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Ratgeber Wifi-6: Funktionen, Vorteile, Produkte, Kosten

von und Moritz  //  Facebook Twitter

WiFi-6 bringt schnelleres WLAN für mehr Geräte gleichzeitig. Wir zeigen, was Wifi-6 besser macht, welche Produkte erhältlich sind und wie sie sich in der Praxis schlagen.

Wer einen neuen WLAN-Router anschaffen oder sein bestehendes Netzwerk verbessern will, der sollte genau hinschauen: Nimmt er noch einen bewährten WiFi-5-Router (11ac) bis 1733 MBit/s? Oder gleich einen der neuen WiFi-6-Funker (11ax) bis 4800 MBit/s?

WiFi-6, der neue WLAN-Standard, hat seit der ersten Version dieses Beitrags in immer mehr Produkte Einzug gehalten. Dazu kommt, dass Hersteller wie Huawei aggressiv in den Markt drängen: Der Honor Router 3 (Testbericht) bringt Wifi-6 für knappe 80 Euro.

In diesem Beitrag geben wir einen kurzen Abriss zu Wifi-6 und erklären die wichtigsten Neuerungen. Zudem geben wir einen Überblick zu verfügbaren Produkten und klären, wann sich ein Upgrade lohnt.

Um den Namen kurz zu erklären, WiFi-6 ist die Marketing-Bezeichnung für den WLAN-Standard 802.11ax. Die Hoffnung ist, dass dies für Kunden griffiger ist als die alten Bezeichnungen. In der Tabelle übersetzen wir die Marketing-Bezeichnungen in Standards und theoretische Geschwindigkeit:

WLAN-Bezeichnung
WiFi-6 802.11ax 4800 Mbps
WiFi-5 802.11ac 1733 Mbps
WiFi-4 802.11n 800 Mbps

Dabei wird schon die große Neuerung in Wifi-6 sichtbar: Der maximale Datendurchsatz ist um ein Vielfaches höher als bei den Vorgängern. Die aktuellen 4800 MBit/s sind dabei noch nicht das Ende der Fahnenstange, der Standard hat noch Reserven. Mit den passenden Endgeräten, die ebenfalls Wifi-6-tauglich sein müssen, kommt also ein fetter Speed-Sprung. Das selbst ist aber kein Grund gegen ein Upgrade. Denn Wifi-6 ist zu allen Vorgängern kompatibel. Die 11ax-Geräte verstehen sich mit älteren WLAN-Endgeräten von 11b mit 11 MBit/s bis hin zu 11ac-Wave-2-Geräten mit 1733 MBit/s.

Das neue Wifi-6 alias 11ax ist schneller als alle Vorgänger. Es kann aber auch mehr WLAN-Endgeräte pro Router bedienen. So jedenfalls die Theorie (Bild: LANCOM Systems).

Dazu kommt, dass selbst die älteren Geräte einen weiteren Vorteil von Wifi-6 nutzen können: Der Standard kann mit deutlich mehr Produkten gleichzeitig funken, ohne dass er in die Knie geht. Das ist beispielsweise im Smart Home wichtig, wo Staubsaugroboter (Themenwelt), smarte Leuchtmittel (Ratgeber), smarte Thermostate (Vergleichstest) oder andere Sensoren ständig im Netz sind und Datenpakete liefern. Dazu kommt, dass der neue Standard die gleichzeitigen Verbindungen zu unterschiedlichen Endgeräten beschleunigt.

Wie aktuelle Wifi-5-Router setzt die Technik dabei auf MU-MIMO (Multiple Users, Multiple Input, Multiple Output). Damit kann der Router gleichzeitig mit mehreren Geräten kommunizieren, statt die Anfragen nacheinander abzuarbeiten. Wifi-6 kann theoretisch mit bis zu acht MU-MIMO-Geräten kommunizieren, Wifi-5 schafft maximal vier. Eine weitere Verbesserung ist OFDMA (Orthogonal Frequency Division Multiple Access). Sehr stark vereinfacht gesagt kann diese Technik Daten für mehrere Empfänger in ein Datenpaket packen. Die Kollegen der c’t erklären die Funktionen ausführlich im c’t-Hardcore-Artikel „Wie die Verbesserungen von Wi-Fi 6 wirken”.

