teuer. So kostet das Starter-Set mit zwei Thermostaten und der Bridge stolze 225 Euro. Jedes weitere Thermostat kostet 50 Euro.

Der Preis des Netatmo Starter-Sets (Testbericht) mit zwei Heizkörperthermostaten und der Bridge kostet etwa 160 Euro. Ein einzelnes Thermostat kostet zwischen 60 und 75 Euro. Damit sind sie zwar vergleichsweise teuer, allerdings gehören sie bezüglich der Hard- und Software zu den besten am Markt.
Das Devolo Home Control Smart Heizen 2.0 (Testbericht) mit zwei Heizkörperthermostaten, der Bridge und einem Raumthermostat kostet 140 Euro, jedes weitere Heizkörperthermostat ab 45 Euro. Mehr sollte man jedoch nicht zahlen, da eines der größten Kaufargumente für dieses System sein günstiger Preis ist.


Smartes Heizen ist vor allen eines: Ein kostspieliger Komfortgewinn. Denn wer kein Problem damit hat, regelmäßig an den Heizkörpern Hand anzulegen und die Temperatur anzupassen, kann sich die nicht unerheblichen Kosten für die Thermostate oder der Erweiterungsbox an der Heizungsanlage sparen. Alle die weniger diszipliniert sind oder sich ganz bewusst die tägliche Wanderung von Heizkörper zu Heizkörper sparen wollen, für die ist ein smartes Heizsystem eine echte Erleichterung. Ein „Alexa, dreht die Heizung auf“ geht wunderbar schnell von den Lippen.

Dennoch sollte man gerade zu Beginn genau darauf achten, für welches System man sich entscheidet. Zueinander kompatibel sind sie nur eingeschränkt. Auch die Preisunterschiede sind enorm, gerade wenn beispielsweise die Heizung eines kompletten Hauses smart werden soll. Wir empfehlen dafür unsere Top-10: Die besten smarten Heizkörperthermostate. Eine große Gegenüberstellung gibt es im Vergleichstest 2020: Die besten smarten Heizkörperthermostate. Alle Ratgeber und Einzeltests sammeln wir auf unserer Themenseite smartes Heizen. Wir bleiben an dem Thema dran und erweitern die Beiträge regelmäßig mit neuen Produkten.

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