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Ratgeber: Was NFC-Tags alles können

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von und Matthias  //   //  Stand: Twitter Google+

Beschreibbare NFC-Tags kosten nur wenige Cent und erweisen sich im Alltag als praktische Helfer für Android und iPhone. Wir zeigen, was mit den Tags machbar ist.

Fast jedes Android-Handy kann NFC-Tags lesen und beschreiben. Und auch Apple-Geräte sind mit dem aktuellen iOS 13 endlich NFC-tauglich. Beim Lesen ist dabei keine spezielle App notwendig, das übernimmt Android selbst. Dabei sind viele Einsatzzwecke denkbar. Ein selbst konfiguriertes Tag in Form eines Aufklebers am Wohnzimmertisch und Gäste müssen ihr Smartphone nur kurz dranhalten – schon verbindet es sich automatisch mit dem passwortgeschützten WLAN. Dies ist ein einfacher und kurzer Befehl, der in unserem Fall mit 103 Byte relativ wenig Speicherplatz auf einem NFC-Tag belegt. Das ist nur ein Beispiel für die cleveren Funktionen, die mit den richtigen Tags möglich sind.

Wenn ein Android-Smartphone NFC unterstützt, dann kann man damit so ziemlich alles machen. Auf der Android-Seite testeten wir mit einem Google Pixel 2 XL (Testbericht) unter Android 9 und einem Samsung Galaxy S4 unter Android 5. Beide Handys verstanden sich hervorragend mit allen getesteten Apps und unseren NFC-Aufklebern.

Einziges Hindernis: Die NFC-Funktion sparen sich manche Hersteller gerne ein oder nutzen sie, um ihre High-End-Geräte etwas vom Mittelfeld abzugrenzen. Dennoch muss man nicht unbedingt riesige Summen ausgeben, wie unser Preisvergleich zeigt. Das NFC-fähige Nokia 5 (Testbericht, Note 3) gibt es etwa ab 89 Euro, das Motorola Moto G7 (Testbericht, Note 2) für knapp 100 Euro mehr.

Apple sperrte sich lange gegen den Einsatz von NFC-Tags bzw. die Freigabe der Funktionen für Drittentwickler. Das hat sich mit iOS 13 geändert. Ganz so frei wie der Umgang bei Android sind Apple-Nutzer weiterhin nicht – so ist beispielsweise das Beschreiben von Tags mit URLs oder WLAN-Zugangsdaten nicht möglich. Beschreibt man die Tags aber mit einem Android-Smartphone, kann das iPhone etwas damit anfangen.

Außerdem gibt es nun die Möglichkeit, Kurzbefehle per NFC-Tag auszuführen. So kann man beispielsweise einen Aufkleber auf dem Tisch im Büro anbringen und beim Ablegen des Smartphones das WLAN einschalten und den Klingelton aus, während der Aufkleber im Auto Bluetooth aktiviert und der auf dem Nachttisch den Wecker einschaltet und den Flugzeugmodus aktiviert.

Wie das im Detail funktioniert, zeigt die Fotostrecke.

NFC-Aufkleber sind die günstigste Möglichkeit, an die vielseitig einsetzbaren Tags zu kommen. Für etwas mehr Geld gibt es die Tags auch in Form von Plastikkärtchen oder Schlüsselanhängern, sie sind unempfindlicher gegen äußere Einflüsse – und eignen sich beispielsweise für den Einsatz im Freien. Je nach Anwendungsgebiet machen alle Varianten Sinn: Dünne Aufkleber für Visitenkarten (Kontaktdaten), robuste Aufkleber für den Einsatz im Auto (Bluetooth an, Navigation starten), kunststoffbeschichtete Tags für den Nachttisch (Flugzeugmodus an, Wecker stellen, alle Lichter aus), Schlüsselanhänger (am Gästeschlüssel mit WLAN-Zugang).

Für erste Experimente bieten sich auch Starter-Sets an, die unterschiedliche Varianten zur Ansicht enthalten. Im Verhältnis sind sie allerdings deutlich teurer. Wer größere Stückzahlen benötigt, bekommt die Aufkleber deutlich billiger etwa bei Ebay oder direkt aus China – im 100er-Pack kostet ein Tag dann noch etwa 13 Cent; die Lieferzeit beträgt aber etliche Wochen.

In den nächsten Abschnitten zeigen wir, was sich mit den günstigen Tags alles anstellen lässt. Wir setzen dabei auf Android, solange die Apple-Unterstützung noch nicht offiziell an alle Nutzer mit iOS 13 ausgeliefert wurde.

