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RTX 2060 oder 2060 Super? Duell der RTX-Einsteiger-GPUs

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RTX bringt spannende neue Grafikeffekte in Spiele. Wir testen, wie gut sich die Einsteigerklasse der Nvidia-GPUs mit Raytracing schlägt.

2020 lockt mit immer mehr Spielen, die Hardware-seitiges Raytracing unterstützen. Bislang kommen die dazu passenden Grafikkarten nur von Nvidia und der Hersteller lässt sich die Geräte mit dem Kürzel RTX das teilweise gut bezahlen. Gamer fragen sich berechtigterweise, ob man für die neuen Funktionen wirklich so viel Geld in die Hand nehmen sollte. Und wie schlagen sich die Karten im Vergleich zu Nicht-RTX-Varianten von Nvidia und AMD?

Um diese Fragen zu klären, haben wir eine Geforce RTX 2060 und eine Geforce RTX 2060 Super durch unseren Benchmark-Parcours geschickt. Die Karten der RTX-2060-Klasse sind der derzeit günstigste Einstieg in Hardware-Raytracing. Sie kosten zwischen 300 und 350 Euro, entsprechend sollten sie eine ordentliche Leistung bringen. Dazu sehen wir uns an, was man für Werte bekommt, wenn man knapp 100 Euro mehr in eine RTX 2060 Super investiert. Lohnt sich der Aufpreis?

Bei Raytracing berechnet der Grafikchip realitätsgetreue Strahlen in einem dreidimensionalen Raum, um je nach Umsetzung eine hübsche Beleuchtung, realistische Schatten oder detaillierte Reflexionen zu ermöglichen. Da Raytracing aufwändig ist, kombinieren Spieleentwickler die Technik mit klassischer Rasterisierung. Minecraft RTX ist ein Paradebeispiel für Raytracing, da es die Strahlen weitreichend für die globale Beleuchtung, Verschattung und Reflexionen einsetzt. Andere Spiele picken sich nur einzelne Teile heraus. Die folgenden Screenshots haben wir im gleichen Raum aufgenommen. Die linke Bildhälfte wurde ohne Raytracing gerendert, die rechte mit aktivierter RTX-Funktion.

Raytracing in Aktion: Links ein Raum der Minecraft-RTX-Beta ohne Raytracing, rechts mit aktivierter RTX-Funktion. Nicht nur ist der Raum heller, die Wände verwandeln sich zudem in Spiegel.

Wo auf der linken Seite die Lichtstrahlen von den Wänden einfach geschluckt werden, kann das Spiel auf der rechten Seite das verfügbare Licht von Wand zu Wand abstrahlen. Das sorgt nicht nur für einen deutlich helleren Raum, sondern auch für einen komplett anderes Erlebnis. Wie in einem verspiegelten Aufzug scheint der Raum ins unendliche zu wachsen. Mehr dazu in unserem Artikel zu Minecraft RTX.

Minecraft RTX kann bei den Raytracing-Funktionen aus den Vollen schöpfen, auch weil das Spiel an sich wenig Ansprüche an die Hardware stellt. Um die Grafikkarten richtig ins Schwitzen zu bringen, nutzen wir daher den im Open-World-Spiel Metro: Exodus integrierten Benchmark. Dieser zwingt selbst teure Grafikkarten in die Knie. Vorab muss man aber wissen, dass der Benchmark anspruchsvoller ist als das Spiel an sich. Er stellt ein Worst-Case-Szenario da, im eigentlichen Spiel können die Frameraten deswegen höher sein.

Die Leistung der Grafikkarten messen wir in Frames pro Sekunde, fps. Dieser Wert gibt an, wie viele Bilder pro Sekunde zu sehen sind. Je geringer der fps-Wert, desto eher ruckelt das Bild. Ein grober Richtwert sind 24 fps als Untergrenze, grundsätzlich sollten es aber eher Richtung 30 fps gehen. Den Metro:-Exodus-Benchmark testen wir mit der Grafikvoreinstellung „Ultra” in den Auflösungen 1920 × 1080 Pixel (1080p), 2560 × 1440 Pixel (1440p) und 3480 × 2160 Pixel (UHD).

Der Benchmark von Metro:Exodus zeigt gut, wie ein aktuelles Spiel selbst High-End-Karten unter Druck setzen kann. Zudem sieht man schön, dass die Leistungseinbußen bei RTX geringer ist als es oft heißt.

Die GeForce RTX 2060 schlägt sich in 1080p noch recht gut, allerdings fällt die Bildrate gelegentlich deutlich unter 30 fps. Bei höheren Pixelmengen geht der Grafikkarte ohne eine Reduzierung der Render-Auflösung mittels DLSS die Puste aus. Für 1440p braucht es ein schnelleres Modell oder (deutlich) reduzierte Grafikdetails. UHD mit allen Einstellungsoptionen auf Anschlag packt nicht einmal die GeForce RTX 2080 Super – hier bietet sich das Zuschalten von DLSS an.

