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Ratgeber: Kommunikation für Motorradfahrer ab 60 Euro

Bild: Cardo, Midland

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Funkgeräte für Motorradfahrer machen Touren zum Gruppenerlebnis. TechStage gibt eine Übersicht über günstige und teure Kommunikationsgeräte.

Motorradfahren ist für viele die schönste Nebensache der Welt, doch in einem Punkt haperte es lange: Kommunikation. Durch den Helm und den Fahrtwind war während der Fahrt selbst Brüllen zwecklos, die Worte kamen beim hinten sitzenden Sozius nicht verständlich an, ganz zu schweigen bei anderen Motorradfahrern. Kommunikationssystem wie einfache Funkgeräte gibt es schon lange, aktuelle Produkte punkten aber bei Themen wie Reichweite, Bluetooth-Verbindung und Klangqualität. Inzwischen werden auch Fahrer verstanden, die einen halben Kilometer Meter entfernt auf ihrem Bike hocken.

Anfangs waren die Systeme noch etwas unförmig und klebten teilweise wie Geschwulste an der Helmschale. Mittlerweile sind sie flacher oder ganz in den Helm integriert. Manche Experten bemängeln allerdings, dass die Aussparungen für die Kommunikationssysteme in der Helmschale bei einem Sturz auch Schwachstellen bedeuten.

Wer nicht nur einfach per Funk mit Mitfahrern reden, sondern etwa Navi-Ansagen vom Handy oder Anrufe entgegennehmen möchte, der sollte zu einem ausgewachsenen Kommunikationsgerät greifen. Die Kommunikation mit dem Sozius und den anderen Fahrern, das Telefonieren oder das Hören von Ansagen funktioniert meist in einer akzeptablen Akustik, die jedoch aufgrund der flachen Bauweise der Lautsprecher nicht an die Klangqualität eines großen Kopfhörers heranreicht. Hier hilft im Zweifel einfach langsamer fahren, um Störgeräusche durch Wind zu minimieren. Dass die Geräte wasserdicht und staubresistent sind, darf zumindest bei den etwas höherpreisigen Geräten vorausgesetzt werden.

Bluetooth verbindet Geräte per Pairing, bei Gruppenfahrten wird die Bluetooth-Übertragung wie in einer Kette weitergeleitet. Jedoch nimmt die Qualität mit jeder Station– sprich: Motorradfahrer – ab.. Deshalb wurde das Mesh-System entwickelt, bei dem jedes Gerät wie ein eigener Kommunikationsknotenpunkt mit mehreren Teilnehmern agiert, was die Reichweite deutlich steigert, unter idealen Bedingungen bis auf einige Kilometer. Die optimistischen Reichweitenangaben der Hersteller werden jedoch in der Regel nicht erreicht, meist arbeiten auch nur Systeme des gleichen Herstellers oder bestimmte Modellreihen in diesem Mesh-Modus. Dank Sprachsteuerung kann das Smartphone für viele Anwendungen in der Tasche bleiben. Wer sich zum Beispiel akustisch von Google Maps zum Ziel leiten lassen oder jemanden anrufen will, kann das durch eine einfache Ansage starten.

Vor dem Kauf muss man sich grundsätzlich entscheiden, ob man an einem bereits vorhandenen Helm ein Kommunikationssystem anbauen will. Alternativ kann man einen Helm kaufen, der bereits alle notwendigen Teile integriert hat. Letztere Variante schränkt die Auswahl stark ein, ist teuer und nimmt einem die Möglichkeit, das System später bei einem anderen Helm zu übernehmen. Dafür erspart man sich einen mitunter fummeligen Einbau und stellt sicher, dass die Lautsprecher und das Mikro auch in den Helm passen. Wer einen solchen Helm haben möchte, wird im Programm von beispielsweise Nolan, Shoei, Schuberth, LS2, HJC und BMW fündig. Sie alle nutzen Systeme des Herstellers Sena. Dieser bietet inzwischen auch eigene Helme (Integral- und Jethelm) mit eingebauten Lautsprechern, Mikro und Tasten auf der Helmschale an.

Wir haben uns im Folgenden auf im Zubehör erhältliche Kommunikationssysteme konzentriert, die an fast jeden Helm passen. Wichtige Kriterien bei der Auswahl sind:

  • Akustik: Wie gut ist Klangqualität? Ist das Gespräch klar und unverzerrt vernehmbar?
  • Bedienbarkeit: Wie sicher lassen sich die Tasten auch mit Handschuhen bedienen? Ist die Bedienung logisch aufgebaut?
  • Anzahl der Empfänger: Will ich nur mit meiner Sozia kommunizieren oder mit einer ganzen Gruppe?
  • Reichweite: Kann auch der letzte Fahrer in der Gruppe mich verstehen? Oder ist er bereits nach hundert Metern außerhalb des Empfangsbereichs?
  • Akku: Wie lange ist die Akkulaufzeit und wie lange dauert das Aufladen?
  • Preis: Wie viel will ich anlegen? Reicht mir eine günstige Lösung für unter 100 Euro oder darf es auch ein Vielfaches davon sein?
Bild: Sena Sena 50S