NFC21 68395 Tags Sticker, NTAG 213, 168 Byte, 22mm, 20 Stück für NFC Smartphone transparent (PC Komponenten)

NXP NTAG 213, 20 Stück

Sony Xperia SmartTags NT2

Sony Xperia Tags

NTAG215 Aufkleber, weiß, kreisrund, 30mm,  25er-Pack

NFC Aufkleber, 25 Stück

Sony Xperia SmartTags NT1

Sony NFC Tags

Im Test haben wir Tags mit Kontaktdaten beschrieben und auf Visitenkarten geklebt. Das Android-Telefon öffnet nach dem Scannen des Tags sofort die Kontakte-App und bietet an, den Datensatz zum eigenen Adressbuch hinzuzufügen. Wir nutzten dafür die Tags NTAG213 vom Marktführer NXP mit 137 Byte verfügbarem Speicher. Darauf passen aber nur der Name, eine kurze Mail sowie die Telefonnummer, dann ist der Chip voll. Für diesen Einsatzzweck empfehlen wir NFC-Tags mit mehr Speicher. So bieten nach NDEF-Formatierung die nur minimal teureren NTAG215 480 Byte und die NTAG216 868 Byte verfügbaren Speicher.

Aber es ist auch möglich, die Tags sozusagen proprietär zu beschreiben. Dann machen sie nur dann, wenn man sie mit der passenden App ausliest, was sie sollen. So ist nur wenig Speicherplatz nötig, gleichzeitig sind aber komplexe Aufgabenstellungen möglich, die tiefer in Android eingreifen. Ein derartig beschriebenes Tag bringt beispielsweise das Handy dazu, einen Hotspot zu starten, die Lautstärke auf Maximum zu stellen, einen Klingelton abzuspielen, die Bildschirmrotation auszustellen, die Navigation zu einem gewissen Ziel zu starten und vieles mehr – auf Wunsch alles gleichzeitig. Ganz verrückt wird es, wenn NFC-Tags die Smart-Home-Steuerung übernehmen: Mit dem Handy aufs Tag tippen, um das Licht zu schalten oder die Musik zu starten? Dazu später mehr.

Die richtige App vorausgesetzt, ist das Beschreiben der Tags keine große Sache. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Ansätze: Tags, die universell von Android ausgelesen werden und Tags, die vorinstallierte Apps benötigen.

Die App NFC Tagwriter by NXP beschreibt sie universell. Unter anderem folgende Befehle sind möglich:

  • Kontaktdaten hinterlegen
  • Mit geschütztem WLAN verbinden
  • Eine URL aufrufen
  • Mit bestimmtem Bluetooth-Gerät verbinden
  • E-Mail verschicken
  • Telefonnummer anrufen
  • Eine App starten
  • geschriebenen Text vorlesen
  • SMS versenden

Das Schöne: Der NFC Tagwriter kombiniert beliebig viele diese Aktionen miteinander, die Anzahl wird lediglich von der Speicherkapazität des Chips limitiert. Einmal beschrieben, kann die App einen Schreibschutz aktivieren. Dieser ist dann allerdings dauerhaft, der Inhalt lässt sich nicht mehr ändern.

Die NFC-Tags kosten weniger als 37 Cent das Stück.

Die kostenlose App Trigger bietet deutlich mehr Möglichkeiten. Allerdings kann das Smartphone das Tag nur richtig interpretieren, wenn Trigger auch installiert ist. Ansonsten springt Android nach dem Einlesen in den Google Play Store.

So macht Trigger keinen Sinn, um für Besucher ein NFC-Tag mit den WLAN-Zugangsdaten bereit zu stellen. Hier sollte der NFC Tagwriter by NXP genutzt werden. Trigger bietet sich an, wenn immer das eigene Smartphone zum NFC-Lesen genutzt wird, zum Beispiel im eigenen Auto.

Zunächst steht es dem Nutzer offen, in Trigger Einschränkungen zu definieren. So ist ein NFC-Tag auf Wunsch beispielsweise nur zu gewissen Uhrzeiten oder bei bestehender WLAN-Verbindung lesbar, respektive führt es nur dann die zugewiesene Aktion aus. Im nächsten Menü stellt die App, unterteilt in verschiedene Kategorien, dutzende Möglichkeiten zur Verfügung, die tiefer in das System eingreifen:

  • WLAN-Hotspot aktivieren
  • Navigation mit bestimmtem Ziel starten
  • Klingelton abspielen
  • Medienwiedergabe starten
  • Auf stumm stellen
  • Alarm stellen
  • Display-Helligkeit bestimmen
  • Autorotation ein- oder ausschalten
  • Tweet senden
  • Flugmodus

Dabei haben, unabhängig von der Größe des NFC-Tags, beliebig viele Aktionen darauf Platz. Schließlich wird nur die App geöffnet und eine ID angegeben. Trigger selbst hinterlegt diese ID dann mit den Aktionen. Ein mögliches NFC-Szenario im Auto:

