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Sitze für Hoverboards: Elektro-Kart statt Balancing-Board

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Günstige Aufsätze machen aus selbst balancierenden Hoverboards ein spaßiges Elektrokart. Wir haben ausprobiert, wie gut das funktioniert.

Das Grundprinzip der Sitz-Aufsätze für Balance-Boards ist simpel: Sie bestehen aus einem Metallrahmen mit drehbar gelagertem Vorderrad, einer Sitzfläche und zwei Steuerhebeln. Zur Anpassung auf die Körpergröße des Fahrers ist der Rahmen in der Länge verstellbar. Unterhalb der Sitzfläche sind zwei mit den Hebeln verstellbare Auflageflächen verbaut. Diese liegen auf den Trittflächen des Hoverboards auf und werden per Gurt gesichert. Damit die Aufsätze auf praktisch jedes Balancing-Board passen, sind die Auflageflächen in der Länge verstellbar. Zum Steuern des Karts werden die Hebel entweder nach vorne gedrückt oder nach hinten gezogen – für das Balancing-Board ist das so, als würde der Fahrer sein Gewicht verlagern.

Dank des Aufsatzes wird gesessen, nicht gestanden.

Die meisten Hoverboard-Sitze kommen als Bausatz zum Kunden. Der Zusammenbau der Einzelteile ist nicht sonderlich kompliziert – wenn man einmal herausgefunden hat, welches Teil wohin gehört. Zumindest bei unseren beiden Testmodellen ist die Anleitung derart schlecht bebildert, dass wir knapp eine halbe Stunde brauchen. Immerhin ist der Lieferumfang ordentlich. Bei unserem Aufsatz sind neben einigen Ersatzschrauben und allen notwendigen Werkzeugen auch zusätzliche Klettgurte beigepackt.

Als wir zum ersten Mal auf dem Sitz Platz nehmen, haben wir die Befürchtung, dass sich das Board selbstständig machen wird, sobald wir es einschalten. Doch das ist nicht der Fall. Zwar merkt man ein kurzes Ruckeln, wenn die Elektromotoren einsetzen, aber das Kart düst nicht unvermittelt los.

Nun reicht ein leichter Druck auf die Hebel aus und das Board setzt sich in Bewegung. Allerdings nicht geradeaus, sondern erstmal in einer Linkskurve. Also den linken Hebel etwas weiter nach unten drücken und schon ändert sich die Fahrrichtung. Erste Bremsversuche gestalten sich gewöhnungsbedürftig. Ein zaghafter Zug an den Steuerhebeln reduziert die Geschwindigkeit nur sehr zögerlich. Was folgt, ist eine instinktive Bremsung mit den Füßen. So ist das nicht gedacht. Also auf zum nächsten Versuch mit einem deutlich beherzteren Griff an den Hebeln: Dann klappt's auch mit dem Stehenbleiben. Es braucht etwas Übung, um die genaue Stellung der Hebel zu verinnerlichen. Zieht man die Hebel zu weit, schaltet das Hoverboard direkt in den Rückwärtsgang. Kurvenfahrten klappen anfänglich nur mit niedriger Geschwindigkeit. Nach einigen Minuten auf dem Kart werden die Manöver dann immer sicherer und schneller; der Kurvenradius sinkt und der Fahrspaß steigt.

Die Universal-Aufsätze passen auf Hoverboards in verschiendenen Größen.

Was uns sofort gefällt, ist die gefühlt hohe Geschwindigkeit. Obwohl unser Gelände-Hoverboard IO-Hawk Cross lediglich 15 km/h erreicht, fühlt es sich deutlich schneller an. Nach etwa fünf Minuten düsen wir bereits sportlich durch die Gegend. Abgesenkte Gehwegkanten zu überwinden klappt ebenso problemlos wie Fahren bergauf und bergab. Welche Steigungen das Kart schafft, hängt allerdings stark vom Balanceboard und vom Gewicht des Fahrers ab. Fakt ist, alle Testpiloten hatten bereits nach den ersten paar Metern ein fettes Grinsen im Gesicht. Das Umherfahren im Kart ist mindestens so spaßig wie das Fahren mit dem normalen Hoverboard. Laut der Meinung der eigenen Söhne und von Nachbarskindern macht das Fahren mit Sitz sogar noch mehr Freunde. Ganz sicher stellt es zumindest eine Abwechslung dar. Gegensatz zum klassischen Balanceboard ist die Nutzung mit Aufsatz wesentlich einfacher und aus unserer Sicht auch weniger gefährlich. Es gilt allerdings die gleiche Regelung wie für Hoverboards: Im Straßenverkehr haben die Gefährte nichts zu suchen. Lediglich die Nutzung auf privaten Parkplätzen, Grundstücken oder Straßen ist zulässig.