Das Top-Gerät von Sena heißt 50S und bietet alles, was technisch heute machbar ist. Das Open-Mesh-2.0-System arbeitet auf neun verschiedenen Kanälen mit sehr zuverlässigen Gruppenverbindungen, man kann sogar im Mesh-Intercom eine bestimmte Gruppe von bis zu 24 Fahrern erstellen. Sena gibt eine Reichweite von bis zu acht Kilometern an, realistisch ist aber eher die Hälfte. Dennoch bietet das 50S auch noch Bluetooth-5.0-Verbindung an, was sinnvoll ist, da wahrscheinlich nicht alle Mitfahrer über Kommunikationsgeräte mit der teuren Mesh-Technologie verfügen.

Das Sena 50S verfügt über einen großen Drehknopf, Jog-Dial genannt, der die Bedienung mit dicken Handschuhen erlaubt. Der Hersteller legt Wert darauf, dass die 40-Millimeter-Lautsprecher bei seinem Top-Gerät einen klaren und kraftvollen Sound liefern. Per Sprachsteuerung kann auf die Funktionen des Smartphones zugegriffen werden und über die 50-Utility-App können alle Einstellungen am 50S vorgenommen werden.

Die 50S Batterie wurde gegenüber dem Vorgänger vergrößert, so dass bis zu neun Stunden Sprechzeit im Mesh- und bis zu 14 Stunden im Bluetooth-Intercom-Betrieb möglich sein sollen. Auch hier muss man in der Realität Abstriche machen. Der Akku lädt sich innerhalb einer Stunde vollständig auf. Mit knapp 360 Euro pro Gerät gehört das Sena 50S nicht zu den Sonderangeboten, aber ist seinen Preis wert.

Bild: Sena Sena SF1

Das Sena SF1 ist ein Zwei-Wege-Intercom-Gerät für die Kommunikation zwischen Fahrer und Beifahrer. Es kann zwar unter idealen Bedingungen bis zu hundert Meter weit mit einem anderen Gerät kommunizieren. Für eine stabile Verbindung zwischen zwei Motorrädern ist das aber meist zu wenig. Das Sena SF1 kann auch via Bluetooth 4.1 mit dem Smartphone oder einem GPS-Gerät gekoppelt werden. Der Akku hält bis zu 13 Stunden Gesprächszeit durch und ist in 1,5 Stunden komplett aufgeladen.

Die Lautsprecher weisen nur 32 Millimeter im Durchmesser und zehn Millimeter in der Höhe auf – damit passen sie in so ziemlich jeden Helm. Das SF1 liefert eine klare Akustik im Gespräch mit dem Sozius. Mit der Sena SF Utility App kann die Geräteeinstellung am Smartphone vorgenommen werden.

Die Bedienung des nur 35 Gramm leichten Hauptmoduls erfolgt selbst mit dicken Handschuhen zielsicher über drei große Tasten und auch der Einbau stellt niemanden vor größere Probleme. Das Sena SF1 ist ein günstiges, aber zuverlässiges Einstiegsgerät für 139,95 Euro Listenpreis.

Bild: Cardo Cardo Packtalk Slim

Das Cardo Packtalk Slim ist nur 6,5 Millimeter dick und damit im Vergleich zum Cardo Packtalk Bold deutlich flacher und leichter. Das Gerät bietet aber die gleiche Ausstattung und nur geringfügig weniger Akkuleistung und Reichweite. Es verfügt über Dynamic Mesh Communication und Cardo verspricht bis zu sechs Kilometer Reichweite in der Gruppe, die maximal 15 Fahrer umfassen darf. Bei Bike-to-Bike soll die Reichweite bei Idealbedingungen 1,6 Kilometer betragen, realistisch ist aber eher die Hälfte. Chats mit nur bestimmten Fahrern lassen sich einstellen und das Packtalk Slim kann auch weiterhin per Bluetooth mit anderen Geräten verbunden werden.

Durch den Sprachbefehl „Hey, Cardo“ kann das System aktiviert werden und mit Standardbefehlen lassen sich Radio, Sender, Kurzwahl und Batterieanzeige starten. Allerdings müssen die Befehle exakt ausgesprochen werden, sonst funktioniert es nicht. Außerdem ist das Packtalk Slim kompatibel mit Siri und dem Google Assistant. Über die Cardo Connect App lassen sich die Einstellungen konfigurieren, für Updates muss das Gerät jedoch mit einem Computer verbunden werden.

Die Rauschunterdrückung und vor allem die Lautsprecher von JBL sorgen für eine gute Akustik. Die Batterie soll bis zu 13 Stunden Gesprächszeit ermöglichen, was in der Praxis aber nicht erreicht wird. Der Listenpreis des Cardo Packtalk Slim liegt bei 339,95 Euro.

