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Outdoor-Smartphones: Handys für draußen

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Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Smartphones: Wer sich gerne den Naturgewalten hingibt oder einen Beruf mit rauem Umfeld ausübt, der kommt um die Anschaffung eines Outdoor-Smartphones womöglich nicht herum.

Ganz gleich ob im Wald oder im Gebirge: Wanderfreunde, Klettermaxe und Naturburschen kommen vor allem in der sich anbahnenden warmen Jahreszeit ganz auf ihre Kosten. Begleitet werden sie dabei trotz aller Naturverbundenheit in der Regel von ihrem Smartphone, das zur Dokumentation des Erlebnisses, der Navigation durch unbekanntes Land und dem Absetzen eines Anrufs im Falle einer Zwickmühlensituation herhält. Vor allem wer sich häufiger in unwegsamem und rauem Terrain aufhält, dürfte sich dabei mit diesem Sachverhalt konfrontiert fühlen: Die meist im Glasgehäuse gebauten Standard-Smartphones sind anfällig für Stöße und Stürze und erfordern einen besonderen Schutz. Entspannter ist man da mit einem Outdoor-Smartphone unterwegs.

Outdoor-Smartphones kann man sorglos ins Wasser versenken.

Dieser Typ Smartphone zeichnet sich in erster Linie durch ein robustes Gehäuse aus. Meist besteht es aus Kunststoff, einige Geräte weisen zusätzlich Elemente aus Metall auf oder sind stellenweise gummiert – das sorgt für mehr Grip. Der ist durchaus erforderlich, denn Outdoor-Smartphones sind klobiger und schwerer als die üblichen Smartphones, haben große Seitentasten und in einigen Fällen haptische Knöpfe für die Android-Navigation. Den Mangel an äußerer Eleganz machen Outdoor-Smartphones durch ihre Features wieder wett, darunter dem in der Regel vorhandenen Wasserschutz, einen nach US-Militärstandard zertifizierten Stoß- und Sturzschutz sowie einen groß bemessenen oder gar wechselbaren Akku. Outdoor-Smartphones sind, wenn man so will, die Funktionskleidung unter den Smartphones.

Damit der geneigte Käufer die vom Hersteller getroffenen Schutzmaßnahmen nachvollziehen kann, gibt es die IP- und MIL-STD-Kennzeichnungen. Die IP-Schutzart (IP = „International“ oder „Ingress Protection“) wird gemäß ISO- und DIN-Normung mit zwei Kennziffern angegeben, wobei die erste den Schutz gegen Fremdkörper und Berührung, die zweite den Schutz gegen Wasser ausweist. Die im Zusammenhang mit Smartphones häufiger verwendete IP67-Norm besagt, dass das Gerät staubdicht (IP6X) und gegen zeitweiliges Untertauchen (IPX7) geschützt ist. Ein Smartphone nach IP68 ist ebenfalls staubdicht, weist aber den besseren Wasserschutz „gegen dauerndes Untertauchen“ (IPX8) auf.

Weitaus schwammiger ist die Angabe MIL-STD-810. Zwar lässt das Hersteller-Etikett für ein Prüfverfahren gemäß US-amerikanischer Militärnorm mit knapp 30 Tests – unter anderem Temperaturschocks, Untertauchen, mechanische Schocks sowie Luftfeuchtigkeit – erst einmal ein schier unkaputtbares Gerät erwarten. Jedoch müssen nicht alle dieser Tests auch durchgeführt oder tatsächlich bestanden worden sein, um mit dem MIL-STD-810 werben zu dürfen. Folglich machen viele Hersteller gar keine genauen Angaben zu den absolvierten Testmethoden, wodurch das „Zertifikat“ zu einer reinen Marketing-Masche verkommt.

Anschlüsse für USB oder Kopfhörer sind meist durch Abdeckungen geschützt.

Auch Informationen zum verwendeten Schutzglas geben die Hersteller von Outdoor-Smartphones überraschend selten preis. Ob nun herkömmliche Hartglassorten wie Gorilla oder Dragontrail Glas genutzt werden oder etwa mit einer speziellen Versiegelung eine besondere Robustheit erreicht werden soll, ist vor allem bei preisgünstigen Modellen nicht erkenntlich. So muss man davon ausgehen, dass die Front eines Outdoor-Smartphones ähnlich zerbrechlich und anfällig für Kratzer ist wie bei herkömmlichen Smartphones und lediglich der verstärkte Rahmen einen gewissen Schutz bietet. Das und die zum unseriösen Gebrauch einladende MIL-STD-Kennzeichnung machen deutlich, dass beim Kauf eines Outdoor-Smartphones vor allem viel Vertrauen in die Angaben und die Expertise des Herstellers gefragt ist – einvernehmliche Mindeststandards gibt es nicht.

