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Ratgeber Multiroom-Systeme: Sound in jedem Zimmer

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Überall Musik hören, das versprechen Multiroom-Lösungen wie Sonos, Musiccast oder Airplay 2. Wir stellen die Systeme vor und zeigen, worauf man vor dem Kauf achten sollte.

Musik bequem am Smartphone auswählen und in allen Winkeln der Wohnung hören: Mit Streaming-Diensten, schnellem WLAN und Multiroom-Systemen ist das einfach möglich – und gar nicht mehr teuer. Wir geben in unserem Ratgeber einen Überblick zur allgemeinen Technik, erklären die Produkte und geben am Ende Tipps, für wen sich welches System eignet.

Der Ratgeber ist Teil unserer Themenwelt rund um Multiroom. Dort haben wir bereits Tests zu Sonos, Musiccast, Raumfeld oder Heos veröffentlicht. Dazu kommen zahlreiche Einzeltests zu unterschiedlichen Produkten wie etwa dem Sonos Move, dem Sony ZR7 oder dem Pioneer MRX-3.

Multiroom-Systeme kommunizieren üblicherweise per WLAN. Die einzelnen Lautsprecher arbeiten im Verbund, der erste Lautsprecher wird dabei oft automatisch als Controller eingerichtet. Zusätzliche Bridges oder Hubs sind inzwischen nicht mehr notwendig. Zusätzliche Lautsprecher desselben Typs können die notwendige Konfiguration von bereits installierten Geräten kopieren, sodass etwa Konten für Streaming-Dienste nur einmal hinterlegt werden müssen.

Einmal eingerichtet, kann man die verschiedenen Lautsprecher von überall ansteuern, meist vom Smartphone, Tablet oder per Sprachassistent. Der Einsatz von WLAN hat einen großen Vorteil gegenüber klassischen Bluetooth-Lautsprechern: Die Musikwiedergabe ist nicht an die Steuerung gekoppelt, sprich, das Smartphone oder Tablet muss nicht in direkter Reichweite des Lautsprechers sein. Die Multiroom-Systeme verbinden sich direkt mit Streaming-Diensten wie Spotify, Deezer oder Amazon Music und ziehen sich die Musikdaten direkt aus dem Web. Das funktioniert beim lokalen Streaming, etwa von einem Media-Server oder von einem Plattenspieler (Ratgeber).

Woher kommt die Musik? In den meisten Systemen dürfte es sich um Inhalte von Streaming-Diensten handeln. Der wahrscheinlich am weitesten verbreitete Dienst ist Tunein, ein Streaming-Service für Radiosender. Kein Wunder, schließlich ist die Nutzung kostenlos. Danach kommen die bekannten Streaming-Dienste, etwa Spotify, Apple Music, Amazon Music, Deezer, Google Play Music und so weiter. Allerdings kann nicht jedes System mit jedem Streaming-Dienst zusammenarbeiten. Sobald man in exotischere Bereiche oder zu Lossless-Angeboten kommt, sollte man vorab prüfen, wer was kann.

Neben Online-Streaming können die meisten Geräte Inhalte aus lokalen Quellen wiedergeben. Das kann etwa die digitalisierte Platten- oder CD-Sammlung sein, die auf einem UPnP-Mediaserver liegt. Exotischer ist es, Plattenspieler und CD-Player direkt ins Netzwerk streamen zu lassen. Der CD-Player Marantz ND8006 nutzt dazu etwa das Heos-System von Denon, der Plattenspieler Yamaha VINYL 500 setzt auf Yamahas Musiccast.

In den letzten Jahren ist der Markt für Multiroom-Systeme nicht nur gewachsen, er wurde minimal durchlässiger. Das liegt an Quasi-Standards wie Spotify Connect, Airplay oder Chromecast. Damit kann man seine eigene Musik auf Endgeräten verschiedener Hersteller wiedergeben. Dennoch ist es meist so, dass man sich für einen Hersteller entscheidet und anschließend bei ihm bleibt. In der Liste zeigen wir zuerst die drei großen Steuerungsprotokolle Airplay 2, Google Chromecast und Spotify Connect. Anschließend geht es mehr in die Hardware, wir zeigen dedizierte Multiroom-Systeme. Diese nutzen neben den genannten Protokollen meist eine eigene App, über die sie sich einrichten, steuern oder sich mehrere Lautsprecher gruppieren lassen.