Beide Techniken zusammen sorgen in jedem Fall für einen deutlich höheren Datendurchsatz. Diese Vorteile bemerkt man nicht, wenn man nur ein Gerät verbunden hat. Wenn aber beispielsweise der Fernseher, ein Notebook und ein Smartphone jeweils einen HD-Stream von Netflix oder Disney+ (Ratgeber) streamen, dann machen sich MU-MIMO und OFDMA positiv bemerkbar, sofern die Features unterstützt werden.

Wie bei den meisten neuen Standards dauert es etwas, bis alle Endgeräte die notwendigen Spezifikationen unterstützen. Die ersten Wifi-6-Endgeräte sind wahrscheinlich Smartphones, auch wenn WiFi-6 aktuell erst ab der oberen Mittelklasse zum Einsatz kommt. Zu den günstigsten Smartphones mit Wifi-6 zählen das Xiaomi Poco F2 Pro (Testbericht) und das iPhone SE.

Alle Bilder zum Xiaomi Poco F2 Pro aus dem Test (16 Bilder)

Deutlich besser sieht es bei den Notebooks aus. Selbst vergleichsweise günstige Chromebooks (vs. Windows) wie das HP Chromebook 11 und Windows-Geräte unter 400 Euro haben Wifi-6 an Bord. Das mag auch daran liegen, dass der eigentliche Intel-Chip vergleichsweise günstig ist. Die WLAN-Karte Intel WiFi-6 AX2000 kostet um die zwölf Euro. Damit wird sie fürs Aufrüsten bestehender Notebooks interessant. Wie das geht, zeigen wir im Artikel „Wifi-6 für 13 Euro nachrüsten”.

Wifi-6-Karten für Laptops sind erfreulich günstig und einfach nachzurüsten - wenn das Notebook dies erlaubt.

Wer einen Desktop-PC ohne Wifi-6 hat, der kann hier wahrscheinlich am einfachsten upgraden. Passende PCIe-Karten gibt es ab etwa 25 Euro, das Upgrade ist schnell erledigt. Details zeigen wir im Artikel „Wifi-6 am PC nachrüsten”.

Wi-Fi Upgrade (5 Bilder)

Hinten an der Asus PCE-AX58BT Wi-Fi-6-Karte sitzt ein Anschluss für das USB-Kabel, das zum USB-Port auf dem PC-Mainboard führt. Lässt man dieses Kabel weg, versteht die Asus-Karte nur WLAN, aber kein Bluetooth (Bild: Harald Karcher).

TVs und andere Multimedia-Geräte sind dagegen noch weit von einem Upgrade auf Wifi-6 entfernt. Wer einen USB-Dongle sucht, der muss sich noch gedulden. Theoretisch schnell genug sind USB-Anschlüsse ab mindestens USB 3.1 Gen 1. Ob und wann solche Geräte kommen, ist aber noch nicht absehbar.

Die ersten Router mit WiFi-6 sind bereits erhältlich. Teure High-End-Geräte wie der Asus GT-AX11000 (Testbericht), der TP-Link Archer AX6000 (Testbericht) oder der Netgear Nighthawk RAX80 (Testbericht) haben sehr schnelles Wifi-6 mit theoretischen bis zu 4800 MBit/s an Bord. Die AVM Fritzbox 6660 Cable (Testbericht) oder der günstige Honor Router 3 (Testbericht) sind hier langsamer, die Fritzbox mit maximal 2400 MBit/s, der Honor Router 3 mit maximal 1200 MBit/s. Die Tests zeigen aber gut, dass schnelles WLAN nicht alles ist. Die Geräte von AVM und Asus besitzen einen LAN-Port mit 2,5 GBit/s. Erst damit können sie ihre Geschwindigkeit voll ausspielen, die anderen Geräte machen bei knapp unter 950 MBit/s dicht, obwohl etwa der Netgear-Router noch deutlich mehr Luft nach oben hätte.

