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Mobile Klimaanlage: Günstig gegen teuer – lohnt der Aufpreis?

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Was muss eine gute Klimaanlage kosten? Wir haben uns die Monoblock-Klimageräte von Sichler für 350 Euro und Delonghi für 775 Euro angeschaut und zeigen, worauf es beim Kauf ankommt.

Monoblock-Klimageräte gehören zu den beliebtesten Möglichkeiten, eine Klimaanlage nachzurüsten. Das liegt vor allem an ihren flexiblen Einsatzmöglichkeiten und des vergleichsweise geringen Einstiegspreises. Sie sind meist etwa einen Meter hoch, um die 30 Kilogramm schwer und kommen auf Rollen.

Wir haben uns für diese Kaufberatung exemplarisch zwei Monoblock-Klimaanlagen angeschaut. Die Sichler Mobile Klimaanlage mit der Produktbezeichnung NC5655 verortet sich mit einem Kaufpreis von etwa 350 Euro in die Mittelklasse, die Delonghi Pinguino Pac EX100 Silent gehört mit einem Preis von etwa 775 Euro klar in die Oberklasse. Hier klären wir, ob sich dieser deutliche Aufpreis lohnt und worauf man beim Kauf einer Monoblock-Klimaanlage achten sollte.

Wer sich allgemein zu Klimalösungen informieren will, dem empfehlen wir unsere Klimaanlagen-Grundlagen: So viel kostet gute Raumkühlung.

Vielen dieser mobilen Klimaanlagen liegen neben dem Abluftschlauch und Aufsätzen eine ausziehbare Traverse bei. Diese dichtet jedoch vor allem bei in Deutschland seltenen Schiebefenstern gut ab. Soll der Schlauch etwa durch ein gekipptes Fenster die warme Luft ableiten, bietet sich eine Fensterabdichtung ab etwa 30 Euro an. Meist klebt der Käufer zur Installation einen Klettverschluss an den Fensterrahmen, an der die Polyester-Abdichtung hält. Ein Reißverschluss regelt die Lochgröße für den Abluftschlauch.

Ein Abluftschlauch sollte jeder Monoblock-Klimaanlage beiliegen.

Diese Abdichtung funktioniert allerdings in den seltensten Fällen perfekt, häufig dringt warme Luft von außen in den zu kühlenden Raum ein. Für eine professionellere Lösung sollte man ein für den Schlauch passendes Loch in Scheibe, Holzsockel der Balkontür oder der Wand bohren (lassen).

Wer dem ganzen noch einen darauf setzten, will, besorgt sich eine Monoblock-Klimaanlage mit Zu- und Abluftschlauch. Das erhöht die Effizienz deutlich, da ein Einschlauchsystem im Raum einen Unterdruck erzeugt und so stets ungewollt warme Luft von außen ansaugt. Dieses Video gibt eine Anleitung, wie man solche Einschlauchsysteme über einen angeklebten Karton mit Adapter und zusätzlichem Ansaugschlauch zu einem Zweischlauchsystem umbaut.

Monoblock-Klimaanlagen sind laut. Dabei sind die teureren zwar etwas ruhiger als die ganz billigen. Von einem leisen Betrieb kann jedoch nicht die Rede sein. Die teure Delonghi Pinguino Pac EX100 Silent trägt das englische Wort für leise sogar im Produktnamen und nervt dennoch selbst im Flüstermodus. Dabei ist der Ventilator zur Luftumwälzung vergleichsweise ruhig. Störend ist das brummende Geräusch des Klimakompressors, dem zentralen Element der Klimaanlage. Dieser verdichtet das Kältemittel im Kältekreislauf, was zu einem schleifenden Geräusch führt.

Ist der Delonghi Pinguino Pac EX100 Silent schon laut, setzt die Sichler Mobile Klimaanlage bezüglich ihrer Lautstärke einen drauf. Trotzdem ist der Unterschied nicht so immens, wie wir das vor dem Test aufgrund des großen Preisunterschieds befürchteten. Laut den Herstellern erzeugt die Delonghi einen Geräuschpegel von 64 Dezibel, die Sichler Mobile Klimaanlage 65 Dezibel. Beide Anlagen stören akustisch auf voller Stufe gewaltig. Fernsehen klappt nur noch mit einer lauten Soundbar (Kaufberatung), schlafen nur mit Stöpsel in den Ohren.

Schaltet man die Kühlfunktion ab und betreibt die Geräte nur als Lüfter, ist der Unterschied dann doch deutlich. Hier summt die Delonghi auf unterster Stufe gemütlich vor sich hin, während die Sichler auch da röhrt.

