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Ratgeber: Intel-Mainboards für PC-Bastler

Bild: MSI, Gigabyte

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Das Mainboard ist das Herz aller PCs. Wir stellen die aktuellen Boards von Intel vor und zeigen, worauf man achten sollte.

PC Mainboards sind essenziell, aber ein wenig ins Hintertreffen geraten; Kein Wunder, tragen doch CPU und Grafikkarte die Hauptlast. Wir stellen die aktuellen Boards von Intel vor und geben Tipps, auf welche Features man auf alle Fälle achten sollte. AMD-Fans empfehlen wir den Artikel Ratgeber Mainboard: Motherboards für AMD-CPUs.

Widmen wir uns zunächst einmal der äußeren Form des Mainboards: Letztere existieren sowohl für Intel als auch für AMD in diversen Formen, zu den gängigsten Versionen gehören ATX, Micro-ATX und ITX, wobei ATX die flächenmäßig größte und ITX die flächenmäßig kleinste Variante darstellt. Je nach Größe bieten die unterschiedlichen Mainboard-Typen auch verschieden viel Platz für RAM oder PCIe-Slots, in denen beispielsweise die Grafikkarte (Themenwelt) steckt.

Micro-ATX-Boards sind klein und oft aufs Mindeste beschränkt. In diesem Fall bietet es dennoch Platz für eine PCI-Express-16-Grafikkarte, zwei RAM-Module sowie einen M.2-Steckplatz. (Bildquelle: MSI)

Die meisten Slots finden sich auf einem ATX-Board. Diese Größe eignet sich für alle, die viel RAM und möglicherweise mehrere Grafikkarten in einem System betreiben wollen. Wegen ihrer Größe benötigen ATX-Boards entsprechend mehr Platz im Gehäuse als Micro-ATX-Boards. Gehäuse, die Platz für ATX-Boards bieten, funktionieren immer auch mit Micro-ATX – aber nicht umgekehrt.

Die besonders kleinen und platzsparenden ITX-Boards eignen sich am ehesten für Mini-PCs und Workstations, die keinen Platz für große Grafikkarten benötigen und stattdessen auf Onboard-GPUs setzen.

Der Vollständigkeit halber erwähnen wir an dieser Stelle auch noch die von Intel entwickelten BTX-Mainboards. Diese Hardware diente ursprünglich dazu, eine bessere Kühlung der CPU bei geringerem Lärmausstoß zu gewährleisten. Allerdings setzten sich die BTX-Mainboards am Markt nie wirklich durch und sind aus dem Handel weitestgehend verschwunden. Wer trotzdem mit dem Kauf eines BTX-Mainboards liebäugelt, muss unbedingt beachten, dass BTX-Hardware sich nicht mit ATX-Komponenten kombinieren lässt.

Die wichtigste Rolle bei der Kaufentscheidung für ein Mainboard spielt der Sockel. Passt dieser nicht zum Prozessor, bringt auch die teuerste und leistungsfähige Hardware nichts. Intel und AMD nutzen jeweils verschiedene Sockel, ein Intel-Mainboard funktioniert also nicht mit einer AMD-CPU. Außerdem gibt es für die einzelnen Intel-CPUs auch noch einmal unterschiedliche Sockel, sodass die Wahl des jeweiligen CPU-Modells von Intel auch den Mainboard-Sockel bestimmt.

Intel bietet aktuell vier wirklich interessante Sockel an. Mainstream-Nutzer soll der Sockel LGA 1151 sowie LGA 1151v2 ansprechend. Der Unterschied zwischen den beiden Versionen ist eine verbesserte Spannungsversorgung, die für die Intel-CPUs der 8. und 9. Generation mit mehr als sechs Kernen (also etwa der i9-9900K) gebraucht wird. Mainboards mit LGA 2066-Sockel sind für den Einsatz mit Intels High-End CPUs der Core-X-Serie gedacht. Der jüngste Zuwachs ist der LGA-1200-Sockel. Dieser gleicht dem LGA 1151, verfügt aber über mehr Kontakte als der Vorgänger.LGA 1200 bildet die Basis für Intels neue Comet Lake-S Prozessoren, unter denen sich sowohl High-End- als auch Mittelklasse-Modelle befinden.