In den Benchmark sieht man auch gut, dass RTX nicht so viel Leistung kostet, wie man oft in Foren oder Diskussionen liest. Von wegen „das halbiert die Frames”, im minimalen Bereich und im Durchschnitt halten sich die Einbußen in Grenzen.

Neben dem Spiele-Benchmark schicken wir alle Karten auch durch die synthetischen 3D-Benchmarks von 3DMark. Die RTX-Leistung misst dabei der Benchmark „Port Royale”. Im Vergleich zeigt sich ein Treppenmuster, das fast schon nach Absicht aussieht. Anders gesagt: Hier sind die RTX 2060 Super und die RTX 2070 Super lange nicht so nahe zusammen, wie bei Metro: Exodus. Das muss keine böse Absicht oder Manipulation sein, zeigt aber gut, warum man mehr als einen Test laufen lassen muss, um ein vernünftiges Bild zu bekommen.

Port Royale: Der Raytracing-Benchmark von 3DMark zeigt brav die Leistungsunterschiede der RTX-Karten.

Raytracing ist nett, aber nur ein Bruchteil der Aufgaben, den die Karten bewältigen müssen. Wie also schlagen sie sich in Nicht-RTX-Umgebungen? Wir schicken sie zunächst durch die beiden 3DMark-Benchmarks Timespy und Timespy Extreme. Ersterer misst die Grafikleistung auf DirectX-12-Systemen, der zweite ist quasi der gleiche Benchmark in UHD. Das Ergebnis wird in Punkte umgerechnet.

3DMark: Die Benchmarks Timespy und Timespy Extreme geben eine gute allgemeine Einordnung der verschiedenen Grafikkarten.

Im Benchmark zeigt sich erneut der große Unterschied zwischen der RTX 2060 Super und der RTX 2070 Super. Dazu steigen noch mehrere Grafikkarten ohne Raytracing-Chipsatz mit ins Rennen, allen voran die RX 5700 XT von AMD. Die ist preislich in etwa auf dem Niveau der RTX 2060 Super, hat allerdings kein Hardware-Raytracing.

Bei den Spiele-Benchmarks sahen wir in Far Cry 5 ein sehr seltsames Verhalten: Bei 1080p lieferte die RTX 2060 in mehreren Benchmark-Läufen höhere Werte als die RTX 2060 Super. Bei anderen Auflösungen, etwa 1440p und UHD ändert sich das, hier schiebt sich die RTX 2060 Super wie erwartet vor. Da sich dieser Effekt über mehrere Grafikkarten mit RTX 2060 Super-GPU zieht, gehen wir hier eher von einem seltsamen Verhalten im Benchmark aus.

Far Cry 5: Bei 1080p liefert die RTX 2060 überraschend gute Werte. Das gibt sich aber, wenn man die 1440p-Daten ansieht, entsprechend dürfte es eher an einem Hakler im Benchmark liegen.

Um die Daten zu verifizieren, jagen wir die Grafikkarten künftig neben dem Far-Cry-5-Benchmark auch durch den in Borderlands 3 integrierten Benchmark. Wir nutzen dazu die Direct-X12-Version sowie die Grafik-Einstellung „Ultra”. Hier sieht es so aus, wie man es erwarten würde: Die RTX 2060 Super setzt sich deutlich vor die RTX 2060 und die ältere Radeon RX 580.

Borderlands 3: Der Benchmark fordert alle Karten, doch in Full HD kann sogar die ältere Radeon RX 580 noch knapp mithalten.

Wer sollte sich welche Karte genauer ansehen? Die GPUs der RTX-2060-Serie sind ein solider Unterbau für alle, die vor allem in einer Auflösung von 1920 × 1080 Pixel spielen und RTX nutzen wollen. Bei Full HD haben die Karten auch bei hohen Details genügend Power. Die RTX-2060-Super-Serie würden wir zwischen 1080p und 1440p verorten. Die GPUs haben eine ordentliche Leistung und offenbar genügend Reserven, um mit gemäßigtem Übertakten noch mehr fps herauszuholen. Die Grundlagen dazu und wie man sich vorsichtig an die Grenzen seiner Grafikkarte herantasten kann, haben die Kollegen von heise online im Tipp „Grafikkarte übertakten: so wird Ihre GPU schneller” zusammengestellt.

Bleibt die Frage: Brauche ich wirklich RTX? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Gut integriert sorgt Raytracing unserer Meinung nach für realistischere und einfach schönere Welten. Allerdings muss man auch ehrlich sagen, dass man es oft unterbewusst oder aus dem Augenwinkel wahrnimmt – von Minecraft RTX mal abgesehen. Wem andere Features wichtiger sind, etwa eine möglichst hohe Frame-Zahl oder das beste Verhältnis aus Preis und Leistung, der wird wahrscheinlich zu einer anderen GPU greifen.

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