Die meisten Monoblock-Klimaanlagen bieten eine Kühlleistung von zwei bis drei Kilowatt. Für eine effiziente Kühlung ist aber auch das Luftverteilungssystem sehr wichtig. Gut sind Klimaanlagen mit einer automatisch wechselnden Kaltluftverteilung. Sowohl die Delonghi Pinguino Pac EX100 Silent als auch die Sichler Mobile Klimaanlage haben dafür über einen Motor nach oben und unten schwingende Lamellen. Dies sogt für eine deutlich ausgeglichenere Kälteverteilung im Raum. Die Hersteller geben bei ihren Geräten meist eine empfohlene Raumgröße in Kubikmeter an, die dann je nach Deckenhöhe in Quadratmeter umgerechnet werden kann.

Alle Klimaanlagen entfeuchten die Luft. Das kann in sonst eher feuchten Räumen ein gewünschter Effekt sein. Wer jedoch ohnehin mit zu trockenen Räumen kämpft, für den bietet sich vielleicht eher ein Verdunstungskühler an. Mehr zu den unterschiedlichen Methoden zur Raumkühlung in Klimaanlagen-Grundlagen: So viel kostet gute Raumkühlung.

Sichler Mobile Klimaanlage NC5655 (14 Bilder)

Ein wichtiger Faktor sollte beim Kauf der Energieumsatz sein. Für eine schnelle Einschätzung geben Hersteller dafür eine Energieeffizienzklasse an. Die Delonghi Pinguino Pac EX100 Silent bietet mit A++ eine Leistungsaufnahme von 0,7 Kilowatt pro Stunde, die Sichler NC5655 mit A eine Leistungsaufnahme von 1,1 Kilowatt pro Stunde. Geht man nun bei einem Strompreis von 29 Cent pro Kilowattstunde davon aus, dass ein Klimagerät im Jahr drei Monate lang für täglich acht Stunden läuft, verbraucht die Delonghi jährlich 140 Euro Stromkosten. Die Sichler kostet bei gleicher Nutzung jährlich 220 Euro. In diesem Nutzungsszenario würde sich also die Delonghi im Vergleich zur Sichler innerhalb einiger Jahre amortisieren. Nutzt man das Klimagerät deutlich weniger, lohnt sich der Aufpreis für eine höhere Energieeffizienzklasse aus Stromkostensicht nicht.

Delonghi Pinguino Pac EX100 Silent (17 Bilder)

Lohnt es sich nun, für die Delonghi Pinguino Pac EX100 Silent doppelt so viel Geld auszugeben wie für die Sichler NC5655? Das kommt darauf an. Das wohl größte Argument für die Delonghi ist ihr geringerer Stromverbrauch. Gerade, wer plant, die Monoblock-Klimaanlage mehrere Monate im Jahr regelmäßig einzusetzen, sollte auf eine hohe Energieeffizienz achten, sonst zahlt man nach wenigen Jahren Nutzung drauf.

Zwar ist die Delonghi der Sichler auch in allen anderen Punkten überlegen, der Abstand hält sich jedoch in Grenzen. So kühlt sie etwas besser, ist im Kühlbetrieb minimal leiser, punktet beim Design, kommt mit etwas mehr Zubehör und wirkt solider. Unserer Ansicht nach rechtfertigt das den deftigen Aufpreis nicht. Lange konnten wir die Geräte jedoch nicht testen. So kann es immer passieren, dass die günstigeren im Sichler eingebauten Teile eine kürzere Lebenserwartung haben als die mutmaßlich teureren im Delonghi.

Was uns bei beiden Geräten stört, ist die sehr tiefe Anbringung des Kondenswasserablaufstutzens. Hier ist es jeweils nicht möglich, etwa eine Schüssel unterzustellen. Der Sichler liegt dafür ein kurzer Schlauch bei, der Delonghi nicht.

Mobile Monoblock-Klimaanlagen bieten sich vor allen immer dann an, wenn eine günstige und flexible Lösung gewünscht ist. Jedoch sind sie den mittlerweile bezahlbaren Split-Klimaanlagen in fast allen Punkten unterlegen. Die darf man aber in vielen Wohnungen nicht einfach so anbringen lassen. Zumindest kühlen die Monoblock-Klimaanlagen besser als sehr günstige Verdunstungskühler – wenn man denn den Abluftschlauch gut abgedichtet nach außen führt. Auf die unterschiedlichen Lösungen gehen wir in unseren Beitrag Klimaanlagen-Grundlagen: So viel kostet gute Raumkühlung ein.

Erstaunt waren wir vom geringen Unterschied zwischen der 350-Euro-Anlage von Sichler und der knapp 800-Euro-Lösung von Delonghi. Zumindest in unserem Kurztest gibt es außer dem deutlich niedrigeren Stromverbrauch kaum zwingende Argumente für die teure Monoblock-Klimaanlage.

In warmen Räumen laufen auch Notebooks gerne mal heiß. Um das zu verhindern, empfehlen wir unseren Ratgeber Die besten Notebook-Lüfter ab 20 Euro: Fünf im Vergleichstest. Außerdem zeigen wir, wie man Terrasse und Balkon günstig per Sprühnebler kühlt.

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