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Ratgeber Mini-PCs: Komplette Rechner unter 200 Euro

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PCs müssen nicht teuer sein. Inzwischen bekommt man komplette Windows-Rechner unter 200 Euro. TechStage zeigt, was die Geräte können, wozu man sie nutzen kann und wo die Grenzen liegen.

PC-Leistung ist in den letzten Jahren enorm billig geworden. Das sieht man nicht nur an virtuellen PCs, die man für wenig Euro pro Monat in der Cloud mieten kann. Auf dem Markt gibt es zahlreiche Komplettsysteme, die für wenig Geld einen kompletten PC mit Intel-CPU, Speicher, RAM und allen wichtigen Anschlüssen mitbringen. Wer will, kann sich für unter 200 Euro so ein Gerät als Home-Server, zur Steuerung des Smart Home, als Verwaltung für WLAN-Access-Points oder einfach als günstiges Alltagsgerät nach Hause holen.

In diesem Artikel stellen wir die verschiedenen Geräte vor, erklären, was sie vom Raspberry Pi unterscheidet, welches Betriebssystem man verwenden kann und auf welche Punkte man achten sollte.

Warum 200 Euro ausgeben, wenn es ein Raspberry Pi für 40 Euro tut? Eine legitime Frage. Wer tatsächlich nur einen einzige Aufgabe lösen will, der ist mit einem Raspberry Pi meist gut bedient. Gerade, wenn es fertige Programmpakete gibt, etwa für Retro-Gaming (Retropie-Ratgeber) oder als Media-Center. So gut der Raspberry Pi ist, er kommt aber irgendwann an seine Grenzen. Konkrete Beispiele sind etwa ein Server für ein Smart-Home mit IObroker und ETS oder ein einfacher Server zur Steuerung mehrerer Ubiquiti-Access-Points. Ersterer benötigt ein vergleichsweise performantes Windows-System, letzterer schreibt so viele Daten in die Datenbank, dass eine SD-Speicherkarte, wie sie im Raspberry Pi genutzt wird, an ihre Grenzen kommt.

Mini-PCs liefern erstaunlich viel Leistung auf einer kleinen Fläche.

Entsprechend geht es in diesem Beitrag nicht darum, den Raspberry Pi schlecht zu machen. Es gibt aber einfach Szenarien, in denen er nicht mehr passt. Und hier kommen die Mini-PCs ins Spiel.

Wer sich mit kleinen PCs beschäftigt, der gerät in einen Strudel der Bezeichnungen. Worin unterscheidet sich ein Thinclient von einem NUC oder einem Komplettsystem? Und was ist mit Barebones, NUC-Kits und Nettops?

Es hilft, einen Schritt zurückzutreten. Im Grunde gibt es zwei große Kategorien: Fertige Systeme wie Nettops, Komplettsystem oder Multimedia-PCs und unfertige Systeme wie Barebones und (teilweise) NUCs. Die fertigen Systeme bringen alles direkt mit und müssen nur angesteckt und eingeschaltet werden. Die unfertigen Systeme beschränken sich oft auf Mainboard, Gehäuse und CPU. RAM und Massenspeicher müssen separat gekauft und eingebaut werden.

Beide Konzepte haben Vor- und Nachteile. Die fertigen Systeme sorgen für wenig Kopfschmerzen. Man sucht sich aus, was man haben möchte oder geht, je nach Budget, einen Kompromiss ein. Windows 10 ist meist als Betriebssystem vorinstalliert und man kann direkt loslegen. Dafür bekommt man mehr oder weniger eine Blackbox. Ja, meist kann man zwar das Gehäuse öffnen, Speicher oder RAM sind aber oft direkt auf das Mainboard gelötet und lassen sich nicht ohne Weiteres austauschen. Spätestens bei einem defekten RAM wird das sehr nervig.

Die unfertigen Geräte sind meist nicht ganz so kompakt und man benötigt zusätzliche Hardware. Dafür ist man hier bei der Hardware flexibler. Das gilt vor allem für den Hauptspeicher, so dass man nicht nur teuren NVMe- oder MMC-Speicher nehmen muss, sondern auch vergleichsweise günstige SATA-Festplatten im 2,5-Zoll-Format einbauen kann.

