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Pen & Paper digital: Tools und Sci-Fi-RPGs

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RPG-Helden werden digital. Mit den richtigen Tools lassen sich die Helden erstellen und verwalten und Bodenpläne zeichnen. Außerdem stellen wir Sci-Fi-Systeme vor.

Nachdem wir im letzten Beitrag die Fantasy-RPGs und virtuelle Tabeltops vorgestellt haben, geht es in diesem Beitrag um Hilfsprogramme für Spieler und Spielleiter. Dazu stellen wir drei Systeme vor, die in der Zukunft statt dem Fantasy-Setting spielen.

Nicht nur Spieleleiter, auch die Helden selbst profitieren von einer Software, mit der sich die Charaktere erstellen, steigern und verwalten lassen. Bei der Heldenverwaltung hat man die Qual der Wahl. Wer ein englisches System, etwa Dungeons and Dragons, Shadowrun oder Pathfinder spielt, der sollte sich die Programme Hero Lab und PCGen ansehen. Hero Lab hat den großen Vorteil, dass es offiziell mit den Herstellern der Systeme zusammenarbeitet. So kann man (gegen Aufpreis) Daten direkt aus den Systemen und Quellenbüchern importieren und in den eigenen Charakter übernehmen. Hero Lab liefert verschiedene „Wege” die man am Anfang wählen und dann weiter ausbauen kann.

Neben der Applikation zur Installation arbeitet Lone Wolf, das Unternehmen hinter Hero Lab, an einer Browser-basierten Version. Diese ist zunächst für die Systeme Starfinder und den Pathfinder Playtest gedacht. Die bringt ebenfalls praktische Funktionen mit, etwa ein Loot-Management für die Party. Das klassische Hero Lab kostet knapp 35 Dollar und enthält ein Quellenbuch. Die Online-Variante kostet ebenfalls 35 Dollar, dazu kommen weitere Kosten: Nach dem Kauf hat man 180 Tage lang Zugriff auf den Server, nach Ablauf der Zeit kann man weitere Tage in einem 180-Tage-Paket (14,99 Dollar) oder 365 Tage (24,99 Dollar) kaufen. Der große Vorteil der Online-Variante ist, dass sich die Helden auch von mobilen Geräten verwalten lassen.

PCGen ist eine kostenlose Heldenverwaltung, die gerade bei englischen RPGs wie Dungeons and Dragons, Pathfinder oder Starfinder punktet.

Keine Lust, Geld auszugeben? PCGen ist eine sehr gute Alternative. Das Java-Programm greift die Informationen für D20-basierte RPGs von den sogenannten System Reference Documents (SRDs) ab, im Grunde Wikis, die alle notwendigen Daten und Regeln beinhalten. Daraus kann man mit PCGen problemlos Helden basteln, die sich dann bequem ausdrucken lassen. PCGen unterstützt offiziell Dungeons & Dragons, Pathfinder oder Starfinder. Neben der Heldenerstellung ist ein praktisches Tool für Spielleiter dabei, über das sich NPCs einfach erstellen und speichern lassen. Ein Hinweis: Wer ein Display mit hoher Auflösung nutzt, der sollte unter Windows mit den Kompatiblitätseinstellungen spielen, sonst sind die Informationen schwer lesbar.

Haben wir die Tools fürs Schwarze Auge vergessen? Im Gegenteil, aber die Werkzeuge unterscheiden sich deutlich von den anderen Systemen, entsprechend wollten wir sie etwas trennen. Spielleiter sollten in jedem Fall die DSA Meistergeister kennen und ausprobieren. Das kostenlose Programm liefert so ziemlich alles, was man zum Leiten einer Gruppe braucht. Gegnerverwaltung, Auswürfeln von Proben, selbst ein Kalender, ein NPC-Tool, eine Heldenverwaltung sowie ein PDF-Viewer oder ein integrierte Basar helfen beim Leiten der Gruppe. Meistergeister ist kostenlos, unterstützt aber nur DSA 4.1, nicht die aktuelle Version 5.

Die Optolith-Heldenverwaltung für das schwarze Auge, Version 5, überzeugt optisch und bei den Funktionen.

