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Retro-Gaming: Playstation Classic oder Raspberry Pi 4?

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Mit wenigen Handgriffen wird die Playstation Classic zur universellen Retro-Konsole. Doch wie schlägt sie sich im Vergleich zum Raspberry 4? TechStage hat es getestet.

In den letzten Jahren gab es einen regelrechten Hype zum Thema Retro-Gaming. Angefangen hat der kommerzielle Erfolg mit der Einführung von Nintendos SNES Classic Mini (Testbericht). Andere Hersteller sind auf den Zug aufgesprungen und haben entsprechend eigene Konsolen auf den Markt gebracht. Darunter der C64 Mini (Testbericht), der Sega Megadrive Mini (Testbericht), die Neogeo Mini (Testbericht) und Sony mit der Playstation Classic (Testbericht). Diese hatte im Test noch mit schwacher Titelauswahl und liebloser Software enttäuscht, doch das hat sich mittlerweile geändert. Mit der kostenlosen Software Autobleem ist es nicht nur möglich, eigene Playstation-1-Spiele zu installieren, sondern sie ermöglicht auch die Emulation anderer Konsolentitel.

Um die Playstation Classic als universelle Konsole nutzen zu können wird lediglich ein zusätzlicher USB-Stick mit der Software Autobleem benötigt. Wer zu zweit zocken will, braucht außerdem einen USB-Hub.

So einfach das klingen mag, einen kleinen Haken gibt es: Nicht alle USB-Sticks sind zur Konsole kompatibel. Das liegt an der begrenzten Leistung des USB-Ports. Dieser stellt derart wenig Power zur Verfügung, dass viele moderne USB-Sticks erst gar nicht funktionieren; die Konsole schaltet dann einfach ab. USB-3.0-Sticks kann man für dieses Projekt komplett vergessen, da diese zu viel Strom verbrauchen. Selbst bei älteren USB-2.0-Sticks muss man etwas Glück haben. Im Praxisversuch haben wir in unserem persönlichen Fundus aber dann doch einen geeigneten Speicher gefunden: Ein verstaubtes Werbegeschenk aus dem Jahre 2017.

Zur Vorbereitung muss der USB-Speicher auf FAT32 formatiert und auf den Namen SONY (großgeschrieben) umbenannt werden. Nun kommt die Software Autobleem zum Einsatz. Nach dem Download wird das ZIP-Verzeichnis entpackt und der Inhalt auf das Hauptverzeichnis des USB-Sticks kopiert. Dieser sollte dann ungefähr so aussehen:

Der USB-Stick ist so theoretisch bereits einsatzfähig. Allerdings fehlen noch die ROMS, die eigentlichen Spiele. Playstation-1-Titel kommen dazu in den Ordner Games. Wer Spiele von anderen Konsolen wie NES, N64, Neogeo oder Sega zocken will, kopiert sie in das Verzeichnis ROMS. Für eine bessere Übersicht empfehlen wir, Unterordner für die verschiedenen Konsolen zu erstellen (beipielsweise NES, SNES, GBA, etc).

Nun kommt der USB-Stick in den Anschlussport für den zweiten Controller. Wer Multiplayer-Games, wie Mariokart, spielen will, steckt den Stick in einen USB-Hub und diesen in den zweiten USB-Port. Die Playstation Classic bootet beim Start direkt vom USB-Stick und startet die Software Autobleem.

Wer zu zweit zocken will, braucht einen einfachen USB-Hub.

Nachträglich hinzugefügte Playstation-Games erkennt das Programm nach einem kurzen Scan. Die testweise aus dem Internet heruntergeladenen Spiele Ace Combat 3 und Smurf Racer werden dann auch im Menü angezeigt; genau wie die originalen Playstation-Classic-Titel. Zum Starten wird das Game ausgesucht und per Druck auf die X-Taste gestartet.

Die Software bietet auch eine deutschsprachige Oberfläche.

Neben diversen Oberflächen-Designs stehen unter den Einstellungen verschiedene Sprachen zur Auswahl, darunter auch Deutsch.

Die Games von anderen Konsolen findet man in der in Autobleem enthaltenen Emulationsoberfläche Retroarch. Diese startet aus dem Hauptmenü durch Druck auf die Quadrat-Taste des Controllers. Der Nutzer landet nun auf einer Oberfläche, die den Programmen Recalbox oder Retropie (Vergleichstest) vom Rasperry Pi ähnelt. Nun wählt man den Punkt Load Content (erster Reiter) und dann das Start-Directory. Dort befinden sich die vorher unter ROMS angelegten Unterverzeichnisse zu den verschiedenen Konsolen. Nach der Titelauswahl fragt die Software, welcher Emulator zum Einsatz kommen soll. Wenige Sekunden später startet das Spiel und ist einsatzbereit. Die automatische Emulator-Auswahl hat im Test zwar immer einwandfrei funktioniert, einige Titel liefen allerdings deutlich zu langsam. Die Wahl einer anderen Emulator-Version hilft bei der Lösung des Problems. Im Test liefen Games von Amiga, NES, SNES, N64, Neogeo oder Gameboy Advanced einwandfrei und flüssig. Beim Emulieren neuerer Konsolen wie der Playstation 2 kommt die Hardware allerdings an Ihre Grenzen. Diese Spiele ruckeln und laufen nicht ordnungsgemäß.

