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Sieben Dashcams im Vergleichstest

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Die Videoaufzeichnungen von Dashcams helfen bei der Aufklärung von Unfallhergängen. Spezielle Videokameras für Autos und Lastwagen gibt es mit 4K-Auflösung, GPS und WLAN. Doch worauf kommt es wirklich an? Wir haben sieben Dashcams ausprobiert und miteinander verglichen.

Bis Mitte 2018 waren die Bilder von Dashcams nicht zulässig und somit nicht vor Gericht relevant. Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) ist deren Nutzung erlaubt – zumindest unter gewissen Rahmenbedingungen. Damit die Videos der Dashcam tatsächlich den rechtlichen Anforderungen entsprechen, müssen die Aufnahmegeräte über eine Loop-Funktion verfügen. Das bedeutet, sie nehmen zwar kontinuierlich auf, speichern diese Daten aber nicht dauerhaft ab.

In der Praxis nehmen die Kameras Videosequenzen von wenige Minuten Länge auf und überspielen diese, sobald die Speicherkarte voll ist. Damit relevantes Material nicht versehentlich gelöscht wird, verfügen die Dashcams immer über eine Möglichkeit einzelne Szenen dauerhaft zu speichern. Bei allen unseren Testgeräten, passiert das automatisch, sobald die Kamera Erschütterungen oder extreme Verzögerungen registriert, oder manuell per Knopfdruck.

Die Integration im Rückspiegel sieht gut aus, bringt aber keine Vorteile.

Für einen aussagekräftigen Vergleich haben wir sowohl Modelle von bekannten wie auch weitgehend unbekannten Herstellern getestet. Die Preise der Geräte liegen zwischen 17 und 200 Euro. Folgende Dashcams haben wir getestet:

Damit das aufgezeichnete Videomaterial tatsächlich bei der Aufklärung von Schäden hilft, muss die Bildqualität ausreichend hoch sein. Nummernschilder oder Personen müssen sich zweifelsfrei identifizieren lassen. Die Einzeltests der Dashcams zeigen, dass zusätzlich zur Auflösung vor allem die Bildfrequenz entscheidend ist. So ist es zwar bei Fahrten innerorts ausreichend, mit 30 frames per second (fps) zu filmen, bei etwas höheren Geschwindigkeiten ist dies aber ungenügend.

30 fps sind nur für langsame Fahrten geeignet.

Das Videomaterial der günstigsten Kamera im Test, der Denver CCT-1210, ist nur für sehr langsame Fahrten am Tag zu gebrauchen. Sobald es dunkel wird oder die Geschwindigkeiten über 50 km/h steigt, ist die Bildqualität schlicht unbrauchbar. Standbilder der Videos sind dann unscharf und Details nicht zu erkennen. Für höhere Geschwindigkeiten werden mindestens HD-Auflösung und 60 fps benötigt. Die 4K-Dashcam Nextbase 612GW hat das mit Abstand detailreichste Bild. Allerdings kommt das nur bei niedrigem Tempo zur Geltung. Wir empfehlen deshalb die maximale Auflösung auf 2,7K zu reduzieren und stattdessen mit 60 Bildern pro Sekunde aufzunehmen.

Ein weiteres Qualitätskriterium ist der Blickwinkel (fov) der Dashcams. Je größer dieser ist, desto mehr ist später auf dem Video zu sehen. Bei einem Sichtfeld von mindestens 150 Grad sind auch vorausfahrende Fahrzeuge auf annähernd gleicher Höhe erkennbar. In unserem Testfeld fällt auch hier die preisgünstige Kamera von Denver mit einem Blickwinkel von 120 Grad negativ auf: Die Autos direkt vor der Dashcam sind zwar erkennbar. Was sich seitlich vor dem Fahrzeug abspielt, bleibt im Verborgenen. Die Modelle Yi Compact Dash Camera und die Auto-Vox DVR-M6 haben zwar nur ein um 10 Grad breiteres Sichtfeld, in der Praxis zeigt sich aber schon ein deutlicher Unterschied. Den mit Abstand besten Überblick bietet die Garmin Dash Cam 65W mit einem fov von 180 Grad.