Das gilt auch für die Helden-Software. Der Name verrät es, das Tool hilft Spielern beim Erstellen, Steigern und der Verwaltung ihrer DSA-4.1-Helden. Auf Wunsch lassen sich die Helden online abspeichern, so dass man unterwegs auf sie zugreifen kann. Die Helden-Software ist kostenlos.

Ein Grund, warum DSA 5 von beiden Tools nicht direkt unterstützt wird, ist möglicherweise eine Änderung in der Lizensierung der Inhalte. Ulisses Spiele, der Verlag hinter dem schwarzen Auge, hat sich für die aktuelle Version an den SRD-Systemen englischer Rollenspiele wie Pathfinder oder D&D orientiert. Die Daten sind in eigenen Projekten nutzbar, allerdings müssen die Tools dann im Rahmen des Projekts Scriptorium Aventuris zur Verfügung gestellt werden. Und das wiederum setzt voraus, dass die Programme, Abenteuer oder Hintergrundinformationen über den Online-Marktplatz von Drive-Throuhg-RPG veröffentlicht werden. Die Ersteller können hierüber einen Preis festsetzen oder es den Nutzern freizustellen, ob und wie viel sie zahlen möchten.

Wer DSA 5 spielt, der sollte sich in jedem Fall die „Zahl was du willst”-Software Optolith herunterladen. Diese bietet umfangreiche Features, um DSA-5-Helden zu erstellen und zu verwalten. Helden lassen sich ex- und importieren, Meister können so ihre komplette Gruppe zusammenstellen und verwalten. Dank der offiziellen Scriptorium-Unterstützung ist ein Wiki integriert, über das man wichtige Regelpunkte direkt abrufen kann. Dazu sieht die App minimalistisch und ziemlich cool aus - eine definitive Empfehlung.

Wer seine Kampagne mit Bodenplänen für Kerker, Dungeons oder Burgen ausstatten möchte, der sollte bei DSA in jedem Fall auch ins Scriptorium schauen. Dort gibt es zahlreiche kostenlose und kostenpflichtige Kartenpakete, die sich ausdrucken oder in Virtual Tabletops nutzen lassen.

Wer seine Karten lieber selbst erstellt, der kann dazu natürlich Tools wie Gimp oder Photoshop nutzen – Tutorials gibt es etwa bei Roll20. Wer es aber etwas bequemer möchte, für den gibt es dedizierte Programme. Zwei davon stellen wir kurz vor.

Bild:
Pyromancers
Dungeon Painter Studio ist ein Malprogramm speziell für Karten und Raumpläne von Rollenspielern.

Dungeon Painter Studio lässt sich online oder über Steam nutzen, es kostet dort knapp 15 Euro. Mit dem Programm kann man einzelne Karten, Dörfer oder ganze Städte erstellen. Der große Vorteil sind die im Tool integrierten Objekte, die sich beliebig platzieren und verändern lassen. Dazu kann man eigene Objekte oder Skizzen importieren und nutzen. Die Karten lassen sich direkt mit einem Grid, wahlweise viereckig oder in Hex-Form versehen und für virtuelle Spielsysteme wie Roll20 oder Fantasy Grounds exportieren.

Die Alternative Dungeon Fog ist ein Online-Tool, mit dem sich ebenfalls Karten zeichnen und erstellen lassen. Der Editor ist laut den Machern besonders auf die Bedürfnisse von RPG-Spielern zugeschnitten, wie auch bei Dungeon Painter Studio lassen sich Karten erstellen und Objekte platzieren. Die Karten lassen sich ausdrucken oder digital exportieren. Dungeon Fog lässt sich kostenlos nutzen, wer aber etwa Wasserzeichen vermeiden möchte oder mehr Platz online braucht, der kann einen kostenpflichtigen Account abschließen. Die Preise liegen bei 4,90 Euro (monatlich, Premium), 49,90 Euro (jährlich, Premium) oder 99,90 Euro (jährlich, Premium CL).

Clever ist die Viewer-Funktion. Der Spielleiter kann damit von einem System aus kontrollieren, was die Spieler sehen können. Das bietet sich vor allem für „echte” Runden am Spieltisch an. Wer richtig aufdrehen möchte, der sollte sich dazu einen Spieltisch mit integriertem Display bauen, Anleitungen dafür gibt es im Web, etwa bei der Make.

