Motorrad-Navis im Vergleich: TomTom gegen Navitel | TechStage
TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Motorrad-Navis im Vergleich: TomTom gegen Navitel

von  // 

TechStage vergleicht zwei Navigationsgeräte für Motorradfahrer. Das eher günstige Navitel G550 Moto tritt dabei gegen das teurere TomTom Rider 550 an. Wir zeigen, wo die Geräte punkten.

Navigationsgeräte für Motorradfahrer müssen mehr können als ihre Gegenstücke im Auto. Sie sollen zuverlässig leiten, dabei aber die schönsten statt nur die schnellsten Routen vorschlagen. Zudem sollten sie mit Erschütterungen zurechtkommen und sich mit Handschuhen bedienen lassen. Neben High-End-Modellen wie dem kürzlich getesteten Garmin Zumo XT (Testbericht) gibt es aber noch deutlich günstigere Lösungen. Wir stellen TomTom Rider 550 gegen das günstige Navitel G550 Moto.

Kann das günstige Navitel G550 Moto gegen das Top-Gerät TomTom Rider 550 bestehen? Beide Motorrad-Navis durchliefen den Härtetest bei TechStage.

Das zum Testzeitpunkt 330 Euro teure TomTom Rider 550 bildet neben dem teureren Garmin Zumo XT (488 Euro, Testbericht) eins der Top-Motorrad-Navigerät auf dem Markt. Äußerlich unterscheidet sich das TomTom Rider 550 auf den ersten Blick kaum von seinem Vorgängermodell Rider 450, das Display ist immer noch 4,3 Zoll (10,9 cm) groß, das gesamte Gerät erfreulich flach und solide verarbeitet. Damit ist es zwar etwas kleiner als das 5,5-Zoll-Display des Garmins, verdeckt dafür aber auch nicht so viel des Cockpits.

Das Rider 550 erfüllt den IPX7-Standard, ist also wasserdicht. Das Navi lässt sich ohne Kraftaufwand in die mitgelieferte Lenkerhalterung ein- und wieder ausklinken und hält bombenfest. Besonders letzterer Punkt war bei frühen Rider-Modellen nicht immer gegeben, wie der Tester selbst leidvoll erfahren musste. Doch die aktuelle Lösung ist über jeden Verdacht erhaben. Auch die Stromversorgung über die Bordbatterie bleibt gewährleistet, das Verlegen der nötigen Kabel – ebenfalls im Lieferumfang enthalten – ist selbst für Laien mit einem bisschen handwerklichen Geschick an den meisten Motorradmodellen machbar.

Das neue TomTom Rider 550 besitzt gegenüber dem Vorgängermodell einen schnelleren Quad-Core-Prozessors und eine WLAN-Schnittstelle.

Die Berührungsempfindlichkeit des Bildschirmes lässt sich einstellen, damit es sowohl mit dickem Handschuh als auch mit dem bloßen Finger funktioniert. Falls die Empfindlichkeit auf Maximum eingestellt ist, reagiert das Gerät schon, wenn der Finger noch suchend einige Millimeter über dem Touchscreen schwebt. TomTom verspricht zwar für das Rider 550 eine Akkulaufzeit von bis zu sechs Stunden, realistisch sind je nach Helligkeitseinstellung und Nutzung drei Stunden. Damit übertrifft es das Garmin Zumo XT deutlich, welches bei voller Helligkeit über eine Stunden früher schlapp machte. Das doppelte Kugelgelenk der RAM-Mount-Halterung bietet vielfältige Einstellmöglichkeiten. Praktischerweise kann das Rider 550 mit einem Handgriff vom Quer- ins Hochformat gedreht werden und die Kartenanzeige klappt automatisch mit.

Eine der entscheidenden Neuerungen des Rider 550 ist seine WLAN-Fähigkeit: Es braucht kein Kabel mehr (auch wenn das im Lieferumfang enthalten ist), um Karten, am Computer ausgearbeitete Routen oder andere Daten zu übertragen. Damit hat das TomTom mit dem Konkurrent Garmin Zumo XT gleichgezogen. TomTom schickt auch automatisch eine Benachrichtigung, sobald neue Updates zur Verfügung stehen. Allerdings verfügt das Rider 550 über keinen Browser, so dass man keine öffentlichen Hotspots mit Anmeldeportal nutzen kann.