Airplay 2 ist ein proprietärer Standard von Apple. Damit integriert man Multiroom-Systeme komplett in die Apple-Welt und kann die Geräte beispielsweise direkt vom Sperrbildschirm des iPhones steuern. War Airplay 1 nur in relativ wenigen Geräten vertreten, so hat Apple mit Airplay 2 eine ganze Reihe von namhaften Herstellern überzeugt. Dazu gehören beispielsweise Bose, Denon, Libratone, Polk Audio oder Marantz. Und natürlich darf der hauseigene Apple Homepod (Testbericht, Note 2) nicht fehlen.

Airplay 2 ist naturgemäß nur für Apple-Fans eine sinnvolle Investition. Wer aber sowieso in diesem Universum unterwegs ist, der kann damit seine Wohnung audiotechnisch sinnvoll erweitern und alles aus einer Hand steuern. Airplay 2 scheint in jedem Fall eine ähnliche Evolution wie Apple Homekit (Ratgeber) durchzumachen. Airplay startete zwar langsam, wird aber inzwischen zu einem soliden System.

Mit Chromecast lassen sich die verschiedensten Systeme übers Netzwerk ansteuern, es ist quasi das Android-Pendant zu Airplay (ist aber auch zu iOS kompatibel). Doch obwohl es von Google selbst zu Chromecast, gerade im Bereich Audio, ruhig wurde, kommen immer mehr Produkte mit diesem Feature in den Handel. Das gilt beispielsweise für Fernseher mit Android OS oder eben vernetzte Lautsprecher. Chromecast eignet sich für Audio ebenso wie für Audio. So integrieren Streaming-Dienste die Technik ebenso wie etwa Youtube oder Podcast-Anwendungen.

Spotify Connect hat sich in kurzer Zeit zu einem der weitverbreitetsten Steuerungsprotokoll für Musikgeräte gemausert. Wie der Name verrät, stammt es von Spotify und arbeitet nur mit der App dieses Anbieters. Spotify Connect findet alle kompatiblen Geräte im WLAN automatisch, ein Setup oder eine Einrichtung darüber hinaus ist meist nicht notwendig.

Die Steuerung ist einfach: Man wählt am PC, Tablet oder Smartphone den Song aus, klickt auf „Mit einem Gerät verbinden” und hört die Musik anschließend über dieses Endgerät. Schwieriger wird es, wenn man Räume gruppieren möchte, dann braucht man mehrere Lautsprecher vom selben Hersteller. Dennoch, seit Spotify Connect mit dem kostenlosen Account funktioniert, bekommt man eine einfache Möglichkeit, um günstige Abspielgeräte anzusteuern.

Die alte Dame der Multiroom-Systeme ist ohne Zweifel Sonos (Themenwelt und Einzeltests). Die Produkte sind nicht nur immer noch sehr gut, sie sind quasi unzerstörbar. Sie halten so lange, dass das Unternehmen kürzlich enorm negative Schlagzeilen bekam, als es den Support für einige ältere Lautsprecher einstellen wollte (Sonos verspricht Update für Mischbetrieb alter und neuer vernetzter Lautsprecher). Tatsächlich galt Sonos lange als Apple für Multiroom: Man bekommt ein System, das einfach zu bedienen ist und gut funktioniert, dafür aber etwas mehr kostet. Das hat sich dank der Kooperation mit Ikea geändert. In der Symfonisk-Serie des Möbelhauses stecken 100 Prozent Sonos-Lautsprecher, die sich problemlos mit anderen Geräten des Herstellers integrieren. Und das zu Preisen von 99 bzw. 179 Euro. Der Klang ist dabei durchaus mit den Play-1-Lautsprechern vergleichbar.

Sonos Move (32 Bilder)

Sonos bietet neben den klassischen Lautsprechern noch anderen Formfaktoren. So gibt es beispielsweise die Soundbars Playbar, Beam oder Playbase für den Einsatz am TV. Mit dem kabellosen Subwoofer Sub kann man dem Klang mehr Bass verleihen. Wer alte Stereoanlagen oder Lautsprecher verbinden möchte, kann dazu Port oder Amp verwenden – auch wenn diese Produkte so viel kosten wie ein komplett neuer Lautsprecher.