Neben dem Sockel spielt auch das Chipset des Mainboards eine wichtige Rolle bei der Wahl der zugehörigen Hardware. Entscheidend ist dabei für Käufer, ob sie ihren Prozessor später übertakten möchten. Wer die eigene CPU nicht übertakten möchte, dem empfehlen wir bei Intel Boards vom Typ H370, Q370, B360 oder H310. PC-Selbstbauer, die einen von Intels neuen Comet Lake-S CPUs nutzen möchten, haben die Wahl zwischen den Oberklasse-Boards Z490 und H470 sowie B460 und H410 in der Mittelklasse.

Wer Intel-CPUs übertakten möchte (das funktioniert übrigens nur mit Prozessoren, die den Buchstaben „K“ am Ende der Produktbezeichnung besitzen), wählt ein Z370- oder Z390-Board. Für die Comet Lake-S-Serie kommen nur Mainboards vom Typ Z490 für die Übertaktung infrage. Weil das Z390 oder das Z490 diverse zusätzliche Features bieten, wie zum Beispiel nativen USB 3.1 Gen2-Support, empfehlen wir dieses Chipset allen, die das Meiste aus ihrem System herausholen wollen – auch wenn die Auswahl an 390er und 490er Mainboards recht überschaubar ausfällt. Alternativ können übertaktungsfreudige Selbstbauer auch zu Intels High-End X299-Chipsatz greifen, der für die hochpreisigen Skylake-X-Chips gedacht ist.

Gut zu sehen sind die vier RAM-Steckplätze unten rechts. Es reichen auch zwei Steckplätze, aus der Erfahrung heraus sollte man allerdings dann zwei 8 GByte-Riegel verbauen. (Bildquelle: Gigabyte)

Die aktuellen Coffee-Lake-Prozessoren in Kombination mit dem Sockel 1151 stellen außerdem einen Spezialfall im Bereich der Intel-Mainboards dar: Coffee-Lake-CPUs wie der Intel Core i5-8400 arbeiten zwar mit einem 1151-Sockel zusammen. Allerdings funktionieren nicht alle 1151er-Mainboards mit Coffee-Lake-CPUs, sondern nur solche, die über die neuen 300er-Chipsätze verfügen. Gleichzeitig arbeiten Kaby-Lake- und Skylake-CPUs nicht mit diesen 300er-Mainboards zusammen, sondern erfordern Mainboards mit 100er- oder 200er-Chipsatz. Wer eine Intel-CPU auf ein 1151er-Mainboard setzen möchte, muss sich also vor dem Kauf genau informieren, ob Sockel, Chipsatz und CPU kompatibel sind.

Schließlich wollen wir der Vollständigkeit halber an dieser Stelle kurz auf die sogenannten Sockel-Adapter eingehen: Manche Hersteller bieten diese Adapter an, mit denen sich eigentlich inkompatible CPUs trotzdem auf einen Mainboard-Sockel setzen lassen. Allerdings garantieren diese Adapter nicht zwangsläufig, dass der Prozessor dann auch problemlos funktioniert. Der Kauf eines solchen Zusatzteils lohnt sich also oftmals nicht – PC-Selbstbauer greifen lieber gleich zum richtigen Mainboard inklusive passendem Sockel.

Ist die Frage nach Sockel, Chipsatz und Prozessor geklärt, dreht sich alles Weitere erst einmal um RAM und GPU. Widmen wir uns zunächst dem Arbeitsspeicher: Gängige Mini-ATX- und ATX-Mainboards besitzen heutzutage meistens vier RAM-Slots, während sich ITX-Boards oft auf zwei RAM-Slots beschränken. Lediglich High-End-ATX-Boards bieten teilweise bis zu acht RAM-Slots.