Und die Thin-Clients? Von denen würden wir im Einsatz als lokaler PC oder als Home-Server-Umbau abraten. Die Geräte sind darauf ausgelegt, dass die anspruchsvollen Aufgaben von einem entsprechend leistungsstarken Server erledigt wird. Entsprechend sind vor allem bei den günstigen Geräten der RAM, der lokale Speicher und die Kapazität der CPU arg limitiert. Wer allerdings Lust auf die Bastelei hat, dem empfehlen wir, bei Ebay oder anderen Seiten nach gebrauchten Thin-Clients zu suchen. Hier bekommt man meist sehr gute Deals.

Die meisten fertigen Mini-PCs kommen mit einem vorinstallierten Windows 10, Home Edition. Gerade bei den ganz günstigen Geräten erreicht man damit schnell die Grenzen des Gerätes. Es spricht aber absolut nichts dagegen, eine schlanke Linux-Distribution auf die Geräte zu werfen. Wer den PC sowieso als Router nutzen möchte, der kommt damit im Zweifel weiter als mit Windows 10 Home.

Nicht alle Geräte erlauben das Booten USB-Medien. Oft hilft aber ein Update des BIOS.

Die größte Hürde kann es dabei sein, dass der Mini-PC nicht von einem USB-Gerät booten möchte. Dieses Problem hatten wir etwa beim ersten Test des Minix Neo N42C-4. Inzwischen erschien aber ein BIOS-Update, danach war es kein Problem, eine Live-Session von Xubuntu zu starten und das OS auf dem System zu installieren. Entsprechend lohnt es sich, das BIOS aktuell zu halten.

Wer Windows 10 nutzen möchte, dem empfehlen wir Systeme mit mindestens 4 GByte RAM und mindestens 64 GByte. Gerade beim Speicher sollte man sich auf keinen Fall auf 32 GByte einlassen. Das liegt daran, dass Windows 10 nach der Installation mehr als 22 GByte belegt - das Betriebssystem ist einfach riesig. Das lässt nicht nur wenig Platz für zusätzliche Anwendungen und Dateien, tatsächlich hatten wir massive Probleme, größere Updates einzuspielen. Selbst wenn man weitere Speichermodule einbauen kann, wir empfehlen für die Windows-Partition mindestens 64 GByte. Anders ist es bei Linux, hier reichen 32 GByte meist locker.

Neben der verbauten CPU und GPU sind die verfügbaren Anschlüsse der größte Unterschied bei den Geräten. Ein Beispiel: Der Minix Neo N42C-4 (Testbericht) kommt mit LAN, HDMI, Mini-Display-Port, USB-A und einem USB-C-Anschluss. Der knapp 50 Euro billigere Minis Forum GN34 verzichtet auf Mini-Displayport und USB-C. Hier spielt der künftige Einsatzzweck wieder eine wichtige Rolle: Wer einen guten Allround-PC sucht, der eventuell als Homeschooling-Rechner herhalten soll, der sollte auf viele Anschlüsse Wert legen. Wer einen Mini-Server sucht, der vor allem im Schrank steht, der kann auf viel verzichten.

Intel NUC Kit NUC8i7HVK - Hades Canyon (8 Bilder)

Der Hades Canyon NUC von Intel kommt im kleinen Formfaktor und mit leuchtendem Totenkopf (im Betrieb).

Für den Ratgeber haben wir uns zwei Mini-PCs genauer angesehen: Den Minix Neo N42C-4 (Testbericht) sowie den Minis Forum GN34. Preislich liegt der Minix bei knapp 250 Euro, den GN34 bekommt man aktuell für knapp 200 Euro. Beide lassen sich auf Wunsch direkt an die VESA-Bohrung eines Monitors schrauben, so dass man einen kompakten Arbeitsplatz einrichten kann.

