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Minecraft RTX: So gut läuft es mit günstigen RTX-Karten

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Minecraft lernt Raytracing. Wir sehen uns die Beta an und zeigen, wie gute es mit den günstigsten RTX-Karten funktioniert.

Raytracing in Spielen ist eine ambivalente Technik. Auf Seitengeb der Industrie, etwa bei Entwicklern und vor allem bei Nvidia schwört man darauf. Raytracing soll die Zukunft der Spielegrafik sein - andere Firmen, allen voran AMD, lässt es aktuell noch kalt.

Mit Minecraft RTX ist jetzt ein neues, starkes Zugpferd für diese Technologie unterwegs. Und die ersten Bilder sehen einfach enorm schön und faszinierend aus. Wir haben die Beta von Minecraft RTX installiert, die günstigsten Grafikkarten eingebaut und schauen uns an, wie viel Geld man für schöne Klötzen mindestens hinlegen muss - und ob es sich lohnt.

Minecraft RTX verwandelt das Klötzchenspiel in eine richtige Augenweide.

Raytracing ist, stark vereinfacht gesagt, eine Technik, mit der Licht in virtuellen Umgebungen in Echtzeit basierend auf dem Blickwinkel des Betrachters berechnet werden kann. Statt fester Lichtquellen kann man mittels Raytracing die Strahlen von Lichtquellen, etwa Fackeln, Scheinwerfer oder der Sonne dynamisch von anderen Objekten reflektieren lassen. Vor allem die Effekte, wenn Licht auf andere Materialien trifft, sind damit digital umsetzbar. Anders gesagt: Raytracing lässt die digitalen Umgebungen dank korrekter Reflexionen realistischer erscheinen. Was das für einen Unterschied macht, zeigt die Unreal-Demo ganz gut:

Auf den ersten Blick denkt man, dass diese eine normale Filmszene mit Schauspielern ist. Tatsächlich wurde diese aber komplett in der Unreal Engine genaut. Raytracing ist in Filmen längst Standard und wird dort ausgiebig genutzt. Das liegt auch daran, dass es nur einen vordefinierten Blickwinkel gibt, entsprechend muss man die Lichtreflexionen nur von einem Punkt aus berechnen.

Bei Spielen ist das anders. Wahrscheinlich bewegt sich kaum ein Spieler identisch durch ein Level, selbst in einem Coop-Spiel stehen nie zwei Charaktere zur selben Zeit genau am gleichen Ort. Entsprechend kann man nur wenig Vorberechnungen anstellen. Stattdessen muss das Raytracing ständig in Echtzeit basierend auf dem Blickfeld des Spielers berechnet werden. Bewegt er sich minimal, muss neu berechnet werden. Das verlangt ordentlich Arbeit von der GPU. Raytracing lässt sich komplett per Software erledigen, dann muss die Grafikkarte aber ordentlich schwitzen. Die RTX-Grafikkarten gehen die Berechnungen in der Hardware an. Das ist aber keine Erfindung von Nvidia, im Gegenteil. Die notwendigen Grundlagen für Hardware-Raytracing hat Microsoft bereits in DirectX eingebaut und Spiele-Engines wie Unreal Engine oder Unity integrieren die notwendigen Vorgaben.

Sprich, Entwickler müssen sich nicht mehr selbst überlegen, wie Licht von einem Baum oder einem Stein reflektiert, sondern können dies der Engine überlassen. Damit könnte es 2020 so weit sein, dass Raytracing in den Mainstream Einzug hält. In vielen Titeln sorgt Raytracing bereits für subtil bessere Effekte: Battlefield V ist ebenso dabei wie Call of Duty: Modern Warfare, Metro: Exodus oder Doom: Eternal. Diese Spiele sind aber alle so schnell, dass man die Effekte höchstens aus dem Augenwinkel wahrnimmt. Und, seien wir ehrlich, wer BF V oder CoD im Multiplayer spielt, der opfert gerne Schönheit gegen FPS. Ein Highlight für dieses Jahr ist wahrscheinlich Cyberpunk 2077, das dank seiner riesigen Stadt und dem Rollenspiel-Gameplay ein Vorzeigespiel für RTX werden könnte. Doch wer die Unterschiede jetzt schon wirklich krass sehen möchte, der sollte die Minecraft RTX Beta spielen.