Einige Outdoor-Smartphones besitzen spezielle Gimmicks, die sie von den Konkurrenzmodellen unterscheiden und eine ganz bestimmte Zielgruppe ansprechen sollen. So hat das 2018 erschienene Land Rover Explore (Testbericht) ein magnetisch am Gehäuse haftendes Zusatzmodul mit Akku-Pack, leistungsstarker GPS-Antenne und Karabinerhaken – es richtet sich damit in erster Linie an Klettermaxe und Gebirgswanderer. Das bislang am besten ausgestattete Cat-Smartphone S61 (Testbericht) verfügt über eine Wärmebildkamera, einen Messlaser und einen Schadstoffsensor und hat damit als Käufer vorrangig Handwerker und Bauarbeiter im Sinn. Tatsächlich stellen solche spezialisierten Modelle eher die Ausnahme dar, die meisten Hersteller platzieren ihre Outdoor-Smartphones mittlerweile als robuste, wasserdichte Alltagsgeräte am Markt.

Die meisten Outdoor-Smartphones, hier das Gigaset X290, stecken in einer robusten und eher dircken Hülle.

Für große Marken sind Outdoor-Smartphones seit eh und je weitgehend unattraktiv, lediglich Samsung bringt alle zwei Jahre ein entsprechendes Gerät heraus. Vor allem chinesische Hersteller wie Cubot, Oukitel und Ulefone haben die Nische für sich entdeckt und fluten die hiesigen Online-Kaufhäuser mit günstigen Geräten ab 100 Euro. Da die bei diesen Marken in Sachen Qualität stark schwankenden Geräte nicht vor dem Kauf ausprobiert werden können, lässt sich keine objektive Einschätzung zur Verarbeitung, der Performance und der vorinstallierten Software treffen. Hier kauft man die Katze im Sack.

Für gelungene Outdoor-Smartphones steht die Xcover-Reihe von Samsung. Die aktuelle Auflage heißt schlicht Galaxy Xcover Pro und präsentiert sich im modernen Design mit Metallrahmen. Das Smartphone hat ein 6,3 Zoll großes Full-HD-Display im länglichen 19,5:9-Seitenverhältnis und eine darin eingefasste Punch-Hole-Kamera. Für physische Navigationstasten vorne ist kein Platz geblieben, das Smartphone lässt sich dennoch mit angezogenen Handschuhen bedienen. Ergänzend zu den Lautstärketasten und dem Home-Button mit integriertem Fingerabdrucksensor kommen noch zwei Funktionstasten zur freien Belegung dazu. Sie sind für die Blindbedienung mit einer spürbaren Textur versehen, so wie auch die abnehmbare Kunststoffrückseite.

Der darunterliegende 4.050-mAh-Akku lässt sich einfach herausnehmen und austauschen. Dennoch ist das Galaxy Xcover Pro gemäß IP68 vor eindringendem Staub und bei maximal 1,50 Metern Tiefe vor Wasser geschützt. Nähere Angaben zu den durchlaufenen MIL-STD-Prüfungen macht Samsung nicht. Der Smartphone-Akku lässt sich dank der Pogo-Pins neben dem USB-C-Anschluss über eine entsprechende Ladestation mit neuem Strom versorgen.

Das technische Grundgerüst des 159,9 x 76,7 x 9,9 mm großen und 218 Gramm schweren Galaxy Xcover Pro entspringt aus der Mittelklasse. Dazu zählen der Exynos 9611 mit einem Cortex-A73-Vierkerner bei 2,3 GHz und einem 1,5-GHz-Quad-Core-Prozessor nach Cortex-A53-Bauart, 4 GByte Arbeitsspeicher und 64 GByte Speicherplatz. Der Einsatz einer microSD-Karte ist möglich, zusätzlich können bis zu zwei SIM-Karten eingesetzt werden. Die Hauptkamera hat 25 Megapixel, dazu kommen eine 8-Megapixel-Weitwinkel-Knipse und eine 13-Megapixel-Selfiekamera. Samsung liefert das Galaxy Xcover Pro ab Werk mit Android 10 aus, es kostet aktuell um 430 Euro.