Interessant für alle mit Garten ist der Sonos Move (Testbericht, Note 1). Dieses Gerät hat einen integrierten Akku, ist gegen Spritzwasser geschützt und kann Audiodaten per Bluetooth empfangen. Sonos bietet zudem eine durchdachte App mit sehr guter Spotify-Integration. Parallel lässt sich die Wiedergabe per Amazon Alexa oder Google Home steuern.

Ein Angriff auf Sonos kommt direkt von Amazon. Der Anbieter hat seine Echo-Lautsprecher im letzten Jahr sukzessive auf ein Multiroom-System ausgebaut. Dabei wurde nicht nur der Klang der großen Echos verbessert. Amazon hat mit dem Echo Studio gezielt an Lautsprechern gearbeitet, die es klanglich mit „echten” Hifi-Systemen aufnehmen. Dazu gibt es Echo Link für die bestehende Stereoanlage sowie Echo Link Amp, um daran direkt Lautsprecher anzuschließen. Sämtliche Geräte stellen wir im Artikel Amazon Echo: Alle Modelle im Vergleich genauer vor.

Amazon Echo Link (13 Bilder)

Die primäre Steuerung erfolgt über die Sprache, der Assistent Alexa ist fester Bestandteil dieses Konzepts. Dazu ist der Dienst zu allen Diensten kompatibel, die eine App für Alexa oder im Amazon Play Store anbieten. Neben der Musikwiedergabe können Echo Plus, Echo Show und Echo Studio als Hub für Zigbee-Geräte dienen und so das Smart Home steuern.

Wer den Hersteller Teufel kennt, der weiß, was ihn im Raumfeld-System (Testbericht, Note 1) erwartet: Fetter Bass trifft auf ordentlichen Klang in optisch ansprechenden Lautsprechern. Teufel hat sich mit Raumfeld eine solide, wenn auch nicht ganz billige Nische geschaffen. Neben den kleinen Einzellautsprechern gibt es Stereo-Lautsprecher, eine Soundbar beziehungsweise ein Sounddeck (Testbericht, Note 2), das komplett unter den TV kommt. In unserem Test gefiel uns der Klang und die verschiedenen Formfaktoren sehr gut. Außerdem ist es praktisch, dass ein Raumfeld-Lautsprecher als Musikserver arbeiten und Inhalte von einem angeschlossenen USB-Speichermedium ans ganze Haus streamen kann.

Teufel Raumfeld: App (23 Bilder)

Während des Setups nimmt das System auch Updates vor, wenn notwendig.

Wir fanden allerdings, dass die Equalizer-Einstellungen etwas versteckt waren und dass die Integration mit Sprachassistenten besser gelöst sein könnte. Dennoch, die Raumfeld-Geräte sind durchdachte Boxen für Multiroom-Umgebungen.

Fans von Onkyo oder Pioneer sollten sich den Flareconnect, das ehemalige Fireconnect, genauer ansehen. Dabei ist es kein Wunder, dass gerade deise einstigen Konkurrenten so gut zusammenarbeiten. Onkyo besitzt seit März 2015 rund 49 Prozent von Pioneer. Den Geräten schadet das nicht, wie unsere Tests zum Pioneer MRX-3 (Testbericht, Note 3) oder dem Onkyo NCP-302 (Testbericht, Note 2) zeigten. Der größte Kritikpunkt dabei, dass sich AUX nicht im Multiroom verwenden lässt, hat das Unternehmen mit dem Rebranding auf Flareconnect gleich ausgehebelt. Lokale Quellen lassen sich jetzt im Netzwerk streamen. Dabei kann man sogar wild mischen und Songs von Streaming-Diensten, USB-Speichern oder NAS-Speichern in einer Playlist zusammenstellen.

Die großen Hifi-Hersteller schaffen den Spagat zwischen Multiroom-Lautsprechern und klassischem Equipment so spannend. Denn so halten die Streaming-Features in Verstärker wie den Onkyo Home AV Einzug. Wer also bereits ein gut ausgebautes Hifi-System hat, der muss nur den Verstärker wechseln und kann die teuren Boxen, Platten- und CD-Spieler oder sonstiges Zubehör weiternutzen. Neben dem eigenen System setzt Onkyo bei Flareconnect-Produkten konsequent auf Chromecast. Das öffnet das System für die Steuerung per Google Home.