Für unseren Ratgeber haben wir uns zwei Aufsätze in unterschiedlichen Preisklassen besorgt. Neben den Kosten unterscheiden sich diese in der Ausstattung. Beide getesteten Modelle kommen in einer einfachen Pappschachtel und mit einer annähernd unbrauchbaren Anleitung zum Kunden. Die Kunststoffteile stinken bei beiden Varianten nach billigem Plastik. Immerhin sind die Schweißnähte ordentlich ausgeführt und es gibt keinerlei scharfe Kanten.

Das teurere Modell für rund 80 Euro ist sogar für Schotterwege geeignet und verfügt deshalb über ein verhältnismäßig dickes Vorderrad mit ordentlich Profiltiefe. Der Rahmen besteht aus einer Doppelstrebe und hinterläßt einen stabilen Eindruck. Zum Verstellen der Rahmenlänge dienen zwei Schnellspanner, wie man sie vom Fahrrad kennt. Die Sitzfläche ist gefedert und auch für erwachsene Fahrer geeignet. Das zulässige Maximalgewicht des Fahrers liegt bei 120 kg. Die Hauptprobleme dieses Aufsatzes sind die etwas schwammige Steuerung und die Tatsache, dass das Vorderrad bei sehr hoher Geschwindigkeit zu flattern beginnt. Hier ist Vorsicht geboten. Wer nicht aufpasst, verliert sonst schnell die Kontrolle. Wer mit moderatem Tempo unterwegs ist, hat dieses Problem nicht. Immerhin ist der Sitz dank Federung sehr bequem und funktioniert auch auf unebenem Untergrund (was den Fahrer allerdings ordentlich durchschüttelt). Wer die Steuerung etwas direkter machen möchte, kann die Schaumstoff-Aufkleber auf den Auflageflächen entfernen.

Das günstige Modell ist besser für schnelle Fahrten geeignet.

Der günstige Aufsatz für rund 40 Euro ist für die Benutzung auf ebenen Flächen gedacht. Das Vorderrad ist schmal und ohne Profil. Der Sitz erlaubt laut Hersteller eine maximale Zuladung von 100 kg. Das klingt zwar ausreichend, in der Praxis empfehlen wir den Speeron Hoverboard Sitz von Pearl aber nur für deutlich leichtere Piloten. Der Hauptgrund dafür ist die Sitzschale aus Kunststoff. Diese ist klein und unbequem und zudem nicht sonderlich stabil. Bereits ab einem Gewicht von 80 kg kommt der Sitz an seine Grenzen. Er knarzt und gibt nach. Unter Belastung dürfte er nicht besonders lange halten, weshalb wir einen Fahrerwechsel vornehmen. Für Piloten unter 70 kg ist die Stabilität ausreichend. Die Vorteile dieses Aufsatzes sind das geringe Gewicht, die sehr direkte Steuerung und die Tatsache, dass das Vorderrad auch bei hoher Geschwindigkeit nicht zu flattern beginnt.

(Kein Produktbild vorhanden)

Aufsatz Offroad

Speeron Self Balancing Board Kart (NX9291-944)

Aufsatz Straße

Ballino New Style 2018 Self Balancing Board Kart

ungetesteter Aufsatz

Robway W3 Chrome Edition Self Balancing Board pink

Hoverboard

Denver DBO-6501 Self Balancing Board blau

Hoverboard

Robway W1 Matt Edition Self Balancing Board grün

Hoverboard

Die Kart-Aufsätze für Hoverboards sind richtig cool. Egal ob Kind oder Erwachsener, die Steuerung ist schnell erlernt und das Fahren mit dem Kart macht extrem viel Spaß. Das Umherdüsen im Mariokart-Stil verleiht dem Hoverboard einen völlig neuen Reiz.

Soll das Board auch von Erwachsenen gefahren werden, empfehlen wir unbedingt den Kauf eines hochwertigen und etwas teureren Modells mit einem zulässigen Gewicht von 120 kg. Die günstigen Aufsätze haben derart instabile Sitze, dass es den Fahrspaß mindert und die Lebensdauer (im Zweifel auf wenige Minuten) begrenzt. Ist der Sitz lediglich für leichte Fahrer (Kinder) gedacht, sind auch die günstigen Modelle ausreichend. Die allermeisten Aufsätze sind universell für alle Hoverboards geeignet. Bei wenigen Modellen ist die Größe der Hoverboard-Räder beschränkt. Unsere Sitze funktionieren bis zu einer Reifengröße von 10 Zoll.

Wer auch mal auf unebenem Gelände unterwegs ist, braucht auf jeden Fall einen Aufsatz mit breitem Vorderrad. Dieses ist allerdings nicht für Fahrten in Höchstgeschwindigkeit geeignet. Für Fahrten bei hohem Tempo ist ein dünnes Rad ohne Profil deutlich sinnvoller.

Für die Fortbewegung im Straßenverkehr sind die kleinen Spaß-Flitzer grundsätzlich nicht geeignet. Wer in der Stadt mobil sein möchte, sollte sich unsere Ratgeber zu E-Rollern und E-Tretrollern ansehen.

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