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Ratgeber Green Screens: Hintergrund sauber entfernen

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Was können Green Screens und worauf sollte man beim Kauf beachten? In unserem Ratgeber schaffen wir einen Überblick.

Vor der gesamten Demokratisierung von Produktionstools, Streaming-Portalen und professioneller Videohardware gab es eine Zeit, in der der Green Screen als eine sagenumwobene Filmtechnik galt. Die war nur großen Studios vorbehalten, die sich Rechenpower und gut ausgeleuchtete Kulissen leisten konnten. In Making-Ofs zu großen Blockbustern agieren berühmte Schauspieler vor einem grünen Hintergrund, in der Nachbearbeitung landen sie dann in völlig anderen, fantasievollen Umgebungen. Die Star Wars-Episoden I bis III sind zum Beispiel so entstanden. Mehr als zwei Jahrzehnte später ist die Macht (des Green Screens) in jedem Wohnzimmer angekommen. Die notwendigen Funktionen besitzen die meisten Schnittprogramme und grünes Tuch sowie ein paar ordentliche Lampen gibt’s unter 100 Euro. Begabte Fans können auf einmal ihr eigenes Star Wars drehen, ohne arm zu werden.

Dieser Artikel ist sowohl Teil unserer Themenwelt Homeoffice wie auch der Themenwelt zum Thema Streaming. Dort erklären wir, wie man sich ein eigenes Streaming-Studio aufbaut und zeigen etwa passende Mikrofone.

Aber was ist mit Leuten, die keine Filmambitionen haben? Für wen sind Green Screens außerdem interessant? Zum einen wären da die Streamer: Wer sich ein professionelles Setup zur Übertragung auf Twitch oder anderen Plattformen eingerichtet hat, kommt mittlerweile um eine grüne Leinwand kaum herum. Der Grund liegt hauptsächlich in der Platzersparnis bei der Abbildung des eigenen Gesichts. Das befindet sich im Bildlayout meistens in einer Ecke des Schirms und war lange Zeit quadratisch. Was nicht zum Streamer gehört, also alles hinter dem Kopf, ist Platzverschwendung und nimmt nur unnötig etwas vom gestreamten Spiel aus dem Hauptbild weg. Irgendjemand kam daher auf die Idee, alles hinter dem Kopf auszustanzen und genau das hat sich etabliert. Der quadratische Block ist verschwunden, das Maximum aus dem Bild rausgeholt, und gekonnter sieht’s auch noch aus.

Eine weitere Zielgruppe sind Personen mit einem Videoformat, das auf einen klassischen Studio-Aufbau setzt, der vergleichbar mit einer Nachrichtensendung oder einem Magazin ist. Oft ist die Wohn- oder Arbeitszimmer-Kulisse für sie wenig sinnvoll und sie nutzen den Hintergrund, um andere Informationen einzublenden. Ob virtuelles Studio, Bildmaterial zur aktuellen Meldung oder sonstige Einblendungen - die Möglichkeiten sind besonders in der Postproduktion vielfältig. Auf Youtube gibt es zum Beispiel etliche Sendungen, die sich für eine solch dynamische Kulisse entschieden haben. Andere Produzenten richten sich vielleicht eine feste Ecke in ihren Räumlichkeiten ein, aber je nach Format ist das nicht dynamisch genug. Vorteil eines virtuellen Studios ist zudem, dass nur eine Kamera notwendig ist.

Und dann gibt es da noch eine Zielgruppe, die besonders in diesem Jahr an Bedeutung gewonnen hat: Alle Personen, die im Homeoffice arbeiten. Die Corona-Krise hat viele Menschen zu einem Spagat zwischen Selbstisolation und Heimarbeit gezwungen. Klar, nicht jeder muss seinen Hintergrund austauschen. Da sich etliche Menschen in einer ähnlichen Lage befinden, akzeptieren viele eine Videokonferenz aus dem Wohnzimmer heraus. Es gibt aber besondere Fälle, in denen ein Green Screen trotzdem nützlich sein kann. Ein Beispiel sind Gespräche mit anspruchsvollen Kunden. Vertritt man zum Beispiel eine Versicherung, eine Bank oder eine andere Institution, die mit viel Geld handelt, wirkt etwa so ein Homeoffice mit lustigen Popkultur-Postern nicht unbedingt vertrauenswürdig. Den Hintergrund dann gegen etwas Neutrales oder etwas im Corporate Design der eigenen Firma auszutauschen ist insofern keine schlechte Idee. Das funktioniert mit Tools wie Microsoft Teams oder Zoom sehr gut, letzteres hat sogar einen speziellen Modus für Green-Screen-Nutzer.