Bild: Cardo Cardo Freecom 1+

Das Einstiegsgerät von Cardo ist das Freecom 1+ und besticht durch sein flaches, aerodynamisches Design und nur 16 Millimeter Höhe. Als Zwei-Wege-Intercom dient es zur Kommunikation zwischen Fahrer und Beifahrer, ist also nicht Gruppen-Talk-fähig. Per Bluetooth 4.1 besteht die Verbindung auch zum Smartphone, um etwa Radio, Telefon und GPS-Ansagen zum Helm zu leiten.

Die 40-mm-Lautsprecher sind dünn, um in den Helm zu passen und liefern einen ganz ordentlichen Sound, wenn man keine allzu hohen Ansprüche stellt. Mit einem fetten Bass oder klare Höhen kann das Freecom 1+ natürlich nicht dienen. Die Lautstärke passt sich automatisch dem Geräuschpegel der Umgebung an.

Bis zu 13 Stunden Gesprächszeit gibt Cardo an. Auch wenn die nicht wirklich erreicht werden, dürfte der Akku für die meisten Touren ausreichen, die Ladezeit beträgt vier Stunden. Für 139,95 Euro ist das Cardo Freecom 1+ ein sehr ausgereiftes Gerät, das sich durch gute Qualität auszeichnet.

Bild: Midland Midland BT Mini

Das BT Mini von Midland ist ein preiswertes Angebot für die Kommunikation mit dem Beifahrer oder einem anderen Motorradfahrer, dank immerhin bis zu 200 Meter Reichweite. Per Bluetooth 3.0 ist das Gerät mit dem Smartphone koppelbar und so kann man sich dem Genuss von Radio oder Telefonaten hingeben. Sprachsteuerung wird dann ebenfalls unterstützt.

Über die Midland-BTTalk-App kann sich sogar mit mehreren anderen Fahrern unterhalten werden, allerdings müssen sich die entsprechenden Teilnehmer die App runterladen und auch Midland-Geräte haben. Die Akkulaufzeit beziffert Midland auf acht Stunden und die Ladezeit auf etwa zwei Stunden. Das Gerät kann per Sprachansage über den Batteriestand informieren.

Für 119 Euro Listenpreis bietet das Midland BT Mini eine recht ordentliche Ausstattung und kann Motorradfahrer mit dünnem Budget durchaus zufriedenstellen.

Bild: Freedconn FreedConn T-Com 800

Ein ausgesprochenes Sonderangebot ist das FreedConn T-Com 800 für 60 Euro. Der Hersteller verspricht bis zu 800 Meter Reichweite und bis zu 10 Stunden Sprechzeit, was in der Praxis allerdings nicht erreicht wird. Im Allgemeinen ist eine klare Verständigung möglich, solange der andere Motorradfahrer noch in Sichtweite ist, was aber selten mehr als einen halben Kilometer bedeutet.

Die versprochene Sprechzeit wurde nicht erreicht, aber für eine Tagestour reicht es meistens. Es kann mit bis zu drei anderen Geräten per Bluetooth kommuniziert werden. Die Klangqualität der Lautsprecher ist der Preiskategorie entsprechend nicht gerade überwältigen, reicht aber für die Kommunikation.

Das T-Com 800 hat ein Radio integriert und auf das Smartphone kann per Sprachbefehl zugegriffen werden. Die Bedienung des Moduls erfolgt per Drehschalter, der auch mit den dicksten Handschuhen noch sicher greifbar ist. Das Gerät wirkt von der Verarbeitung recht ordentlich und ist wasserdicht, allerdings auch etwas klobig. Es bietet nur Bluetooth 3.0, was nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist. Wer jedoch keine größeren Ansprüche und nur wenig Geld zur Verfügung hat, kann sein Glück mit dem FreedConn T-Com 800 versuchen.

Die beiden Marktführer bei den Motorrad-Kommunikationssystemen Sena und Cardo bieten eine weite Produktpalette an, bei der für fast jeden Geldbeutel das passende Gerät dabei ist. Doch es gibt auch Kommunikationssysteme von anderen Herstellern wie Midland oder FreedConn, die zwar noch nicht den Bekanntheitsgrad der beiden Platzhirsche besitzen, aber durchaus beachtenswert sind.

Die Preise sind dementsprechend weit gestreut, doch wer oft Motorradtouren in Gruppen unternimmt, sollte etwas mehr Geld anlegen und zu einem Mesh-fähigen Kommunikationssystem greifen. Wer hingegen nur mit seiner Sozia während der Fahrt sprechen möchte, kann es bei einem einfachen Zwei-Wege-Kommunikationssystem belassen. Bei der Auswahl sollte man sich von zwei Faktoren leiten lassen: Dem Budget und, noch wichtiger, was andere Fahrer nutzen. Wenn beispielswiese die Freunde schon alle Produkte von Sena einsetzen, kommt man mit einem günstigen T-Com 800 nicht weit. Entsprechend müssen sich Neulinge hier dem Gruppendruck beugen und kompatible Geräte wählen.

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