Zwischen CPU-Steckplatz und dem silbernen PCI Express Steckplatz ist auf diesem Board der Steckplatz für eine NVMe im M.2-Formfaktor. Dazu bietet dieses Board mehrere PCI Express x1 Steckplätze, die sind etwa für interne Erweiterungskarten. Im Zeitalter von USB werden diese aber immer weniger gebraucht. (Bildquelle: MSI)

Käufer sollten bei der Wahl eines Mainboards unbedingt darauf achten, wie viele Slots für RAM auf dem Mainboard sich tatsächlich gleichzeitig nutzen lassen. Nur weil ein Board vier Slots besitzt, heißt das nicht automatisch, dass es auch vier RAM-Riegel zur gleichen Zeit unterstützt. Wer einen Gaming-PC zusammenbauen möchte, sollte mindestens zwei 8-GByte-Riegel für insgesamt 16 GByte installieren können. Wie unsere Tests im Artikel VR-Gaming-PC für 520 € bauen zeigen, bringt der Einsatz von 16 GByte RAM deutlich mehr als der Einsatz von 8 GByte. Der Sprung von 16 GByte auf 32 GByte ist dagegen minimaler. Wir raten daher allen Bastlern, auf 16 GByte RAM hinzuarbeiten.

Die Unterschiede beim RAM-Speicher machen außerdem passende Slots je nach Art des RAM-Riegels erforderlich. Manche Mainboards unterstützen bei vier RAM-Slots auch vier Riegel eines Typs, aber nur zwei Riegel eines anderen. Auch hier lohnt ein genauer Blick in die Spezifikationen des jeweiligen Mainboards.

Mainboards besitzen ergänzend zu den Slots für Arbeitsspeicher mindestens einen Steckplatz für eine dedizierte Grafikkarte. Die meisten modernen Modelle verfügen dabei über einen PCI-Express-Slot, der fast alle gängigen GPUs unterstützt. Dazu kommen mehrere langsamere PCI-Express-Slots, in die man etwa Capture Cards (Ratgeber), Soundkarten oder WiFi-6-Karten (Ratgeber) stecken kann.

Hardware-Hersteller statten ihre Mainboards zusätzlich zum CPU-Sockel und den Steckplätzen für Grafikkarte(n) und Arbeitsspeicher-Module außerdem mit diversen Ports aus. Hier gilt: Je teurer und hochklassiger das Mainboard, desto mehr Ports besitzt es in der Regel auch.

Obwohl die nötige Anzahl und die Art der Ports bei Mainboards ganz wesentlich von persönlichen Vorlieben abhängen, gibt es eine Reihe von Anschlüssen, auf die kein Käufer eines aktuellen Mainboards verzichten sollte. Dazu gehören:

  • mindestens vier USB 3.0 Ports, besser sind sechs oder acht
  • mindestens ein USB 3.1 Port
  • mindestens 1 PCIe x1 Slots für SATA/M.2 Festplatten (kompakte SSDs sollten per PCIe und nicht per SATA an das System angebunden sein, damit sie maximal schnell Daten übertragen). Oft sind diese Ports direkt am Mainboard integriert.

Ergänzend dazu besitzen Mainboards mittlerweile durchaus brauchbare integrierte Adapter für Audio, Video und LAN. Für ein durchschnittliches Mittelklasse-System reichen diese Anschlüsse vollkommen aus und ersparen Nutzern den Kauf externer Hardware wie Netzwerk- oder Soundkarten. Anschlüsse für HDMI, DVI und VGA, die an den meisten Mainboards verbaut sind, funktionieren übrigens nur, wenn die genutzte CPU über eine integrierte Grafikeinheit (zum Beispiel Intel HD Graphics) verfügt.