Bild: Zoom Konferenz-Tools wie beispielsweise Zoom können einen Green Screen nutzen, um den Hintergrund sauber auszuschneiden. Der Dienst hat sogar in den Optionen eine passende Einstellung.

Die Bezeichnung »Green Screen« wird mittlerweile in der Umgangssprache synonym mit »Chroma Key« verwendet. Mittels Chroma Key ersetzt ein Bildbearbeitungsprogramm ganz gezielt eine bestimmte Farbe aus Bild oder Video gegen Transparenz, damit darunter eine andere Bildebene zum Vorschein kommen kann. Das geht prinzipiell mit jeder Farbe und eine Zeitlang wurde bei Filmproduktionen Blau verwendet. Ein stechendes, fast leuchtendes Grün hat sich aber etabliert, weil es keiner natürlichen Haar- und Hautfarbe eines Menschen entspricht. Die Farbe ist sogar so aggressiv, dass selbst Augen mit natürlichem Grün kein Problem darstellen sollten. Trägt die Person vor dem Green Screen allerdings Kleidung mit ähnlicher Farbe, wird dieser Teil vom Chroma Key ebenfalls durchsichtig. Das kann natürlich bewusst eingesetzt werden: Schwebende Elemente bei SFX-Aufnahmen kommen manchmal erst durch Akteure zustande, die einen Ganzkörper-Anzug in Grün tragen.

Die Empfindlichkeit des Chroma Keys definiert das jeweilige Videoverarbeitungsprogramm. Dort bestimmt der Nutzer, ob wirklich nur dieses eine Grün herausgestanzt wird, oder ob anliegende Farbbereiche berücksichtigt werden sollen. Das berührt dann je nach Person Grenzbereiche: Blonde Haare können für das automatische Ausschneiden eine Herausforderung sein, weil Gelb relativ nahe an Grün dran ist. Je nach Person kann eine höhere Empfindlichkeit trotzdem eine Budget-Lösung sein, denn besonders im Amateurbereich ist die Beleuchtung die größte Herausforderung. Und das bringt uns gleich zum nächsten Thema: Den Anforderungen.

Drei Faktoren sind beim Kauf eines Green Screens besonders wichtig: Das Material, die Montagemöglichkeiten und die Beleuchtung. Sie haben Einfluss darauf, ob die Kamera eine gleichmäßige Grünfläche sieht, die dann wiederum mit einer möglichst geringen Empfindlichkeitsstufe vom Chroma Key entfernt werden kann. Je genauer der Key ist, desto geringer ist die Chance, dass versehentlich Elemente aus dem eigentlich als sichtbar vorgesehenen Teil herausgefiltert wird. Zudem verlieren Ränder nicht an Details und Auflösung, wie zum Beispiel bei Haaren. Bei ungenauen Green Screens lässt sich per Software der Übergang zwischen sicht- und unsichtbaren Bereich weichzeichnen. Dadurch entsteht allerdings ein störender, meistens flimmernder Rand.

Günstige grüne Leinwände zerknittern eher und neigen zu Falten. Dagegen hilft ein Schaumrücken. Diese zusätzliche Schicht auf der Rückseite sorgt für mehr Stabilität. Da man die Leinwände dann aber nur zusammenrollen kann, entsteht bei der Verwahrung ein höherer Platzbedarf - bei Mini-Studios in der kleinen Studentenbude kein unwichtiger Faktor.

Eine knitterfreie Fläche benötigt eine gleichmäßige Aufhängung. Jede Falte in der Leinwand kann für Schattenwurf und somit für ein dunkleres Grün sorgen. Wer im vorgesehenen Bildausschnitt direkt hinter sich ein Regal hat, kommt vielleicht mit ein paar Ösen oder Klammern aus. Im freien Raum wird es aber schon schwieriger und es müssen eigene Stative her. Das Zweckentfremden von Ton- oder Kamerastative hilft meistens nicht, weil es damit schwierig ist, die Leinwand in einer geraden Linie aufzuhängen. Daher könnte die Anschaffung eines Sets sinnvoll sein, bei dem gleich ein passendes Stativ dabei ist. Teurere Exemplare haben sogar einen praktischen Mechanismus zum Ein- und Ausfahren, sowie einen festen Rahmen an Ober- und Unterseite, um für Spannung zu sorgen. Je nach Beschaffenheit des Raumes ließe sich etwa eine Wäscheleine spannen, an denen der Green Screen befestigt wird, der wiederum mittels Gewichten straff gehalten wird. Das hängt auch davon ab, wie nah sie an einem Fenster aufgebaut ist. Eine im Wind flatternde Leinwand erzeugt je nach Beleuchtung leichte Farbunterschiede auf der Grünfläche.

