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Ratgeber Smart Home: Wer richtig plant, spart bis zu 50%

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Nachrüstlösungen per Funk machen auch alte Wohnungen und Häuser schlau. Wir zeigen, welche Möglichkeiten es gibt und wie teuer smarte Leuchten, Heizung & Co. kommen.

Die Bedeutung von Smart Home ist nicht genau definiert. Im ersten Moment denkt man daran, Lampen, Steckdosen, Heizung oder sonstige Endgeräte per App steuern zu können; von zu Hause aus und unterwegs. Wirklich smart wird ein Haus aber erst dann, wenn es die entscheidenden Schritte selbst schaltet – und man sich im Urlaub keine Gedanken mehr machen muss, ob Toaster oder Bügeleisen noch am Strom hängen.

Smart-Home-Komponenten verfügen über eine wie auch immer geartete Netzanbindung. Sie haben entweder eine eigene WLAN-Verbindung oder setzen auf einen anderen Funk-Standard, der mit Hilfe eines Gateways mit dem Heimnetz oder WLAN kommuniziert Leuchten aus der Philips-Hue-Reihe oder Türkontakte von Xiaomi setzen beispielsweise auf ZigBee. Der Grund: WLAN ist vergleichsweise aufwändig, benötigt daher teure Komponenten – und braucht viel Strom. Magnetsensoren laufen dank ZigBee mit einer Knopfzelle ein bis zwei Jahre, mit WLAN wäre das niemals möglich.

Sind die Komponenten erst einmal vernetzt, stehen viele Möglichkeiten offen. Neben der Bedienung per App oder Sprachbefehl (Amazon Alexa & Co.) sind vor allem die automatisierten Steuerungsmethoden per Skript oder Sensoren interessant. Zeit- oder bewegungsgesteuertes Ein- oder Ausschalten von Licht sind dabei nur zwei sehr einfache Beispiele. Weiter gedacht kann ein Bewegungsmelder bei Anwesenheit der Bewohner das Licht schalten, bei Abwesenheit den Alarm aktivieren. Wer nicht zu Hause ist, kann die Beleuchtung auch automatisiert ein- und ausschalten, um so seine Anwesenheit zu simulieren.

Die Konfiguration des Systems ist in der Regel unkompliziert, solange die Komponenten von einem einzelnen Hersteller kommen und perfekt aufeinander abgestimmt sind. Werden Geräte verschiedener Hersteller gemischt, muss der Anwender etwas mehr Zeit investieren und benötigt externe Software, um die herstellerübergreifende Kommunikation sicherzustellen. Programme wie FHEM oder ioBroker und Web-Dienste wie IFTTT helfen dabei, verschiedene Fabrikate miteinander zu vernetzen. Die Vorteile der Bastellösung sind die geringeren Kosten und die weit größere Flexibilität bezüglich der Komponentenwahl und der Einstellungsmöglichkeiten.

Die Nachrüstung von Smart-Home-Komponenten kann Geld sparen. Durch Reduzierung der Strom- und Heizkosten wird zudem die Umwelt geschont. Dies geschieht beispielsweise durch das Abschalten von Standby-Verbrauchern, Lampen und Heizkörpern bei Abwesenheit, wobei man fairerweise den Eigenverbrauch der schlauen Komponenten mit einrechnen muss.

Viel entscheidender ist der Komfort-Gewinn. Smarte Geräte nehmen dem Nutzer Arbeit ab. Vernetzter Thermostate stellen die Temperatur der Heizung beispielsweise immer perfekt ein und wissen im Voraus, wann die Sonneneinstrahlung im Wohnzimmer für Wärme sorgt. Auch das automatische Dimmen der Wohnzimmerbeleuchtung oder das Herunterfahren der Jalousien beim Einschalten des Fernsehers ist ein mögliches Szenario.