Vom Sichtfeld ist abhängig, was auf dem Video zu sehen ist.

Bei Nachtfahrten ist es besonders wichtig, dass die Kameras einen ausreichenden Dynamikumfang haben. Bei großen Helligkeitsunterschieden, wie entgegenkommenden Scheinwerfern, ist das Videomaterial sonst über- oder unterbelichtet. Die Wide-Dynamic-Range-Funktion (WDR) hilft bei solch schwierigen Lichtverhältnissen und sorgt für bessere Bildqualität. Die Praxis zeigt allerdings, dass auch das häufig nicht ausreicht. Da beispielsweise Nummernschilder das Umgebungslicht reflektieren, sind sie bei Nachtaufnahmen nur bei hoher Bildfrequenz und oft mit etwas Glück erkennbar. Gerade für Nachtfahrten ist die Bildfrequenz weit entscheidender für hohe Qualität als die reine Auflösung. Alle Kameras, die mit 60 fps aufnehmen können, lieferten in unserem Test akzeptable Ergebnisse.

Kamera
Auto-Vox DVR-M6 Denver CCT-1210 Garmin Dash Cam 65W Nextbase 612GW Nextbase DVR-Mirror Rollei CarDVR-318 Yi Compact Dash Camera
4K - - - 30 fps - - -
2,7K/2K -/- -/- -/- ✔/- 60 fps -/- -/✔ 30 fps -
Full-HD 30 fps - 30 fps 60 fps 30 fps 30 fps 30 fps
HD 60 fps 30 fps 60 fps 60 fps 60 fps 60 fps 60 fps
Sichtfeld in Grad 130 120 180 150 140 156 130

Zusätzlich zur Bildqualität unterscheiden sich die Dashcams vor allem durch das Design und die weitere technische Ausstattung. Einige Modelle haben ein integriertes GPS-Modul, mit dessen Hilfe Geschwindigkeit und die Position aufgezeichnet werden. Zur Rekonstruktion von Fahrten sind diese Daten praktisch: Wer seinen Ausflug an Nordsee, Ostsee oder in die Berge per Google-Maps nachvollziehen möchte, kommt hier auf seine Kosten. Das Gerät von Garmin kann Fahrer an Geschwindigkeitsbegrenzungen erinnern. Diese müssen vorher allerdings vom Nutzer angelegt werden. Dazu wird die Position zusammen mit einer Geschwindigkeit abgespeichert. Das funktioniert komfortabel per Knopfdruck.

Für PKW-Besitzer ohne Garagen-Stellplatz ist die Funktion der Parküberwachung interessant. Die Dashcams bleiben nach dem Abstellen des Fahrzeugs aktiv und speichern kurze Videosequenzen, sobald sie Bewegungen oder Erschütterungen erkennen. Bei der Aufklärung von Parkremplern ist dieses Extra durchaus hilfreich. Diese Funktion ist bei allen Kameras im Testfeld vorhanden. Beim günstigen Modell von Denver funktioniert die Überwachung allerdungs nur anhand von Bewegungserkennung. Alle anderen Modelle nutzen zusätzlich Bewegungssensoren.

Bei 60 fps sind auch Standbilder bei hoher Geschwindigkeit ausreichend scharf.

Einige Dashcams verfügen über die Möglichkeit, eine WLAN-Verbindung herzustellen. Diese überträgt die Videos auf ein Smartphone und ermöglicht eine drahtlose Konfiguration der Kameras. Da die Aufzeichnungen allerdings für den Notfall und nicht für Social-Media-Plattformen bestimmt sind, sollte dieses Extra nicht kaufrelevant sein.

Die Modelle Auto-Vox DVR-M6 und Nextbase DVR-Mirror unterscheiden sich vom Design deutlich von den anderen Dashcams. Beide Kameras sind in einen PKW-Rückspiegel integriert. Das Kamerabild wird im Rückspiegel angezeigt. In der Praxis hat das Konzept aber keinen echten Vorteil. Im Gegenteil: Die Qualität der Spiegelung kann mit Original-Rückspiegeln nicht mithalten. Der Auto-Vox DVR-M6 bietet als zusätzliches Extra eine kleine Rückfahrkamera. Die Dashcam bietet so als einziges Modell nahezu Rundumsicht. Die Montage ist allerdings nur mit handwerklichem Geschick möglich.