Der schwierigste Aspekt ist die Beleuchtung, dieses Thema grenzt eigentlich an einen anderen Bereich, nämlich den Studioaufbau. Wer tatsächlich SFX-Shots für seinen Indie-Film produzieren möchte oder auf den »Nachrichten-Look« setzt, muss da mitunter tief in die Tasche greifen. Damit die Grünfläche gleichmäßig und die Detaildichte hoch bleibt, braucht es eine 7- oder 8-Punkt-Ausleuchtung. Ein Beispiel-Setup wäre da: Zwei LED-Panels leuchten die hintere Wand von den Ecken heraus an, zwei weitere LED-Panels sorgen für den Lichtausgleich in der Mitte, während die übrigen Lampen dem Protagonisten gewidmet sind. Bei kleineren Ansprüchen kommt man mit weniger Licht aus. Einen Interviewpartner kann man etwa mit drei Lichtquellen gut in Szene setzen, wer nur sich vor dem Green Screen filmen möchte, kann mit einem Ringlicht um die Kamera gute Ergebnisse erzielen,

Bei kleineren Anwendungen kommt man mit weniger Lichtern aus. Grundsätzlich ist eine Kombination aus LED-Panels und Diffusoren zu empfehlen. Die nehmen zwar etwas Lichtstärke weg, verteilen es dafür aber gleichmäßiger im Raum. LEDs haben ohnehin erhebliche Vorteile gegenüber den klassischen Glühlampen, allen voran die Energieeffizienz, geringen Betriebsgeräusche und die Wärmeentwicklung. Das eigene Heimstudio soll sich natürlich nicht anfühlen wie eine Sauna. LED-Panels mit Bicolor sind zu empfehlen, weil sich damit Farbtemperatur und Lichtstärke regulieren lassen. Apropos: Diese wird in Lux gemessen und ist beim Kauf eine wichtige Zahl. Bei einem Objektabstand von etwa einen Meter reichen 2500 Lux aus. Für höhere Distanzen sollten es schon 3000 bis 5000 Lux sein. Wer möchte, kann noch Lichtfluter für den Bildhintergrund installieren. Da sollte man auf den Abstrahlwinkel achten, der für Backgrounds bei 60 Grad und für die Person vor der Kamera bei 30 Grad liegen sollte.

Und was, wenn weder Geld noch Platz da ist? Mit Abstrichen können klassische Stehlampen helfen, solange sie das Licht gleichmäßig im Raum verteilen. Manch ein Streamer hat sich schon mit mehreren im Raum verteilten, günstigen Ikea-Stehlampen mit Papierkorpus ausgeleuchtet. Bei Desktop-Setups können günstige LED-Lampen mit Tischstativ für Aufhellung sorgen. Das ist längst nicht perfekt, reicht aber oft für das kleine Bild unten in der Ecke bei einem Spiele-Stream völlig aus.

Der letzte wichtige Faktor beim Kauf ist die Größe der Leinwand. Ist sie schmal und nicht besonders hoch, beschränkt sich der Einsatzzweck auf statische Formate, wo die gezeigte Person sich nicht sonderlich viel bewegt. Je mehr Bewegungsfreiheit die Akteure aber brauchen, desto größer sollte der Green Screen selbstverständlich sein. Es sollte zudem eine Leinwand am Stück sein. Hängen mehrere nebeneinander, ist es schwer, den Schattenwurf beim Übergang zwischen zwei Tüchern zu kaschieren. Wer richtig viel Raum braucht, aber nicht das Geld für viel Stoff hat, kann das Streichen von Wänden in Grün in Erwägung ziehen. Je nach Beschaffenheit des Untergrunds kann es allerdings zu Unregelmäßigkeiten kommen, die in der Postproduktion ausgebügelt werden müssen.

Im Test hatten wir selbst mit günstigen Sets erfreulich gute Ergebnisse. Komplette Sets aus Tuch und Stativ gibt es bei Amazon ab etwa 50 Euro. Gerade vor den ersten Moderationen sollte man sich aber mit dem Aufbau bekannt machen und das Tuch eventuell (vorsichtig) bügeln. Gerade die Beleuchtung ist essenziell, weswegen es sich lohnt, unterschiedliche Positionen und Stellungen für die Lampen auszuprobieren.