Das Angebot von vernetzten Leuchtmitteln ist sehr groß und umfasst neben weißen LED-Birnen mit E14- und E27-Fassungen auch komplette Lampensysteme, farbige Stimmungsleuchten und LED-Streifen. An Steckdosen angeschlossene Stehampen werden per WLAN-Zwischenstecker smart.

Zu den bekanntesten Herstellern gehören Philips und Osram. Aber auch hierzulande weitgehend unbekannte Hersteller wie Xiaomi oder Sonoff haben vernetzte Leuchtmittel, Bewegungsmelder & Co. im Portfolio. Wer diese sehr günstigen Komponenten nutzen will, muss sie allerdings häufig aus dem Ausland importieren.

Während viele Lampen nur eine Lichtfarbe darstellen, gibt es auch Modelle mit verschiedenen Weißtönen und bunte RGB-Leuchtmittel. Die Preise der Lampen unterscheiden sich zum Teil extrem. Das Modell Osram Ledvance Smart+ Dimmable Classic A60 10W E27 mit einem festen Farbspektrum kostet beispielsweise 12 Euro je Stück. Für die sehr ähnliche Osram Ledvance Lightify Classic A 60 RGBW 10W E27, deren Tageslicht-Farbspektrum einstellbar ist, fallen fast 30 Euro an. Wer genau hinsieht und die Preise vergleicht, kann ordentlich sparen.

Osram Ledvance Lightify Classic A  60 RGBW 10W E27 FR (926097)

Osram Lightify variable Tageslicht-Farben

Osram Ledvance Smart+ Dimmable Classic A60 10W E27 (816510)

Osram Lightify feste Tageslicht-Farbe

(Kein Produktbild vorhanden)

LED-Stripe Luminea

Philips Hue White and Color Ambiance LightStrip Plus Basis (71901/55/PH)

LED-Stripe Philips Hue

Yeelight LED-Blub E27  9W Color

RGB Yeelight

Philips Hue White and Color Ambiance Single LED-Bulb E27 10W (592984-00)

RGB Philips Hue

Wer mehrere Bewegungsmelder in der Wohnung verteilt, kann im krassen Fall komplett auf Lichtschalter verzichten. Die von uns heraus gesuchten Geräte sind batteriebetrieben und funktionieren unabhängig von jedem Stromanschluss. Per App ist der Batteriestatus jederzeit ersichtlich, damit es zu keinen dunklen Überraschungen kommt. Welcher Sensor welche Endgeräte ansteuert, wird in der App hinterlegt. Neben der Schalt-Dauer, die oft Treppenlichtfunktion genannt wird, kann man beispielsweise auch Zeitpläne aktivieren, damit der Bewegungsmelder nicht Mittags das Licht einschaltet.

Wer seine smarten Geräte lieber per Schalter bedient, kann auch diese problemlos nachrüsten. Verfügbar sind einfache Ein- und Ausschalter, Schalter mit Dimmfunktion oder Farbauswahl und Mehrfach-Schalter. Neben Einbauschaltern, die oft auf WLAN setzen und eine Stromversorgung benötigen, bieten sich vor allem batteriebetriebene Funktaster an. Diese klebt man entweder mit doppelseitigen Pads wie einen normalen Lichtschalter an die Wand oder legt sie auf den Tisch oder aufs Sofa. Ein praktisches Beispiel ist der Generalschalter an der Haustüre, der alle Lichter und Verbraucher auf einmal abschaltet.

Smartwares SH5-TSO-A, Bewegungssensor (10.037.11)

Smartwares Bewegungssensor

Philips Hue Bewegungssensor (8718696595190)

Philips Hue Bewegungssensor

Busch-Jaeger ZigBee Light Link future linear, ZLL, studioweiß, Bedienelement, 1-fach (6735-84)

Busch-Jaeger Funkschalter

Osram Lightify Schalter

Osram Lightify Funkschalter

Vernetzte Zwischenstecker gibt es in unterschiedlichsten Bauformen. Einige Modelle sind klein und unauffällig, andere groß, beleuchtet und verfügen über einen zusätzlichen USB-Anschluss. Manche Adapter haben einen Stromsensor verbaut und eignen sich so gleichzeitig zur Ermittlung des Stromverbrauchs. Die smarten Steckdosen schalten beispielsweise den Ventilator per Sprachbefehl ein oder aus, starten den Heizlüfter beim Betreten des Zimmers oder trennen Standby-Verbraucher beim Verlassen der Wohnung vom Stromnetz.