Der Slider zeigt eindrucksvoll, was möglich ist: Die beiden Screenshots entstanden im gleichen Spiele-Client, links ist RTX aktiviert. Dadurch kann die Lava in der Mitte den kompletten kleinen Raum mit einem sanften Licht ausleuchten. Rechts ist die gleiche Szene ohne Raytracing.

Minecraft RTX funktioniert nur mit der Bedrock-Version. Das ist die Variante, die aus der Pocket Edition hervorging und auf Konsolen und als Windows 10 App läuft. Die RTX-Funktionen sind derzeit nur in die Render Dragon genannte Grafikengine implementiert. Diese funktioniert zwar theoretisch auch in der Java-Version, wird dort aber derzeit noch nicht genutzt. Ob die Java Edition später ein Hardware-Raytracing bekommt, darauf will sich aktuell noch niemand festlegen.

Zurück zu Minecraft RTX. Um die Funktion zu aktivieren, muss man zunächst die Windows 10 App sowie den Xbox-Insider-Hub aus dem Microsoft Store installieren und sich dort jeweils mit seinem Xbox-Live-Account anmelden. Anschließend kann man sich im Xbox-Insider-Hub für die Beta anmelden, anschließend wird der Minecraft-Client mit der RTX-Variante überschrieben. Die zeigt den Weg im Detail:

Minecraft RTX: Beta beitreten (6 Bilder)

Der Weg zur Minecraft RTX Beta führ derzeit über die App für Windows 10 und den Xbox Insider Hub. Dazu benötigt man einen Account bei Xbox Live - wer sowieso schon ein Konto bei Hotmail oder für Windows 10 hat, kann dieses nutzen.

Der Beta-Status hat aber noch einige Einschränkungen. Die wichtigsten davon: Raytracing ist nicht in allen Welten verfügbar, sondern nur in sechs speziellen Demo-Welten. Diese sind kostenlos und wurden mit speziellen Gebäuden versehen, die RTX so richtig gut darstellen. Sie bieten enorm viel Raum zum Erkunden, zeitgleich kann man natürlich auch ganz normal darin im Überlebensmodus spielen. Wer mit anderen Nutzern spielen möchte, der muss diese ebenfalls in die Beta einladen. Weitere Einschränkungen erklärt die FAQ von Minecraft.

Minecraft RTX hat einen Preis. Wir meinen nicht die 30 Euro, die das Spiel kostet. Sondern man benötigt zwangsläufig eine RTX-Grafikkarte von Nvidia, um die Funktionen nutzen zu können. Die gute Nachricht: Es muss keine GPU für 1000 Euro sein, es geht auch billiger. Unterstützt wird die Grafikkartenfamilie ab der RTX 2060. Um zu testen, ob das Spaß macht, haben wir uns die KFA2 Geforce RTX 2060 [1-Click OC] sowie die Gigabyte RTX 2060 Super Gaming in die Redaktion kommen lassen. Die KFA2-Karte ist dabei eine der günstigsten RTX 2060-GPUs und war zum Testzeitpunkt für knapp 340 Euro zu bekommen. Die RTX 2060 Super von Gigabyte liegt bei rund 480 Euro.

Ein weiteres sehr gutes Beispiel: Links die normale Ansicht, ein recht trister Raum. Rechts, in der RTX-Variante werden im gleichen Raum aus den Wänden Spiegel, die das Licht in die Ewigkeit reflektieren.

