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Ratgeber: Technik gegen Dämmerungseinbrüche

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von und Lenz und Moritz  //  Twitter

Smart-Home-Technik wie Überwachungskameras, Alarmanlagen und Leuchten versprechen Schutz vor Einbrechern. Was leisten sie in der Praxis?

Der 25. Oktober ist der Tag des Einbruchsschutzes. Er findet gleichzeitig mit der Zeitumstellung statt, denn damit beginnt auch die Saison der Dämmerungseinbrüche. Es wird früher Dunkel, Diebe können also im Schutz der Dämmerung einfacher Wohnungen ausräumen, wenn die Bewohner nicht zu Hause isnd.

Die gute Nachricht ist: Die Zahl der Wohnungseinbrüche geht zurück. Den Betroffenen nützt das freilich nichts. Viel schlimmer als der Verlust der Wertgegenstände ist das Gefühl, sich in der eigenen Wohnung nicht mehr sicher zu fühlen. Neben von der Polizei empfohlener mechanischer Sicherheit – etwa sichere Tür- und Fensterbeschläge – lässt sich inzwischen elektronische Sicherheit durch smarte Alarmanlagen mit App-Steuerung (Kaufberatung), Überwachungskameras oder Leuchten mit Bewegungsmelder nachrüsten.

Licht verscheucht dunkle Gestalten. Über klassische Baustrahler mit LEDs und Bewegungsmelder für Einfahrt, Garten und Gebäuderückseite müssen wir an dieser Stelle wohl kein Wort verlieren. Erwähnenswert sind allerdings die seit einigen Jahren erhältlichen günstigen Außenleuchten mit LEDs, Solarpanel, Akku und Bewegungsmelder, die ohne aufwendige Stromversorgung am Gartenzaun oder am Schuppen für Licht sorgen. Sie reißen weder finanziell noch vom Arbeitsaufwand her ein Loch in die Tasche.

Das Video-Bild der Ring 2 ist auch in der Nacht noch ansehnlich.

Deutlich spannender sind Außenleuchten mit integrierter WLAN-Überwachungskamera. Man tauscht sie einfach gegen vorhandene Lampen mit Bewegungsmelder aus; mehr als Strom brauchen sie nicht. Die Ring Floodlight Cam (Testbericht) ist hell genug, um Hof und Einfahrt zu erhellen, zeigt Live-Bilder per App und lädt Aufnahmen mit Bewegung in die Cloud. Ähnlich arbeiten etwa die Netatmo Presence (Testbericht) oder die Blaupunkt Wifi Lampcam (Testbericht).

Dank kabellosen, batteriebetriebenen Bewegungsmeldern eignen sich inzwischen auch smarte Beleuchtungssystem für den Garten nicht mehr nur für Stimmungsbeleuchtung. Die autarken Sensoren mit Funk-Anbindung kann man an Wänden, Zäunen oder sogar Blumentöpfen anbringen. Zudem legt man fest, welche smarten Leuchten in welcher Helligkeit und Farbe anspringen sollen, wenn sich etwas tut.

Sie werden gerne als Allheilmittel angesehen und sind das Erste, an das Technik-Fans beim Thema Einbruch denken. Sie haben aber einen ganz großen Nachteil, den bereits die Nomenklatur verrät: Im Behördendeutsch heißen Alarmanlagen Einbruchmeldeanlagen und sie tun genau das. Sie melden, wenn ein Einbruch erfolgt ist. Sie reagieren, wenn es eigentlich schon zu spät ist, wenn die bösen Buben im Haus sind.

Je nach Ausstattung können sie aber auch abschrecken. Eine deutlich sichtbare Außensirene führt zumindest bei einem Teil der Täter dazu, dass das Haus weniger interessant ist; man will ja nicht erwischt werden. Das gilt aber eher für organisierte Banden, die in kürzester Zeit möglichst viel ausräumen wollen. Beschaffungskriminalität lässt sich damit ebenso wenig verhindern wie gezielte Einbrüche. Für letztere dürften – mit Verlaub – die meisten von uns aber zu wenig interessant sein.

Für die professionelleren Alarmsysteme gibt es kompatible Außensirenen.

Gerade Smart-Home-Alarmanlagen sorgen aber auch für ein gutes Gefühl, wie der Autor aus eigener Erfahrung weiß. Ein kurzer Blick auf die zugehörige Handy-App zeigt: Türen und Fenster sind geschlossen, keine Bewegung erkannt, alles im grünen Bereich. Auch dann, wenn man Weihnachten in der Südsee verbringt.