Anschlüsse für externe Komponenten: Es sollten mindestens vier USB-Ports sowie ein Netzwerkanschluss vorhanden sein. Audio ist ebenfalls nett, wobei es kein 5.1 sein muss. Viele Boards haben zudem auf dem Board selbst weitere Anschlüsse für USB, die sich etwa ans Gehäuse anschließen lassen. (Bildquelle: Asrock)

Wer übrigens später merkt, dass bestimmte Anschlüsse am Mainboard fehlen, kann diese mit einer separaten PCIe-Karte nachrüsten. Die meisten Mainboards bieten zudem vier oder mehr SATA-6-Anschlüsse für Festplatten oder optische Laufwerke.

Viele Mainboards besitzen neben den genannten essenziellen Features eine Reihe von Funktionen, die die Bedienung des Systems erleichtern können, die aber kaum jemand zwingend braucht. Dazu gehören beispielsweise die auf dem Board verbauten Ein-/Aus-Schalter für das System, die vor allem für Übertakter interessant sind.

Manche Mainboards besitzen zusätzlich zur Netzwerk- auch eine WiFi-Karte. Wer seinen Computer außerhalb der Reichweite eines kabelgebundenen Netzwerks aufbauen möchte, profitiert von dieser Funktion und kann auf separate WLAN-Sticks oder -Karten verzichten. Oft ist hier auch gleich ein Bluetooth-Adapter integriert.

Außerdem gibt es kleine LED-Displays auf manchen Mainboards, die den kleinen diagnostischen Lautsprecher auf älteren Boards ersetzen. Diese Displays geben alphanumerische Codes aus, falls das Mainboard einen Fehler feststellt. Wer beim Zusammenbau des PCs auf Probleme stößt, kann sich mit diesem kleinen Feature bei der Ursachenforschung behelfen.

Zu guter Letzt befinden sich auf einigen Mainboards duale Ethernet-Ports. Diese Anschlüsse sind für Mainstream-Nutzer eher wenig interessant, eignen sich aber vor allem für Server-Systeme.

Es gibt zahlreiche Mainboards verschiedenster Hersteller. Dabei müssen sie nicht zwingend teuer sein. Hier sind vier Vorschläge für Mainboards für den Intel Sockel 1151. Passende CPUs listen wir ebenfalls auf.

Wer übertakten möchte oder eher die Creme de la Creme sucht, der sollte sich die Z390 Boards genauer ansehen. Neben den beliebten Mainboards zeigen wir passende CPUs im Widget.

Ganz oben sind die Boards mit X299-Chipsatz. Die sind für die meisten Anwendungsfälle aber overkill, da sie zudem spezielle CPUs benötigen.

Der vergleichsweise neue Sockel 1200 soll Intels neue Plattform für viele Anwendungen werden. Wir zeigen beleibte Mainboards samt passender CPUs im Widget.

Fest steht: Das Mainboard bildet das Herzstück jedes PCs. Es beheimatet fast alle essenziellen Komponenten und sorgt dafür, dass der Prozessor im Idealfall bei maximal möglicher Kapazität laufen kann. Wer sich für ein spezifisches Mainboard entscheidet, muss zwischen verschiedenen Faktoren abwägen und neben Chipsatz, Slots und Anschlüssen auch den Preis berücksichtigen.

Günstige Einsteiger-Mainboards, die über die wichtigsten Funktionen verfügen, gibt es bereits für unter 100 Euro. Wer die eigene CPU übertakten möchte, muss für Intels Z370-Chipset hingegen mindestens 150 Euro anlegen, um brauchbare Hardware zu bekommen. Mainboards in der Preisklasse zwischen 150 und 200 Euro bieten meistens mehr USB-Ports sowie zusätzliche Features, die ebenfalls vor allem für Übertakter von Interesse sind. Wer auf High-End-CPUs wie Intel Core X Prozessoren setzen möchte, muss für ein entsprechendes Mainboard rund 200 Euro auf den Tisch legen.

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