Das TomTom lässt sich per Bluetooth mit dem Smartphone und dem Headset im Helm verbinden. So erscheinen eingehende Anrufe oder Nachrichten auf der Anzeige. Über Siri oder Google Assistant kann per Sprachsteuerung auf Funktionen des Smartphones zugegriffen werden, um Musik oder Ansagen zu hören, vorausgesetzt der Fahrer hat ein Headset im Helm. Falls nicht, kann man sich die Routenführung über die beiden eingebauten Lautsprecher des TomToms anhören. In der Stadt klappt das sehr gut, auf der Landstraße bis Tempo 80 noch bedingt, darüber kann man es vergessen. Aber ein kurzer Blick auf das große Display mit einer Auflösung von 480 × 272 Pixel reicht, um den Weg zu finden. Das ist zwar scharf, aber hier kann das Garmin Zumo XT mit 1280 × 720 Pixel auftrumpfen.

Die Neuerungen des Rider 550 liegen im Inneren. Ein schnellerer Quad-Core-Prozessor sorgt nun für einen rascheren Start des Geräts und eine flotte Routenberechnung. Es gibt kaum etwas Ärgerlicheres, als wenn man losfahren will, aber das Navi Ewigkeiten braucht, bevor es die Strecke errechnet hat. Hier kann das Rider 550 glänzen, sogar die kleinsten Nebensträßchen, die bei der Funktion „Spannende Tour“ miteinbezogen werden, hat das Gerät innerhalb kürzester Zeit berechnet. Von der Rechengeschwindigkeit liegen das Garmin Zumo XT und der Rider 550 ungefähr gleich auf. „Spannende Tour“ hat sich bald zur Lieblingsfunktion gemausert: Einfach einen Zielpunkt eingeben und das Rider 550 erstellt in Sekunden eine komplette Tour bis zum aktuellen Ausgangspunkt zurück. Dabei können die „Kurvigkeit“ und die Höhenunterschiede in drei Stufen eingestellt werden. Wer es auf maximal stellt, kann schon mal ziemlich lange von A nach B brauchen, da sich das Navi dann allerkleinste Nebenstrecken aussucht. Aber auch bei normaler Routenführung glänzt das Rider 550 mit exakten Angaben und sich vergrößernden Ausschnitten an Kreuzungen.

Das TomTom Rider 550 erweist sich als sehr schnell in der Routenberechnung und führt den Fahrer sehr präzise. Das Navi lässt sich mit einem Handgriff von Quer- auf Hochformat drehen, die Karte klappt automatisch mit.

Der Bildschirm zeigt die Karten sowohl als 2D wie in 3D an, als eingenordet oder sich in Fahrtrichtung drehend – je nach Gusto. Das Rider 550 hat in seinem 16 GByte großem Speicher so ziemlich sämtliche Länder dieser Erde detailliert gespeichert, lediglich bei ein paar exotischen Ländern verfügt es nur über Verbindungsstraßen. Für 71 Länder bietet TomTom außerdem Verkehrsinformationen an. Die manuelle Routenerstellung mittels einzelner Wegpunkte klappt vorzüglich. Auf die gewünschten Punkte der Karte tippen, sie jeweils der geplanten Strecke hinzufügen und schon ist die Tour gespeichert – so einfach kann Navigation sein. Allerdings tut sich das Rider 550 dann etwas schwer, wenn man von der vorgegebenen Route abweicht, dann will das Gerät den Fahrer unbedingt wieder zum verpassten Wegpunkt zurückführen, selbst wenn der nächste Wegpunkt inzwischen viel näher liegt. Ebenfalls im Rider 550 gespeichert sind Millionen von „Point of Interests“ wie Tankstellen, Hotels oder Restaurants. TomTom liefert regelmäßig kostenlose Karten-Updates über „MyDrive“, wo auch bereits 150 fertig ausgearbeitete Routen anderer Fahrer heruntergeladen werden können. Ein Slot für eine Micro-SD-Karte ist im Gerät vorhanden, so dass sich zusätzliche Daten speichern lassen.