Wichtig ist, dass man sich noch vor dem Kauf überlegt, was im Alarmfall denn eigentlich passieren soll. Professionell wäre das Aufschalten einer Sicherheitszentrale, die 24/7 reagiert und im Zweifelsfall einen privaten Wachdienst oder die Polizei vorbeischickt. Das ist allerdings teuer und mit den meisten Smart-Home-Alarmsystemen nicht zu machen – für so ein System muss man einige tausend Euro und regelmäßige Kosten einplanen. Bei Smart-Home-Systemen gibt man in der Regel eine oder mehrere Kontakte an, die das System im Alarmfall informiert; Bewohner, Nachbarn oder Verwandte. In Kombination mit einer Überwachungskamera, die einen Blick in Wohnung oder Haus ermöglicht, kann man aus der Entfernung feststellen, ob es wirklich ein Problem gibt, und dann entsprechend reagieren – aber eben mit der Gefahr, die eine oder andere Meldung auch zu verpassen.

Die Sensoren von Gigaset Elements reagieren nicht nur aufs Öffnen, sondern bereits auf Rütteln – sie können Einbrüche unter Umständen schon erkennen, bevor das Fenster aufgehebelt ist.

Wir bereits Tests zu den Smart-Home-Alarmanlagen von Abus (Smartvest), Bosch (Smart Home Alarm), Gigaset (Elements), der Ring Security Alarmanlage (Testbericht) sowie Somfy (Home Alarm) durchgeführt. Einsteiger-Sets, bestehend aus der immer nötigen Alarmzentrale mit Internet-Anbindung sowie ein paar Sensoren (Magnetkontakte für Türen und Fenster sowie Bewegungsmelder) kosten etwa 150 bis 300 Euro. Das reicht für eine Installation in einer kleinen Wohnung, wer ein ganzes Haus absichern möchte, sollte größere Starter-Sets kaufen oder sich weitere Sensoren zulegen. Mehr Informationen dazu gibt es in unserem Artikel Smart-Home-Alarmanlagen selbst planen und einbauen.

Besonders leicht einzurichten sind die Systeme von Gigaset und Bosch. Das professionellste Alarmsystem im Vergleich ist die Smartvest von Abus; wer eine Anbindung an andere Smart-Home-Komponenten sucht, sollte sich Somfy Home Alarm näher ansehen. Deutlich weniger smart, dafür aber auch ohne DSL-Verbindung im Ferienhaus oder dem Schrebergarten nutzbar, ist die Taphome-Alarmanlage mit GSM-Modul oder die Blaupunkt SA2900-R (Testbericht).

Das System von Blaupunkt benötigt kein WLAN, um Besitzer über Vorfälle zu informieren

Beide Modelle informieren im Falle eines Einbruchs via SMS – in den Anlagen ist eine SIM-Karte integriert, die Nachrichten versendet. Wer kein WLAN in seinem Ferienhaus oder Schrebergarten hat, findet bei diesen Modellen eine gute Alternative. Günstige SIM-Karten gibt es an jeder Tankstelle. Wir empfehlen Karten, die günstige SMS-Preise haben und über ein Startguthaben verfügen – schließlich wird in der Gartenlaube nicht alle zwei Stunden eingebrochen. Ergo reichen Karten mit beispielsweise 10 Euro Startguthaben und 9 Cent pro SMS für mehr als 100 Einbrüche. Internet ist nicht nötig.

Einige Tarife haben wir zusammengesucht: Der Prepaid Basic S von Congstar mit 9 Cent pro SMS, und 7,50 Startguthaben kostet 5 Euro. Bei Lidl gibt es den Connect Classic mit ebenfalls 9 Cent pro SMS und 10 Euro Startguthaben für 10 Euro.

Auch Überwachungskameras verhindern im Gegensatz zu stabileren Tür- und Fensterbeschlägen keine Einbrüche, sie können aber abschrecken und bei der Aufklärung helfen. Kombi-Kameras mit LED-Scheinwerfer empfehlen wir vor allem an dunklen Orten. Innerhalb der Testphase der Netatmo Presence (Testbericht) konnten wir so einen potentiellen Einbrecher vertreiben. Das durch den Bewegungsmelder aktivierte Licht reichte offenbar, um die fremde Person, die dem Garten des Testers einen Besuch abstattete, zu verscheuchen.

Das Licht der Netatmo Presence hat eine unbekannte Person abgeschreckt

Zu beachten ist dabei der Datenschutz. Das ist vergleichsweise unproblematisch, solange man Kameras im Haus aufhängt oder wenn Außenkameras nur das eigene Grundstück filmen; der öffentliche Raum – also Straßen, Gehwege, Parkplätze und so weiter sowie Nachbargrundstücke sind tabu. Nahzu alle Kameras bieten aber inzwischen Optionen, mit denen man sensible Bereich ausblenden oder verpixeln kann. Mehr dazu steht im jeweiligen Einzeltest in unserer Themenwelt zu Überwachungskameras.