Ohne eine schnelle LAN-Schnittstelle macht der WLAN-Durchsatz irgendwann dicht.

Leider gibt es mit der Fritzbox 6660 Cable derzeit nur einen Router, der ein integriertes Modem besitzt und dies funktioniert nur mit Kabelanschlüssen. Zum Testzeitpunkt gibt es noch keine Wifi-6-Router mit (V)DSL-Modem. Alle Tests und Ratgeber zu passenden Routern veröffentlichen wir in der Themenwelt Wifi-6-Router.

AVM Fritzbox 6660 (3 Bilder)

Modernes Wifi 6 unter der Haube und analoges Telefon an der Seite: Die AVM Fritzbox 6660 Cable nimmt auch alte Geräte mit in die 2020er Jahre (Bild: Harald Karcher).

Mehr Intelligenz im WLAN, das sollte Wifi-6 doch eigentlich besonders für Mesh-Installationen interessant machen. Unser Test mit dem Asus ZenWiFi AX XT8 (Testbericht) bestätigt das. Die Geräte spielen in Oberklasse, sie haben etwa den besten gemessenen Mittelwert in unserem Test. Gute Wifi-5-Systeme können zwar mithalten, bei den Wifi-6-Mesh-Geräten merkt man aber, wie viel Luft da noch nach oben ist. Wer also größere Bereiche mit WLAN abdecken will, der sollte Wifi-6-Mesh im Auge behalten. Tests, Vergleiche und Ratgeber zeigen wir in unserer Themenwelt WLAN-Mesh.

Durchsatz bei getesteten WLAN-Mesh-Systemen. Die Wifi-6-Geräte sind hier sehr gut dabei, aber auch gute Wifi-5-Systeme können punkten.

Neben Mesh profitieren auch Access Points und Repeater von der neuen Technik, zumindest wenn alle Produkte im Netzwerk Wifi-6 unterstützen. Unsere ersten Tests sehen zumindest vielversprechend aus. Der Netgear EAX20 (Testbericht) und der Zyxel NWA110AX (Testbericht) bieten beide einen durchaus soliden Durchsatz mit einer guten Reichweite, wobei gerade das Netgear-Gerät punktet. Es wird spannend zu sehen, ob und wie die Hersteller die neuen Techniken einsetzen.

Netgear Nighthawk EAX 20 (4 Bilder)

Der Netgear EAX20 WiFi 6 Mesh Repeater & AP ist sehr schwarz und rechteckig. (Bild: Harald Karcher).

Wer seine private oder betriebliche WLAN-Infrastruktur erneuern, ersetzen oder erweitern will, sollte sich WiFi-6 schon sehr genau anschauen: Ein Wifi-6-Gerät verspricht mehr Zukunftssicherheit als bisherige WiFi-5-Funker, vor allem da mit einem weiteren Anwachsen der WLAN-Clients und des Datenhungers zu rechnen ist.

Spannend ist, dass selbst günstige Geräte wie der Honor Router 3 (Testbericht) einen guten Job machen, sowohl beim Durchsatz wie bei der Reichweite. Die Geräte mit 1200 MBit/s sind derzeit bei Preis und Leistung weit vorne. Das liegt allerdings auch daran, dass viele Hersteller am falschen Ende sparen. Wenn man schnelles WLAN nutzt, dann sollte sich das auch in den LAN-Anschlüssen widerspiegeln. Sprich, ein Wifi-6-Gerät, das mit 2400 MBit/s oder gar 4800 MBit/s funkt, sollte zwingend mindestens einen LAN-Port mit 2,5 GBit/s oder mehr besitzen. Sonst verpufft die Leistung.

Weitere Einzeltests und Ratgeber rund um Wifi-6, Wifi-5 und Lösungen wie Repeater oder WLAN-Mesh zeigen wir in unserer Themenwelt Wifi-6-Router, der Themenwelt WLAN-Mesh oder der Themenwelt Wifi-6.

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