Und noch etwas gibt es zu erwähnen. Wer N64 Games zocken will, braucht einen anderen Controller. Dem alten Playstation-Joystick fehlen schlicht die analogen Sticks. Passende Eingabegeräte haben wir im Artikel Sieben Controller ab 6 Euro im Test zusammengefasst.

Insgesamt funktioniert die Playstation Classic erfreulich gut als Universal-Konsole. Das völlig unkomplizierte Handling von Autobleem kommt vor allem unerfahrenen Nutzern entgegen. Wer ohne großen Aufwand Retro-Games zocken will, bekommt hier eine günstige und sehr unkomplizierte Lösung.

Retro Gaming mit der Playstation Classic: Autobleem (23 Bilder)

Der Raspberry Pi 4 eignet sich wegen der kompakten Maße, der guten Performance und des breiten Softwareangebotes hervorragend für eine Selbstbaukonsole. Wie genau das funktioniert und konkret aussehen kann, haben wir in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung im Artikel Retro-Konsole mit dem Raspberry Pi selber bauen erklärt.

Im Vergleich zur Playstation Classic hat der Mini-Computer Raspberry mehr Leistung, eine Netzwerkanbindung und eine deutlich größere Community. Aber es gibt auch einige Nachteile. Das Beginnt bei der Anschaffung der Hardware. Während bei der Playstation Classic alles ordentlich verpackt und spielebereit zum Kunden kommt, sind für den Einplatinenrechner noch Netzteil, Gehäuse und Controller nötig. Dieses Zubehör ist zwar nicht besonders teuer, trotzdem kostet die Raspberry-Konsole damit insgesamt ein ganzes Stück mehr als die Playstation-Variante. Das Aufspielen der Software und die Bestückung mit ROMs ist zudem deutlich komplizierter als die Arbeit mit Autobleem.

Der Raspberry ist eine sehr gute Retro-Konsole, allerdings ist die Bedienung kompliziert.

Wer Lust hat, sich ins Thema einzulesen ist mit dem Raspberry insgesamt flexibler. Die bessere Performance und die Möglichkeit einer Netzwerkanbindung sind für echte Nerds Totschlagargumente.

Das Hauptproblem bei beiden Varianten ist die Versorgung mit ROMs. Selbst Jahrzehnte alte Titel dürfen nicht legal heruntergeladen werden. Oft sind sie allerdings die einzige Möglichkeit, alte Games überhaupt zu spielen. Zwielichtige Händler haben dies erkannt und bieten Raubkopien in Packs mit mehreren hundert oder tausend Titeln an.

Wer kein Risiko eingehen will, sollte sich nach sogenannten Homebrew-ROMs umsehen. Diese selbst entwickelten Spiele für alte Konsolen sind in der Regel kostenlos und völlig legal.

Um alte Games zu spielen ist die Playstation Classic perfekt. Wenn es tatsächlich primär ums Zocken geht, bietet die Konsole das beste Preis-Leistungsverhältnis aller universeller Retro-Konsolen. Zusätzlich zur Konsole für derzeit knapp 60 Euro braucht man lediglich noch einen alten USB-Stick und die kostenlose Software Autobleem.

Wer seine Retro-Konsole in einem schicken Gehäuse verbauen, im Netzwerk einbinden oder mit selbstgebauten Controllern betreiben will, ist mit der üppig ausgestatteten Raspberry-Konsole (Anleitung) trotzdem besser beraten. Bedienung und Einrichtung des Einplatinenrechners sind insgesamt aber deutlich anspruchsvoller als die Nutzung der Playstation Classic oder einer anderen Retro-Konsole.

Fakt ist, dass uns die Playstation Classic nach dem ersten Test enttäuscht hat. Der mittlerweile auf 60 Euro gesunkene Preis und die Möglichkeit, auch andere Spieletitel mit der Konsole zu zocken, führen nun aber zu einem anderen Ergebnis. Wer schnell, günstig und unkompliziert alte Retro-Games spielen will, macht mit der Playstation Classic alles richtig. Wer sich unsicher bei der Wahl der Konsole ist, sollte den Artikel 10 offizielle Retro-Konsolen im Vergleich ansehen. Zum Hineinschnuppern ins Thema empfehlen wir die Anleitung: Retro-Gaming auf dem Smartphone oder Tablet.

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