Bei der Nutzung von Zwischensteckern ist es wichtig, diese keinesfalls zu überlasten. Wer beispielsweise mehrere Steckdosenleisten über einen Zwischenstecker ansteuert, riskiert im schlimmsten Fall einen Brand. Die Preise für sehr günstige Dosen beginnen bei etwa 13 Euro. Der Hersteller Bosch verlangt für sein Modell etwa das Vierfache. Osram nimmt für seinen, dem Bosch sehr ähnlichen, Zwischenstecker 20 Euro. Auch hier lohnt der Blick in den Preisvergleich.

Osram Smart+ Plug, Funksteckdose

Osram Zwischenstecker

(Kein Produktbild vorhanden)

Weio Zwischenstecker

Bosch Smart Plug AA, Funksteckdose (8750000004)

Bosch Zwischenstecker

Smarte Lautsprecher ermöglichen die Steuerung der vernetzten Komponenten per Sprachbefehl. Gleichzeitig spielen sie Musik von Streaming-Diensten wie Amazon Music oder Spotify ab. Einige Modelle verfügen über eine Multiroom-Funktion und spielen Musik synchron auf mehreren Boxen.

Die kleinen und günstigen Geräte wie Echo Dot oder Google Home Mini eignen sich aufgrund der eingeschränkten Klangqualität vor allem zur Sprachsteuerung und als Küchenradio-Ersatz. Modelle mit Audio-Ausgang, wie der Echo Dot, können per Klinkenkabel an vorhandene Stereoanlagen angeschlossen werden.

Große Lautsprecher wie Echo Plus, Sonos One oder JBL Link 300 kosten zwar mehr, haben aber auch eine deutlich bessere Soundqualität. Der Echo Plus von Amazon hat außerdem einen integriertes Zigbee-Gateway und steuert kompatible Endgeräte wie Philips Hue ohne zusätzliches Equipment an.

Amazon Echo Plus schwarz

Amazon Echo Plus

Sonos One weiß

Sonos One

(Kein Produktbild vorhanden)

JBL Link 300

Amazon Echo Dot (Rev. 2), Zentrale schwarz

Amazon Echo Dot

Philips Hue Bridge 2.0, Gateway (929001180601)

Philips Hue Gateway

Osram Lightify Home Gateway (926172)

Osram Lightify Gateway

Am einfachsten ist die Nachrüstung von vernetzten Thermostaten und Stellmotoren für Heizkörper oder Bodenheizung. Die Steuerung erfolgt mit Hilfe von Temperatursensoren und einer Zeitsteuerung. Wirklich effizient arbeitet die Heizung in Kombination mit Schließ- und Öffnungs-Sensoren für Fenster und Türen. Richtig programmiert, regeln diese die Heizung automatisch herunter, sobald der Raum gelüftet wird. Wer die Anlage per GPS-Daten vom Smartphone über seinen Aufenthaltsort informiert, kann sie auch automatisch aufdrehen, wenn man beispielsweise nach der Arbeit nach Hause fährt. Die Steuerung über Bewegungssensoren ist ebenfalls denkbar.

Im Bereich Smart-Home-Heizungszubehör bieten zahlreiche Hersteller passende Produkte an. Dazu zählen beispielsweise Tado, Bosch und eQ-3 Homematic.