Das Thema Science Fiction ist im Rollenspielumfeld seltsamerweise deutlich weniger ausgeprägt als das Fantasy-Setting. Selbst große Markennamen, etwa Star Wars, Star Trek oder Firefly/Serenity tun sich schwer damit, gegen die Konkurrenz aus dem Fantasy-Bereich anzutreten. Es gibt aber Ausnahmen wie Shadowrun, das in diesem Jahr 30 Jahre alt wird. Wer entsprechend die Nase voll hat von noblen Rittern und edlen Schurken, der sollte sich diese drei Systeme näher ansehen.

Cyerpunk, gemischt mit Fantasy und Sci-Fi, angesiedelt in einer düsteren Zukunftsvision, in der Mega-Konzerne den klassischen Staaten den Rang ablaufen. Shadowrun, das erstmals 1989 erschien, zeichnet ein düsteres Bild der nahen Zukunft. Es spielt in unserer Welt, nur in einem parallelen Zeitstrahl. In diesem brach im Jahr 2012 mit dem Ablauf des Maya-Kalenders ein neues Zeitalter an – ein Zeitalter der Magie. Drachen erwachten und stellten fest, dass sie im Turbokapitalismus locker so viel Geld anhäufen können, wie beim Entführen von Prinzessinnen. Die technische Entwicklung lief und läuft auf Hochtouren, künstliche Körperteile sind gängig. Das Internet wurde zur Matrix, in die die Spieler dank Implantaten komplett eintauchen und dort agieren können. Die Spieler sind in den meisten Fällen sogenannte Shadowrunner, austauschbare Söldner, die für die Konzerne, Gangstersyndikate oder andere zwielichtige Gestalten ge- und benutzt werden. Meist sind sie dabei kleine Rädchen im Getriebe, Betrug ist an der Tagesordnung.

Die aktuelle Version 5 von Shadowrun wurde kräftig überarbeitet. Die Regeln wurden deutlich entschlackt, was nicht alle Spieler positiv aufnahmen. Der Autor fand die Änderungen positiv, sie erleichtern den Einstieg deutlich. Geblieben ist das lebendige Spieleuniversum, das seit der ersten Version wächst. Gerade die Quellenbücher ähneln oft eher Hintergrundromanen als Regelwerken. Sie lassen sich gut lesen, man steigt leicht in die Welt ein.

Shadowrun bietet sowohl kurze Abenteuer wie auch lange Kampagnen. Gut gefallen haben die Missions. Sie fassen mehrere kurze Abenteuer zu größeren Geschichten zusammen und sind ein guter Einstieg in das Shadowrun-Universum. Im Shadowwiki gibt es eine gute Übersicht zu den verschiedenen „Staffeln”. Wer eine Software zur Erstellung der Helden sucht, der sollte sich das Java-Programm Genesis ansehen.

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Shadowrun, Grundregelwerk

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Shadowrun, Kreuzfeuer

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Shadowrun, Hamburg Quellenbuch

Trotz des Hypes rund um Star Wars hat das Rollenspieluniversum nie wirklich den Status von Dungeons and Dragons oder anderen Fantasy-Universen erreicht. Das liegt teilweise auch an den verwirrenden Systemen - denn zu Star Wars gibt es unterschiedliche Regelwerke. Die einen setzen auf sechsseitige Würfel, wie etwa bei Shadowrun, die anderen bevorzugen den zwanzigseitigen Würfel wie bei DSA oder D&D. Dazu kamen zahlreiche Ungewissheiten bei den Lizenzen. Aktuell liegen die Rechte bei Fantasy Flight Games, die in Deutschland bei Ulisses Spiele vertrieben werden. Die aktuelle Ausgabe setzt dabei eigentlich auf Zwangzigseiter, allerdings sind die Würfel speziell bedruckt. Das setzt vor allem Nutzer von Virtual Tabletops etwas unter Druck, bei Roll20 wurde es aber mit speziellen API-Skripten gelöst.

Die aktuelle Star Wars Rollenspiele teilen sich in unterschiedliche Zeitalter ein, so kann man etwa während der Rebellion spielen, zur Hochzeit des Imperiums oder während der Zeit der Jedis. Dank separater Abenteuer und Regelwerke kann man sich seine favorisierte Zeit aussuchen und dort die Abenteuer erleben.