Ausstattung
Auto-Vox DVR-M6 Denver CCT-1210 Garmin Dash Cam 65W Nextbase 612GW Nextbase DVR-Mirror Rollei CarDVR-318 Yi Compact Dash Camera
GPS - - -
WLAN & App - - -
Rückspiegelintegration - - - - -
WDR/HDR - - -
Displaygröße in Zoll 4,5 2,4 2 3 4 2,3 2,7
Besonderheiten Spiegel-Dashcam, inkl. Rückfahrkamera - Geschwindigkeitswarnung und Spurhalte-Assistent inklusive Auswertungssoftware für PC Geschwindigkeitsanzeige im Spiegel inklusive Auswertungssoftware für den PC, USB-Steckplatz im Netzteil Klebehalterung

Von allen getesteten Kameras verfügt nur die Nextbase 612GW über einen HDMI-Ausgang und Neutral-Filter. Diese beiden Ausstattungsmerkmale bringen unserer Ansicht nach allerdings keinen echten Vorteil. Der Filter hilft zwar, die Spiegelungen zu reduzieren, wirklich komplett eliminieren kann er sie aber nicht. Dass bei der 612GW zwei verschiedenen Halterungen dabei sind, ist da schon interessanter. Während die Konkurrenzmodelle entweder mit einer Saugnapf- oder einer magnetischen Halterung zu Kunden kommen, stehen hier beide Varianten zur Verfügung. Die magnetische Halterung ist zwar weniger flexibel, hält in den Tests allerdings zuverlässiger, als der klassische Saugnapf.

Das 12-Volt-Netzteil der Rollei-Dashcam hat einen zusätzlich USB-Anschluss verbaut. Das ist in der Praxis durchaus hilfreich, da so Smartphone und Kamera gleichzeitig ans Stromnetz können.

Auto-Vox DVR-M6

Auto-Vox M6

Denver CCT-1210

Denver CCT-1210

Garmin Dash Cam 65W (010-01750-15)

Garmin 65W

Nextbase 612GW (NBDVR612GW)

Nextbase 612GW

Rollei CarDVR-318 (40135)

Rollei CarDVR 318

Yi Technology Compact Dash Camera schwarz

Yi Compact Dashcam

Dashcams sind ein praktisches Extra für Vielfahrer und diejenigen, die ihren PKW auch im geparkten Zustand überwachen wollen. Wer wirklich sinnvoll auswertbares Videomaterial haben möchte, darf allerdings kein extrem preiswertes Modell kaufen. Die 20 Euro für die Denver-Dashcam sind rausgeschmissenes Geld: Die Kamera zeichnet zwar auf, die Qualität von Standbildern und Bewegtbilder ist aber unbrauchbar.

Die Kameras von Auto-Vox und Yi liegen preislich im Mittelfeld und bieten immerhin eine vernünftige Videoqualität. Im Falle eines Unfalls ist solch eine Dashcam auf jeden Fall hilfreich. Die Rückspiegel-Kamera von Nextbase liefert zwar auch brauchbares Material, die Qualität des Spiegels ist allerdings ungenügend.

Wer Wert auf wirklich gutes Videomaterial und Zusatzfunktionen legt, muss tiefer in die Tasche greifen: Die Modelle Garmin Dash Cam 65W, Rollei CarDVR-318 und Nextbase 612GW bietet sowohl am Tag als auch in der Nacht wirklich gute Bilder und eine ordentliche Ausstattung. Alle drei Modelle haben beispielsweise GPS an Bord, um Position und Geschwindigkeit zu speichern. Das mit Abstand beste Bildmaterial liefert die Nextbase 612GW. Ihre gute Ausstattung und die 2,7K-Auflösung bei 60 fps machen die teuerste Dashcam im Testfeld zu unserem Testsieger. Das immer noch sehr gute Videobild und die niedrigeren Anschaffungskosten machen die Kamera Rollei CarDVR-318 zu unserem Preis-Leistungs-Sieger.

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