  • Text vorlesen: Gute Fahrt!
  • Bluetooth: ein
  • Bluetooth verbinden mit Autoradio
  • öffne Spotify
  • Medienwiedergabe starten
  • öffne Maps mit Ziel Zuhause und starte Navigation

Die App Nfpass kann Passwörter verschlüsselt auf Tags schreiben und auslesen. Dafür wird zunächst ein Masterpasswort definiert, um Zugang zur App zu erhalten. Nun erstellt man einen Nfpass-Mastertag und im nächsten Schritt ein NFC Tag mit einem unverschlüsselten Namen und einem verschlüsselten Passwort mit bis zu 35 Zeichen. Beim Auslesen wird bei geöffneter App zunächst das Mastertag gelesen, dann das Tag mit dem Passwort. Das Handy zeigt das dort hinterlegte Passwort an.

Nette Idee, allerdings etwas umständlich gelöst. Wir hätten uns gewünscht, dass Nfpass beim Auslesen des Passworts zum Beispiel gleich eine Website oder ein App öffnet und die Anmeldedaten dort einträgt. Auch hat auf jeden NFC-Tag unabhängig von seiner Größe nur ein Passwortplatz. Schade.

Die selbstklebenden Tags haben die Größe von 10 Cent Münzen.

Auch wenn NFC direkt keine Smart-Home-Anwendungen unterstützt, kann man mit einem kleinen Trick so ziemlich alles über die winzigen Tags steuern. Möglich macht dies Ifttt. Dafür erstellt man in Ifttt ein neues Applet und wählt als If-Regel den Service webhooks. In der Dokumentation ist eine personalisierte URL ersichtlich, die beim Aufrufen eine bestimmte Aktion durchführt, und diese URL schreiben wir auf ein NFC-Tag. Hält man ein Handy daran, öffnet sich die URL und Ifttt löst ein eingestelltes Event aus. Das schöne dabei: Jedes Smartphone, das die URL ansteuert, löst das geplante Event aus.

Möglich wären hier beispielsweise Tags unter dem Couchtisch, welche Lichtrezepte bei Philips Hue aktivieren. Oder ein Tag neben dem Nachttisch, welches die smarte Heizung ausschaltet. Oder das Tag im Auto, das die Beleuchtung zu Hause rot blinken lässt, damit die bessere Hälfte weiß, dass man unterwegs nach Hause ist. Mit etwas Fantasie und wenig Geld lässt sich so beinahe das gesamte Smart-Home steuern.

Ein praktischer Ansatz sind smarte Türschlösser. Statt eines Schlüssels nutzt man das Smartphone oder einen NFC-Tag, um die Tür zu entriegeln. Das hat nicht nur den Vorteil, dass man keinen Schlüssel in der Tasche suchen muss. Auch kann man einfach die Smartphones der Gäste (temporär) freischalten oder ihnen eine NFC-Karte geben. Geht diese verloren, kein Problem, man sperrt sie einfach im Schloss. Unsere Kaufberatung Sichere Smartlocks für die Haustür zeigt Details zu diesen Schließsystemen.

Die App NFC Taginfo by NXP ist das Schweizer Taschenmesser unter den NFC-Analyse-Apps. Sie liest beliebige NFC-Tags aus und zeigt deren Payload, IC-Typen und IC-Info. Sie extrahiert und analysiert Datensätze im NDEF-Format. Dabei unterstützt sie alle vom NFC Forum genehmigten Schreibverfahren.

(Kein Produktbild vorhanden)

NFC Starter Kit mit 10 Aufklebern

(Kein Produktbild vorhanden)

NFC Starter Kit mit Magnet

(Kein Produktbild vorhanden)

NXP Mifare Ultralight, 50 Karten

(Kein Produktbild vorhanden)

NXP NTAG216, 10 Stück

 10 NXP NTAG215 NFC Aufkleber

NXP NTAG215, 10 Stück

NFC-Tags sind vor allem unter Android praktisch, günstig und maßlos unterschätzt. Ob als nerdiges Statement auf der Visitenkarte, im Auto zum Starten von Musik und Navigation oder als schneller Login bei passwortgeschützten WLAN – ihre Einsatzzwecke sind vielfältig. Geradezu schwindelerregend groß werden sie im Zusammenspiel mit Ifttt. Noch dazu sind die Tags mit etwa 50 Cent sehr günstig geworden.

Seit iOS 13 können auch iPhone-Nutzer mit den günstigen NFC-Tags etwas anfangen. Bis allerdings die Funktionen mit Android gleichziehen, dürften noch einige iOS-Versionen vergehen.

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