Anders als etwas beim schwarzen Auge oder D&D liegt es eher in der Hand des Spielleiters, die Welt durch die Abenteuer zum Leben zu erwecken. Es gibt fertige Module, die man allerdings weiter ausbauen und anpassen sollte. Dennoch ist Star Wars in der aktuellen ein solides System mit guten Regeln. Es wäre schön, wenn es etwas mehr Fleisch in das ganze Universum bringt, das durch die Änderungen von The Force Awakens leider den Kanon des „Expanded Universe” verloren hat.

Der Nachteil bei Star Wars ist, dass es von den meisten Systemen nicht oder nur teilweise unterstützt wird. Es gibt aber auch hier hilfreiche Tools. Dazu gehören etwa der Star Wars RPG Index oder der NPC-Generator von Stogoff.

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Star Wars, Grundregelbuch Am Rande des Imperiums

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Star Wars, Grundregelbuch Zeitalter der Rebellion

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Star Wars, Grundregelbuch Macht und Schicksal

Starfinder ist ein relativ junges Rollenspielsystem, das aber starke Wurzeln hat. Es stammt von den Machern von Pathfinder und bringt die Fantasy-Elemente in den Weltraum. Die Spieler sind nicht mehr auf eine Welt beschränkt, sondern können Planeten, Asteroidengürtel und noch mehr bereisen. Magie ist dabei in dieser Welt ebenso normal wie Technologie.

Was in den Testspielen gut gefällt ist, dass der Hersteller Paizo die gängigen Klischees ordentlich durchschüttelt. Untote sind etwa nicht automatisch die Bösen, sondern eine anerkannte Rasse, die nicht nur einen der wichtigsten Friedensverträge ausgehandelt hat, sondern zudem ein florierendes Geschäft mit dem Verkauf von „Nekro-Grafts” verdienen – Teile von Untoten, die sich die anderen Rassen einsetzen lassen können. Auch Goblins, normalerweise eher Kanonenfutter, sind eine innovative, wenn auch nervige Rasse, die den Spielern helfen können, je nachdem, wie sie sich verhalten.

Starfinder folgt in den Fußstapfen von Pathfinder was Regelbücher und Abenteuer angeht. Neben dem Grundregelwerk gibt es Bücher zu mehr Rassen, Planeten oder Waffen. Bei den Abenteuern gibt es derzeit wahlweise drei Abenteuerpfade, die mehrere Einzelabenteuer in eine lange Kampagne einbinden. Alternativ gibt es die Abenteuer der Starfinder Society. Die sind deutlich kürzer und für das Spielen auf Messen oder Conventions gedacht.

Starfinder ist noch relativ jung, bei einigen Regeln hapert es noch etwas (etwa beim Raumkampf). Lösen lässt sich das entweder durch gezieltes Weglassen von Zwischenfällen oder, etwa im Fall von Schiff-zu-Schiff-Enterangriffen, durch Hausregeln. Trotz dieser Schnitzer ist das Setting vielversprechend, interessant und mit spaßigen Klischees aufgeladen. Gerade Spieler, die nicht alles bierernst nehmen, finden in Starfinder ein frisches Sci-Fi-System. Eine Warunung vorweg: Es kommt aus der Pathfinder-Welt, entsprechend sollte man sich auf Modifikatoren zu fast jedem Würfelwurf einrichten.

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Starfinder, Grundregelwerk

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Starfinder, Spielleiterschirm

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Starfinder, Tote Sonnen, Buch 1

Sowohl bei den Tools wie auch den Systemen kann man nur einen Ausschnitt bieten – wahrscheinlich hat jede Spielegruppe ihre eigenen Lieblinge oder Hausregeln. Wenn zwischen den einzelnen Sessions viel Zeit vergeht, schadet es nicht, die Helden und ihr Inventar zentral verwalten.

Gerade bei virtuellen Runden mit Virtual Tabletops wie Roll20 und Co hilft bereits ein Excel- oder Google-Doc-Sheet enorm. Der Autor verzeichnet in seinen Runden darin etwa, welcher Gegenstand wann von welchem Charakter gefunden wurde, ob er es aktuell im Inventar hat oder wann es verkauft wurde.

Sie sind der Meinung, dass wir ein wichtiges Werkzeug vergessen haben? Dann ab in die Kommentare damit.

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