Hat man bei sich im Raum kreative Möglichkeiten zur Montage und eine anständige Beleuchtung, tut es vielleicht einfach schon einfache Leinwand ohne jegliches Zubehör. Die Preisspanne ist da groß. Am unteren Ende befindet sich zum Beispiel für 20 Euro die Leinwand von Neewer. An der Qualität merkt man das auch, denn Falten bekommt man nur schwer aus dem Stoff heraus. Dazu ist das Tuch nicht wirklich dicht und bei starker Beleuchtung (etwa durch Sonnenlicht) scheint Licht hindurch. Im ungünstigen Winkel gibt es außerdem Reflexionen. Für 20 Euro bekommt man hier lediglich etwas für eine gelegentliche Spielerei oder für Experimente.

Wenn es um einzelne Leinwände ohne Zubehör geht, ist der Fotohintergrund 132 von Westcott deutlich empfehlenswerter. Mit etwa 170 Euro muss man hier tiefer in die Tasche greifen, aber Vorteile werden mit der ersten Berührung deutlich: Der Stoff knittert nicht, es ist absolut lichtundurchlässig, es gibt keine Nähte und hier reflektiert nichts! Matter geht’s kaum!

Elgato ist hauptsächlich für Game Capture-Hardware bekannt, die wir im Ratgeber Capture Cards: PC- und Konsolespiele aufnehmen vorstellen. Mit dem Stream Deck (Testbericht) wendet sich das Unternehmen an professionelle Streamer, passend dazu bietet es einen Green Screen an. Der Preis ist mit 150 Euro höher. Dafür bekommt man einen schön matten, nicht reflektierenden Hintergrund und eine Aufhängung, die sich platzsparend zusammenstecken lässt. Die höhere Preisklasse macht sich gleich in der Verarbeitungsqualität bemerkbar: Auch ausgefahren steht die gesamte Apparatur stabil und macht einen wertigen Eindruck. Von diesem Produkt hat man auf jeden Fall längere Zeit etwas. Erwähnenswert ist, dass Elgato auch eine Produktvariante zur festen Deckenmontage anbietet.

Wer noch überhaupt kein Lichtequipment besitzt und einen günstigen Einstieg sucht, wird von günstigen Komplettsets angelockt. Zumindest für den Start sollten sie ausreichen und man kann bei höheren Ambitionen in Zukunft von dort aus aufrüsten. Mit dabei sind Stative, Diffusor, Lampen, Blitzschirme und passende Taschen. Das große Aber: Es sind keine LED-Panels, also werden die Lampen relativ warm. Die Birnen sind auch nicht gerade unempfindlich. Die Tasche einfach mal in den Kofferraum pfeffern ist nicht unbedingt empfehlenswert. Die Lampen sind also vermutlich das Erste, was man austauschen wird, zum Beispiel gegen ein günstiges Set. Da gibt es zahlreiche Angebote mit ähnlicher Bauweise.

Wir können das Produkt von Top2Back zwar nicht zum Dauereinsatz empfehlen, aber es sei der guten Idee wegen trotzdem erwähnt: Bei hohem Platzmangel gibt es noch diese pfiffige Green Screen-Variante, die man auf die Rückenlehne des Bürostuhls steckt. Leider ist das Material lichtdurchlässig und hält Sonnenlicht nicht stand. Wer nur zu Abendstunden tätig ist und keine Alternative hat, mag es vielleicht trotzdem für rund 80 Euro riskieren.

Bei Green Screens reicht die Bandbreite von DIY-Lösungen bis hin zu kostspieligen Setups. Je nach Aufgabe benötigt man entweder 20 Euro oder das Zehnfache der Summe. Für Lösungen im Homeoffice reichen aber die günstigen Lösungen. Bei Streamern steht das Gameplay im Vordergrund und kleinere Ungereimtheiten im Keying fallen nicht unbedingt auf - vor allem, wenn die Inhalte auf mobilen Endgeräten konsumiert werden, wo Bandbreite und Auflösung ohnehin geringer sind. Bei Videokonferenzen im Homeoffice lohnt es sich vor der Anschaffung eines Green Screens außerdem einen genauen Blick auf die Funktionen der verwendeten Kommunikationssoftware zu werfen.

Manche Programme bieten von Haus aus Funktionen, um den Hintergrund auszutauschen. Skype kann zum Beispiel den Hintergrund unscharf machen, während Zoom und Teams eine Keying-Funktion mitbringt, die sogar ohne Green Screen funktioniert. Die sieht längst nicht so sauber aus wie das Keying über eine grüne Leinwand, aber das Feature reicht evtl. aus, um die Horrorfilm-Poster bei einem Versicherungsgespräch zu verbergen. Wer allerdings ohne Hose Videokonferenzen macht und währenddessen versehentlich aufsteht, hat schlechte Karten: Gegen diese peinliche Situation gibt es weder passende Soft-, noch Hardware.

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