Das S52 ist das aktuelle Smartphone von Caterpillar. Kam der Vorgänger S61 (Testbericht) noch mit diversen Sonderfunktionen wie einer Wärmebildkamera daher, ist dieses nun ein vergleichsweise gewöhnliches Gerät mit Outdoor-Qualitäten. Das Cat S52 hat einen Rahmen aus Aluminium und eine nicht abnehmbare, gummierte Rückseite aus Kunststoff (TPU) mit eingebettetem Fingerabdrucksensor. Der auch mit nassen Fingern und Handschuhen bedienbare 5,65-Zoll-Bildschirm im 18:9-Seitenverhältnis hat eine eher magere Auflösung von 1.440 × 720 Pixel, beim Schutzglas handelt es sich um zeitgemäßes Gorilla Glas 6.

Das Cat S52 hat weder haptische Navigationsknöpfe noch Sondertasten, die sich mit einer Funktion oder einem App-Schnellstart belegen ließen. Das Gehäuse ist IP68-zertifiziert und danach für 35 Minuten in 1,50 Tiefe wasserdicht, zudem übersteht es laut Hersteller Stürze aus 1,50 Metern Höhe auf Beton. Das Smartphone wurde in den MIL-STD-810-Kategorien Thermoschock, Vibration, Feuchtigkeit und Salznebel geprüft.

Als Antrieb dient dem 158,1 × 76,65 × 9,69 mm großen und 210 Gramm schweren Cat S52 der Mediatek Helio P35 Octa-Core-Prozessor mit 4 GByte RAM. Der 64 GByte große interne Speicher ist per microSD-Karte erweiterbar, ergänzend dazu nimmt das Outdoor-Smartphone bis zu zwei SIM-Karten auf. Die einfache Hauptkamera löst mit 12 Megapixel auf, hat eine große f/1.8-Blende und einen Dual-Pixel-Fokus, die Frontkamera knipst Selfies mit 8 Megapixel. Der Akku hat eine Kapazität von 3.100 mAh, geladen wird über USB-C. Das Cat S52 wird mit Android 9 ausgeliefert – ein Update auf Android 10 ist geplant – und kostet um 400 Euro.

Im Test haben wir dem Outdoor-Smartphone von Gigaset bereits auf den Zahn gefühlt – und waren recht angetan. Das GX290 hat wie die beiden Rivalen einen Rahmen aus Metall, die aus TPU-Kunststoff gefertigte Rückseite ragt für besseren Stoßschutz über die Ecken. Physische Tasten neben Power-Button und Lautstärkewippe hat das Smartphone nicht. Um das Gehäuse vor eindringendem Wasser und vor Staub abzusichern, müssen die Klinken- und USB-C-Buchsen mit einer Schutzkappe abgedeckt werden – die Anschlüsse vieler anderer Geräte liegen frei und sind von innen versiegelt. Dennoch reicht es für eine IP68-Zertifizierung und einen Wasserschutz von 30 Minuten in 1,20 Metern Tiefe.

Originalaufnahmen mit dem Gigaset GX290 (9 Bilder)

Normaler Fotomodus

Das 6,1 Zoll große Display mit Aussparung für die Frontkamera stellt nur 1.560 × 720 Pixel dar, bedeckt ist es von Gorilla Glas 3. Das 162,4 × 79 × 15,3 mm große und stolze 279 Gramm schwere Gigaset-Smartphone wird vom Mediatek-Chip Helio P23 mit acht Prozessorkernen und 3 GByte RAM angetrieben. Der nur 32 GByte große Speicher lässt sich per microSD-Karte erweitern, zusätzlich ist das GX290 Dual-SIM-fähig. Die Frontkamera mit 8-Megapixel-Auflösung eignet sich auch für die Gesichtsentsperrung, auf der Rückseite ist ein Fingerabdrucksensor verbaut. Hier befindet sich auch die Dual-Kamera, bestehend aus einer 13-Megapixel-Hauptkamera und einem 2-Megapixel-Tiefenmesser.