Denon legt mit Heos seine Version von Multiroom vor. Wie bei Onkyo erstreckt sich die nicht nur auf einzelne Lautsprecher, sondern über das komplette Hifi-Segment. In unserem Test von Heos (Testbericht, Note 1) gefiel uns die durchdachte App und die große Produktauswahl. Für die Grundfunktionen und Spotify Connect musste kein Account angelegt werden.

Heos App (23 Bilder)

Denon Heos

Mittelfristig sollte man dies aber dennoch machen, einfach um das System besser in Griff zu haben. Heos gibt es nicht nur in den Produkten von Denon, das System steckt zudem in einigen Verstärkern von Marantz. Kein Wunder, gehören doch beide Marken zum Unternehmen Sound United.

Hinter Musiccast steckt Yamaha. Wie Heos oder Flareconnect erweitert die Multiroom-Funktion eher das Produktsortiment, als dass der Hersteller alles darauf setzt. Das ist aber nicht schlecht, im Gegenteil. Im Artikel zu Musiccast (Testbericht, Note 1) gefiel uns erneut, dass man so eine breite Produktpalette nutzen kann. Neben den dedizierten Lautsprechern gibt es Musiccast als Teil von Soundbars oder in AV-Receivern.

Musiccast App (23 Bilder)

Yamaha Musiccast

Wer also bereits Yamaha besitzt und upgraden möchte, der dürfte recht schnell fündig werden. Für die Steuerung per App ist kein Account notwendig, zudem kann man eigene Fotos der jeweiligen Gerät in der App hinterlegen. Besonders gut hat uns die Update-Prozedur gefallen. Dabei wird die neue Firmware im Hintergrund heruntergeladen und erst dann installiert, wenn man nicht mehr hört. Alles in allem ein sehr solides System.

Bose möchte sich das Thema Multiroom nicht entgehen lassen und hat zwei große Familien: Die Soundtouch-Serie und die Smart-Home-Familie. Beide besitzen WLAN und können Musik streamen, aber nur die Smart-Home-Familie besitzt integrierte Sprachassistenten. Ansonsten erinnert das Line-Up stark ans Angebot von Sonos. Bose hat keine AV-Receiver, sondern setzt auf eigenständige Lautsprecher und Soundbars. Gesteuert werden die Bose-Geräte per Bose Music oder Airplay 2. In unserem ersten Kurztest mit dem Portable Speaker von Bose hat das wunderbar funktioniert.

Wo es früher nur Sonos gab, hat man heute die Qual der Wahl. Was sollte man sich also kaufen? Es kommt im Grunde auf die Features an, die man haben möchte. Apple-Nutzer sollten ganz klar Airplay 2 auf die Wunschliste ganz oben setzen. Wer sowieso nur Spotify hört, für den ist Spotify Connect wichtig. Die nächste Entscheidung ist, ob man einzelne Systeme alleine ansteuern möchte (etwa erst morgens im Bad und anschließend in der Küche) oder ob man mehrere Systeme in Räumen zusammenfassen und gemeinsam ansteuern will, etwa in einem Wireless-Surround-System mit Soundbar und externen Lautsprechern. Dann reichen Airplay, Chromecast und Spotify Connect nicht mehr und es braucht ein echtes Multiroom-System.

Schließlich muss man sich entscheiden, ob man bestehende Geräte weiter nutzen möchte oder komplett neu ins Streaming einsteigt. Anders gesagt: Wer bereits ein ordentliches Hifi-Setup hat, der muss nicht alles rauswerfen, im Gegenteil. Da die Hersteller endlich aufgewacht sind, kann man seiner Investition mit einem neuen Receiver von Yamaha, Denon, Pioneer oder Onkyo ein neues (Multiroom)-Leben einhauchen und das Setup über die kleinen Lautsprecher weiter ausbauen. Wer komplett neu startet, der hat die größte Auswahl – und Sonos hat mit der Ikea-Kooperation hier durchaus einen ordentlichen Schritt hin zu niedrigen Preisen getan.

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