Neben smarten Bewegungsmeldern gehören auch vernetzte Kameras, Türklingeln, Wasserstands- oder Rauchmelder zum Thema Smart Home. Dank WLAN-Anbindung melden diese Vorkommnisse direkt ans Smartphone des Anwenders und lösen beispielsweise Alarm aus. Die Überwachung der eigenen vier Wände ist allerdings nicht ganz trivial, weshalb wir Alarmanlagen in einem eigenen Artikel behandeln.

Laut offizieller Quellen beträgt die durchschnittliche Wohnfläche in Deutschland etwa 45 qm. Wir gehen von insgesamt fünf Räumen aus: Küche, Bad, Flur, Schlaf- und Wohnzimmer. Für unsere Beispielrechnung statten wir alle Zimmer mit einer Lampe (weiß, E27) und Steckdose aus. Zur Steuerung kommen zwei Bewegungssensoren in Flur und Küche und drei Lichtschalter (in den restlichen Zimmern) zum Einsatz. Zur Sprachsteuerung kommt ein großer Alexa-Lautsprecher und ein Gateway ins Wohnzimmer und jeweils ein kleiner Speaker in Küche und Bad. Zusätzlich spendieren wir der Musterwohnung eine smarte Türklingel mit Kamera, zwei Heizkörper-Regler und zwei Temperatursensoren.

Um einen realistischen Endpreis zu errechnen, haben wir keine Sonderaktionen und Set-Angebote genutzt, sondern lediglich die Einzelpreise aus dem Preisvergleich genutzt.

Beispielkonfiguration mit teuren Komponenten
Produkt Einzelpreis Menge Summe
Osram Ledvance A60 RGBW 10W E27 29,95€ 5 149,75€
Bosch Smart Plug AA, Funksteckdose 49,76€ 5 248,80€
Philips Hue Bewegungssensor 31,09€ 2 62,18€
Busch-Jaeger Funkschalter 43,21€ 3 129,63€
Sonos One 196,99€ 1 196,99€
Philips Hue Bridge 2.0, Gateway 39,85€ 1 39,85€
Echo Dot 2.Gen schwarz 36,90€ 2 73,80€
Homematic Heizkörperthermostat 41,60€ 2 83,20€
Heiman Thermometer 21,99€ 2 43,98€
Ring Doorbell 2 184,99€ 1 184,99€
1.213,17€
Beispielkonfiguration mit günstigen Komponenten
Produkt Einzelpreis Menge Summe
Osram Ledvance Classic A60 10W E27 11,98€ 5 59,90€
Wlan Steckdose,WEIO 12,99€ 5 64,95€
Smartwares Bewegungssensor 14,04€ 2 28,08€
Osram Lightify Schalter 19,90€ 3 59,70€
Echo Plus inkl. Gateway 149€ 1 149€
Echo Dot 2.Gen 36,90€ 2 73,80€
eQ-3 Max Heizkörperthermostat 14,92€ 2 29,84€
Heiman Thermometer 21,99€ 2 43,98€
Ring Doorbell 98,99€ 1 98,99€
608,24€

Smart-Home-Komponenten erleichtern der Alltag und sparen Betriebskosten. Wer sich bei der Planung Zeit nimmt und den Preisvergleich benutzt, kann bei der Anschaffung ordentlich sparen.

Wer beispielsweise bei der Beleuchtung auf verschiedene Lichtfarben verzichtet und sich für einen Farbton entscheidet, reduziert seine Kosten um knapp 60 Prozent.
Wer möglichst günstig kauft, muss allerdings auf eine Vielzahl verschiedener Hersteller zurückgreifen, was die Programmierung komplizierter macht. Um unterschiedliche Fabrikate vernünftig miteinander zu vernetzen, empfehlen wir die kostenlose Software ioBroker.

Wem die Kombination verschiedener Standards zu kompliziert erscheint, der sollte sich auf einen oder zwei Hersteller konzentrieren und auf fertige Sets zurückgreifen. Die Kosten sind allerdings weit höher als bei einem Geräte-Mix.

Detaillierte Informationen zu dem Thema finden sich im Sonderheft c't wissen Smart Home 2017/18.

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