Was das Rider 550 leider nicht kann, ist Routenberechnung per Spracheingabe, dabei wäre gerade das eine Funktion, die wir uns gewünscht hätten. Dann könnte man auch während der Fahrt eine neue Route starten. Gegen einen Aufpreis von 19,99 Euro im Jahr kann die Funktion TomTom Traffic gebucht werden, die aktuelle Verkehrsinformationen für die Routenplanung berücksichtigt.

Das zweite getestete Navigerät stammt von Navitel, eine 2006 gegründete und hierzulande noch relativ unbekannte Marke aus Tschechien. Das Navitel G550 Moto ist mit einem 4,3 Zoll (10,9 cm) großen Display genauso groß wie das TomTom Rider 550, kostet aber nur 199 Euro Listenpreis. Sein interner Speicher bietet mit 8 GByte die Hälfte des TomToms. Während das glatte Rider 550 wie aus einem Guss wirkt, macht das kantige Navitel zwar keinen schlechten, aber doch einen etwas weniger hochwertigen Eindruck. Seine eckige Form kommt eher nach dem Garmin Zumo XT. Das G550 Moto ist auch nach dem Standard IPX7 geprüft und damit wasserfest. Vom Gewicht sind beide mit etwa 280 Gramm gleich leicht. Die Akkulaufzeit ohne Stromanschluss liegt für das G550 Moto bei etwas unter zwei Stunden.

Der Einschaltknopf des Navitel ist winzig und fummelig, da er etwas ins Gehäuse eingelassen ist. Ihn mit Handschuhen zu drücken ist ein Geduldsspiel. Das Display verfügt – genau wie das TomTom – über eine Auflösung von 480 × 272 Pixel. Bei der Haptik fällt sofort auf, dass sich der Touchscreen tatsächlich etwas eindrücken lässt und man sieht es auch anhand der Reflexionen. Um das Navitel G550 Moto an die Lenkerhalterung zu befestigen, muss es in ein Gehäuse eingeklinkt werden, das oben als Sonnenschutz weit herausgezogen ist. Viel nützt es nicht gegen blendende Sonnenstrahlen, besser wäre ein entspiegeltes Display.

Das Navitel G550 Moto wirkt nicht ganz so elegant wie das TomTom Rider 550, ist aber auch wasserfest und gegen Erschütterungen gedämpft. Der Touchscreen gibt bei Berührung mit dem Finger leicht nach.

Die Befestigung des Navitels im Gehäuse erweist sich als solide, zumal das Gerät mittels einer kleinen Schraube am Gehäuse fixiert werden kann. Die im Lieferumfang enthaltene Lenkerbefestigung verfügt nur über einen Kugelkopf, was die Variabilität der Einstellung einschränkt. Das Navitel G550 Moto lässt die Kartendarstellung nur im Querformat zu, ein Drehen in die Vertikale ist nicht möglich, was gerade bei dem großen Gehäuse unglücklich ist, da es – je nach Motorradmodell – einiges vom Cockpit verdeckt. Im Lieferumfang des G550 Moto inbegriffen ist auch eine Saugnapfhalterung für die Auto-Windschutzscheibe mit Ladekabel über den Zigarettenanzünder sowie ein USB-Kabel.

Das Navitel G550 Moto läuft auf Windows CE 6.0 und benutzt vorinstallierte Offline-Karten. Es deckt 46 Länder in Europa ab und bietet fünf Millionen POI wie Hotels, Tankstellen und Restaurants. Die Berechnung der Routen dauert beim Navitel im Vergleich zum TomTom etwas länger, ist aber immer noch ausreichend schnell. Das G550 Moto kann nicht auf Verkehrsinfos zurückgreifen, so dass Staus nicht berücksichtigt werden. Eine Routenberechnung kann sowohl über die Eingabe der Adresse als auch über die Auswahl eines Punktes auf der Karte gestartet werden. Etwas lästig ist, dass bei der Adresseingabe grundsätzlich auch das Land mit eingegeben werden muss. Das Gerät gibt automatisch drei verschiedene Streckenführungen aus, von denen die farblich stärker kontrastierte genommen wird, wenn der Fahrer nicht eine der beiden anderen antippt. Am G550 Moto kann auch eine Route manuell geplant werden, aber dafür muss etwas umständlich in fünf Schritten vorgegangen und dabei der GPS-Empfänger ausgeschaltet werden. Die Karten lassen sich von 2D auf 3D umschalten. Die Funktionen und Informationen auf dem Display sind eindeutig und übersichtlich dargestellt.