Wir haben die Karten in zwei Szenarien genutzt: Zunächst, für reine Benchmarks, in der Welt „Neon City”. Diese ist besonders fordernd, da man hoch oben steht, einen weiten Blick auf eine futuristische Skyline hat. Das bedeutet viel Anforderung an die Rechenleistung. Entsprechend ging die RTX 2060 in die Knie, vor allem, wenn wir die Raytracing Distance in den Einstellungen auf mehr als 12 Chunks erhöhten. Ab da ging hatten wir statt der normalerweise um die 25 FPS nur noch um die 15 FPS. Zum Vergleich, ohne RTX schaffte die Karte in der Welt zwischen 47 und 60 FPS. Die deutlich teurere RTX 2060 Super kam auf leicht bessere Werte. Hier waren bis zu 30 FPS bei einer Raytracing-Distanz von acht Chunks drin, bei höheren Reichweiten ging aber auch hier die FPS-Zahl schnell unter 25.

Anders sieht es in der „echten” Welt aus. Dazu spielten wir die Welt Crystal Palace RTX, die am ehesten einer normalen Minecraft-Welt ähnelt. Hier hatten wir mit der RTX 2060 von KFA2 ständig stabile 29 bis 30 FPS im Raytracing-Modus. Ja, ohne Raytracing verdoppelt sich der Wert nahezu, dafür wird man einfach mit einer grandiosen Grafik belohnt.

Minecraft RTX: Eindrücke aus der Beta (10 Bilder)

Allein wegen der Sonnenauf- und -untergänge lohnt sich Minecraft RTX

Minecraft ist wahrscheinlich eins der besten Spiele, um so eine Funktion zu demonstrieren. Man hat Zeit, um sich umzusehen, es wird nur selten wirklich hektisch. Die neuen Lichteffekte gibt es dabei nicht nur für die speziellen Bausteine, sondern auch für alle eigenen Lichtquellen - egal ob Lampen, Lava oder Fackeln. Tatsächlich gewöhnt man sich sehr schnell an die neuen Features.

Reicht die RTX 2060 also? Für alle, die nicht nur jetzt, sondern später vor allem mit einer Auflösung von Full-HD spielen möchten, ja. Die Karte mag die kleinste der RTX-Familie sein, sie hat aber viel Leistung. Das sieht man sehr schön, wenn man sie einfach durch normale Benchmarks schickt. In der Tabelle zeigen wir die Werte des 3DMark für die RTX 2060 und die RTX 2060 Super. Dabei sieht man schön, wie viel Power in der Karte steckt - kein Wunder, immerhin kostet sie auch noch ordentlich Geld.

Benchmarks
3DMark RTX 2060 RTX 2060 Super
TimeSpy 6974 8122
TimeSpy Extreme 3229 3778
Port Royale Raytracing 4174 5161
Port Royale, FPS 19,33 23,9

Ein Hinweis: Aufgrund von Corona liefen die Benchmark noch nicht über unser Intel-Testsystem, auf dem wir normalerweise alle Grafikkarten testen. Das werden wir nachholen, dann sind die Karten auch zu anderen AMD- oder Nvidia-Karten vergleichbar.

Wer jetzt Lust auf einen PC bekommen hat, der RTX-tauglich ist und zugleich noch mit VR und anderen Anforderungen klarkommt, für den haben wir einen Bauvorschlag zusammengestellt, der, ohne Monitor und Windows-Lizenz, knapp 690 Euro kostet. Dabei orientieren wir uns an unserem Vorschlag für einen VR-PC auf AMD-Basis (Ratgeber), tatsächlich nutzten wir diesen auch für den Praxistest von Minecraft RTX. Vorweg: Wer einfach nur aufrüsten will, wahrscheinlich reicht eine RTX 2060 sowie eventuell ein stärkeres PC-Netzteil. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man mindestens 500 Watt haben, dann hat man auch noch etwas Luft.

Bei der CPU verwenden wir einen AMD Ryzen 5 2600, die CPU ist im Verhältnis ihrer Leistung zum Preis noch immer exzellent. Eine interessante Alternative ist der neue Ryzen 3 1200, Typ YD1200BBAFBOX. Dabei handelt es sich um ein Refresh des Ryzen 3 1200, der in der 12-nm-Technik produziert wird und knapp 55 Euro UVP kostet (heise online: AMD verbessert seinen günstigsten Vierkern-Prozessor für 55 Euro). Die CPU kommt ohne integrierte Grafik und erfüllt so gerade die unterste Grenze, wenn es um Systemanforderungen, etwa bei VR geht. Minecraft RTX sollte damit auch laufen.