Als wäre der 6.200 mAh große und besonders ausdauernde Akku nicht Sensation genug, lässt der sich sogar über eine Qi-Station drahtlos laden – so wiegt der Einsatz eigentlich nicht mehr zeitgemäßer Schutzkappen nicht mehr allzu schwer. Leider ist das Betriebssystem mit Android 9 Pie nicht mehr auf dem aktuellen Stand – dafür ist das Gigaset GX290 mit einem Preis um 250 Euro aber auch recht günstig.

Crosscall richtet sich mit dem Trekker X4 (Testbericht) eher an diejenigen, die sportlich mit dem Gerät unterwegs sind. Im Test gefiel es uns durch seine durchdachten Features, seine Akkulaufzeit und das umfangreiche Zubehör. Crosscall nutzt für das Gerät auf der Rückseite den sogenannten X-Link, an dem Zubehör magnetisch haftet und mit Strom versorgt wird. Ebenfalls interessant: Das Trekker X4 soll auch als Action-Cam taugen, allerdings hatten wir dabei eher einen gemischten Eindruck.

Der Touchscreen des Trekker X4 im Test misst 5,5 Zoll und bietet nur einfache Full-HD-Auflösung (1.920 [×] 1.080 Pixel). Hinzu kommen die erwähnten breiten Ränder rings um den Bildschirm – bei einem normalen Smartphone wäre das im Jahr 2019 nicht mehr zumutbar, bei einem Outdoor-Smartphones dient das dem Schutz des Screens und ist daher in Ordnung. Bei der Ablesbarkeit bietet Crosscall beim X4 sehr ordentliche Blickwinkel, Farbwiedergabe und Kontraste machen ebenfalls einen guten Eindruck, die Leuchtkraft könnte allerdings höher ausfallen. Bei heller Umgebung führt das bisweilen zu Problemen. ohne schattenspendende Hand wird es schwierig, Inhalte noch richtig erkennen zu können.

Der verwendete Qualcomm Snapdragon 660 sorgt im Verbund mit 4 GByte Arbeitsspeicher für ordentlich Power.Im Alltag liefert das Hardware-Gespann gute Performance. Egal ob einfaches Surfen im Internet oder Spielen von 3D-Games: So schnell bringt das Trekker X4 nichts ins Schwitzen. Wohl aber den Nutzer. Während das Crosscall-Smartphone im Alltagsbetrieb bestenfalls handwarm wird, nehmen die Temperaturen unter Last oder beim Laden mit dem im Lieferumfang enthaltenen 27-Watt-Netzteil spürbar zu. Zumindest im Sommer dürfte das unangenehm werden.

Zusammenfassend sollten Outdoor-Smartphones einige Kriterien erfüllen, ehe sie für einen Kauf in Betracht gezogen werden:

  • Stabiles Kunststoffgehäuse – idealerweise verstärkt durch Metall – und Gummierung für ordentlichen Grip
  • Große Seitentasten für die Bedienung mit Handschuhen
  • Frei belegbare Funktionstaste, beispielsweise um schnell die Taschenlampe zu starten
  • Mindestens IP67-Wasserschutz, besser IP68
  • Für mehrtägige Wanderungen bietet sich ein großer Akku an, mindestens 4.000 mAh sollten es sein
  • Für die Nutzung auf dem Bau empfehlen sich physische Navigationsknöpfe sowie die Gesichtserkennung – ein Fingerabdrucksensor ist mit Handschuhen eher unpraktisch
  • Mindestens eine durchschnittliche Kamera, für Ausflugsfotos oder Dokumentation der Baustelle

Highend-Ausstattung wird man in einem Outdoor-Smartphone nicht finden. Dennoch sollten geneigte Käufer darauf achten, dass zumindest zeitgemäße Mittelklasse-Hardware in dem robusten Gehäuse steckt – vor allem bei den Billigheimer vieler chinesischer Hersteller ist das häufig nicht der Fall. Die Prioritäten liegen bei diesem Typ Smartphone vor allem in ihrer Stabilität und dem Schutz vor Staub und Wasser und damit nicht zuletzt in der Verarbeitungsqualität, von der man sich im Idealfall vor dem Kauf überzeugt.

Besondere Features über die eine oder andere Sondertaste hinaus, findet man in modernen Modellen allerdings kaum noch – dafür sind Outdoor-Smartphones aber auch vergleichsweise erschwinglich geworden. Weiter Informationen zu den Smartphones haben wir in unserem Artikel „Zwölf Outdoor-Smartphones im Vergleichstest“ zusammengestellt.

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