Das Navitel G550 Moto muss in ein Gehäuse eingeklinkt werden, um am Motorrad mitgeführt werden zu können. Das Navi hat 4,3-Zoll-Display mit einer Auflösung von 480 x 272 Pixel.

Die Routenführung erweist sich zwar als gut, doch es fällt auf, dass das Kartenmaterial veraltet ist, obwohl es sich um ein nagelneues Navitel G550 Moto handelt. So zeigt das Gerät in Ausnahmefällen für die gerade befahrene Straße eine falsche zulässige Höchstgeschwindigkeit an. Es ertönt – wenn man die Option eingeschaltet hat – ein akustisches Warnsignal, sobald man zu schnell fährt, doch bleibt es während des Test in einer Tempo-30-Zone aus und das Display zeigt auch als zulässige Höchstgeschwindigkeit 50 an, dabei ist die Tempo-30-Zone bereits vor rund zwei Jahren eingerichtet worden. Ähnliches passiert auf einigen Landstraßen und Autobahnabschnitten, bei denen vor geraumer Zeit die zulässige Höchstgeschwindigkeit geändert wurde. Einige Male befiehlt das Gerät auch abzubiegen, obwohl es nicht erlaubt ist, wie Verkehrsschilder eindeutig anzeigen. Das kann teuer werden. Für ein Kartenupdate muss man sich bei Navitel auf der Homepage anmelden, das Update erfolgt aber kostenlos.

Die Reaktionsgeschwindigkeit des GPS war im Test teilweise zu langsam. Die Distanz bis zum Abbiegen wurde einige Male zu weit angegeben. Erst als wir uns vor der betreffenden Straße befanden, sprang die Anzeige auf die korrekte Entfernung um – doch dann war es für das Abbiegen meist schon zu spät. Das Phänomen tritt zwar nur äußerst selten auf, doch ärgerlich ist es jedes Mal. Genauso wie es nicht möglich ist, an dem G550 Moto die Uhrzeit umzustellen. Oben rechts in der Ecke wird sie klein eingeblendet, doch sie geht stets exakt sieben Stunden und 54 Minuten vor. Laut Navitel sollte die Uhrzeit sich automatisch korrekt einstellen, sobald das Navitel eine Satellitenverbindung hat, doch das tat es bis zum Testende nicht.

Merkwürdigerweise gibt das G550 Moto nach Eingabe der Zieladresse im Display immer Geschäfte an, sofern sich dort welche befinden. Das mag mancher als zusätzlichen Service verstehen, andere irritiert es, wenn sie zum Friseursalon Gaby oder zu einer Fastfood-Filiale geführt werden. Karten-Updates gelangen nur per Kabel auf das Navi, WLAN fehlt. Immerhin können Richtungsansagen per Bluetooth auf ein Headset im Helm übertragen werden. Auch die Speicherung und das Abspielen von Musiktiteln ist möglich. Kleines Kuriosum am Rande: Im Lieferumfang des Navitels G550 Moto enthalten ist auch eine kleine Kunststoff-Pinzette über deren Sinn wir immer noch rätseln.

An die Ausstattung und Qualität des rundum gelungenen TomTom Rider 550 oder des Garmin Zumo XT kommt das günstige Navitel G550 Moto nicht heran. Es verfügt bei Weitem nicht über die Funktionsvielfalt und erlaubt sich Schwächen bei der Routenführung. Doch dank seines günstigen Preises ist es für alle Motorradfahrer mit schmalem Budget interessant.

Bei Garmin und TomTom merkt man aber, wofür man den Aufpreis zahlt: Komfort. Das schlägt sich nicht nur in der aktiven Navigation wieder, sondern vor allem bei der Routenplanung. Es ist einfach super, quasi auf Knopfdruck eine Tour erstellen zu können. Dazu kommt die Verbindung per WLAN. Die ist nicht nur zur Routenplanung, sondern auch zum Updaten des Kartenmaterials essenziell. Alte Karten machen einfach keinen Spaß.

Wer noch etwas mehr Geld für sein Motorrad-Navi ausgeben kann, sollte auch einen Blick auf das Garmin Zumo XT (Testbericht) werfen.

Einloggen, um Kommentare zu schreiben