Zu beiden CPUs passt ein AM4-Mainboard mit B450-Chipsatz. Dabei gibt es bereits recht günstige Geräte, wir raten aber inzwischen zu Boards mit M.2-Schnittstelle. Die NVMe-Speicher, die man dort einsetzen kann, sind nicht nur extrem schnell, sondern fallen auch im Preis (Themenwelt NVMe). Für den Anfang tut es aber eine SATA-6-SSD fürs Betriebssystem sowie vielleicht eine klassische HDD als Datenlager. Beim RAM würden wir mindestens einen Riegel mit 8 GByte Kapazität empfehlen, im Test zeigt sich, dass die meisten Spiele von 16 GByte profitieren.

Bleiben Gehäuse und Tastatur, hier kann man das günstigste Set nehmen oder man investiert mehr - je nach Geschmack. Wer keinen passenden Monitor hat, der kann das System problemlos an einem Full-HD-TV betreiben. Beim Thema Windows wird es etwas komplizierter. Offiziell kostet die Lizenz für Windows 10 Home (die man für DirectX 12 benötigt) über 80 Euro. Es gibt sie aber deutlich günstiger, viele Schüler oder Studenten können sie über ihre Lehranstalten komplett umsonst bekommen. Mehr Informationen dazu liefert der c’t-Artikel Wollen Sie ein W kaufen? - wir lassen die Kosten in der aktuellen Berechnung draußen.

Alles in allem kommen wir bei den jeweils günstigsten Tagespreisen zum Redaktionsschluss (23.04.2020) für das komplette System auf knapp 690 Euro, unter 650 Euro, wenn man auf die neue Ryzen 3 1200 wartet. Dafür hat man dann aber ein Gaming-System, das die nächsten Jahre im Full-HD-Bereich noch ordentlich mithalten dürfte - VR ist ebenso möglich.

RTX ist eine Technologie, die größtenteils unter „nett, aber nicht wichtig” läuft. Das stimmt auch, natürlich muss niemand damit zocken, auch ohne Raytracing gibt es wunderschöne virtuelle Welten und tolle Spiele. In den meisten Fällen machte Raytracing eine gute Welt fast schon unterbewusst ein wenig besser. Bei Minecraft RTX ist das komplett anders. Mit RTX fühlt es sich an, als würde man eine Remastered-Version spielen, die einfach in allen Punkten hübscher ist. Allein die Sonnenauf- oder -untergänge sind der Wahnsinn. Wenn dann noch das Licht durch die Bäume scheint und man einzelne „God-Rays” sehen kann, unglaublich. Ebenfalls wunderschön sind plötzlich Lavahöhlen. Wo man vorher nur etwas Geblubber hörte, sieht man nun einen leichten orangen Schein durch die Dunkelheit.

Es wird höchste Zeit, dass Microsoft diese Features in den normalen Client und alle selbst erstellten Welten übernimmt. Und es sollte unbedingt Einzug in den Java-Client halten. Ja, auch hier gibt es bereits gute Ansätze, die Raytracing nur per Software machen, aber wenn man schon die Hardware-Power einer GPU dafür nutzen kann, dann sollte man dies auch tun. Vor allem, da offenbar AMD ebenfalls langsam ein Interesse an Hardware-Raytracing gefunden hat. Zumindest wenn man der ersten Technik-Demo seit 2013 glauben darf. Mehr dazu bei den Kollegen von heise online (Radeon-GPU: AMD zeigt Raytracing-Echtzeitdemo mit DirectX 12 Ultimate). Zum Glück ist Raytracing in der Hardware keine proprietäre Technik, sondern Teil von DirectX 12. Damit kann sich kein Hersteller fest darauf setzen, sondern es steht dem offen, der die besseren Chips dafür baut. Wir sind auf alle Fälle gespannt, was das für die Spiele (und den Preis der GPUs) bedeutet.

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