Die Geräte sind erfreulich schnell einsatzbereit. Windows 10 startet und führt den Nutzer durch den Abschluss der Installation, inklusive dem Anlegen einer ID. Ja, auch die nervige Verknüpfung mit einem Microsoft-Konto ist dabei. Anschließend hat man jeweils ein fertiges System, auf dem keine (Nicht-Microsoft) Bloatware installiert ist. Die Hardware wurde problemlos erkannt, beide Geräte bringen WLAN, LAN und Bluetooth mit.

Die meisten Mini-PCs lassen sich zumindest mit mehr RAM und Speicher aufrüsten.

Wir schickten beide Geräte durch den erweiterten Büro-Benchmark des PC Mark 10. Wenig überraschend sind beide Kisten keine High-End-Maschinen. Sie erreichten insgesamt 944 Punkte (Neo N42C-4) und 990 Punkte (GN34). Zum Vergleich, der Intel NUC schaffte 3065 Punkte. Abstriche muss man dabei vor allem bei den Bereichen Gaming und Digital Content Creation machen. Gaming ist klar, das kann man ohne einen Streaming-Dienst wie Shadow (Ratgeber) vergessen. Das gilt auch für die Wiedergabe von hochaufgelösten Videos, hier kann es zu unschönen Rucklern kommen.

Für Büroarbeiten eignen sich beide Geräte durchaus. Ja, man wird damit keine komplexen und verknüpften Excel-Sheets bearbeiten wollen, schreiben, surfen oder die Hausaufgaben lassen sich damit aber gut erledigen. Unser Tipp wäre hier, dass man Videocalls am besten über das Handy ausführt, um den Rechner zu entlasten.

Beim Strombedarf lagen beide Geräte bei etwa 15 W unter Last. Der Minix-Rechner fuhr im einfachen Betrieb auf knapp 6 W zurück, der Minis Forum GN34 benötigt im Idle-Modus knapp 10 W.

Die Mini-PCs bekommt man ab etwa 190 Euro. Viele davon sind nur auf Amazon erhältlich, zahlreiche Anbieter tummeln sich dort und verkaufen ähnliche Produkte unter verschiedenen Namen.

Intel baut eigene kleine PCs, die nicht nur überraschend viel Leistung bieten, sondern sich einfach aufrüsten und anpassen lassen. Der Nachteil ist der vergleichsweise hohe Preis. Der NUC 8I7BEH (Testbericht), der vor knapp einem Jahr in unserem Test gut abschnitt, kostet um die 500 Euro. Der neuere NUC 10i7FNH liegt in der Ausstattung, wie er uns vorliegt, über 900 Euro.

Intel NUC8I7BEH Kit (5 Bilder)

Die Vorderseite des NUC-Kits.

Was macht die NUCs so besonders? Sie haben ordentlich Dampf. Im Test unserer drei Mini-PCs konnten der NUC im Praxiseinsatz und im Benchmark überzeugen. Das geht so weit, dass sich Geräte wie der NUC Hades Canyon (Testbericht) sogar für den Einsatz als VR-System eignen. Das lässt sich Intel aber entsprechend bezahlen. NUC-Kits kommen ohne RAM und Massenspeicher und kosten ab knapp 160 Euro. Dafür benötigen sie mehr Strom, im Test benötigte der NUC zwischen 48 und 10 W.

Mini-PCs haben ihren Platz zwischen Raspberry Pi und klassischem Desktop. Ja, wahrscheinlich kann man viele großen Boxen am eigenen Arbeitsplatz durch einen vernünftig ausgestatteten Mini-PC austauschen und diesen direkt am Monitor aufräumen. Dann sollte man allerdings etwas Geld in die Hand nehmen, um eine vernünftige Leistung zu bekommen.

Die günstigsten Geräte dieser Klasse sind dafür einwandfreie Mini-Server fürs vernetzte Heim. Sie benötigen nicht viel Platz und sind, vor allem mit Linux, vergleichsweise leistungsstark und vielseitig. NUCs sind dabei eher die Königsklasse, für deren Leistung man auch mehr zahlen muss.

Wer mehr Informationen zu diesem Thema sucht, dem empfehlen wir einen Blick in die Artikel Tablet & Notebook: Wie teuer muss ein gutes Convertible sein? oder Kaufberatung: Wieviel Tablet ist wirklich nötig?.

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