Die Einrichtung ist oft recht simpel. Dank WLAN ist in vielen Fällen nur noch eine Stromversorgung für die Kamera nötig. Gespeichert werden die Daten bei den meisten Produkten für Privatanwender einfach in der Cloud. Das erfordert zwar eine Registrierung beim Anbieter und in vielen Fällen fällt eine kleine monatliche Gebühr für den Speicher an, dafür muss man aber weder einen eigenen Netzwerkspeicher (NAS im Vergleichstest) betreiben noch können böse Buben einfach die Speicherkarte oder die Festplatten mitgehen lassen.

Innenkameras mit WLAN können überall zum Einsatz kommen, wo es eine Steckdose gibt.

Wir haben diverse WLAN-Überwachungskameras für den Inneneinsatz verglichen. Unsere Favoriten sind die dreh- und schwenkbare Instar IN-8015 (Testbericht), die Netgear Arlo Pro (Testbericht), die auch mit Akku funktioniert und sieben Tage kostenlosen Cloud-Speicher mitbringt, sowie die Somfy One (Testbericht). Letztere integriert auch eine kleine Alarmanlage und ist kompatibel zum Somfy Home Alarmsystem (Testbericht). Wer hingegen keinen Cloud-Speicher will, sollte sich die Netatmo Presence oder die EufyCam 2c (Testbericht) ansehen. Beide Modelle bieten einen lokalen Speicher ohne Zusatzkosten und ohne Cloud.

Interessant für den Außeneinsatz ist die Ring Spotlight (Testbericht). Sie hat einen PIR-Bewegungsmelder, informiert den Benutzer auf Wunsch per Push-Nachricht auf dem Smartphone über Bewegungen, schickt den Video-Stream im Alarmfall per WLAN in die Cloud – und läuft, je nach Anwendungszweck, per Akku, Steckernetzteil oder dem optionalen Solar-Panel auch ohne Steckdose; etwa am Gartenhaus oder in der Garage. Ring gibt es übrigens auch als Türklingel Ring 2 (Testbericht) mit WLAN-Anbindung. So bekommt man per Smartphone-App immer mit, was vor der Tür los ist; egal, ob die Besucher klingeln oder nicht.

Alternativen zu festverbauten Kameras bieten die Arlo Pro (Testbericht), Arlo Pro 2 (Testbericht) oder EufyCam 2c (Testbericht). Diese Kameras sind akkubetrieben und werden wahlweise geschraubt, gestellt oder magnetisch befestigt.

Dank Solarpanel lassen sich Lichter, Überwachungskameras & Co. auch autark betreiben – etwa am Gartenzaun oder -Haus. Hier im Bild ist das optionale Solarmodul für die Ring Spotlight.

Auch wenn es paradox klingt: Smart Locks erhöhen die Sicherheit nicht zwingend. Die meisten Einbrecher hebeln Fenster, Gartentüren oder Haustüren auf und geben sich gar nicht erst mit dem Schloss ab. Wer schon einen halbwegs sicheren Schließzylinder sein Eigen nennt, schafft sich durch die Installation eines Smart Locks eher noch zusätzliche Angriffsmöglichkeiten, die lassen sich schließlich nicht nur per Kuhfuß und Bohrmaschine öffnen, sondern potenziell auch noch per Bluetooth, Funk oder Magnet.

Smart Locks erhöhen aber den Komfort. Zudem verhindern sie, dass man einen Zweitschlüssel irgendwo hinterlegt oder dass man sich selbst aussperrt. In der Kaufberatung: Sichere Smart Locks für die Haustür haben wir handelsübliche Modelle getestet. Positiv ist bei den meisten Smart Locks der überraschend leichte Einbau aufgefallen.

Smarte Schlösser wie das Nuki Combo 2 lassen sich ohne Werkzeug nachrüsten

Wer mehr Wert auf Sicherheit legt, sollte aber eher in mechanische Sicherheit investieren. Haus- und Wohnungstüren lassen sich beispielsweise ganz unsmart mit einem Querriegelschloss nachrüsten. Die Stiftung Warentest hat entsprechende Lösungen verglichen. Testsieger war damals das PR 2700 von Abus für etwa 250 Euro.

Die Polizei rät zu mechanischer Sicherheit. So weit, so richtig: Nur bessere Beschläge und Zusatzverriegelungen können Einbrüche wirksam verhindern. Das Nachrüsten ist allerdings teuer und aufwändig.

Vor allem Alarmanlagen und Überwachungskameras mögen vielleicht kein perfekter Schutz sein, sorgen aber für ein deutlich besseres Gefühl – und ermöglichen es dem Hausherren, von überall auf der Welt zu prüfen, ob alles im grünen Bereich ist. Eine besonders smarte Möglichkeit zum Nachrüsten sind dann noch die Außenleuchten mit integrierter Kamera: Sie sorgen für Sicherheit und halten schon alleine durch ihr integriertes Licht potentielle Einbrecher fern, wie wir selbst feststellen konnten.

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